Bruno Sälzer, Chef des Modeunternehmens Escada
"Sorry, aber mein Büro habe ich gleich mitgebracht", sagt Bruno Sälzer, 55, zupft ein wenig am Revers seines Maßanzugs und schaut mit einem verschmitzten Lächeln auf sein iPad. Das Apple-Tablet ist sein ständiger Begleiter und dient als mobiler Schreibtisch, wenn er durch sein Revier streift. 1200 Quadratmeter Showroom, ausstaffiert mit schwarzen ledernen Sitzgruppen, mit Glasvitrinen und Kleiderständern sind für Sälzer Büro und Bühne zugleich. In Aschheim vor den Toren Münchens lässt der Vorsitzende Geschäftsführende Direktor des Modeunternehmens Escada die neuesten Kollektionen präsentieren. Im dezenten Neonlicht führen Models die Modelle vor. Als Sälzer im Juni 2008 den Chefposten bei Escada übernahm, schrieb das Unternehmen Verluste und schlitterte in die Pleite. Doch dem promovierten Betriebswirt gelang das Comeback der Luxusmarke.
Mit Marken kennt er sich aus. Vor seinem Engagement bei Escada arbeitete er beim Nivea-Hersteller Beiersdorf, später leitete er das Modelabel Hugo Boss. Unterstützt wurde der Modemanager bei Escada von einer starken Frau: Megha Mittal. Die Schwiegertochter des indischen Stahlmagnaten Lakshmi Mittal kaufte das Münchner Traditionsunternehmen Ende 2009 für geschätzte 70 Millionen Euro aus dem Insolvenzverfahren heraus. Stahl und Stoff – eine ungleiche Mischung, aber sie stimmte. "Unser Umsatz liegt heute bei rund 300 Millionen Euro", sagt Sälzer, der weltweit rund 2000 Mitarbeiter beschäftigt. Wie zur Bestätigung schaut er auf die Herbst/Winter-Kollektion, die wie eine Uraufführung im Theater inszeniert wurde. "Wir dramatisieren das Produkt", sagt der Escada-Chef . Und was ist mit einer Herren-Kollektion? Sälzer lacht. "Wir denken darüber nach", orakelt er, öffnet sein Jackett und zeigt auf ein eingenähtes Etikett mit dem goldenen Escada-Schriftzug. Auch das ist der Mann, der hinter der Marke steht – Model in eigener Sache.
(Text: Ulrich Groothuis)