Bye, Bye Boni: Unternehmen verzichten auf Boni

Bye, Bye Boni: Unternehmen verzichten auf Boni

Bild vergrößern

Wer einen Spitzenjob macht, soll mit einer Extra-Geldspritze belohnt und zu weiterer Höchstleistung angestachelt werden - so das Grundprinzip von Boni. Doch dieses Konzept wackelt.

Wer einen Spitzenjob macht, soll mit einer Extra-Geldspritze belohnt und zu weiterer Höchstleistung angestachelt werden - so das Grundprinzip von Boni. Doch dieses Konzept wackelt.

Bonuszahlungen sind immer wieder Anlass für Neiddebatten: Commerzbank-Chef Martin Blessing beispielsweise bekam für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Bonus in Höhe von 1,4 Millionen Euro zusätzlich zu seinem Grundgehalt von 1,3 Millionen Euro. Die Aktionäre gingen im Übrigen leer aus. Und am Finanzplatz London werden Investmentbanker geradezu mit Boni überschüttet. Die Schweizer Großbank UBS zum Beispiel zahlt ihren Investmentbankern an der Themse durchschnittlich 160.000 Euro extra - im Vergleich ein eher durchschnittlicher Wert.

Anders sieht es gerade bei der Deutschen Bank aus: Die müssen sich wegen des Rekordverlusts im dritten Quartal 2015 auf sinkende Boni einstellen. Die Aktionäre erwarteten „zu Recht, dass die Mitarbeiter einen Teil der Belastung tragen“, schrieb Co-Chef John Cryan in einer Botschaft an alle 98.000 Mitarbeiter des Dax-Konzerns.

Anzeige

Zahl der Hochverdiener bei Banken nach EU-Land

  • Großbritannien

    Anzahl gesamt: 2.714
    davon Investmentbanker: 2.188

    (mehr als eine Mio. Jahresgehalt 2012)

    Quelle: European Banking Authority

  • Deutschland

    Anzahl gesamt: 212
    davon Investmentbanker: 100

    (mehr als eine Mio. Jahresgehalt 2012)

  • Frankreich

    Anzahl gesamt: 177
    davon Investmentbanker: 117

    (mehr als eine Mio. Jahresgehalt 2012)

  • Italien

    Anzahl gesamt: 109
    davon Investmentbanker: 47

    (mehr als eine Mio. Jahresgehalt 2012)

  • Spanien

    Anzahl gesamt: 100
    davon Investmentbanker: 37

    (mehr als eine Mio. Jahresgehalt 2012)

Der Verzicht auf die Sonderzahlungen könnte in Deutschland Schule machen: Statt bei der Sondervergütung auf individuelle Ziele zu setzen, werden Extrazahlungen an einer Gemeinschaftsleistung gemessen - dies kann ein Geschäftsbereich sein oder die gesamte Firma. Der Technologiekonzern Bosch geht hier als erster deutscher Großkonzern voran, ab 2016 sind individuelle Boni für Führungskräfte dort Geschichte.

Bei der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) sieht man beim Thema Vergütung von Fach- und Führungskräften seit einigen Jahren einen Trend vom Individuellen zum Kollektiven. „Großunternehmen und Mittelständler denken über die Weiterentwicklung ihrer Vergütungssysteme nach - sie merken, die herkömmlichen Systeme haben Grenzen“, sagt DGFP-Gesellschaftsführerin Katharina Heuer. Vergütung sei zwar die Grundlage für gute Mitarbeit und Zusammenarbeit - „aber mehr Geld führt nicht unbedingt zu mehr Motivation und Leistung“, sagte die Expertin.

Digitalisierung Jobs der Zukunft

Die nächste Generation der Industrie wird den Arbeitsmarkt umkrempeln. Skeptiker fürchten Stellenstreichungen, doch tatsächlich entstehen mit der Digitalisierung völlig neue Beschäftigungsbereiche. Die Jobs der Zukunft.

Digitalisierung: Jobs der Zukunft

Die Zeiten, in denen Mitarbeiter ihren beruflichen Erfolg über Geld und Karriere definierten, seien längst vorbei, sagt Heuer. „Heute wollen Mitarbeiter erfahren, dass ihre Arbeit Sinn macht, nachhaltig ist und wertgeschätzt wird.“ In einer digitalen und virtuellen Arbeitswelt werde die Messung der individuellen Leistung und damit des individuellen Erfolgs immer schwieriger, sagt Heuer. Die Leistung von Teams, Bereichen und des gesamten Unternehmens sei hingegen leichter messbar - zum Beispiel an fertigen Produkten, Verkaufszahlen und schließlich dem damit erbrachten Umsatz.

In diesen Branchen kriegen die Chefs am meisten

  • Chemie

    Auf dem dritten Platz landen die Geschäftsführer aus der Chemieindustrie. Sie können sich im Schnitt über jährliche Bezüge in Höhe von 573.000 Euro freuen.

  • Automobilindustrie

    Insbesondere Chefs von großen Unternehmen können sich über eine hohe Vergütung freuen. Kein Wunder, dass die Geschäftsführer in der Autoindustrie mit Bezügen von durchschnittlich 616.000 Euro weit vorne liegen.

  • Pharma

    Am besten werden in Deutschland die Geschäftsführer von Pharmaunternehmen bezahlt. Sie kassieren im Schnitt Bezüge in Höhe von rund 661.000 Euro im Jahr.

Mag die Relevanz individueller Boni etwas abnehmen, so darf man nicht vergessen: Die alte Praxis einzelner Extrazahlungen bleibt dominant. Laut einer Umfrage des Beratungsunternehmens Ernst & Young unter 2200 Arbeitnehmern in Deutschland liegt der Anteil von Mitarbeitern mit teilweise erfolgsabhängiger persönlicher Bezahlung in den Branchen Banken, Energie und IT bei etwa der Hälfte, im Bau, Maschinenbau und in der Autobranche bei etwa einem Drittel. Auf allzu viel Unmut stößt das Thema nicht. Auf die Frage, wie sie leistungsabhängige Bezahlung fänden, antworten etwa drei Viertel der Befragten sehr gut oder eher gut. Nur ein Viertel ist prinzipiell nicht begeistert.

Trotz dieser Zahlen - Fachleute sind überzeugt davon, dass sich die noch eher schwache Boni-Entwicklung hin zum Kollektiven verstärken wird. Die Bezahlung wird unter hochqualifizierten Mitarbeitern in Sachen Jobzufriedenheit weniger wichtig als noch vor einigen Jahrzehnten, dies belegen auch Studien. Heute spielen weiche Faktoren eine größere Rolle, etwa eine Betriebs-Kita für den Nachwuchs oder flexiblere und damit familienfreundlichere Arbeitszeiten. Auch mehr Verantwortung für Führungskräfte ist hoch im Kurs.

Das Ende des Egoismus

Boschs Abschied vom „Extrageld für Einzelerfolg“ ist letztlich Teil dieser Entwicklung, in der rein materiell motivierte Egoismen hintenangestellt werden. Mit der Umstellung beim Technologiekonzern geht es um mehr als bloß einen neuen Maßstab für die Bemessung von Boni. „Wir müssen die Menschen in einer modernen Welt anders führen, nämlich über den Sinn“, sagt Bosch-Chef Volkmar Denner der Deutschen Presse-Agentur. Sie müssten das Gefühl haben, Nutzen zu stiften. „Dann setzen wir viel größere Kräfte frei als mit Geld.“ Individuelle Finanzboni sind da aus Denners Sicht eher ein Hemmschuh.

Weitere Artikel

Die Boni-Umstellung beim schwäbischen Technologiekonzern findet unter Fachleuten Zustimmung. „Geld kann ein Motivationsfaktor sein, aber er läuft sich schnell tot“, sagt die Arbeitssoziologin Sabine Pfeiffer von der Universität Hohenheim. Dass die bisher bei Bosch bezahlten Einzelboni für Führungskräfte etwas gebracht haben, bezweifelt Pfeiffer. „Ein ohnehin schon gut bezahlter Ingenieur lässt sich mit noch mehr Geld nicht zu noch besserer Leistung anstacheln“, sagt die Professorin. Zudem weist sie auf Risiken bei finanziellen Boni hin. „Ein Bonus wird für Mitarbeiter schnell zur Selbstverständlichkeit - wenn der dann in einem Jahr nicht kommt, sind sie demotiviert.“

Aber lädt es nicht quasi zum Däumchendrehen ein, wenn Bonus-Einzelziele wegfallen und ein Mitarbeiter sich im Gesamtkollektiv gewissermaßen verstecken kann? Nicht unbedingt, schließlich könne etwa durch Teamgeist die Motivation hochgehalten werden, sagt Henning Curti von Ernst & Young, der ebenfalls ein gewisses Umdenken bei Firmen bezüglich ihres Bonussystems sieht. Chefs seien hierbei besonders gefordert. „Man darf mit einem kollektiven Bonus nicht den Eindruck entstehen lassen, man kümmere sich nicht mehr um die individuelle Leistung.“ Gegebenenfalls müsse man häufiger Mitarbeitergespräche führen - sogar bis zu einmal im Monat statt einmal im Jahr wäre denkbar.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%