Business am Rhein: Geschäfte bei Pasta Primavera

Business am Rhein: Geschäfte bei Pasta Primavera

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Mit Pasta oder Saltimbocca lässt sich im Rheinland und Ruhrgebiet gut Geschäfte machen.

von Thorsten Firlus, Jürgen Berke, Henryk Hielscher, Christian Schlesiger, Lothar Schnitzler und Andreas Wildhagen

Rheinland und Ruhrgebiet, Stahl, Post und Telekom. Im Ballungsraum von Bonn bis Essen wird am liebsten beim Italiener Geschäftliches besprochen. Adressen mit Promi-Garantie.

Das Brett wird vom Kellner an den Tisch gebracht, darauf zwei je kiloschwere, blutig gegrillte Bistecca. Dazu ein Sassicaia oder ein Planeta aus dem Regal mit 17 Euro Korkgeld Zuschlag auf den Verkaufspreis für den Verzehr im Restaurant und ein paar Präsente aus dem Hause Sieger-Design. Der Saal des Saittavini in Düsseldorf-Oberkassel brummt, die Stimmung ist glänzend, die Grillschwaden ziehen in die Hemden und Krawatten.

Die Sakkos haben die Gäste bereits abgelegt. Nirgends ist man mehr unter sich als in einem derart quirligen Getöse. Hier werden Luxuskarossen an den Mann gebracht, Kooperationen geschmiedet und Kontakte gepflegt. Italien, als Nation im Schuldenminus, diktiert kulinarisch die Region zwischen Bonn und Essen.

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Auch Berthold Beitz, der 98-jährige Patriarch der Krupp-Stiftung, ist seit langen Jahren regelmäßig in einem unscheinbaren Fachwerkhaus zu Gast am Stadtrand von Essen – bei einem Italiener. Heute lässt sich Beitz die Fischgerichte auch mal nach Hause liefern. Die Bonner Riege von Post und Telekom isst ebenfalls vorzugsweise beim Italiener. Mal edler, mal etwas bodenständiger, und immer gibt es gerne Pasta oder Saltimbocca zum Gespräch. Wenn es um Geschäfte geht, dann bricht die Region mit der heimischen Essens-Tradition von Sauerbraten bis Currywurst.

Zwischen Präsentierteller und Hinterstube

10 von 30 Dax-Konzernen haben ihren Sitz in NRW, davon allein jeweils zwei in Bonn, in Düsseldorf und in Essen. Die Lufthansa hat, trotz des Hubs Frankfurt, ihren offiziellen Sitz immer noch in Köln; 2007 sind rund 800 Mitarbeiter des Ressorts Finanzen in den 2007 eröffneten Neubau im rechtsrheinischen Kölner Stadtteil Deutz gezogen. Das Gros des Konzerns arbeitet weiter in Frankfurt, wo das operative Geschäft erledigt wird.

Sehen und gesehen werden und verborgen bleiben zur rechten Zeit, das ist in den Karnevalshochburgen und dem einstigen Zentrum des rheinischen Kapitalismus mit seinen kurzen Wegen ein taktisches Unterfangen, für das die Region zahlreiche Angebote bereithält.

Doch Führungsstil und Habitus der obersten Entscheider haben sich auch an Rhein und Ruhr gründlich verändert. Der Stahlbaron gehört der Vergangenheit an. An der Spitze der Unternehmen steht heute immer häufiger der alerte Vorstandsvorsitzende mit sportlich-schlankem Auftritt; seine Agenda lässt kaum Platz für ausschweifende Zigarrenrunden am Mittag.

Rückzugsorte in der Nachbarschaft

Inseln der Tradition behaupten sich gleichwohl gerade im Rheinland, wo man gern und mit Stolz auf Bewährtes zurückgreift. So sind schwarze Jacketts für Oberkellner und Ochsenbrust vom Wagen für die Kölner Gesellschaft in der Hanse Stube weiterhin selbstverständlich; und auch in Essen wird klassische Gastlichkeit bis zur Perfektion gepflegt.

Rückzugsorte bieten sich in Fülle. Wer den eigenen Wohnort bei Geschäftsessen lieber meidet, ist binnen einer Stunde durch mehrere andere Städte hindurchgefahren und plötzlich in einem ganz anderen Umfeld zu Gast.

Den Chefs von Bayer und Lanxess in Leverkusen bleibt, wenn sie nicht gesehen werden wollen, fast nichts anderes übrig, als in die Nachbarstädte auszuweichen – die beste Gastronomie betreibt Bayer im Leverkusener Casino selbst. Die hat zwar neben Ballsaal und Separees auch eine Brauhaus-Wirtschaft mit meterlangen Weinklimaschränken, nur einen Italiener, den gibt es dort nicht.

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