Berühmte letzte Worte: Gute Vorsätze sind schlechte Strategien

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kolumneBerühmte letzte Worte: Gute Vorsätze sind schlechte Strategien

Kolumne von Ralf Schwartz

Einmal im Jahr dreistündige Strategie-Breakout-Sessions? Dann denken Sie wohl auch erst Silvester um 5 vor 12 über Ihre 'Guten Vorsätze' für das nächste Jahr nach?

Sie kennen das: Jedes Jahr um dieselbe Zeit muss man sich wieder mit der Zukunft beschäftigen. Muss darüber nachdenken, was falsch gelaufen ist, was man besser machen könnte, wie man mit innovativen Versprechungen noch beliebter wird. Wie man das 'Neue Jahr' mit noch besseren 'Guten Vorsätzen' für sich gewinnen kann.

Ist Ihnen aufgefallen, dass diese 'Guten Vorsätze' realiter die bloße Akkumulation unserer Versäumnisse des letzten Jahres sind? All das, zu dem wir im Tagesgeschäft des Lebens nicht kamen? All das, was wir nur allzu gerne nach vorne, in die Zukunft prokrastinierten? Was wir nicht umzusetzen wagten, weil wir daran über uns hinaus hätten wachsen müssen? Was wiederum Wandel, Entwicklung, Fortschritt zum Besseren für unser Leben bedeutet hätte!?

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Genauso gehen wir mit der Unternehmens- oder Markenstrategie um. Wir schieben sie vor uns her, verbannen sie in Powerpoint-Charts, Meetingräume, Aufzüge. Nah genug, sie ab und an zu erinnern, zu fern, sie zu leben. Weit, weit weg von unserem tagesgeschäftlichen Handeln.

Ziele 2014 So schaffen Sie, was Sie sich vorgenommen haben

Haben Sie zum Jahreswechsel neue Vorsätze gefasst? Und zugleich festgestellt, dass Sie viele alte versäumt haben? Das muss nicht sein. So schaffen Sie 2014, was Sie sich vornehmen.

Quelle: imago/imagebroker

Die Strategie-Entwicklung selbst wird gar begraben unter Traditionen, an geheimen Orten, in besonderen Zirkeln der Macht und Überheblichkeit. Strategie-Meetings ohne Beteiligung der Besten.

Jedes Jahr ein neues Strategie-Ritual? Kurz in einer Break-Out-Session die nächste Innovation brainstormen? Jedes Jahr bessere 'Gute Vorsätze'? Mit jedem neuen CEO ein Strategiewechsel? Mit jedem neuen Flop eine 'bessere' Strategie? Was macht das für einen Sinn? Eindrucksvoller kann man Mitarbeiter und Kunden nicht verunsichern oder gar verschrecken.

Strategie ist, was wir jährlich via Powerpoint an die Konfi-Wand werfen. Kultur ist, was wir tagtäglich leben.

Führung muss sicherstellen, dass die Kultur des Unternehmens, sein Humus, intuitiv, visionär, strategisch, kreativ, innovativ wird.

Führung muss vorbildlich vorangehen und die Kultur vorleben, die sie sich für jeden Menschen im Unternehmen wünscht, vom Vorstand bis zum Hausmeister. Jeden Tag.

Denn wie will man eine Strategie überzeugend leben, die nicht auf der Kultur basiert? Sich tagtäglich verstellen? Kontra-intuitiv vor sich hin arbeiten? Das ist äußerst kontra-produktiv.

Heute ist strategisches Denken jeden Tag von neuem angesagt. Immer, jede Sekunde, sollte man über den Tag hinaus denken. Wie sonst soll man die Zukunft vorwegnehmen? Wie sonst will man verhindern, sich im Hin und Her seiner eigenen Trippelschrittchen zu verzetteln?

Gute Vorsätze nicht erst um 5 vor 12

Mit der richtigen Kultur fließt sozusagen die Strategie durch alle Adern, ist fest in der DNA verankert, wird intuitiv, nicht reaktiv, gedacht und gehandelt.

Mit der richtigen Kultur muss man sich nicht zu jedem noch so nichtigen Anlass eine neue Strategie ausdenken.

Hätten zum Beispiel Parteien eine überzeugende, gelebte Kultur, müssten sie nicht hektisch in den letzten drei Wochen einer vierjährigen Legislaturperiode Wahlkampf machen.

Man würde einfach jeden Tag merken, wofür die Partei steht, was ihre Prioritäten und Werte sind, wofür sie sich starkmacht. Was sie atmet und lebt.

Hätte zum Beispiel Daimler keine Profitmaximierungsstrategie, sondern eine Mobilitätskultur in den Genen, könnte ich den Düsseldorfer Car2Go-Smart in Köln, et al. abgeben.

Hätte Daimler keine e-Auto-Strategie (oder was sie dafür halten) , sondern eine konzernweite e-Kultur, gäbe es bei Car2Go ausschließlich elektrische Smarts.

Schlimmer noch: es muss doch fast Strategie sein, eben keine e-Smarts bei Car2Go anzubieten, oder!?

Zukunftsbranchen Hier haben deutsche Unternehmen die Nase vorn

Energiespeicher mit Methangas, 3-D-Drucker, Medizintechnik: In welchen Wachstumsbranchen deutsche Unternehmen an vorderster Front stehen – und wo sie dringend loslegen müssten.

Medizintechnik, Energiespeicher, Brennstoffzellen - in welchen Zukunftstechniken die Deutschen voraus sind - und wo nicht. Quelle: dpa

Hätte die Telekom zum Beispiel keine Entertain-Strategie (siehe oben) sondern würde Film und Kino in ihrer DNA spüren, hätte sie vielleicht exklusive Output-Deals mit Hollywood, böte all die phantastischen amerikanischen und englischen Serien der letzten Jahre exklusiv an.

Hätte zum Beispiel Herr Grube als Bahn-Vorstand nicht eine Weltmarktführer-Strategie, sondern machte die Zufriedenheit seiner Kunden zum Nukleus seines Handelns, würde er nicht Herrn Pofalla jährlich anderthalb Millionen Euro hinterherwerfen wollen.

Kultur ist gelebtes und relevantes strategisches Denken, distinktives Denken, gelebte 'Gute Vorsätze'. Jeden Tag. Nicht erst am Silvesterabend um 5vor12.

Das war schon immer so. Das hat nur keiner gemerkt. Die Besten leben Kultur einfach, ohne großes Aufhebens. Der Durchschnitt lebt lieber nach der strengen (Strategie-)Lehre der letzten 60 Jahre. Liest die gleichen Bücher, studiert den gleichen Mist, macht den gleichen Murks. Theoretisiert, aber lebt nicht.

Apple ist Kultur, bis in die Fingerspitzen.

Microsoft ist eine Strategie nach der anderen.

Kultur ist, was die Besten auf ein Fingerschnipsen unbewusst und reflexartig reproduzieren, individualisieren, innovieren. Kultur ist Bauch, ist Intuition, ist Empathie. Ist Praxis. Kultur ist, was uns verbindet. Was uns gemeinsam stärker und zukunftsfähig macht. Kultur ist die neue Strategie.

Think about it, my dear CEOs.

Dem Autor auf Twitter folgen: @leadculture

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