Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken
Die Frage nach Orientierung hängt Uwe Fröhlich, 51, ständig im Nacken. "Quo vadis Germania" heißt das Werk hinter seinem Schreibtisch, das der Dresdner Künstler A.R. Penck 1984 gemalt hat, als Deutschland noch geteilt war. Zumindest die deutsche Frage wurde mit der Wiedervereinigung 1990 vorerst geklärt. Wohin die Banken gehen, ist angesichts der Finanzkrise noch offen. Seine 1121 Genossenschaftsbanken dirigiert Fröhlich vom Potsdamer Platz im Herzen Berlins aus. Sein Büro misst 35 Quadratmeter – nicht gerade üppig in der Geldbranche. Die Einrichtung ist klar, modern, aufgeräumt. Dominiert wird der Raum vom Nomos-Schreibtisch, den der britische Architekt und Designer Norman Foster entworfen hat. Der kleine Bär darauf ist ein Geschenk der Berliner Volksbank, deren Vorstand Fröhlich angehörte, bevor er 2008 zum Bundesverband wechselte. Übrigens ist das Penck-Bild nur eine kleine Kopie, das Original misst drei mal zehn Meter. Auffälliger kann der Gegensatz zu den Ölbild-opulenten Chefbüros anderer Finanzinstitute kaum sein. Dabei brauchen sich die Volks- und Raiffeisenbanken nicht zu verstecken. Mit drei Milliarden Euro Gewinn nach Steuern spielen sie in der ersten Liga. Für Fröhlich ist eine andere Zahl noch wichtiger: Die Kreditvergabe summierte sich per Ende 2011 auf 425 Milliarden Euro und erhöhte sich um 4,5 Prozent bei einem insgesamt stagnierenden Markt. Allein bei den gewerblichen Mittelstandskunden erreichten die Genossenschaftsbanken einen Marktanteil von 29 Prozent. Mit einer kleinen Pyramide aus Pappe visualisiert der Banker Besuchern die Ziele des Finanzverbundes. Unten stehen Eigenverantwortung, Selbstständigkeit, Subsidiarität und Solidarität als Fundament. "Gut geht es uns damit“, freut sich Fröhlich, "Standard & Poor’s hat uns gerade auf AA- heraufgestuft – die beste Bewertung für Banken, die nicht in Staatsbesitz sind."
(Text: Christian Ramthun)