Gabriele Appel, Deutschland-Direktorin der Jerusalem Foundation
Als Kellerkind fühlt Gabriele Appel, 54, sich nicht, obwohl ihr Büro im Souterrain ihrer Münchner Wohnung liegt. "One-Woman-Home-Office" nennt die Direktorin der Jerusalem Foundation Deutschland ihr bescheidenes Arbeitszimmer, in dem sie in "friedlicher Koexistenz" mit ihren vielen Kisten, Ordern und Schriftbänden arbeitet. "Koexistenz" ist ihr Schlüsselwort – das prägt ihre Arbeit. Seit April 2008 leitet sie den deutschen Ableger der Jerusalem Foundation, die 1966 der damalige Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek, gegründet hat. Die Stiftung will mit Spenden nicht nur das kulturhistorische Erbe der geschichtsträchtigen Stadt erhalten, sie propagiert und fördert auch das friedliche Zusammenleben von Juden, Christen und Moslems. Knapp 27 Millionen Dollar flossen 2011 weltweit in die Kassen der Stiftung. Mehr als 4000 Projekte hat sie seit ihrer Gründung unterstützt. Zu den Spendern und Mitgliedern in Deutschland zählen unter anderem die Verlegerin Friede Springer, Bertelsmann-Aufsichtsrätin Liz Mohn, Kaffeeröster Albert Darboven, Bilfinger-Chef Roland Koch, EU-Kommissar Günther Oettinger und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.
Vor ihrem Wechsel zur Stiftung studierte Appel in Mainz Sprach- und Kulturwissenschaften, arbeitete danach als Projektmanagerin und gründete die Beratungsfirma Tecpavilion in München. Ansprechbar ist sie immer. Drei Telefone rappeln manchmal gleichzeitig auf ihrem Schreibtisch, der von einer einfachen Deckenneonröhre beleuchtet wird. Unter einem Kellerfenster hängt ein Konterfei des Stiftungsgründers Kollek. Das große Bild zeigt eine namenlose Stadt vor blauem Hintergrund. Appel hat es selbst gemalt, auch wenn sie betont: "Ich kann eigentlich nicht malen." Es "strahlt aber", sagt die Deutschland-Direktorin, "viel Optimismus aus." Stellt das Gemälde Jerusalem dar? "Ja, vielleicht", antwortet sie, "das würde zu meinem Engagement und meiner Arbeit passen."
(Text: Ulrich Groothuis)