Berühmte letzte Worte: Krebs! Wenn Manager zu Memmen werden

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Die Initiative krebsuzette will die alltägliche Ignoranz gegenüber Krebs abbauen

Kolumne von Ralf Schwartz

"Die Prognose der Ärzte nach der Diagnose Lymphdrüsenkrebs war eher düster. Trotzdem überlebte unser Kolumnist seinen Krebs. Im Zuge seiner Therapie validierte er seine markigen Sprüche, mit denen er seit Jahren Geschäfte machte. Was das alles mit seiner Initiative " krebsuzette " und mit Ihnen zu tun hat."

Es ist Zeit, über die Hintergründe meiner Kolumne "Berühmte letzte Worte" zu sprechen: über meinen Krebs und was dies alles für Sie bedeutet.

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Im Februar 2013 erhielt ich nach knapp dreimonatiger Diagnostik das finale Ergebnis der Uniklinik Düsseldorf: Lymphdrüsenkrebs, Stadium IV, Überlebenswahrscheinlichkeit 30 Prozent. Lebenserwartung: fünf bis sechs Monate - abzüglich der obigen drei. Das würde eng. Das konnte man nur noch sportlich nehmen.

Jetzt blieben mir allein die Erfahrungen meiner 50 Alters-, 25 Berufs-, zehn Geschäftsführungsjahre, meine Intuition und Imagination. Sowie die Essenz all dessen: meine klugen Sprüche - genauer: meine Leadership Rules, mit denen ich seit 2005 offiziell Manager und Marken 'über sich hinauswachsen' ließ.

Sie kennen das vielleicht nicht, aber vorstellen können Sie sich es vielleicht: Mit nichts außer klugen Sprüchen stand ich vor einer komplett neuen Herausforderung (Krebs). In einer komplett unbekannten Umgebung (Krebsstation). Vor einem komplett unbekannten Team (ÄrztInnen und PflegerInnen). Mit brutalst eindeutigem Szenario: auf Anhieb alles richtig machen und überleben - oder eben nicht. Innerhalb kürzester Zeit.

Leadership par excellence. Und Lackmus-Test meiner alten These, dass Leadership zuallererst Life Leadership ist, dass es ohne Meisterschaft im eigenen Leben keine Meisterschaft im Management geben kann.

Krebs Kanadische Forscher stoppen Metastasen

Rasant kann sich der Krebs ausbreiten. Bisher schien es unmöglich die Krankheit aufzuhalten, wenn die Therapien nicht anschlugen. Nun ist Wissenschaftlern ein Meilenstein in der Krebsforschung gelungen.

Darmkrebszellen, denen von Wissenschaftlern genetisch veränderte E. coli Bakterien injiziert wurden Quelle: dpa

Die Krebsstation ist ein düsterer Ort, das wusste schon Gottfried Benn. Seltsamerweise, denn in der Kirche frohlockt jeder, seinem Gott ein wenig näher zu sein.

Zum Glück hatte ich sehr früh ein Gespräch mit meinem Oberarzt, der mich überzeugte, dass Menschen wie ich, positiv und konstruktiv, konzentriert und engagiert, eher überlebten und schneller gesund würden. Er wollte diesen Zusammenhang irgendwann via Studie validieren. Auch der Klinikdirektor, sich nach wenigen Worten einen Stuhl heranziehend, eine knappe Stunde mit mir diskutierend, mochte meine am eigenen Leib gewonnenen, am eigenen Schicksal erhärteten Erkenntnisse.

Währenddessen wurden wir Krebspatienten immer mehr zu Borg. Implantierte Metallschläuche führten von Hals oder Brust zum Herzen, um die Chemos minimalinvasiv zu applizieren. Zu Hochzeiten hingen wir an vier Maschinchen, die Gift und Gegengifte minutengenau in unsere Körper pumpten. Alles surrte, blinkte, ratterte. Zum Bade liefen wir wie C-3PO, einen kaputten R2-D2 an Strippen hinter uns her ziehend.

Darüber hinaus blieb uns wenig mehr zum Schlendern als das eigene Hirn, die eigenen Träume und Horizonte, Mittel und Wege. Wohl dem, der sich solche(s) bewahrt hatte über sein Arbeitsleben hinweg.

Ich zum Beispiel trug meine Vision, mein 2005er Manifesto in mir. "Suche nicht nach Ablenkungen, finde Lösungen" hielt mich fern von meinem Job, von TV, Zeitung und Buch. Das Credo ließ mich stattdessen den Krebs als das Wesentliche fokussieren, mein Immunsystem pflegen, meine Fitness trainieren. Während Manager - wie ein Arzt erzählte - fast wie die Fliegen starben. Weil sie unbeeindruckt weiterarbeiteten. Wahre Männer eben. Die wohl meinten, unersetzlich zu sein. Memmen! Wahre Führungspersönlichkeiten wüssten ihre Prioritäten klüger zu setzen. Dem Krebse selbst kann nichts Besseres passieren, als dass wir ihn ignorieren.

Meine Platin-Chemo verlieh jedem Amuse Gueule der Klinikküche diesen stark metallischen Geschmack zwischen Cola-Dose und Scaramangas goldenem Colt, der den meisten wochenlang jeden Appetit raubte.

Manch einer erhielt Morphium rund um die Uhr als seine Mundschleimhäute Opfer des Platinums wurden.

 

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4 Kommentare zu Berühmte letzte Worte: Krebs! Wenn Manager zu Memmen werden

  • Enttäuschender Artikel.
    Ich war in einer ähnlichen Situation (furchtbare Diagnose, aber ich lebe noch und wieder ganz gut).
    Klar, die Welt um einen herum ist plötzlich weit weg und man ist mit sich und seinem defekten Körper allein. Aber was hat er denn dann gedacht? Auf jeden Fall so weiter machen wie bisher! Man kann ja so viel managen. Ja und was hinterlassen. Irgendwas.
    Die Krankheit gibt einem doch die Chance, zu begreifen, dass man nichts von Dauer hinterlassen kann. Vielleicht ist ein Rest-Zeitraum von 3-6 Monaten aber auch einfach zu kurz, um was Entscheidendes in der Beziehung zu seiner Familie, Freunden und Kollegen ernsthaft zu ändern und auch umzusetzen.
    Da bleibt eigentlich nur noch die Haltung, wie man sein Schicksal trägt. Trotzdem: viel Glück.

  • Es geht nicht ums Managen. Es geht ums leben (kleingeschrieben). Es geht darum, früh eine Lebensphilosophie zu haben, die und mit der man solche Schicksalsschläge gut übersteht.
    Es geht genau darum, eben genau nicht weiterzumanagen, sondern sich auf die neue Situation zu konzentrieren, sich darauf einzulassen, vom Krebs zu lernen, Konsequenzen zu ziehen.
    Aber das steht ja so auch alles im Text, liebe/r REF. Danke.
    Warum '3-6 Monate'? Die habe ich doch mit Chemo/Bestrahlung/Transplantation schön ausgedehnt.
    Warum 'trotzdem'?

  • Wenn ich den Artikel - nach Ihrer Antwort - noch einmal lese, kommt er mir anders vor; sie haben Recht, es geht Ihnen nicht ums Managen. Vermutlich haben mich Sätze wie "Leadership par excellence ..." in die falsche Richtung gelenkt. Und das 'krebsuzette' kommt mir persönlich zu macherisch vor. Aber das ist sicherlich Geschmacksache.
    Ad "3-6 Monate": nach Ihrer ersten Diagnose / Prognose (wie Sie beschreiben).
    Ich selbst hatte keine klare Prognose, aber es war klar, dass die Zeit vielleicht zu kurz sein könnte, Entscheidendes im Verhältnis zu meiner Familie bzw. Freunden zu ändern; gar irgendwelche 'Fehler rückgängig' machen zu können. Da muss man sich auf das machbare konzentrieren.
    Ad "Trotzdem": trotz meiner vorangestellten kritischen Anmerkungen.

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