Roland Koch, Vorstandsvorsitzender des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Berger
Geschäftszahlen statt Umfragewerte, die weite Welt statt Hessen. Roland Koch, 54, kämpft nicht mehr als hessischer Ministerpräsident um Wählerstimmen, sondern um Soll und Haben des weltweit tätigen Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Berger. Seit Juli 2011 leitet Koch als Vorstandsvorsitzender von Mannheim aus das Unternehmen, das weltweit mehr als 65.000 Mitarbeitern beschäftigt und einen Jahresumsatz von über 8,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Von 1999 bis 2010 regierte der ehemalige Landesvorsitzende der hessischen CDU das Bundesland, dann wechselte der Jurist mit Spezialgebiet Wirtschafts- und Wettbewerbsrecht von der Politik ins Geschäftsleben. "Ein Mitbringsel aus der alten Welt", nennt Koch seine Trophäensammlung von Fotografien, die er akribisch auf einem Sideboard platziert hat. Viele sind mit Widmungen versehen, viele tragen große Namen: Der Dalai Lama ist darunter, der frühere US-Präsident George Bush, Königin Beatrix der Niederlande, der nigerianische Staatspräsident Goodluck Ebele Jonathan – und Schlagersänger Udo Jürgens.
In Kochs Büro im neunten Stock der Mannheimer Zentrale hat alles seine Ordnung. "Es ist eine egoistische Methode des Steuerns", beschreibt der Vorstandschef seine Vorliebe für einen aufgeräumten Schreibtisch. Dazu gehört auch der frische Blumenstrauß am Arbeitsplatz. Hinter dem Stehpult wachen zwei Skulpturen auf dem Fensterbrett – ein roter und weißer Hessischer Löwe des Künstlers Ottmar Hörl. Ihnen gegenüber hängen zwei abstrakte Bilder des Malers Otmar Alt. Koch mag seine farbenprächtigen Formensprache. Gelegentlich blätterte er im "The Phaidon Atlas of contemporary world Architecture" – einem Wälzer über zeitgenössische Architektur. "Doch dafür habe ich momentan keine Zeit", sagt er, "am 25. September ziehen wir das Betttuch vom neuen Logo, dann heißen wir nur noch Bilfinger."
(Text: Ulrich Groothuis)