Johnny Talbot und Adrian Runhof, Geschäftsführer des Modelabels Talbot Runhof
Die Bücher und die Stoffe täuschen. Für ihre Arbeit brauchen Johnny Talbot, 48 (links), und Adrian Runhof, 49, vor allem das Display auf dem Tisch und iMacs. "Unsere Arbeit besteht zu einem hohen Prozentsatz aus administrativen Tätigkeiten", sagt Betriebswirt Runhof. Gemeinsam mit dem Elektroingenieur Talbot hat er 1992 in München das Damenmodelabel "All about Eve" gegründet. Zuvor hatte Talbot als Programmierer für die amerikanische Regierung gearbeitet. Runhof dagegen entstammt einer deutscher Familie, die selbst schon Mode produziert und verkauft hat.
2000 benannten Talbot und Runhof ihr Label um in Talbot Runhof, um einem Streit über Markenrechte zu entgehen. Stoffe, Knöpfe, Schnallen – alles, was die beiden Modemacher für ein Kleidungsstück brauchen, ordern sie über die iMacs in ihrem Münchner Studio. „Manchmal gibt es das, was wir suchen, manchmal nicht“, sagt Runhof, dessen Eltern ihre Materialien noch mit Postkarten bestellten. "Die Mode ist schneller geworden", sagt Runhof. 20 bis 25 Anproben mit jeweils 10 bis 30 Schnitten seien ungefähr nötig, bis eine Kollektion vollendet sei. Dann stehen Talbot und Runhof mit einem Team vor dem Hausmodel, das geduldig zupfende Bewegung an Stoffen, begutachtende Blicke und Kommentare erträgt. Die Kleider, die das Münchner Studio schließlich verlassen, tragen Frauen wie Angelina Jolie, Lady Gaga, Julia Roberts und Anna Netrebko. Ihre Ideen halten Talbot und Runhof in Notizbüchern und Blöcken fest. Visuelle Funde nennt Runhof all die Bilder aus Zeitschriften, Büchern und von Kunstausstellungen, die Inspirationen sind für eigene Ideen und für erste Stoff gewordene Teilentwürfe. "Manche Stücke hängen länger dort, bis sie zu einem Kleidungsstück passen."