Berühmte letzte Worte: Anleitung zu konstruktiver Unzufriedenheit

ThemaManagement

kolumneBerühmte letzte Worte: Anleitung zu konstruktiver Unzufriedenheit

Bild vergrößern

An Dieter Zetsche und Angela Merkel wird sich niemand erinnern, meint unser Kolumnist. Man erinnert sich an den Erfinder, nicht an die, die Erfindungen weiterentwickeln

Eine Kultur der Zufriedenheit lähmt Wirtschaft, Gesellschaft, jeden Einzelnen. Es wird Zeit für konstruktive Unzufriedenheit, fordert unser Kolumnist, Leadership-Berater Ralf Schwartz.

Kennen Sie das? 'Wir sind zufrieden' sagt der Manager, das Unternehmen, sagen die Mitarbeiter, sagt das ganze Land. Ich kann es nicht mehr hören. Zufriedenheit ist Langeweile pur. Ein Leben ohne Herausforderungen:

I. Wer zufrieden ist, ist tot.

Zufriedenheit ist das Eingeständnis, es einfach nicht besser zu kennen. Nicht besser zu können. Nicht besser zu wollen.
In einer Kultur der Zufriedenheit gerinnt der Erfolg von gestern zu den Strukturhemmnissen von Morgen.
Warum sollte man sich noch Mühe geben? Es läuft doch. Man ist zufrieden: man hat sozusagen seinen Frieden mit der Situation gemacht.
Schlimmer noch: man ist immer öfter mit immer weniger zufrieden. Man wird bequem, gar lethargisch. Man gibt sich immer weniger Mühe. Man strebt immer weniger nach wahrem Nutzen, geschweige Innovation oder gar Disruption.
Wie sonst ist zu erklären, dass die Vorstandsmillionäre unserer Autogiganten seit mehr als 100 Jahren ungestört am Verbrennungsmotor herumoptimieren? Oder immer noch 60gr Zucker in einem Campina-Trinkjoghurt stecken? Oder die größten Kosmetikhersteller gesundheitsgefährdende Produktpaletten vertreiben?
Man entwickelt gar Strategien, sich selbst zu exkulpieren: inzwischen glauben alle, die Märkte seien gesättigt - und die Situation alternativlos.
Stellen Sie sich die Chefin vor, die weiß, dass ihre Kunden und Mitarbeiter zufrieden sind. Warum sollte sie irgendetwas zum Besseren zu wenden, gar Visionen entwickeln oder Zukunft schaffen? Zeitverschwendung.
Sie muss allein dafür sorgen, dass jeder meint, alles bleibt, wie es ist.
Dabei setzt an jeder Ecke der Verfall ein. Schleichend sinken die eigenen Standards, so man sie hatte, die eigenen Maßstäbe, die eigenen Werte. Man wird Durchschnitt, und der sinkt zu allem Überfluss kontinuierlich.
Zufriedenheit ist vergangenheits-, status- und sicherheits-orientiert. Zufriedenheit ist kontraproduktiv, ist Kompromiss, ist Kapitulation.

II. Anleitung zu konstruktiver Unzufriedenheit

Nein, statt zufrieden zu sein, sollte man vor Unzufriedenheit brennen.
Statt Zufriedenheit müssen Neugier, Forscherdrang, Vielfalt, Kreativität, das Entdecken neuer Horizonte, das Hinausschieben der Grenzen an der Tagesordnung sein.
Wir brauchen Zukunfts-Orientierung, Zukunfts-Fähigkeit. Bei den kleinsten Aufgaben des Tagesgeschäftes und den größten Visionen.
Wir müssen heute beginnen, die Kathedralen unserer Zukunft zu errichten, statt in denen unserer Vergangenheit die Brosamen aufzuklauben.

Anzeige
Anzeige

3 Kommentare zu Berühmte letzte Worte: Anleitung zu konstruktiver Unzufriedenheit

  • Klingt ja alles gut und schön; doch leider gibt es genügend externe Einflüsse, wie z.B. mangelnde Mittel, Sparzwänge und Überregulierung, die die eigenen Möglichkeiten schnell im Keim ersticken. In dieser Gesellschaft ist man Getriebener. Für Kreativität und Freigeist ist kein Platz mehr da.

  • Da muss ich widersprechen. Legen Sie sich ein weisses Blatt Papier auf Ihren Schreibtisch und notieren Sie mal all die guten Ideen eines einzigen Tages. Sie werden überrascht sein.

    Oder gehen Sie alle 6-8 Wochen am Wochenende ins Office und stellen Sie Ihre Aufgaben, Abläufe und Ziele infrage. Sie werden ebenso überrascht sein.
    (Wenn meine Agentur, als ich damals bei GSK arbeitete, dann montags meine 6-seitigen Faxe fand, wusste sie: Oh Gott, ralf war am Wochenende wieder ein paar Stunden kreativ und frei!)

    Potential zur Veränderung ist in der kleinsten Hütte. Just do it!

  • Wenn für Kreativität und Freigeist da, wo Sie arbeiten, kein Platz mehr ist - vielleicht wären Sie dann anderswo besser aufgehoben. Denn da, wo Sie jetzt sind, gibt's keine Zukunft.

Alle Kommentare lesen
Jobletter:Der exklusive Jobservice für Juristen
Jobletter-Bild

Der WirtschaftsWoche-Jobletter schickt Ihnen wöchentlich alle Stellenangebote zu, die Ihrem Profil entsprechen. Mehr...

STELLENMARKT


Mit dem Jobturbo durchsuchen Sie mehr als 215.000 Stellenanzeigen  in 36 deutschen Stellenbörsen.
Diese Jobs suchen die wiwo-Leser:
1. Ingenieur   6. Bauingenieur
2. Geschäftsführer   7. Marketing
3. Financial Analyst   8. Jurist
4. Controller   9. Volkswirt
5. Steuerberater   10. Designer
My Best Company:Den passenden Arbeitgeber finden

Werden Sie initiativ! Hier finden Sie die Firmen, bei denen Sie sich initiativ bewerben können. Mehr...

Siedler Online
Anno Online
Eine neue Welt: Länder entdecken, Grenzen erweitern, Wirtschaft optimieren.

Testen Sie jetzt Ihr Handelsgeschick in der Welt von Anno Online.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%