Laurent Berger, Chef der französischen Gewerkschaft CFDT
Wenn es mal wieder knüppeldick kommt, vertieft sich Laurent Berger, 48, für ein paar Minuten in die gerahmten Fotos an seiner Bürowand. Es sind Bilder vom Sandstrand in Saint-Nazaire an der französischen Atlantikküste, wo er aufgewachsen ist und wohin er sich besonders in solchen Momenten zurücksehnt. Oder er freut sich über den frischen Blumenstrauß, den ein Florist jede Woche auf die Anrichte aus Akazienholz stellt. Am liebsten sind Berger exotische Blumen. Seit vergangenem November leitet er als Generalsekretär Frankreichs zweitgrößte Gewerkschaft, die Confédération française démocratique du traivail (CFDT), der rund 700.000 Mitglieder angehören. Sein Büro wirkt, als hätte er es in einer Ecke seines Wohnzimmers aufgebaut und nicht in der Zentrale einer Großgewerkschaft in Paris. "Ich brauche Wärme und ein paar persönliche Gegenstände um mich herum", sagt Berger, "und auch die Leute, die hier hereinkommen, sollen sich gleich wohlfühlen." An Anfeindungen mangelt es nicht, seit der Reformer im Januar mit den Arbeitgebern die Arbeitsmarktreform unterzeichnete, die zwei äußerst linke Gewerkschaftsverbänden ablehnten und die das Parlament in diesem Monat verabschiedete. In Frankreich seien die Gewerkschaften nicht in der Lage, zum Wohl der Arbeitnehmer an einem Strang zu ziehen, klagt Berger und attestiert den Reformgegnern Dogmatismus. "Das ist kein Vorwurf, sondern die Realität." Sein Vorgänger hat ihm neben den Büromöbeln hölzerne Masken aus Neukaledonien und Afrika hinterlassen. Als könnten sie helfen, böse Geister zu vertreiben.
(Text: Karin Finkenzeller)