Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender von Allianz Deutschland
Fast geräuschlos öffnen sich die Fahrstuhltüren in der fünften Etage. Markus Rieß, 47, Vorstandsvorsitzender von Allianz Deutschland, nimmt diesen Weg fast täglich. Nur ein paar Schritte trennen ihn dann noch von seinem Büro. Hier oben in einem hochmodernen Glastempel im Münchner Vorort Unterföhring hat sich der gesamte Vorstand einquartiert. Die Büros sind alle gleich groß, messen exakt 39 Quadratmeter. "Ich mag es nicht, wenn Büros extra für den Vorstand dekoriert werden", sagt Rieß, während er am Konferenztisch auf sein elektronisches Notizbuch schaut. "Ich nutze die digitale Welt", beschreibt Rieß sein fast papierloses Büro, in dem sich neben den Apple-Ikonen iPad, MacBook und iPhone nur noch ein Blackberry behaupten kann. Seit Juli 2010 leitet der promovierte Volkswirt die Deutschland-Dependance der Allianz Gruppe, eines der weltweit größten Versicherungsunternehmen. Mit mehr als 28 Milliarden Euro steuerte der Deutschland-Ableger rund ein Viertel zum Gesamtumsatz der Allianz Gruppe bei, der im vergangenen Jahr 106 Milliarden Euro betrug. 20 Millionen Kunden und mehr als 30.000 Mitarbeiter, davon 7000 in der Münchner Zentrale – so lauten die weiteren Kennzahlen aus Rieß’ Reich. Wesentlich unspektakulärer präsentiert sich sein Arbeitszimmer, das von einer gerahmten Collage aus 25 Kinderzeichnungen dominiert wird. Sie entstanden im Malwettbewerb "Was mir das Liebste in meinem Leben ist", zu dem der Konzern 2011 Münchner Grundschüler aufgerufen hatte. Wie ein Kontrapunkt wirkt das Werk des US-Expressionisten Zy Twombly, das hinter dem Schreibtisch hängt. Aus Rieß’ Privatbesitz stammen zwei Lithografien des Künstlers Georg Baselitz. "Man sollte die Dinge stets auch aus einer anderen Perspektive betrachten", interpretiert Rieß die auf dem Kopf stehenden Porträts. Kopf steht auch die digitale Welt: Zu Rieß’ Schreibutensilien zählen Tintenfass und Füller.
(Text: Ulrich Groothuis)