Lohntransparenzgesetz: 85 Prozent der Unternehmen erwarten Anfragen

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Auskunftspflicht zum Gehalt: 85 Prozent der Unternehmen erwarten Anfragen

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Wer das Entgelttransparenzgesetz nutzt, könnte eine böse Überraschung erleben.

von Nora Schareika

Die meisten Unternehmen wollten das Entgelttransparentgesetz nicht. Jetzt ist es da und eine Studie zeigt: Eine Mehrheit rechnet damit, dass Mitarbeiter nachfragen werden, was ihre Kollegen verdienen.

Eine Mehrheit der Unternehmen in Deutschland rechnet offenbar damit, dass ihre Mitarbeiter das seit dem 6. Januar geltende Entgelttransparenzgesetz nutzen werden. Das legt eine Kienbaum-Studie nahe, für die im vergangenen Monat 104 Unternehmen online befragt wurden. 85 Prozent der Unternehmen gehen demnach davon aus, dass Anfragen gestellt werden.

Dabei sahen gleichzeitig 67 Prozent der teilnehmenden Firmen zum Zeitpunkt der Studie noch gar keine Anzeichen dafür. 23 Prozent gaben an, dass der jeweilige Betriebsrat bereits Andeutungen gemacht habe. In acht Prozent der Unternehmen hatten Mitarbeiter angekündigt, von ihrem Auskunftsrecht Gebraucht zu machen. Lediglich zwei Prozent der Unternehmen gaben an, selbst proaktiv an das Thema herangehen und die Belegschaft über ihre Ansprüche in Kenntnis setzen zu wollen.

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Die Erwartung von Auskunftsanfragen korreliert indes nicht mit dem Grad der Vorbereitung. 71 Prozent der Unternehmen sind nach eigener Aussage jedoch vorbereitet. Von diesen berichteten im Dezember jedoch 57 Prozent, noch keine Anzeichen für die Nutzung des Gesetzes zu sehen. Für die Vorbereitung wendeten die Unternehmen im Schnitt 15 Personentage auf.

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Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen (29 Prozent) sieht keinen Bedarf, sich auf das Entgelttransparentgesetz vorzubereiten. Sie rechnen dennoch mit ein bis zwei Anfragen pro Quartal. Diese Unternehmen haben im Schnitt 1330 Mitarbeiter. Auffällig ist, dass eher große Unternehmen sich auf das Gesetz vorbereiten. Sie haben im Schnitt 5400 Mitarbeiter.

Die Hälfte der Arbeitgeber will sich selbst um das Verfahren zum individuellen Auskunftsanspruch kümmern (49 Prozent), weitere 37 Prozent haben dies vor. Die Alternative dazu ist, den Betriebsrat das Verfahren durchführen zu lassen.

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Vollständig durchdrungen haben dem Studienergebnis nach noch nicht alle Unternehmen das Gesetz. Ein Fünftel gab an, die Pflichten und Anforderungen noch nicht umfassend identifiziert zu haben. 28 Prozent gaben an, nicht genau zu wissen, wie sie beim Auskunftsersuchen einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters die richtige Vergleichstätigkeit ausfindig machen sollen.

Das Gesetz soll es Arbeitnehmern ermöglichen, Auskunft über das durchschnittliche Bruttogehalt des jeweils anderen Geschlechts zu erhalten. Dabei muss zum Vergleich das Gehalt eines Kollegen mit vergleichbarer Tätigkeit herangezogen werden, wobei dieser Kollege anonym bleibt. Das Entgelttransparenzgesetz war im vergangenen Jahr vom Bundestag verabschiedet worden. Urheberin ist die damalige Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig von der SPD.

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