Axel Botzenhardt, Chef des Gasnetzbetreibers Thyssengas
"Ich liebe ein Leben in Bewegung", sagt Axel Botzenhardt, 45, Chef des Gasnetzbetreibers Thyssengas. Für den promovierten Wirtschaftsingenieur ist das nicht nur eine Lebensphilosophie, auch sein Bürostuhl passt zu dieser Einstellung: Der Vorsitzende der zweiköpfigen Geschäftsführung bevorzugt einen instabilen Swopper statt eines gewichtigen Chefsessels. Der swingende Einbeiner auf Rädern ähnelt einem zu kurz geratenen Barhocker „und zwingt mich täglich, Balance zu halten“, betont der Manager. Seit September 2011 steht der gebürtige Ulmer an der Spitze des Dortmunder Unternehmens. Zuvor arbeitete er für BMW und Shell. Ein Jahr vor dem Chefwechsel hatte die australische Investmentbank Macquarie das Unternehmen vom Energiekonzern RWE übernommen. Mit einem Ferngasnetz von 4200 Kilometer Länge gehört Thyssengas zu den führenden deutschen Gasnetzgesellschaften. Das gut 50 Quadratmeter große Chefbüro "wird von Eiche rustikal beherrscht", beschreibt Botzenhardt die Erbstücke, die ihm sein Vorgänger Wandulf Kaufmann hinterließ. "Es ist nicht ganz mein Stil", sagt Botzenhardt.
Künftig will er seinem Büro und der traditionsreichen Thyssengas einen neuen, zeitgerechten Anstrich geben. "Kulturwandel mit Leuchtturm-Funktion" nennt er die Neujustierung, durch die das Unternehmen auch eine "wegweisende Rolle" bei der Energiewende in Deutschland übernehmen soll. Die Gemälde an den Bürowänden schuf die Leipziger Künstlerin Franziska Michaelis im Auftrag des Thyssengas-Chefs. Sie dokumentieren in Acryl Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Ruhrpott-Unternehmens, das 1921 durch eine Ausgliederung von der August-Thyssen-Hütte entstand. "Ein Stück Nostalgie ist geblieben", sagt Botzenhardt. Vor der Unternehmenszentrale glimmen abends immer noch die Gaslaternen von einst.
(Text: Ulrich Groothuis)