Betriebsprüfung: Erfolgreich den Aufstand proben

Betriebsprüfung: Erfolgreich den Aufstand proben

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Schwarze Schafe unter den Gastronomen verschweigen einen Teil ihrer Umsätze und streichen das Geld steuerfrei ein. Betriebsprüfer achten deshalb genau darauf, ob die laut Buchführung eingekaufte Menge zu den offiziellen Verkaufszahlen passt. Dabei arbeiten sie aber bisweilen mit fragwürdigen Annahmen. So gingen sie im Fall des Wirts Gerhard Kaltscheuer davon aus, dass seine Schnitzel nur 165 und nicht 200 Gramm wiegen – und unterstellten hohe Schwarzverkäufe.

von Daniel Schönwitz

Unternehmer sollen oft horrende Summen nachzahlen. Doch vor Gericht stellt sich immer wieder heraus, dass Finanzbeamte mit fragwürdigen Annahmen und umstrittenen Berechnungsmethoden gearbeitet haben. Wie Sie sich gegen die Willkür des Finanzamts schützen können.

Currywurst, Pommes mit Ketchup und Schnitzel Hawaii: Lange hatte Gerhard Kaltscheuer von einem eigenen Imbiss geträumt. Direkt nach der Wende ging sein Traum dann endlich in Erfüllung: Zusammen mit seiner Lebensgefährtin eröffnete er in dem Örtchen Hammerbrücke in der Nähe von Chemnitz die „Futterstube“: rustikale Einrichtung, rustikale Karte, rustikale Gäste – meist Bauarbeiter oder Handwerker, die nach Aussage von Kaltscheuer meist ordentlich Kohldampf hatten. „Im Schnitt 200 Gramm“ brächten seine Schnitzel auf die Waage, so der Wirt; mit Panade, Ananas oder Käsescheiben könnten es auch schon mal 230 Gramm sein.

Steuernachzahlung wegen 35 Gramm Fleisch

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Eine unwichtige Kleinigkeit? Mitnichten. Denn genau wegen dieses Unterschieds hat Kaltscheuer nun Ärger mit dem Finanzamt: 38.000 Euro Steuern soll er nachzahlen. Der Vorwurf: Der Imbissbudenbesitzer habe etliche Schnitzel schwarz verkauft und das Geld am Finanzamt vorbei kassiert. Das Amt ging nämlich nicht von einem Durchschnittsgewicht von 200 Gramm pro Schnitzel aus, sondern lediglich von 165 Gramm. Damit ergäben sich bei der von Kaltscheuer laut eigener Buchführung eingekauften Fleischmenge jedoch deutlich mehr verkaufte Portionen als vom Wirt der „Futterstube“ offiziell angegeben.

Willkürliche Berechnungen, dachte sich Kaltscheuer – und entschloss sich deshalb dazu, seine Situation öffentlich zu machen. Mit erheblicher Resonanz. Damit schaffte er es kurz vor Weihnachten sogar bis in den ZDF-Jahresrückblick „Menschen 2011“. Dort befragte ihn der Moderator Hape Kerkeling ausführlich zu seinem skurrilen Steuerstreit. Kaltscheuer steht mit seinem Zwist nicht allein: Zahlreiche Mittelständler haben ähnliche Erfahrungen gemacht wie der 50-Jährige. Immer wieder zweifeln Betriebsprüfer die Rechtmäßigkeit der Buchführung in kleinen Unternehmen an und berufen sich dabei auf eigene Kalkulationen. „Inzwischen haben sich bei mir Dutzende Selbstständige gemeldet“, bestätigt Kaltscheuer.

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