Bundeswehr: Was Manager von Offizieren lernen können

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Bundeswehr: Was Manager von Offizieren lernen können

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.Björn Gornik war 14 Jahre bei der Bundeswehr. Sein Einsatz in Afghanistan hat den ehemaligen Hauptmann abgehärtet. Heute arbeitet er für die Allianz und leitet zwölf Agenturen im Raum Osnabrück.

von Kristin Schmidt

Konsequente Entscheidungen statt immer neuer Meetings, klare Ansagen statt wachsweicher Formulierungen: In rauen Zeiten sind Eigenschaften gefragt, die vor allem Offiziere verkörpern.

Ihre Hände zittern, ihre Stimme klingt brüchig vor Aufregung: Die Beraterin hat Angst - vielleicht sogar um ihren Job. Sie begleitet ein Restrukturierungsprojekt beim Versicherer Allianz, hat am Vorabend eine Präsentation an den Vorstand geschickt, ohne diese vorher mit dem Rest des Projektteams abgesprochen zu haben. Ein grober Fehler, denn zu den Unterlagen gehört auch eine Folie, die das Beratungsteam unter keinen Umständen hätte verlassen dürfen - weil sie eine Fehlentscheidung der Führungsetage hätte provozieren können.

Was für die Beraterin eine Katastrophe ist und für viele Vorgesetzte Grund genug wäre, hektisch herumzubrüllen, bringt Björn Gornik nicht aus der Fassung. Mit ruhiger Stimme und wenigen, wohl gewählten Worten wendet sich der damalige Vorstandsassistent und Leiter des Restrukturierungsprojekts an die Kollegin.

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"Ich habe ihr schon deutlich gemacht, dass ihr Verhalten nicht optimal war, ihr aber auch gesagt, dass die Welt deswegen nicht zusammenbricht", erinnert sich der heute 36-Jährige an die brenzlige Situation vor gut zwei Jahren. "An ihrer Reaktion habe ich gemerkt, dass ich anderen aufgrund meiner Erfahrungen etwas an Stressresistenz voraus habe."

Mit "meiner Erfahrung" meint Gornik seine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr. 14 Jahre, in denen er von Beginn an darauf getrimmt wurde, strukturiert Entscheidungen zu treffen, Teams zu leiten, Projekte straff zu koordinieren und erfolgreich abzuschließen.

Was Manager von Offizieren lernen können

  • Grosszügig delegieren

    Geben Sie nur die großen Leitlinien vor und Aufgaben an andere ab. Getreu dem Prinzip Führen mit Auftrag.

  • Exakt strukturieren

    Unterteilen Sie den Weg bis zu einer Entscheidung in deutliche Arbeitsschritte. Diese Struktur gibt Ihnen gerade in Drucksituationen die nötige Sicherheit.

  • Allein entscheiden

    Lassen Sie sich umfassend informieren und beraten, aber nicht reinquatschen. Die Entscheidung treffen müssen Sie oftmals allein – vor allem, wenn es schnell gehen muss oder ein Zielkonflikt besteht.

  • Konsequent verantworten

    Verantwortung ist unteilbar. Treffen Sie also nur Entscheidungen, die Sie verantworten können, und stehen Sie anschließend auch dazu.

  • Ruhig präsentieren

    Haben Sie keine Angst vor hohen Titeln – ob General oder Vorstand.

Tief geprägt hat ihn aber vor allem ein Erlebnis im Kreiskrankenhaus der afghanischen Stadt Mazar-i-Scharif. Als Hauptmann der Fallschirmjägertruppe war er 2007 sechs Monate im Land stationiert, kurz vor seinem Rückflug nach Deutschland erwischt es einen seiner Freunde. Ein Selbstmordattentäter hatte sich in die Luft gesprengt, der Soldat landet mit schweren Verletzungen an Bein, Kopf und Gesicht auf der Intensivstation. Als Gornik seinen Freund im Krankenhaus besucht, weiß er nicht, was ihn erwartet. "Hallo Björn, ich bin heute mal unhöflich und stehe nicht auf, um dich zu begrüßen", scherzt Gorniks Kamerad zur Begrüßung.

Dass sein Freund trotz schwerster Verletzungen den Humor nicht verloren hat, beeindruckt Gornik sehr. Seitdem fragt er sich in verfahrenen Situationen immer: "Ist jemand verletzt? Ist jemand tot? Nein? Dann gibt es keinen Grund zur Panik", sagt Ex-Hauptmann Gornik, der mittlerweile 16 Vertreter von zwölf Allianz-Agenturen im Raum Osnabrück führt.

Hohe Stressresistenz

"Offiziere sind im Zweifel die besseren Manager", sagt Stefan Knoll, Vizepräsident Wirtschaft und Berufsleben des Reservistenverbandes und Gründer der DFV Deutschen Familienversicherung. "Sie haben gelernt, zu organisieren, zu präsentieren und Verantwortung zu übernehmen - und können das meist auch besser als andere."

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7 Kommentare zu Bundeswehr: Was Manager von Offizieren lernen können

  • Meine Erfahrungen (als Personalreferent) mit ehemaligen Offizieren in der "zivilen Wirtschaft" sprechen für sich: von bisher eingestellten 9 Offizieren sind nach wie vor alle 9 im Unternehmen und durchweg leistungsstarke Führungspersönlichkeiten, die nach ihrem Absprung aus dem Militärleben binnen kürzester Zeit zu anerkannten und respektierten Mitarbeitern, Entscheidern und Managern geworden sind. Von "Anpassern", "Angepassten", "Schreihälsen" oder den ganzen anderen anti-militaristischen Parolen, welche ehemaligen Soldaten immer wieder zugedichtet werden (und daher zugegebenermaßen auch mein Meinungsbild noch bis vor wenigen Jahren beeinflusst haben), ist in der Realität rein gar nichts zu sehen. Und wer dennoch ständig solche Aussagen tätigt, hat vermutlich noch nie in einem professionellen Kontext mit dieser Thematik zu tun gehabt. (Und/oder aber hat noch bis heute Komplexe oder "eine offene Rechnung" von seiner Grundausbildung/Wehrdienstzeit.)
    So oder so: wirklich begründet und mit Argumenten belegt erscheinen mir solche Aussagen wie von User "GPM" keineswegs. Ich kann jedem HR-Mitarbeiter diesen Artikel sehr empfehlen, ebenso wie auch diesen:
    http://wissen.dradio.de/militaer-das-leben-nach-der-bundeswehr.33.de.html?dram:article_id=10224

  • Dieser Artikel ist einfach Blödsinn. Sicher gibt es einige ehemalige Offiziere, die sich in Managementtätigkeiten bewährt haben. Die Mehrzahl der Beispiele waren oder sind Reserveoffiziere. Diese haben in ihren 2 Jahren Dienstzeit sicher nicht managen gelernt, sondern eher nachher im Studium oder in Unternehmen.
    Viele Offiziere in der Wirtschaft sind vom Konzept der Überzeugungsarbeit statt Gehorsam überfordert. Die Offizierslaufbahn kann vielleicht anregen, sich mit Management zu befassen. Eine gute Grundlage ist sie sicher nicht, es sei denn vielleicht für den öffentlichen Dienst. Dass heute viele Manager zu Entscheidungsvermeidern gemacht werden, wird nur durch die klare Ansage nicht ersetzt. Managen heisst überzeugen, vor allem durch die Bereitschaft zur Entscheidung und der Übernahme von Risiko. Das müssen unsere Manager wieder lernen, nicht Befehl und Gehorsam.

  • Ich kann die Erfahrungen, die "rolfme" dort schildert nur bestätigen. Aus meiner Sicht ist das Bild des Soldaten (wie es vielleicht "GPM" erfahren hat?!) und das des Offiziers nicht (immer) deckungsgleich. In vielen Managementfortbildungen konnten wir die Erfahrungen sammeln, dass immer wieder ehemalige Offiziere durch ihre Kompetenzen aufgefallen sind. Gerade die Fähigkeit bei unvollständigen Informationen Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu tragen, zu deligieren und die Fähigkeit Team-Mitglieder zu überzeugen sind in dieser Gruppe sehr ausgepägt.
    Offiziere eignen sich in der Regel auch sehr gut für Managementpositionen und sind aus meiner Erfahrung ziemlich weit weg vom Kadavergehorsam und Komiss.

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