Susanne Rumbler, Geschäftsführerin von Beauté Prestige International
Oft benutzt sie ihr Büro nicht. "40 Prozent meiner Arbeitszeit bin ich auf Reisen", sagt Susanne Rumbler. Sie ist Geschäftsführerin des Unternehmens Beauté Prestige International (BPI), das zum japanischen Kosmetikkonzern Shiseido gehört und in Deutschland den Vertrieb von Parfüms betreibt, darunter die Düfte von Issey Miyake, Jean Paul Gaultier, Narciso Rodriguez, Elie Saab.
Auch am 17. Mai kommt sie nicht in ihr Büro im Obergeschoss am Düsseldorfer Hofgarten, sondern reist nach Berlin zur Verleihung der Duftstars. Rumbler ist auch Präsidentin der Fragrance Foundation, deren Mitglieder unter anderem Verlage und Kosmetikhersteller und Luxuskonzerne sind. Ziel der Fragrance Foundation ist es, der "Banalisierung" des Parfüms entgegenzuwirken. Dazu soll die Gala in Berlin dienen, auf der die besten Damen- und Herrendüfte 2013 gekürt werden. Die Tage, die Susanne Rumbler im Büro verbringt, kann sie in hellem Licht genießen, die Terrasse vor dem Arbeitszimmer auch für Teammeetings nutzen. Mit ihren Mitarbeitern bespricht sie sich stets an dem Tisch, den Rumbler selbst angeschafft hat, ein Designstück von R. Verelst aus dem Jahre 1971. Die Möbel geben keinen Hinweis auf die Branche, in der Susanne Rumbler wirkt. Doch ihre Besucher müssen nicht lange rätseln. Unübersehbar sind die vielen überdimensionalen Flakons, an der Wand hinter dem Tisch hängt ein Plakat von Jean Paul Gaultier. "Der Duft war und ist einer der größten Erfolge für uns", sagt Rumbler, die nach Gaultiers Motto – "Warum eigentlich nicht?" – das Unternehmen lenkt.
(Text: Thorsten Firlus)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender von Allianz Deutschland
Fast geräuschlos öffnen sich die Fahrstuhltüren in der fünften Etage. Markus Rieß, 47, Vorstandsvorsitzender von Allianz Deutschland, nimmt diesen Weg fast täglich. Nur ein paar Schritte trennen ihn dann noch von seinem Büro. Hier oben in einem hochmodernen Glastempel im Münchner Vorort Unterföhring hat sich der gesamte Vorstand einquartiert. Die Büros sind alle gleich groß, messen exakt 39 Quadratmeter. "Ich mag es nicht, wenn Büros extra für den Vorstand dekoriert werden", sagt Rieß, während er am Konferenztisch auf sein elektronisches Notizbuch schaut. "Ich nutze die digitale Welt", beschreibt Rieß sein fast papierloses Büro, in dem sich neben den Apple-Ikonen iPad, MacBook und iPhone nur noch ein Blackberry behaupten kann. Seit Juli 2010 leitet der promovierte Volkswirt die Deutschland-Dependance der Allianz Gruppe, eines der weltweit größten Versicherungsunternehmen. Mit mehr als 28 Milliarden Euro steuerte der Deutschland-Ableger rund ein Viertel zum Gesamtumsatz der Allianz Gruppe bei, der im vergangenen Jahr 106 Milliarden Euro betrug. 20 Millionen Kunden und mehr als 30.000 Mitarbeiter, davon 7000 in der Münchner Zentrale – so lauten die weiteren Kennzahlen aus Rieß’ Reich. Wesentlich unspektakulärer präsentiert sich sein Arbeitszimmer, das von einer gerahmten Collage aus 25 Kinderzeichnungen dominiert wird. Sie entstanden im Malwettbewerb "Was mir das Liebste in meinem Leben ist", zu dem der Konzern 2011 Münchner Grundschüler aufgerufen hatte. Wie ein Kontrapunkt wirkt das Werk des US-Expressionisten Zy Twombly, das hinter dem Schreibtisch hängt. Aus Rieß’ Privatbesitz stammen zwei Lithografien des Künstlers Georg Baselitz. "Man sollte die Dinge stets auch aus einer anderen Perspektive betrachten", interpretiert Rieß die auf dem Kopf stehenden Porträts. Kopf steht auch die digitale Welt: Zu Rieß’ Schreibutensilien zählen Tintenfass und Füller.
(Text: Ulrich Groothuis)
Oliver Eller, Geschäftsführender Direktor des Hotels Adlon
Schlichte Fassade, exquisites Interieur – das Adlon gehört zu Berlin wie das Brandenburger Tor und der Reichstag. "Unser Haus ist eine lebende Legende", betont Oliver Eller, 46, Geschäftsführender Direktor des Fünf-Sterne-Hotels, das 1997 eröffnet wurde. Es steht in der Tradition des gleichnamigen Hotels, das 1907 erbaut wurde, aber 1945 gegen Kriegsende ausbrannte und abgerissen wurde. 382 Zimmer stehen heute zur Verfügung, eines davon ist allerdings das ganze Jahr über reserviert: In der ersten Etage hat der Hausherr sein Büro. "Von der Essenz des puren Luxus", wie es die Adlon-Werbung verheißt, ist dort nichts zu spüren. Es wirkt wie ein Zimmer der Drei-Sterne-Kategorie – bescheiden, aber funktionell. "Ich muss mich nicht über Luxus definieren", sagt Eller. Seit August 2010 leitet der gebürtige Bielefelder das Adlon, gleichzeitig ist er Deutschland-Direktor der Hotelgruppe Kempinski und damit für insgesamt zehn Edelherbergen zuständig. Vor seinem Umzug ins Adlon arbeitete er elf Jahre lang für die Hotelgruppe Ritz-Carlton, zuletzt im "Ritz" in Moskau. Seine Ausbildung zum Hotelkaufmann absolvierte er im Maritim-Hotel in Bad Salzuflen. Mit "all inclusive" beschreibt der Hoteldirektor sein Refugium aus dunklen Schrankwänden mit integrierter Minibar, Bad und Toilette. "Nur das Bett habe ich entfernt", verrät Eller. In den Regalen stehen neben Fachbüchern eine Kaffeemaschine samt weißem Geschirr, Souvenirs und Gastgeschenke. An der Wand hinter dem Schreibtisch hängt ein Werk des in Saint-Tropez lebenden Künstlers Stefan Szczesny. Eine goldgerahmte Auszeichnung adelt Eller zum "Hotelmanager des Jahres 2013". Gleich daneben hat sich seine Tochter Lisa Marleen künstlerisch verewigt. "Landschaft mit Papa im Auto" nennt sie ihre Buntstiftzeichnung. "Kein Wunder", sagt Eller, "sie hat mich auf meinen Reisen ja oft genug begleitet."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche
Laurent Berger, Chef der französischen Gewerkschaft CFDT
Wenn es mal wieder knüppeldick kommt, vertieft sich Laurent Berger, 48, für ein paar Minuten in die gerahmten Fotos an seiner Bürowand. Es sind Bilder vom Sandstrand in Saint-Nazaire an der französischen Atlantikküste, wo er aufgewachsen ist und wohin er sich besonders in solchen Momenten zurücksehnt. Oder er freut sich über den frischen Blumenstrauß, den ein Florist jede Woche auf die Anrichte aus Akazienholz stellt. Am liebsten sind Berger exotische Blumen. Seit vergangenem November leitet er als Generalsekretär Frankreichs zweitgrößte Gewerkschaft, die Confédération française démocratique du traivail (CFDT), der rund 700.000 Mitglieder angehören. Sein Büro wirkt, als hätte er es in einer Ecke seines Wohnzimmers aufgebaut und nicht in der Zentrale einer Großgewerkschaft in Paris. "Ich brauche Wärme und ein paar persönliche Gegenstände um mich herum", sagt Berger, "und auch die Leute, die hier hereinkommen, sollen sich gleich wohlfühlen." An Anfeindungen mangelt es nicht, seit der Reformer im Januar mit den Arbeitgebern die Arbeitsmarktreform unterzeichnete, die zwei äußerst linke Gewerkschaftsverbänden ablehnten und die das Parlament in diesem Monat verabschiedete. In Frankreich seien die Gewerkschaften nicht in der Lage, zum Wohl der Arbeitnehmer an einem Strang zu ziehen, klagt Berger und attestiert den Reformgegnern Dogmatismus. "Das ist kein Vorwurf, sondern die Realität." Sein Vorgänger hat ihm neben den Büromöbeln hölzerne Masken aus Neukaledonien und Afrika hinterlassen. Als könnten sie helfen, böse Geister zu vertreiben.
(Text: Karin Finkenzeller)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Harald Glööckler, Modedesigner und Unternehmer
Spiegel, Spiegel, Spiegel – Harald Glööckler, 47, liebt die Konfrontation mit seinem Konterfei. Durchgestylt von Kopf bis zu den Zehen – "alles muss 100-prozentig stimmen", lautet das Credo des Modemachers, Eigners und Geschäftsführers des Unternehmens Harald Glööckler International. Über 1200 Quadratmeter erstreckt sich sein Reich auf zwei oberen Etagen eines modernen, aber unscheinbaren Geschäftshauses in Berlins Prachtstraße Unter den Linden. Knapp 30 Quadratmeter sind für das Chefbüro reserviert. Begonnen hat Glööcklers Karriere in Stuttgart. Dort eröffnete das Enfant terrible der Modebranche 1987 zusammen mit seinem Lebensgefährten, dem Herrenschneider und Manager Dieter Schroth, 64, seine erste Boutique, einen Jeansladen. Damals schrieb Glööckler sich noch mit einem ö, so lautet sein Geburtsname. Heute verkauft er die Kleider seines Modelabels „Pompöös“ im Shoppingsender QVC, aber auch der Discounter Lidl, die Baumarktkette Bauhaus oder der Modefilialist Bonprix schmücken sich mit Glööckler-Kreationen, zu denen mittlerweile auch Schmuck, Pralinen, Tapeten und Fliesen zählen – und neuerdings sogar Entwürfe für Villen. Im Glööckler-Stil präsentiert sich auch sein silberbeschlagener Schreibtisch. Rund 400 selbstgemalte Bilder hängen in den angrenzenden Gemächern und Fluren des Modedesigners. Zusammen mit Kristalllüstern, schneeweißen Ledergarnituren und goldgeflügelten Sesseln dokumentieren sie Glööcklers Welt. Zu ihr gehört auch ein blütenweißes Klavier an dessen Seite sich ein meterlanger, mit Porzellan bestückter Esstisch ausdehnt. Jedes Wohnaccessoire, sogar der Porzellan-Gepard, ist punktgenau ausgerichtet. Nur einer hat an Glööcklers Hof Narrenfreiheit – Billy King, sein Hund. Der Papillon scheint sich seiner Abstammung bewusst zu sein, waren seine Vorfahren doch einst die Lieblingstiere am französischen und spanischen Königshaus.
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche
Andreas Wellbrock, Geschäftsführer von BLG WindEnergy Logistics
Der Chefsessel im Büro fehlt. Andreas Wellbrock, 49, sitzt lieber auf einem blauen Gymnastikball. "Ich trainiere so meinen Rücken", sagt der Geschäftsführer des Bremer Logistikdienstleisters BLG WindEnergy Logistics, als er am Stehpult in den neuen Auftragseingängen blättert. "Spottbillig" war die Kugel auch. Nur 9,90 Euro hat er für den Ball in einem Supermarkt bezahlt. Eine zweite, rote Kugel ist für Gäste reserviert. "Doch nur wenige wählen diese instabile Sitzgelegenheit", gesteht Wellbrock, "man muss ja stets im Gleichgewicht bleiben." Geschäftlich ist ihm das gelungen. Die Tochter der BLG Logistik Group "ist im Lot", wie er sagt, sie setzte im vergangenen Jahr mit 70 Mitarbeitern rund 30 Millionen Euro um. Organisiert wird alles, was zum Transport und Aufbau von Offshore-Windparks benötigt wird: vom Landtransport der 65 Meter hohen Tripoden bis hin zur Verschiffung der dreibeinigen, 900 Tonnen schweren Stahlfundamente. Der Speditionskaufmann kennt sich aus mit Wind und Wellen, kletterte bei einem Turn mit der "Alexander von Humboldt" bis in die Mastspitzen des Großseglers. Sein Büro sei aber "typisch Landratte", betont Wellbrock. Das stimmt. Maritimes ist nicht zu entdecken, dafür hängen Bilder des Fußballbundesligisten Werder Bremen an den Bürowänden. "Seit 30 Jahren bin ich Fan, seit 10 Jahren Mitglied", begründet Wellbrock seinen Werder-Fimmel. Für seinen Verein läuft er auch. Beim Marathon wurde der Logistikmanager dreimaliger norddeutscher Mannschaftsmeister. Neben einer Europakarte, auf der die Hauptstandorte der Windkraftanlagen markiert sind, zeigt eine Pinnwand Fotos, auf denen seine Frau Britta zusammen mit ihren Kindern Michel und Lena zu sehen ist. "Sie kennen mein Büro und lieben es", sagt Wellbrock, "besonders den Chefsessel."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Joska-Andre B. Möller für WirtschaftsWoche
Björn Dahler, Geschäftsführer des Maklers Dahler & Company
"Ich mag’s auch im Büro ein wenig wohnlich", begründet Björn Dahler, 54, den Stil seines Arbeitszimmers: eine braune Grastapete an der Wand hinter dem Schreibtisch, eine schwarze Schrankwand samt Fernsehschirm gegenüber und Gardinen an den Fenstern. Ein bisschen Geschäftssinn steckt auch hinter der Einrichtung. "Wir wollen unseren Kunden auch zeigen, wofür wir stehen", sagt Dahler. Gemeinsam mit seiner Frau Kirsten hat er das Immobilienunternehmen Dahler & Company vor 20 Jahren aufgebaut, heute unterhält es 39 Büros in Deutschland, Österreich und Spanien, entwickelt Immobilienprojekte, investiert in Häuser und vermittelt Luxusobjekte. Die Zentrale steht in der Hamburger Hafencity, ein Geschäfts- und Bürohaus, das Dahler selbst konzipiert hat. Seit zwei Jahren residiert er hier im zweiten Stock, im Büro nebenan arbeitet seine Frau als Co-Geschäftsführerin, eine Glastüre verbindet die beiden Räume – oder trennt sie, je nach Laune. Das Bild an der Grastapete zeigt New York. "Das Musterbeispiel einer pulsierenden Stadt", sagt Dahler. Er selbst ist Norddeutschland treu geblieben, in Bremen geboren, in der Region aufgewachsen, in Hamburg Jura studiert und heute in der Nordheide vor den Toren Hamburgs daheim. "Auch wegen der Pferde", erklärt Dahler. Drei hält er sich noch. Als Jugendlicher war er Europameister im Dressurreiten, aber heute reiten meist seine Kinder. Dahler spielt ein wenig Golf. Fit hält er sich mit "Kraftübungen, Laufband und Fahrrad". Das sei "Disziplin, aber kein Spaß". Der Schreibtisch ist papierfrei. "Ich mag es gerne aufgeräumt", sagt Dahler, "dann kann ich klarer denken."
(Text: Hermann Olbermann)
Bild: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche
Jérôme Philipon, Direktor des Champagnerhauses Bollinger
Der Schatz liegt in fünf Kilometer langen Kellergewölben. Dort vergären die Weine bis zu acht Jahre lang. Im Büro darüber wacht Jérôme Philipon, 50, seit 2007 Direktor des Champagnerhauses Bollinger und der erste Chef, der nicht aus der Familie kommt. Vier gerahmte Fotos an der Wand zeigen Kate Middleton, wie sie im Februar 2011 mit einer Flasche Bollinger ein Rettungsboot der englischen Küstenwache tauft. „Das war ihr erster offizieller Auftritt, noch vor der Hochzeit mit Prinz William“, sagt Philipon.
Seit 1843 ist Bollinger Hoflieferant des englischen Königshauses. Auch ein Hinweis auf den bekanntestes Geheimagenten ihrer Majestät, auf James Bond, darf im Traditionshaus im französischen Ay, rund 150 Kilometer östlich von Paris, nicht fehlen. Die Geschenkbox auf der Anrichte öffnet sich erst, wenn der Zahlencode 007 eingegeben wird. Die Box wurde zum Kinostart des Bondfilms „Skyfall“ auf den Markt gebracht und enthält eine Flasche Bollinger La Grande Année 2002. 2002 war der beste Jahrgang der vergangenen Dekade. England ist bis heute der wichtigste Markt für Bollinger, noch vor den USA, Frankreich, Japan, Australien und Italien. China sei stark im Kommen, sagt Philipon. „Luxus verkauft sich gut, selbst in Frankreich, wo die wirtschaftliche Lage derzeit nicht zum Feiern ist“, sagt der Champagnerdirektor. Trotz Krise verzeichnete Bollinger 2011 und 2012 Rekorde sowohl beim Produktionsvolumen als auch bei den Umsätzen. „2013 hat sehr gut begonnen. Der große Vorteil von Champagner ist, dass man ihn nicht über Jahre liegen lässt. Das“, so Philipon, „garantiert steten Absatz.“
Carlos Slim Helú, Mexikanischer Unternehmer und reichster Mensch
Hinter seinem voluminösen Schreibtisch wirkt Carlos Slim Helú, 73, fast verloren. Er mag "keine großen Auftritte", sagt er, "und schon gar nicht das Gerede über das große Geld". Er muss damit nicht prahlen, er hat es. Slim, Sohn libanesischer Einwanderer und Vater dreier Töchter und dreier Söhne, hat ein Vermögen von rund 73 Milliarden Dollar, schätzt das amerikanische Magazin "Forbes". Damit ist er der reichste Mensch der Welt. Zu seinem Imperium von mehr als 200 Unternehmen zählen neben dem mexikanischen Telefonkonzern América Movil, Banken, Versicherungen, Kupferminen, Baufirmen, Fluggesellschaften, Supermärkte, Krankenhäuser, Hotels sowie Restaurants. In der Unternehmenszentrale der Grupo Financiero Inbursa in Mexico City laufen die Fäden des mächtigen Industriemagnaten zusammen. Schlicht, nicht luxuriös ist dort sein 80 Quadratmeter großes Büro eingerichtet: grüne Ledersofas, schwarze, genoppte Sessel, ein ovaler Konferenztisch, auf dem verstreut Notizzettel liegen, und einige Grünpflanzen vor der Fensterfront – das ist alles. Luxuriös ist allerdings seine Kunstsammlung. Das Ölgemälde "Valle de México" des amerikanischen Landschaftsmalers Conrad Wise Chapman beansprucht fast die gesamte Wand hinter dem Schreibtisch. Erst dann fallen auch die anderen Werke auf - Bilder von Vincent van Gogh, Pierre-Auguste Renoir und Diego Rivera sowie Plastiken des französischen Bildhauers August Rodin. "Rodin ist einer der Größten", schwärmt der Multimilliardär mit Blick auf die Bronzestatue "Der ewige Frühling". Carlos Slim besitzt nach dem Rodin-Museum in Paris die zweitgrößte Rodin-Sammlung weltweit. Eine andere Vorliebe Helús neben der Kunst verrät der Kristallaschenbecher auf dem Schreibtisch – kubanische Cohiba-Zigarren. Sie dienen ihm zur Entspannung. "Reichtum", verrät der Unternehmer, "muss mit Effizienz, aber auch mit Ehrlichkeit verwaltet werden."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Ben Baker/Laif
Christian Brühe, Geschäftsführer der Eventagentur Uniplan
"Purismus pur." So beschreibt Christian Brühe, 51, sein Büro in Köln. Nur ein Schreibtisch Marke "Eigenbau", eine Lampe der italienischen Leuchtenmanufaktur Artemide und ein Stuhl. Nackte, weiß getünchte Wände, keine Farbtupfer, weder Kunst noch Kitsch, weder Fotos noch Kalender. "Ich wollte auf diese Dramaturgie verzichten", sagt der Geschäftsführer und Gesellschafter der Eventagentur Uniplan, die ihr Domizil in einer ehemaligen Lagerhalle des Kabelherstellers Felten & Guilleaume aufgeschlagen hat. Als Brühe im Jahr 2000 von seinem Vater Hans die Geschäftsführung übernahm, formte er aus dem reinen Messebauunternehmen eine weltweit agierende Eventagentur, die neben dem traditionellen Standbau auch Events und Roadshows organisiert. "Live Communication", sagen Experten dazu. Das Geschäft floriert. 650 Mitarbeiter beschäftigt Uniplan weltweit, rund 108 Millionen Euro betrug der Gruppenumsatz im vergangenen Jahr. Damit gehört das Unternehmen zu den weltweit zehn größten in seiner Branche. Brühe mag seine "karge Zelle". "Das Auge wird nicht abgelenkt, der Kopf bleibt frei", sagt er. Oft greift er sich ein Bündel Unterlagen und geht in den angrenzenden Innenhof. Bei gutem Wetter konferiert er hier. "Offene Kommunikation", nennt Brühe den freien Zugang von dort zu den Büros der Mitarbeiter. So minimalistisch wie sein Arbeitszimmer präsentiert sich auch sein Schreibtisch: Laptop, Monitor, Tastatur und ab und zu eine Flasche Wasser – das reicht. Selbst für seine Leidenschaft, den Reitsport, findet sich kein Indiz. Dennoch hat er auch hier sein Ziel im Auge. "In Rio, bei den Olympischen Spielen 2016, will ich dabei sein", sagt der Dressurreiter. Derzeit steht er auf Platz 174 der Weltrangliste.
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Bruno Sälzer, Chef des Modeunternehmens Escada
"Sorry, aber mein Büro habe ich gleich mitgebracht", sagt Bruno Sälzer, 55, zupft ein wenig am Revers seines Maßanzugs und schaut mit einem verschmitzten Lächeln auf sein iPad. Das Apple-Tablet ist sein ständiger Begleiter und dient als mobiler Schreibtisch, wenn er durch sein Revier streift. 1200 Quadratmeter Showroom, ausstaffiert mit schwarzen ledernen Sitzgruppen, mit Glasvitrinen und Kleiderständern sind für Sälzer Büro und Bühne zugleich. In Aschheim vor den Toren Münchens lässt der Vorsitzende Geschäftsführende Direktor des Modeunternehmens Escada die neuesten Kollektionen präsentieren. Im dezenten Neonlicht führen Models die Modelle vor. Als Sälzer im Juni 2008 den Chefposten bei Escada übernahm, schrieb das Unternehmen Verluste und schlitterte in die Pleite. Doch dem promovierten Betriebswirt gelang das Comeback der Luxusmarke.
Mit Marken kennt er sich aus. Vor seinem Engagement bei Escada arbeitete er beim Nivea-Hersteller Beiersdorf, später leitete er das Modelabel Hugo Boss. Unterstützt wurde der Modemanager bei Escada von einer starken Frau: Megha Mittal. Die Schwiegertochter des indischen Stahlmagnaten Lakshmi Mittal kaufte das Münchner Traditionsunternehmen Ende 2009 für geschätzte 70 Millionen Euro aus dem Insolvenzverfahren heraus. Stahl und Stoff – eine ungleiche Mischung, aber sie stimmte. "Unser Umsatz liegt heute bei rund 300 Millionen Euro", sagt Sälzer, der weltweit rund 2000 Mitarbeiter beschäftigt. Wie zur Bestätigung schaut er auf die Herbst/Winter-Kollektion, die wie eine Uraufführung im Theater inszeniert wurde. "Wir dramatisieren das Produkt", sagt der Escada-Chef . Und was ist mit einer Herren-Kollektion? Sälzer lacht. "Wir denken darüber nach", orakelt er, öffnet sein Jackett und zeigt auf ein eingenähtes Etikett mit dem goldenen Escada-Schriftzug. Auch das ist der Mann, der hinter der Marke steht – Model in eigener Sache.
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Dieter Mayr für WirtschaftsWoche
Katharina Behrends, Chefin von NBC Universal Germany
Wenn Katharina Behrends, 47, zum Mineralwasser greift, dankt sie jenen, die vor ihr in dem Hinterhofhaus in München-Schwabing gearbeitet haben. Einst war dort eine Spinnerei untergebracht. Die hatte den Lastenaufzug eingebaut, der heute rumpelnd die Wasserkästen ins Büro schafft. Hier führt Behrends die Geschäfte des TV-Unternehmens NBC Universal Deutschland, eine Tochter des US- Fernsehkonzerns NBC Universal. Mit 70 Mitarbeitern betreibt die Juristin fünf TV-Sender, darunter Syfy für Fantasy- und Science-Filme sowie der Thriller- und Krimi-Kanal 13th Street, die etwa Kunden von Kabel Deutschland, des Bezahlsenders Sky sowie der Deutschen Telekom empfangen können. Nach Stationen beim Sky-Vorgänger Premiere und beim Musikkanal MTV arbeitet Behrends seit 2005 für NBC und seit fünf Jahren als Geschäftsführerin.
In ihrem Büro dominiert dunkelbrauner Parkettboden, nur ein paar Stufen trennen die Managerin von ihrer Dachterrasse. "Wenn es das Wetter erlaubt, verlege ich mein Büro nach draußen." Auf dem Regal reihen sich Trophäen, Preise für Trailer-Gestaltung und beliebte Sender. Sieben Fernsehgeräte stehen im Büro, sechs kleinere und ein großer. "So habe ich stets im Blick, was bei uns im Programm läuft", sagt die Senderchefin. Ihr Zimmer teilt sie mit der fast lebensgroßen Statue der TV-Heldin Seven of Nine, eine Figur aus der Weltraum-Serie Star Trek Voyager. Als Mitglied des Fördervereins der Münchner Pinakothek der Moderne ersteigerte sie für NBC eine Skulptur des Videokünstlers Nam June Paik. Für den "Video Watchdog", der aus einem Dutzend Bildschirmen besteht, sucht Behrends noch nach einem Plätzchen.
(Text: Peter Steinkirchner)
Bild: Dieter Mayr für WirtschaftsWoche
Hans-Joachim Watzke, Chef des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund
Schwarz-Gelb sind seine Signalfarben, für Schwarz-Gelb schlägt sein Herz, und Schwarz-Gelb leuchtet das Kunstwerk hinter seinem Schreibtisch. Das Bild gehöre zu den "wertvollsten Stücken" in seiner Trophäensammlung, sagt Hans-Joachim Watzke, 53, Vorsitzender der Geschäftsführung des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund (BVB). Denn auf dem markanten Viereck haben sich BVB-Legenden wie Timo Konietzka, Karl-Heinz Riedle und Helmut "Jockel" Bracht verewigt. Als Watzke 2005 sein Amt antrat, war von der Dortmunder Fußballherrlichkeit nicht viel übrig geblieben. Der BVB hatte seine Profiabteilung im Oktober 2000 zwar als erster deutscher Fußballklub an die Börse gebracht, aber finanziell stand er 2005 kurz vor der Pleite. Diplom-Kaufmann Watzke löschte den Brand. Mit Bränden kennt er sich aus. Sein 1990 gegründetes Unternehmen Watex fertigt Schutzkleidung und Feuerwehruniformen. Seit er im BVB-Chefbüro in der fünften Etage der Dortmunder Geschäftsstelle sitzt, gewann der Club zweimal den Deutschen Meistertitel und einmal den DFB-Pokal. Sein Sideboard dort verbirgt unzählige Ordner über Sitzungen des Aufsichtsrats und des Beirats und dient gleichzeitig als Logenplatz für kleine Souvenirs: Das Bernabéu-Stadion in Miniatur überreichte ihm Florentino Pérez, Präsident von Real Madrid, und den Bären schenkte ihm sein Berliner Stamm-Taxifahrer nach dem 5:2-Pokalsieg gegen den Erzrivalen Bayern München. Eine Kollage aus den Sehenswürdigkeiten der Ruhrmetropole und Bilder der Dortmunder Fangruppe "Die Ultras" bringen einen Schuss Lokalkolorit in Watzkes Büro. "Aki" nennen sie ihn in Dortmund, denn ihr "Aki" ist bodenständig geblieben. Bei den "Alten Herren" seines Heimatvereins SV Rot-Weiß Erlinghausen kickt er zwar nicht mehr, den Vereinsvorsitz führt er aber immer noch.
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Walter Muyres, Persönlich haftender Gesellschafter der Vorwerk Gruppe
Der Kobold weicht ihm nicht von der Seite. In den traditionellen Unternehmensfarben Weiß-Grün steht der Staubsauger stets in der Nähe seines Schreibtisches. "Heute dominiert weiß", sagt Walter Muyres, 55, der persönlich haftende Gesellschafter der Vorwerk Gruppe, die vor allem durch ihre Staubsauger, Marke Kobold, bekannt wurde. Sie trugen im Geschäftsjahr 2011 rund ein Drittel zum Umsatz des Wuppertaler Familienunternehmens bei, insgesamt lag er bei 2,4 Milliarden Euro. "Der Kobold und Deutschland das ist auch ein Stück Wirtschaftswunder", schaut Muyres auf die Geschichte des Unternehmens zurück, das 1883 gegründet wurde. Längst ist die Gruppe weltweit tätig, beschäftigt mehr als 606.000 Mitarbeiter sowie selbstständige Berater und verdient ihre Milliarden nicht mehr allein mit ihren Staubsaugern. Zum Vorwerk-Reich zählen auch Teppiche, die Kosmetikserie Jafra, der Wasserfilterhersteller Lux, der Finanzdienstleister akf und die Küchengerätemarke Thermomix. Seit Januar 2009 führt Muyres das Unternehmen, zur Firmenspitze gehören auch seine beiden gleichberechtigten Partner Reiner Strecker, 52, und Frank van Oers, 53. Muyres, gebürtiger Mönchengladbacher, hat ein Faible fürs Norddeutsche.
Ein Bild des Hamburger Künstlers Thomas Eigel mit dem Titel "Buhne Vier" hängt ausladend über einem Sideboard. Einen Ehrenplatz am Fenster bekam die Staffelei mit dem Trikot von Bernd Korzynietz, dem legendären Verteidiger des Fußballclubs Borussia Mönchengladbach. "Da klebt noch Gras vom letzten Spiel auf dem Bökelberg dran", sagt Muyres. Ein vollautomatischer Bodenreiniger parkt versteckt unter einem der ledernen Clubsessel in der Besprechungsecke. Auf Knopfdruck umkurvt der Bodenreiniger problemlos die Artemide-Designerlampe und sorgt für einen krümelfreien Teppich im Chefbüro. "Ein Typ der neuesten Generation", schwärmt Muyres. "Selbst das Amtszimmer des Bürgermeisters liegt mir zu Füßen", sagt er, lacht und schaut aus dem Fenster ins Bergische Land.
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Stefan Kröger für WirtschaftsWoche
Norbert Wieselhuber, Chef der Beratungsgesellschaft Wieselhuber & Partner
Der Straßenlärm dringt nicht hinauf bis in die sechste Etage, ruhig ist es hier oben. Schon vor fünf Jahren hat Norbert Wieselhuber, 63, den morbiden Charme einer alten Stadtvilla gegen ein modernes Domizil in München getauscht. Statt am Englischen Garten mit Goldfischteich residiert er seither in der Nymphenburgerstraße im Dachgeschoss eines modernen Bürohauses. „Zweckmäßig und ohne Effekthascherei“, sagt der Gründer und Vorsitzende der Geschäftsführung von Wieselhuber & Partner, einer Beratungsgesellschaft, die sich insbesondere um Familien- unternehmen kümmert. „Der Tapetenwechsel hat gutgetan, er inspiriert zu neuen Ideen.“ Die Vorschläge seiner Beraterkollegen sind gefragt. Auf der Referenzliste der Münchner stehen mehr als 50 Unternehmen, darunter der Pharmakonzern Merz, der Schreibwarenhersteller und Kosmetikproduzent Schwan-Stabilo und der Heizungsbauer Viessmann. Eher zurückhaltend wirkt Wieselhubers Arbeitszimmer. Hinter seinem Schreibtisch, auf dem nur das Nötigste liegen darf, hängt ein Werk des Dresdener Malers und Bilderhauers A. R. Penck. Das archaisch anmutende Bild wirkt wie ein Kontrapunkt zum gegenüberliegenden farbenfrohen Gemälde des Berliner Künstlers Klaus Fußmann. Der Chefsessel und die Besprechungsecke stammen aus der Designerwerkstatt Vitra. Auch Wieselhubers Faible fürs Golfen ist nicht zu übersehen. Auf einem Regal, in dem Fachliteratur mit Bänden der Philosophen Arthur Schopenhauer und Søren Aabye Kierkegaard konkurrieren, sind 51 Golfbälle kunstvoll zu einer Pyramide aufgetürmt. Dieser Blickfang wird nur noch übertroffen von einem medizinballgroßen Apfel aus Carrara-Marmor. „Ein Vergleich mit dem Apple-Logo ist durchaus erlaubt“, betont der promovierte Diplom-Kaufmann und Betriebswirt, „auch wir stehen für Kreativität.“
Bild: Dieter Mayr für WirtschaftsWoche
Axel Botzenhardt, Chef des Gasnetzbetreibers Thyssengas
"Ich liebe ein Leben in Bewegung", sagt Axel Botzenhardt, 45, Chef des Gasnetzbetreibers Thyssengas. Für den promovierten Wirtschaftsingenieur ist das nicht nur eine Lebensphilosophie, auch sein Bürostuhl passt zu dieser Einstellung: Der Vorsitzende der zweiköpfigen Geschäftsführung bevorzugt einen instabilen Swopper statt eines gewichtigen Chefsessels. Der swingende Einbeiner auf Rädern ähnelt einem zu kurz geratenen Barhocker „und zwingt mich täglich, Balance zu halten“, betont der Manager. Seit September 2011 steht der gebürtige Ulmer an der Spitze des Dortmunder Unternehmens. Zuvor arbeitete er für BMW und Shell. Ein Jahr vor dem Chefwechsel hatte die australische Investmentbank Macquarie das Unternehmen vom Energiekonzern RWE übernommen. Mit einem Ferngasnetz von 4200 Kilometer Länge gehört Thyssengas zu den führenden deutschen Gasnetzgesellschaften. Das gut 50 Quadratmeter große Chefbüro "wird von Eiche rustikal beherrscht", beschreibt Botzenhardt die Erbstücke, die ihm sein Vorgänger Wandulf Kaufmann hinterließ. "Es ist nicht ganz mein Stil", sagt Botzenhardt.
Künftig will er seinem Büro und der traditionsreichen Thyssengas einen neuen, zeitgerechten Anstrich geben. "Kulturwandel mit Leuchtturm-Funktion" nennt er die Neujustierung, durch die das Unternehmen auch eine "wegweisende Rolle" bei der Energiewende in Deutschland übernehmen soll. Die Gemälde an den Bürowänden schuf die Leipziger Künstlerin Franziska Michaelis im Auftrag des Thyssengas-Chefs. Sie dokumentieren in Acryl Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Ruhrpott-Unternehmens, das 1921 durch eine Ausgliederung von der August-Thyssen-Hütte entstand. "Ein Stück Nostalgie ist geblieben", sagt Botzenhardt. Vor der Unternehmenszentrale glimmen abends immer noch die Gaslaternen von einst.
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Mark de Witte, Geschäftsführer von Bacardi Deutschland
Alkohol am Arbeitsplatz wird selten so sichtbar aufbewahrt wie in diesem Büro: Rund ein gutes Dutzend Spirituosen hat Mark de Witte, 53, auf dem Sideboard hinter seinem Schreibtisch aufgebaut – vom Gin Bombay Sapphire in der blauen Flasche über diverse Sorten Bacardi bis zum Edel-Wodka Grey Goose. "Die sind alle noch original verschlossen", sagt der Niederländer, der seit Dezember 2011 beim Getränkemulti Bacardi das Geschäft in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Skandinavien verantwortet. Zuvor hat er für den Spirituosenhersteller schon in Winchester und Dublin gearbeitet. "Sehr wahrscheinlich wird in diesem Büro sogar weniger getrunken als anderswo", sagt de Witte. Verspürt er dennoch Lust auf einen Drink, kann er einen Stockwerk höher gehen. Dort, in der elften Etage des Hamburger Bacardi Towers, findet sich eine hausinterne Bar. Gedacht, um Barkeeper zu trainieren, dient sie auch als Treffpunkt für die 170 Mitarbeiter, die den deutschen Markt beackern. De Witte selbst ist seit mehr als zehn Jahren bei Bacardi.
Einige Etappen in der Geschichte des Unternehmens und der Karriere de Wittes dokumentieren die Fotos an der Wand: der Manager mit Promis wie Elton John und Michael Schumacher. Ein besonderes Stück hat de Witte auf dem Schreibtisch platziert: eine Holzskulptur aus Gambia. Das schlanke Kunstwerk zeigt zwei Menschen, die einander unterstützen – Erinnerung an die Arbeit, die er zusammen mit anderen Bacardi-Managern eine Woche lang in einer afrikanischen Abfüllfabrik für Mangosaft geleistet hat. Der Vitaminsaft soll dazu beitragen, die hohe Kindersterblichkeit dort in den Griff zu bekommen.
"Die Skulptur", sagt de Witte, "hilft mir zugleich jeden Tag, Ansprüche und Themen, mit denen ich konfrontiert werde, ein Stück weit zu relativieren."
(Text: Peter Steinkirchner)
Bild: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche
Gabriele Appel, Deutschland-Direktorin der Jerusalem Foundation
Als Kellerkind fühlt Gabriele Appel, 54, sich nicht, obwohl ihr Büro im Souterrain ihrer Münchner Wohnung liegt. "One-Woman-Home-Office" nennt die Direktorin der Jerusalem Foundation Deutschland ihr bescheidenes Arbeitszimmer, in dem sie in "friedlicher Koexistenz" mit ihren vielen Kisten, Ordern und Schriftbänden arbeitet. "Koexistenz" ist ihr Schlüsselwort – das prägt ihre Arbeit. Seit April 2008 leitet sie den deutschen Ableger der Jerusalem Foundation, die 1966 der damalige Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek, gegründet hat. Die Stiftung will mit Spenden nicht nur das kulturhistorische Erbe der geschichtsträchtigen Stadt erhalten, sie propagiert und fördert auch das friedliche Zusammenleben von Juden, Christen und Moslems. Knapp 27 Millionen Dollar flossen 2011 weltweit in die Kassen der Stiftung. Mehr als 4000 Projekte hat sie seit ihrer Gründung unterstützt. Zu den Spendern und Mitgliedern in Deutschland zählen unter anderem die Verlegerin Friede Springer, Bertelsmann-Aufsichtsrätin Liz Mohn, Kaffeeröster Albert Darboven, Bilfinger-Chef Roland Koch, EU-Kommissar Günther Oettinger und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.
Vor ihrem Wechsel zur Stiftung studierte Appel in Mainz Sprach- und Kulturwissenschaften, arbeitete danach als Projektmanagerin und gründete die Beratungsfirma Tecpavilion in München. Ansprechbar ist sie immer. Drei Telefone rappeln manchmal gleichzeitig auf ihrem Schreibtisch, der von einer einfachen Deckenneonröhre beleuchtet wird. Unter einem Kellerfenster hängt ein Konterfei des Stiftungsgründers Kollek. Das große Bild zeigt eine namenlose Stadt vor blauem Hintergrund. Appel hat es selbst gemalt, auch wenn sie betont: "Ich kann eigentlich nicht malen." Es "strahlt aber", sagt die Deutschland-Direktorin, "viel Optimismus aus." Stellt das Gemälde Jerusalem dar? "Ja, vielleicht", antwortet sie, "das würde zu meinem Engagement und meiner Arbeit passen."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Dieter Mayr für WirtschaftsWoche
Angelo Bonati, Vorstandsvorsitzender des Uhrenherstellers Panerai
Von großem kunsthistorischem Wert sind die Bilder wohl nicht, aber als Angelo Bonati, 61, sie vor sechs Jahren zufällig zum ersten Mal sah, war er gleich fasziniert: alte Schwarz-Weiß-Fotografien verschiedener Segelboote amerikanischer Bauart, aufgenommen bei Regatten auf dem Atlantik. Seit sechs Jahren zieren die Bilder die Wand neben seinem Schreibtisch. "Mich beschäftigt die enge Beziehung zwischen dem Meer und der Menschheit sehr", sagt der Chef der italienischen Uhrenmanufaktur Panerai, der regelmäßig von seinem Büro im Norden Mailands nach San Remo fährt, um von dort mit seiner 15-Meter-Yacht in See zu stechen. "Wasser und Segeln sind für mich Quellen der Inspiration", sagt Bonati. Und Teil seines Geschäfts: Panerai ist seit 2006 Sponsor der traditionsreichen Newport-Regatta in der gleichnamigen amerikanischen Stadt Newport. Dort erwarb der Panerai-Chef vor ein paar Jahren auch Blue Nose, ein beeindruckendes Holzmodell eines klassischen Zweimasters, das seitdem direkt hinter seinem Bildschirm steht.
Direkt daneben eine 40 Jahre alte Kasse, die schon im ersten Panerai-Verkaufsshop in Venedig ihre Dienste tat, sowie ein kleiner Globus, bestückt mit Fotos von Luxusuhren – ein Weihnachtsgeschenk, das Bonati 1997, in seinem ersten Dienstjahr als Panerai-Chef, von Uhrenhändlern bekommen hat. Die Weltkugel erinnert ihn ständig an seinen wichtigsten Auftrag. "Meine Mission ist die Weiterentwicklung unserer Marke", sagt Bonati, "Wir wollen Panerai in den Olymp bringen." Um diese Aufgabe immer vor Augen zu haben, hängen statt Familienfotos Porträts des amerikanischen Schauspielers Sylvester Stallone und der chinesischen Geigerin Liu Si Quing an der Wand. Außerdem zwei farbenfrohe abstrakte Gemälde junger Maler – eigentlich Querformate, die Bonati kurzerhand um 90 Grad gedreht hat. "Das hilft mir beim Querdenken."
(Text: Manfred Engeser)
Bild: Zoe Vincenti für WirtschaftsWoche
Johnny Talbot und Adrian Runhof, Geschäftsführer des Modelabels Talbot Runhof
Die Bücher und die Stoffe täuschen. Für ihre Arbeit brauchen Johnny Talbot, 48 (links), und Adrian Runhof, 49, vor allem das Display auf dem Tisch und iMacs. "Unsere Arbeit besteht zu einem hohen Prozentsatz aus administrativen Tätigkeiten", sagt Betriebswirt Runhof. Gemeinsam mit dem Elektroingenieur Talbot hat er 1992 in München das Damenmodelabel "All about Eve" gegründet. Zuvor hatte Talbot als Programmierer für die amerikanische Regierung gearbeitet. Runhof dagegen entstammt einer deutscher Familie, die selbst schon Mode produziert und verkauft hat.
2000 benannten Talbot und Runhof ihr Label um in Talbot Runhof, um einem Streit über Markenrechte zu entgehen. Stoffe, Knöpfe, Schnallen – alles, was die beiden Modemacher für ein Kleidungsstück brauchen, ordern sie über die iMacs in ihrem Münchner Studio. „Manchmal gibt es das, was wir suchen, manchmal nicht“, sagt Runhof, dessen Eltern ihre Materialien noch mit Postkarten bestellten. "Die Mode ist schneller geworden", sagt Runhof. 20 bis 25 Anproben mit jeweils 10 bis 30 Schnitten seien ungefähr nötig, bis eine Kollektion vollendet sei. Dann stehen Talbot und Runhof mit einem Team vor dem Hausmodel, das geduldig zupfende Bewegung an Stoffen, begutachtende Blicke und Kommentare erträgt. Die Kleider, die das Münchner Studio schließlich verlassen, tragen Frauen wie Angelina Jolie, Lady Gaga, Julia Roberts und Anna Netrebko. Ihre Ideen halten Talbot und Runhof in Notizbüchern und Blöcken fest. Visuelle Funde nennt Runhof all die Bilder aus Zeitschriften, Büchern und von Kunstausstellungen, die Inspirationen sind für eigene Ideen und für erste Stoff gewordene Teilentwürfe. "Manche Stücke hängen länger dort, bis sie zu einem Kleidungsstück passen."
Bild: Dieter Mayr für WirtschaftsWoche
Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments
Das Beste am Büro von Martin Schulz, 57, liegt außerhalb. Hinter seinem Schreibtisch führen zwei Stufen auf eine gigantische Terrasse mit Blick gen Osten auf das Brüsseler Europa-Viertel. "Es hat was, aufstehen und frische Luft schnappen zu können", sagt der Präsident des Europäischen Parlaments. Doch Besucher bittet er lieber, auf der Couchgruppe am anderen Ende des Raums Platz zu nehmen. Dort saß auch schon Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zu Jahresbeginn, als Schulz das Präsidentenamt übernahm, zog er in den neunten Stock des Paul-Henri-Spaak-Gebäudes. Den wuchtigen Schreibtisch übernahm er von seinen Vorgängern.
Dass mit Schulz ein Sozialdemokrat im Präsidentenbüro residiert, verrät die Statue des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt. Die Bronze des Künstlers Rainer Fetting ist eine Miniatur des überlebensgroßen Standbildes, das in Berlin das Atrium der SPD-Zentrale ziert. Mit Brandt verbindet Schulz das rhetorische Talent, die kraftvollen Gesten beim öffentlichen Auftritt. Die Kunstwerke an den Wänden haben ebenfalls einen Bezug zur Partei. Sechs Radierungen, eine davon ein Selbstporträt, stammen von Günther Grass, bis 1992 SPD-Mitglied und später Wahlkämpfer für die Sozialdemokraten. Die Sammlung Ludwig aus Aachen hat die Werke als Leihgabe zur Verfügung gestellt, solange Schulz Präsident des Europäischen Parlaments ist. Es ist ein Fall von Nachbarschaftshilfe: Schulz stammt aus Würselen bei Aachen, wo er mehr als ein Jahrzehnt lang als Bürgermeister amtierte. Eine andere Leihgabe begleitet ihn schon seit Längerem: ein Segelboot portugiesischer Seefahrer aus der Zeit der Entdecker. "Sie fuhren mit einem Ziel los und ließen sich von der stürmischen See nicht abhalten", sagt Schulz. "Genau wie wir Europäer.
(Text: Silke Wettach)
Bild: Wiktor Dabkowski für WirtschaftsWoche
Bert-Jan Knoef, Chef des Gabelstaplerherstellers Still
Das Steuerrad hat ihm der Betriebsrat geschenkt. Es lehnt an der Wand hinter dem Schreibtisch und soll Bert-Jan Knoef, 52, stets daran erinnern, Kurs zu halten. Seit April 2010 ist er Vorsitzender der vierköpfigen Geschäftsführung von Still. Das Hamburger Unternehmen stellt Gabelstapler her und versteht sich als Logistikdienstleister. Erst im vergangenen April hat der Aufsichtsrat Knoefs Vertrag bis 2017 verlängert. Der gebürtige Niederländer ist trotz Finanz- und Wirtschaftskrise in der Spur geblieben. Rund 1,7 Milliarden Euro setzt das Unternehmen mit seinen 20 Tochtergesellschaften 2012 weltweit um; insgesamt beschäftigt es 7500 Mitarbeiter. Still produziert nicht nur in Hamburg, sondern auch in Reutlingen, in der norditalienischen Gemeinde Luzzara und neuerdings im brasilianischen São Paulo.
"Ich bin kein Markenfetischist", sagt Knoef und zeigt auf sein schlichtes No-Name-Mobiliar. Statussymbole? "Keine, außer vielleicht mein iPad." Das Apple-Kultstück liegt zusammen mit einem Gabelstaplermodell auf dem Tisch in der Konferenzecke. Für Knoef, der früher bei Linde Kältetechnik und beim US-Konzern Black & Decker gearbeitet hat, muss alles "funktionell, aber nicht kalt" sein. Dann fühlt er sich "pudelwohl". Farbe bringen die Malereien seiner Frau Susanne in sein Büro. "Jedes Bild beschreibt eine Lebensphase", erklärt Knoef die farbenprächtigen Vogelmotive. "Der komische Vogel dort unten in der Gruppe bin ich", scherzt er über ein Bild hinter seinem Schreibtisch. Es zeigt die Bremer Stadtmusikanten als gefiederte Schar. Der Schreibtisch ist wohlgeordnet. "Ich mag es nun mal nicht vollgemüllt", sagt Knoef fast entschuldigend und deutet auf die weißen Schränke, in denen er Bücher, Akten und seine Garderobe "unsichtbar gemacht hat".
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Stefan Kröger für WirtschaftsWoche
Hans-Joachim Boekstegers, Geschäftsführer des Maschinenbauers Multivac
Mit dem amerikanischen Softwarekonzern Microsoft hat der bayrische Maschinenbauer zumindest eines gemeinsam: Auch Multivac fing klein an – in einer Garage. Das war 1961. Seit 2001 steht Hans-Joachim Boekstegers, 57, an der Spitze des Unternehmens in Wolfertschwenden, das Verpackungs-maschinen herstellt. Er setzt das fort, was Unternehmensgründer Sepp Haggenmüller immer vorschwebte: einmal ganz oben mitmischen. Die einst fast unbekannte Firma entwickelte sich zum Weltmarktführer, der 65 eigene Vertriebsgesellschaften und Verkaufsbüros in mehr als 140 Ländern unterhält und weltweit 3450 Mitarbeiter beschäftigt. Knapp 700 Millionen Euro setzt Multivac in diesem Jahr voraussichtlich um, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Maschinen von Multivac verpacken alles: Fisch, Fleisch und Gemüse ebenso wie Pharmazeutika. Boekstegers Büro wirkt puristisch. Nur zwei abstrakte Bilder der deutschen Künstlerin Lore Doerr Niessner hängen an den weiß getünchten Wänden. "Ich will nicht lange suchen", begründet der Wirtschaftsingenieur die Ordnung auf seinem Schreibtisch.
Neben einer Aktenmappe und der Tasse Kaffee mit Süßstoff stehen die Fotografien seiner Frau Birgit und der drei Kinder Felix, Ann und Beatrice. Oft ist der Chef allerdings nicht in seinem Arbeitszimmer, das er mit Möbeln von Vitra und USM-Haller ausstaffiert hat. Meist ist der gebürtige Kapstädter unterwegs. "Mindestens zweimal im Jahr auf jeden Kontinent", sagt er. Dann reist der Multivac-Chef nicht nur in eigener Sache, sondern auch als Vorsitzender des Ausstellungs- und Messeausschusses der deutschen Wirtschaft (AUMA). "Der Sport kommt deshalb oft zu kurz", sagt der Hobby-Schwimmer und Tennisspieler. "Und wenn ich wirklich mal Zeit habe", gesteht er, "dann siegt meist der innere Schweinehund."
(Text: Ulrich Groothuis für WirtschaftsWoche)
Bild: Deniz Saylan für WirtschaftsWoche
Hiltrud Seggewiß, Geschäftsführerin der Fisch-Restaurantkette Nordsee
Die Jahre haben deutliche Spuren ins olivgrüne Leder gezeichnet. Dennoch gehört der Stuhl zu ihrem Büro wie die Fischskulptur auf ihrem Schreibtisch. Das Firmenlogo aus massivem Messing steht dort, seit Hiltrud Seggewiß, 52, im August 2011 als Nordsee-Geschäftsführerin in der Bremerhavener Firmenzentrale antrat. Bremer Reeder und Kaufleute hatten das Unternehmen 1896 gegründet, um frischen Fisch schneller in den Handel zu bringen. Heute ist Nordsee die wohl bekannteste auf Fisch spezialisierte Schnellrestaurantkette und gehört inzwischen zur Holding HK Food des einstigen Großbäckers Heiner Kamps. An dessen Firmenkonglomerat ist wiederum Theobald Müller mit seinem Milch-Imperium zu 80 Prozent beteiligt. Seggewiß arbeitete bis 2002 als Finanzvorstand für die Großbäckerei, bis Heiner Kamps den Brotkonzern 2002 an den Nudelhersteller Barilla verkaufte. Das Arbeitsmotto der Nordsee-Chefin steht eingraviert auf der Rückenlehne ihres Stuhls: „Pro toto quid contribuamus.“ Zu Deutsch, wie Seggewiß frei übersetzt: „Wir ziehen alle an einem Strang.“ Rund 6000 Beschäftigte arbeiten für Nordsee, 404 Filialen betreibt die Kette, die im vergangenen Jahr 360 Millionen Euro umsetzte. Seggewiß’ Arbeitszimmer in einem ehemaligen Kontor ist schlicht eingerichtet. „Mehr brauche ich nicht“, sagt die Diplom-Kauffrau. Dafür entschädigt der Blick auf den anliegenden Fischereihafen. Dass die gebürtige Bocholterin an der Küste angekommen ist, zeigen auch die maritimen Fotografien in ihrem Büro. Hinter ihrem Schreibtisch hängt eine Pinnwand mit der Skizze einer Flunder. Sie wurde von Heiner Kamps’ Tochter Judith gezeichnet. Daneben hängt das Konterfei des Rolling-Stones-Gitarristen Keith Richards. Die Nordsee-Chefin ist Fan der Rocker. Doch deren Sound ist nicht zu hören, wenn ein Anrufer zufällig in die Warteschleife gerät. Dann dringt Möwengeschrei ins Ohr. „Nordsee-Impressionen eben“, sagt Seggewiß, „das muss so sein.“
Vera Calasan, Vorsitzende der Geschäftsführung der Personalberatung Manpower in Deutschland
Zartes Blau, Rot, Orange – die Farbtöne des Unternehmens-logos finden sich auch in ihrem Büro wieder. "Corporate Identity heißt das wohl", sagt Vera Calasan, 43, und schaut auf den Monitor, den sie auf ihrem höhenverstellbaren Schreibtisch direkt am Fenster platziert hat. "Ich arbeite am liebsten im Stehen", erklärt sie, "und ab und zu gönne ich mir neben Zahlen und E-Mails auch einen Blick auf den Taunus." Seit Oktober 2009 leitet die gebürtige Montenegrinerin in Eschborn bei Frankfurt die deutsche Tochtergesellschaft des amerikanischen Konzerns Manpower. Er ist einer der weltweit größten Personaldienstleister, setzt 22 Milliarden Dollar um und beschäftigt 3,5 Millionen Mitarbeiter. Als "Küken" kam Calasan mit ihren Eltern nach Deutschland, "spielte", wie sie sagt, "schon im Sandkasten den Boss" und machte mit "dieser Basiserfahrung" später ihren Master of Business Administration an der University of Chicago.
Ihre Beraterkarriere startete sie 1996 als Abteilungsleiterin bei der Manpower-Niederlassung in Köln. Vom Rhein wechselte sie dann an den Main und stieg beim Frankfurter Personaldienstleister Amadeus Fire ein. Heute ist sie als First Lady in der Deutschland-Zentrale von Manpower für rund 22.000 Mitarbeiter und für einen Umsatz von rund 627 Millionen Euro verantwortlich. "Ich liebe Orchideen", sagt sie, übersieht dabei ihre prächtige Fingerpalme und deutet zum Sideboard, auf dem die filigrane Skulptur eines Fallschirmspringers steht. Die Figur passt zu ihren sportlichen Ambitionen, denn neben Fliegen und Tauchen gehört der Solo-Sprung aus den Wolken zu ihren Hobbys. Ein Foto in der Sitzecke zeigt die Deutschland-Chefin als Team-Playerin unter rund 100 Führungskräften bei einem Treffen im Technik Museum Speyer. "Teamgeist" ist ihr Schlüsselwort; damit wirbt sie auch bei ihren Kunden, zu denen viele Dax-Unternehmen gehören. "Eine Floskel ist das nicht", betont Calasan, "auch wenn Entscheidungen manchmal einsam fallen."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Raimund C. Wilhelmi und Françoise Wilhelmi de Toledo, Geschäftsführer der Buchinger Klinik
Von Hektik keine Spur. Entschleunigung ist angesagt und vor allem Verzicht. Statt Kaffee, Wein und Steak gibt es Kräutertee mit Honig, Fruchtsaft, Gemüsebrühe und Mineralwasser – und das tage- oder sogar wochenlang. "Weniger ist mehr", lautet die Philosophie der Buchinger Klinik in Überlingen am Bodensee, dem deutschen Wallfahrtsort für Anhänger des Heilfastens. Seit 1953 pilgern sie hierher, um zumindest vorübergehend so zu leben, wie es einst der Marinearzt und Begründer des Heilfastens Otto Buchinger empfohlen hat. Heute leitet Buchingers Enkel Raimund C. Wilhelmi, 63, zusammen mit seiner Frau Françoise Wilhelmi de Toledo, 59, das Klinikum.
Ihr Büro wirkt wie ein Spiegelbild ihrer Fastenphilosophie – maßhalten heißt es bei den Wilhelmis. Das Mobiliar stammt aus den Schweizer Manufakturen Vitra und USM Haller, der Schreibtisch ist ein Entwurf des britischen Stararchitekten Norman Foster. Auf dem Rundtisch steht ein Modell der geplanten Parkanlage. Der Blick ins Gästebuch offenbart eine illustre Schar überzeugter Leidensgefährten: Stars wie Schauspielerin Jody Foster, Winnetou-Darsteller Pierre Brice oder Musiker der Toten Hosen. Auch Top-Manager, die Wert auf Verschwiegenheit legen, üben hier Verzicht. Kunst hingegen ist reichlich vorhanden – auf den Klinikfluren und in Wilhelmis Büro. Nicht zu übersehen ist die Vorliebe für die abstrakten Bilder von Hans Mack, Mitbegründer der Künstlergruppe Zero, sowie für Werke der belgischen Malerin Marie Jo-Lafontaine und der Französin Eliane Platzer. Aus der Sammlung sticht ein großes Schwarz-Weiß-Foto hervor, das über einem gläsernen Sideboard hängt. Es zeigt den jungen Wilhelmi zusammen mit seinem Vater Helmut und seinem Großvater Otto auf einer Bergwanderung. "Vom Großvater", sagt Wilhelmi, habe er auch die Weisheit "dass es dem Körper beim Fasten gut geht, aber die Seele hungert".
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Josh von Staudach für WirtschaftsWoche
Jacques-Antoine Granjon, Chef des Internet-Handels Vente-Privée.com
"Wenn jemand in mein Büro kommt, weiß er gleich, wie ich bin", sagt Jacques-Antoine Granjon, 50. "Ich lasse mich oft von Gefühlen leiten." Der Gründer und Chef von Vente-Privée.com, Europas erfolgreichster Internet-Verkaufsplattform, hat auf, vor, hinter und neben seinem Schreibtisch Erinnerungsstücke und Kunstwerke aufgestellt. In seinem Rücken hängt ein Mao-Porträt des chinesischen Dissidenten Yan Pei-Ming, an der Wand gegenüber Pop-Art des französischen Künstlerpaars Pierre et Gilles. Auf dem Boden steht ein verwundeter Tiger des Belgiers Pascal Bernier. Ferner hat Granjon in seinem Arbeitszimmer Bilder des niederländischen Fotografen Erwin Olaf ausgestellt, eine Büste von Brigitte Bardot als "Marianne", Frankreichs Nationalsymbol, zudem Modelle seines privaten Learjet, eine Löwenfigur aus Fez und, und, und. Vor der Tür geht es weiter mit voluminöseren Sammelobjekten, von David Mach zum Beispiel oder Pucci de Rossi.
Als 22-Jähriger hatte Granjon, Absolvent der European Business School, einen Großhandel mit Restposten gegründet. Vente-Privée.com ist die virtuelle Variante. In den vergangenen elf Jahren hat der Unternehmer damit ein Vermögen gemacht. Vente-Privée sitzt im Problembezirk Saint-Denis nördlich von Paris, unweit des Fußballstadions Stade de France. "Da draußen leben Kinder, die noch nie das Meer gesehen haben und keine ordentliche Schuldbildung erhalten", sagt Granjon. Hat er nie an Umzug gedacht? "Doch, habe ich. Aber das wäre schädlich für das Image eines Unternehmens, das 80 Prozent seines Umsatzes in Frankreich macht." 1,1 Milliarden Euro waren es insgesamt im vergangenen Jahr. 17 Millionen Kunden hat Vente-Privée, die am Computer auf Schnäppchenjagd gehen, etwas mehr als eine Million davon in Deutschland.
(Text: Karin Finkenzeller für WirtschaftsWoche)
Bild: Andreas Licht für WirtschaftsWoche
Gisbert Rühl, Vorstandsvorsitzender des Stahlhändlers Klöckner & Co.
Silberburg nennen die Duisburger ihr Wahrzeichen. Silberpalais lautet der offizielle Name des größten Bürohauses der Stadt, das durch seine helle Aluminiumfassade und die dunkel getönte Fensterfront hervorsticht. Ganz oben, in der elften Etage, residiert Gisbert Rühl, 53, Vorstandsvorsitzender des Stahl- und Metallhändlers Klöckner & Co. – im Volksmund kurz KlöCo genannt. Seit Oktober 2009 leitet der Wirtschaftsingenieur den weltweit größten Stahl- und Metallhändler, der rund 11.000 Mitarbeiter beschäftigt und im vergangenen Jahr rund 7,1 Milliarden Euro umsetzte. Vor seiner KlöCo-Karriere arbeitete Rühl bei der Unternehmensberatung Roland Berger, beim damaligen Mischkonzern Babcock Borsig und beim Chemieriesen Rütgers. Rühl mag es sachlich. "Ich wohne nicht hier, ich arbeite hier", beschreibt er sein Chefzimmer.
Nüchtern wirkt sein Büro dennoch nicht. Der Schreibtisch der Marke Rosenthal ist ein privates Mitbringsel. "Meine Frau wollte ihn eigentlich entsorgen", sagt der KlöCo-Chef. Die abstrakten Bilder stammen noch aus dem ehemaligen Klöckner-Fundus. Das Werk an der Wand über dem Schreibtisch ist unsigniert, ein zweites trägt den Schriftzug des Düsseldorfer Künstlers Michael Irmer. Auf einem Sideboard liegen Geschichte und Gegenwart vereint: ein Taktstock, den Rühl von seinem Amtsvorgänger Thomas Ludwig erhielt, das beleuchtbare Klöckner-Logo in Form eines Hundes und eine alte Schreibmaschine. "Auf ihr hat wohl schon die Frau von Günter Henle getippt", vermutet Rühl. Henle hatte das Unternehmen 1940, nach dem Tod des Firmengründers Peter Klöckner, geführt. Ihm und seiner Unternehmensgeschichte ist auch das ledergebundene Buch gewidmet, das auf einer Stele in einer kupfernen Schatulle ruht. "Eine kleine Kostbarkeit", sagt Rühl, "ich hüte es wie ein Vermächtnis."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Rüdiger Fox, Deutschland-Chef der Technologieberatung Altran
Zu einem Geschäftsführer, so denken manche, gehört ein schicker Dienstwagen, ein Büro mit feiner Ledergarnitur und ein Drachen im Vorzimmer. Rüdiger Fox, 46, braucht all das nicht. „Sie werden meinen Namen auf keinem Türschild finden“, sagt der Diplom-Ingenieur. „Ich arbeite virtuell. Ohne Papier, ohne festen Standort. Mein Büro ist der ICE.“ Seit einem Jahr leitet Fox das deutsche Geschäft der französischen Technologieberatung Altran. An seinen 13 deutschen Standorten beschäftigt das Unternehmen 1100 Berater – fast so viele wie Roland Berger.
Weil Fox viele seiner Kollegen regelmäßig trifft, beginnt seine Woche meist montags gegen sieben Uhr, wenn er in seiner Heimatstadt Freiburg in den Zug steigt. Und obwohl er pro Woche etwa 20 Stunden im ICE unterwegs ist, kann er nicht über Verspätungen klagen. Nur zwei bis drei Mal mussten Kollegen und Geschäftspartner in den vergangenen Monaten auf ihn warten. Eine gute Quote, findet er. Statt sich über Verzögerungen zu ärgern, denkt Fox auf langen Fahrten lieber über endliche Ressourcen und die Mobilität der Zukunft nach: Wie werden Menschen in einer Welt reisen, in der Rohstoffe teurer und Klimaschutz wichtiger wird? Solche Fragen beschäftigen auch seine Auftraggeber, Autobauer etwa und Luftfahrtkonzerne. Fox glaubt, dass Mobilität künftig vernetzter organisiert wird. „Reisende werden Flugzeug, Bahn, Taxi, und Mietwagen künftig über eine einzige Plattform buchen“, sagt Fox, „erst am Ende wird abgerechnet.“ Den Beginn dieser Mobilitätsrevolution lebt er vor. Sobald er etwa im Hamburger Hauptbahnhof einrollt, sucht er mit seinem iPhone nach einem Carsharing-Wagen. Ist keiner verfügbar, bestellt er via App ein Taxi. Und wenn der Geschäftsführer nachdenken will, mietet er sich ein Fahrrad und dreht eine Runde durch die Stadt. „Im Büro“, sagt Fox, „bin ich noch nie auf eine gute Idee gekommen.“
(Text: Sebastian Matthes)
Bild: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche
Axel Stirl, Vorstandsvorsitzender des Briefzustellers Pin Mail
Der Fußball auf dem Schrankregal ist Axel Stirl, 47, wichtig. „Er dient dem Konzentrationsaufbau“, sagt der Vorstandschef des Briefzustellers Pin Mail. „Ab und zu schmeiße ich den gegen die Wand“ – auch um sich abzureagieren. Zum Glück komme das immer seltener vor, sagt Stirl. Die Geschäfte liefen zunehmend besser. Seit 2006 leitet der promovierte Betriebswirt und frühere Diplom-Handelslehrer das Berliner Unternehmen, einen der größten Wettbewerber der Deutschen Post auf dem Briefmarkt. Früher hat Stirl selbst einmal für die Deutsche Post gearbeitet. Die Hauptstadt ist sein Revier. Knapp 1100 Mitarbeiter beschäftigt Pin Mail, sie stellen Briefe bis 1000 Gramm zu, 2011 setzte das Unternehmen mehr als 40 Millionen Euro um. Dieses Jahr will Stirl die Erlöse verbessern – bei deutlich positivem operativem Betriebsergebnis (Ebit). 350 grüne Briefkästen stehen inzwischen in Berlin – an markanten Plätzen und in Filialen der Handelskette Kaiser’s. Einer schmückt symbolhaft das Chefbüro.
In Zukunft will der Pin-Chef bundesweit expandieren. Zusammen mit Partnerunternehmen deckt er bereits 75 Prozent der Republik mit eigenen Zustellern ab. Dazu haben sich die Firmen in der Mail Alliance zusammengeschlossen. Die Briefe erreichen nach spätestens zwei Tagen ihren Empfänger. Der grüne Bär auf Stirls Schreibtisch steht stellvertretend für eine Reihe mannshoher „Buddy Bears“, die als Kunstobjekte und Friedensbotschafter durch die Metropolen der Welt reisen. Das Wohlfahrtsprojekt geht auf den Unternehmer Klaus Herlitz zurück, der Stirl 2006 bat, „Buddy Bears“ auf die Briefmarken von Pin zu drucken. „Das war ein Wendepunkt im Image der Pin Mail“, sagt Stirl. Die neuen Marken seien ein Zeichen dafür, dass sein Unternehmen den Ruf des Billiganbieters endgültig abgelegt habe.
Sigmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens
Nur rund ein Viertel seiner Arbeitszeit verbringt Sigmund Gottlieb im Büro. Doch die wenigen Stunden sind wichtig für den Medienmanager, denn hier holt er sich neue Ideen. "Der Ausblick ist unheimlich inspirierend", sagt Gottlieb. Vom Schreibtisch aus überblickt er eine bezaubernde Parklandschaft. "Im Sommer das satte Grün, im Herbst das Gelb und Rot der Blätter und im Winter der Schnee." Das zum Bayerischen Rundfunk (BR) gehörende Bayerische Fernsehen residiert in einem weitläufigen Garten aus Wiesen, alten Bäumen und Blumenbeeten im Münchner Norden. Sendungen wie das "Mittagsmagazin", "Plusminus" und "Report München" entstehen hier.
Inspiration kann Gottlieb brauchen. Der Bayerische Rundfunk hat Großes vor: Die drei Ausspielwege, wie Gottlieb sie nennt – Fernsehen, Hörfunk und Internet –, sollen viel enger zusammenrücken. Eine sogenannte trimediale Strategie haben die Bayern entwickelt. "Die Kolleginnen und Kollegen aus den Hörfunk-, TV- und Online-Redaktionen sitzen dann anders als in der Vergangenheit zusammen und planen und recherchieren gemeinsam", sagt Gottlieb. Ziel sei es, eine höhere Qualität zu erreichen. Im Internet wollen die Bayern vor allem jüngeres Publikum begeistern.
Kooperationen sind dabei wichtig. Seit Kurzem produziert der BR mit der WirtschaftsWoche eine Film-Reihe, in der die 20 dringendsten Fragen zu Euro und Europa beantwortet werden. Während des Oktobers läuft die Reihe täglich in der Nachrichtensendung "Rundschau-Magazin" des BR. Von einem "Bündnis der Qualitätsmedien" und einem "Zukunftsmodell für öffentlich-rechtliche Medien" spricht Gottlieb. Dass die Zusammenarbeit über den Oktober hinaus fortbesteht, kann Gottlieb sich vorstellen. Themen könnten Energie- oder Gesundheitspolitik sein.
(Text: Mathias Kamp)
Bild: Dieter Mayr für WirtschaftsWoche
Katrin Teichert, Geschäftsführerin der Hertz Autovermietung in Deutschland
Nur zwei bis drei Stunden am Tag arbeitet Katrin Teichert, 43, in ihrem Büro in Eschborn, am Rande Frankfurts. "Meist bin ich in Meetings oder auf Achse bei Kunden", erklärt die Deutschland-Chefin der amerikanischen Autovermietung Hertz Global Holdings, des weltweit größten Verleihers von Mietwagen. "Mobilität ist nun mal mein Geschäft", begründet Teichert ihre vielen Stippvisiten. Seit Oktober 2010 leitet sie die Hertz Autovermietung in Deutschland, zuvor war sie 14 Jahre für den amerikanischen Autohersteller General Motors tätig, zuletzt für dessen deutsche Tochter Opel. In Hamburg hatte sie Betriebswirtschaft studiert und anschließend in Köln noch Kommunikationswissenschaft. Hertz fuhr im vergangenen Jahr mehr als acht Milliarden Dollar weltweit ein, rund sechs Milliarden Euro. 8500 Stationen betreibt das Unternehmen in rund 150 Ländern, 300 in Deutschland. "Klassisch und alltagstauglich" nennt Teichert ihr Mobiliar mit dem schwarzen bumerangförmigen Schreibtisch. Auf ihm liegen neben Blackberry und iPhone die Tagespost, Geschäftsberichte und Projektanträge. "Ich bin extrem aufgeräumt", sagt die Managerin.
Auch ihre Familie ist am Arbeitsplatz präsent – als Bildschirmschoner. Ihr irischer Lebensgefährte Paul und die Kinder Finn Ciaran und Brianna Sinead haben immer dann ihren Auftritt, wenn der Computer für kurze Zeit ruht. Zum "Wohlfühlfaktor", so Teichert, gehört auch das Gemälde an der Wand. Es zeigt die Skulptur einer Frau und eines Mannes und „drückt für mich Gemeinsamkeit aus“, sagt die Automanagerin. Auch das Modellflugzeug auf dem Schrank hat für sie eine symbolische Bedeutung. "Durchstarten und abheben lautet die Devise" erklärt sie, "nur mit einem Auto lässt sich das schlecht darstellen."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Josh von Staudach für WirtschaftsWoche
Steffen Raschig, Geschäftsführer von Chevrolet Deutschland
"Eigentlich müssten wir in Bremen sitzen", meint Steffen Raschig, 43, Deutschland-Chef der amerikanischen Automarke Chevrolet. Denn dort kommen die Autos aus Übersee an, die er in Deutschland zum Kampfpreis losschlägt. Doch die Chevrolet-Mutter General Motors (GM) wollte die Deutschland-Zentrale aus logistischen Gründen in der Mitte des Landes platzieren: in Rüsselsheim. Keine fünf Autominuten vom Opel-Hauptsitz entfernt, haben Raschig und seine 75 Kollegen ihre Büros. Aber mit den Kollegen von Opel haben sie so gut wie nichts zu tun, obwohl Opel genauso wie Chevrolet eine Marke von GM ist. Statt Kooperation gibt es Rivalität. Während Opel mit Verlusten kämpft, feiert Chevrolet Absatzrekorde. Angeheizt werden die europäischen Geschäfte von Chevrolet durch einen gigantischen Sponsorenvertrag mit dem englischen Fußball-Rekordmeister Manchester United. 450 Millionen Euro zahlt Chevrolet für den Werbe-Deal. Da fragen sich immer mehr Opelaner: Hat GM die ramponierte Marke Opel schon aufgegeben? Raschig wiegelt ab. Opel und Chevrolet stünden nicht in Konkurrenz zueinander, denn sie sprächen unterschiedliche Kundengruppen an. "Wer sich für ein Importauto interessiert, kauft in der Regel kein deutsches Fabrikat", sagt Raschig. Er will mit einer amerikanisch angehauchten Marke punkten, die für kleines Geld viel bietet.
So sieht auch sein Büro aus – zweckmäßig und ein Touch Amerika: simple Möbel, dazu Fotos vom Halbstarken-Chevy Camaro und der Sportwagen-Legende Corvette sowie ein kleiner Coca-Cola-Kühlschrank im Retro-Design. "Ich bin leidenschaftlicher Cola-Light-Trinker", bekennt der Manager. In einer anderen Ecke steht eine Palme, die den Kfz-Betriebswirt seit Jahren begleitet; sie war schon in Tschechien und Russland, wo er für Chevrolet den Vertrieb managte. "Die Pflanze ist ein Barometer", sagt Raschig. "Ist die Atmosphäre im Büro gut, geht es auch der Palme gut."
(Text: Martin Seiwert)
Bild: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche
Roland Koch, Vorstandsvorsitzender des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Berger
Geschäftszahlen statt Umfragewerte, die weite Welt statt Hessen. Roland Koch, 54, kämpft nicht mehr als hessischer Ministerpräsident um Wählerstimmen, sondern um Soll und Haben des weltweit tätigen Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Berger. Seit Juli 2011 leitet Koch als Vorstandsvorsitzender von Mannheim aus das Unternehmen, das weltweit mehr als 65.000 Mitarbeitern beschäftigt und einen Jahresumsatz von über 8,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Von 1999 bis 2010 regierte der ehemalige Landesvorsitzende der hessischen CDU das Bundesland, dann wechselte der Jurist mit Spezialgebiet Wirtschafts- und Wettbewerbsrecht von der Politik ins Geschäftsleben. "Ein Mitbringsel aus der alten Welt", nennt Koch seine Trophäensammlung von Fotografien, die er akribisch auf einem Sideboard platziert hat. Viele sind mit Widmungen versehen, viele tragen große Namen: Der Dalai Lama ist darunter, der frühere US-Präsident George Bush, Königin Beatrix der Niederlande, der nigerianische Staatspräsident Goodluck Ebele Jonathan – und Schlagersänger Udo Jürgens.
In Kochs Büro im neunten Stock der Mannheimer Zentrale hat alles seine Ordnung. "Es ist eine egoistische Methode des Steuerns", beschreibt der Vorstandschef seine Vorliebe für einen aufgeräumten Schreibtisch. Dazu gehört auch der frische Blumenstrauß am Arbeitsplatz. Hinter dem Stehpult wachen zwei Skulpturen auf dem Fensterbrett – ein roter und weißer Hessischer Löwe des Künstlers Ottmar Hörl. Ihnen gegenüber hängen zwei abstrakte Bilder des Malers Otmar Alt. Koch mag seine farbenprächtigen Formensprache. Gelegentlich blätterte er im "The Phaidon Atlas of contemporary world Architecture" – einem Wälzer über zeitgenössische Architektur. "Doch dafür habe ich momentan keine Zeit", sagt er, "am 25. September ziehen wir das Betttuch vom neuen Logo, dann heißen wir nur noch Bilfinger."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Franz-Josef Schürmann, Deutschland-Chef des IT-Dienstleisters Infosys
Bis in den 22. Stock liftet der Fahrstuhl ihn jeden Tag. "Wenn ich aus dem Fenster schaue, dann blickt die Bankenwelt zu mir herüber", sagt Franz-Josef Schürmann, 43, Deutschland-Chef des indischen IT-Dienstleisters Infosys. Die Frankfurter Skyline mit den Finanzkathedralen der Deutschen Bank, der Commerzbank oder dem Westend Tower wirkt wie ein Widerspruch zu seinem eher spartanisch eingerichteten Büro im Opernturm. Schürmann, Betriebswirt und Agrarökonom, ist bodenständig geblieben und mag das Understatement. "Lieber mehr sein als scheinen", lautet sein Motto. Seit 2010 leitet er die deutsche Dependance des weltweit führenden IT-Dienstleisters, der 1981 mit einem Startkapital von 250 Dollar im indischen Pune gegründet wurde und jetzt sein Hauptquartier in Bangalore hat. Innerhalb von drei Jahrzehnten gelang dem einstigen IT-Consultingpionier der Sprung an die Weltspitze. Rund sieben Milliarden Dollar, rund 5,6 Milliarden Euro, setzte der Konzern im vergangenen Jahr um, 23 Prozent davon in Europa. Mittelfristig soll Europa 40 Prozent zum Umsatz beisteuern. "Seit 2010 haben wir den Umsatz in Deutschland um 50 Prozent auf 100 Millionen Euro gesteigert", betont Schürmann. 600 Mitarbeiter beschäftigt Infosys in Deutschland, mehr als 145.000 weltweit. Hierzulande betreuen sie Dax-Konzerne wie Daimler, Adidas, Deutsche Bank und BMW. Auf Schürmanns Schreibtisch stehen Fotos seiner Familie. "Schreibtisch ohne Familienfotos geht gar nicht", sagt der Manager und blickt auf die Bilder seiner Frau Anne und seiner drei Kinder Clara, Paul und Helena. Daneben zeigt eine Luftaufnahme die Arktis. "Ifosys gilt weltweit als grünes Unternehmen", erklärt der gebürtige Westfale. An der Garderobe hängt demonstrativ ein Schal des Fußballbundesligisten Eintracht Frankfurt, der einen oberen Tabellenplatz erreicht hat. "Die bleiben da oben", ist Eintracht-Fan Schürmann überzeugt, "Abstieg ist kein Thema."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Helge Sasse, Vorstand von Senator Entertainment
„Alle zehn Minuten wird’s laut“, sagt Helge Sasse, 56. Dann rasselt vor seinem Fenster im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg die U-Bahn oberirdisch vorbei. Auf vier Etagen verteilt sich das börsennotierte Filmunternehmen Senator Entertainment in einer ehemaligen Papierfabrik aus dem Jahre 1870, das der Jurist seit 2006 leitet. Der Historie geschuldet ist die „preußische Kappendecke“. Das Parkett ist aus Eiche, „fallende Längen“ mit unterschiedlich langen Brettern. „Ich mag es, wenn die unregelmäßig aussehen, es schafft Wärme“, sagt Sasse.
Den Schreibtisch aus Nussbaum erstand seine Frau für ihn. Von hier aus lenkt Sasse die Geschicke des Unternehmens, das als Verleih des Films „Ziemlich beste Freunde“ einen großen Erfolg verbuchte. Vor allem deswegen stieg der Umsatz im ersten Halbjahr 2012 um 108 Prozent auf 27,4 Millionen Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug 5,3 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet Sasse einen Gewinn von rund neun Millionen Euro, zumal zu Beginn dieses Monats der DVD- und Blu-ray-Verkauf des Films gestartet ist.
Statt Glamour findet der Besucher Understatement. „Die Möbel sind alle Privateigentum“, sagt Sasse. Auf den Freischwingern nehmen seine Gäste Platz, wenn sie sich mit ihm unterhalten über Projekte wie die gerade anlaufende Verfilmung von „A Most Wanted Man“ nach John le Carré, bei der Fotograf Antonin Corbijn Regie führt. Wenn es hektisch wird, reicht Sasse oft ein Blick auf die mathematischen Muster der Kunstwerke vor ihm und hinter seinem Rücken, die seine Frau geschaffen hat. Die Gitarre, eine Gibson Custom L-5, ist ein Geschenk von Thorsten Wingenfelder, Gitarrist der Rockband „Fury in the Slaughterhouse“. Persönlich darf es gerne sein, findet Sasse und sammelt Erinnerungen in dem Sideboard. „Ich mag’s gern kruschig.“
Arved Fuchs, Polarforscher und Abenteurer
"Ich bin Volltischler, kein Leertischler", beschreibt Polarforscher Arved Fuchs, 59, seinen Arbeitsplatz. Ein Schiffskompass markiert auf dem Schreibtisch die Grenze zwischen der "besetzten" und der "freien" Fläche. Auf der besetzten Seite konkurrieren Ausrüstungslisten mit Videobändern, CDs, Landkarten und Post um den Platz. "Was ich suche, finde ich", betont Fuchs. Nur selten ist er in seinem Heimatort, in Bad Bramstedt, rund 42 Kilometer nördlich von Hamburg. Meist ist der wohl bekannteste deutsche Abenteurer im ewigen Eis unterwegs. Er lief zum Nordpol und zum Südpol und umrundete mit seinem Segelschiff "Dagmar Aaen" den Nordpol. Zuletzt zog es ihn Ende März für zwei Monate nach Nordgrönland. Gemeinsam mit drei Begleitern und einem Gespann aus 21 Schlittenhunden legte er rund 800 Kilometer zurück und bestieg den 1400 Meter hohen Meehan-Gletscher. Seinen Forscher- und Abenteuerdrang finanziert Fuchs durch Vorträge, Fernsehdokumentationen, Fotoreportagen, als Buchautor und mithilfe von Sponsoren wie dem Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin. Seit 1977 geht er auf Expedition. Nach der Schule heuerte er zunächst bei der Handelsmarine an, danach studierte er Schiffsbetriebstechnik.
Zwischen seinen Ausflügen kehrt er stets nach Bad Bramstedt zurück, seinen Geburtsort. "Nach minus 20 Grad brauche ich dann mal wieder meinen Wohlfühlbereich", sagt Fuchs und blickt durch seine "maritime, eisfreie Bürowelt". An der Wand neben seinem Schreibtisch hängen das Bild der "Dagmar Aaen" und ein Querschnittmodell vom Rumpf des 1931 gebauten Seglers. Der Magnetkompass mit den rot-grünen Positionsleuchten ist ein Geschenk des Flensburger Modellbauers Adolf "Adi" Born. In den Regalen der angrenzenden Bibliothek stapeln sich historische Werke über Polarforscher. Seemännische Atmosphäre schaffen die Buddelschiffe, ein alter Globus und Schiffsleuchten sowie die Aquarell- und Acrylgemälde der Hamburger Expeditions- und Marinemaler Rainer Ullrich und Fred Müller. "Auch in diesen Räumlichkeiten finde ich mich zurecht", sagt der Eis-Mann und scherzt: "Navigieren ist, wenn man trotzdem ankommt."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche
Ebbo Tücking, Geschäftsführer des Maßschneiders Cove & Co.
Von wegen edles Flair. Das Büro von Ebbo Tücking, 43, dem Geschäftsführer des Maßschneiders Cove & Co., liegt mitten im Düsseldorfer Gewerbegebiet. Der Weg zum Chef führt durch einen Lagerschuppen, wo Lieferanten ihre Stoffmuster abliefern, über Treppen in den zweiten Stock. Von hier aus steuert Tücking seine bundesweit neun Schneiderateliers, die er allerdings in den feineren Innenstadtlagen etwa von Berlin, Hamburg und Düsseldorf eingerichtet hat. Im Büro dominieren dunkle Holztöne. Die Decke ziert ein Leuchter aus Rothirschgeweihen; die Vorderfüße des Paarhufers dienen als Garderobenhaken. Auf die Jagd geht Tücking zwar nicht, aber er mag Originalität. Auf der Suche nach interessanten Bürodetails streift er gerne über Antikmärkte. Zusammen mit zwei Kommilitonen der Universität Münster hat der studierte Betriebs- und Volkswirt kurz vor der Jahrtausendwende Cove & Co. gegründet.
Als Doktorand wirkte Tücking damals an einer Marktstudie über Maßbekleidung in Deutschland mit – und machte sich daran, seine Erkenntnisse praktisch umzusetzen. Den Namen des Unternehmens (gesprochen: Kowe) entlehnte er der Münsteraner Geheimsprache Masematte – frei übersetzt steht Cove für Kleidung. Ab 600 Euro aufwärts kostet ein maßgeschneiderter Anzug. Auf Tückings Schreibtisch findet sich – neben den Katalogen exklusiver Ausstatter wie Allen Edmonds (Schuhe) und Borsalino (Hüte) – auch eine Broschüre über das Münchner Hackenviertel. In den verwinkelten Straßen zwischen Marienplatz, Sendlinger Tor und Stachus soll bald das nächste Cove-Atelier entstehen. Tücking legt Wert auf gediegene Umgebung; als Nachbarn mag er Kunst- und alteingesessene Fachhändler. Bei seiner Standortsuche folgt der Cove-Chef einer einfachen Strategie: "Ich leihe mir ein Fahrrad und schaue mir sehr intensiv die verschiedenen Einzelhandelslagen in der Stadt an."
(Text: Jürgen Salz)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Claudia Krause, Geschäftsführerin des Schulranzenherstellers Thorka
Manchmal wird ihr Büro zum Klassenzimmer. Dann dreht Claudia Krause, 46, ein paar Runden und testet selbst, wie sich ihr neuester Tornister tragen lässt. Leicht muss er sein, trendy und die genormten Sicherheitsvorschriften erfüllen. Der Schulranzen sei ein "Stück deutsches Kulturgut", sagt die Geschäftsführerin des Ranzen- und Rucksackherstellers Thorka, der vor allem durch die Marke McNeill bekannt wurde. Nicht nur am Stammsitz in Hainburg bei Frankfurt produziert das Unternehmen, sondern auch im brandenburgischen Eberswalde. 20 Millionen Euro setzte Thorka im vergangenen Jahr mit den Marken McNeill, Take it easy und Ceevee um. "Die Kids wissen genau, was sie wollen", sagt die Managerin, die den 1963 gegründeten Handwerksbetrieb zu einem der führenden deutschen Anbieter von Schulaccessoires entwickelt hat. Heute beschäftigt sie 175 Mitarbeiter, gut die Hälfte davon arbeitet in der hessischen Zentrale. "Hier ist es so aufgeräumt wie früher in meiner Schultasche", vergleicht sie das "überschaubare Chaos" auf dem Schreibtisch, der eigens für sie angefertigt wurde. Gut verteilt liegen auf dem sichelförmigen Unikat Tagespost, Zeitungen und Skizzen von künftigen Schultaschen. "Krause Ordnung", nennt sie die Ansammlung entwaffnend. In den Apothekerkästchen auf der Fensterbank hat die Geschäftsführerin ihre Muster- und Datensammlung archiviert. Sie werden von Don Quijote und einem Berliner Bären bewacht, zwei Figuren aus Meißner Porzellan. Die Pinnwand ist gespickt mit Terminzetteln und Buntstiftzeichnungen ihrer Patenkinder Felix und Louis. Außerdem hängen an den Bürowänden Drucke mit Golf-Motiven. "Mein Hobby", verrät Krause. Ein gerahmtes Werbeplakat mit dem Konterfei eines Yorkshire Terriers namens McNeill darf in der Sammlung nicht fehlen. Krauses Familienhund sprang einst bei einem Fotoshooting ins Bild, prompt kreierte das Unternehmen die Marke McNeill.
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Andrea und Anja Lottmann, Geschäftsführerinnen der Agentur Lottmann PR
Hamburg, Berlin oder Düsseldorf? Oft kommt es nicht vor, dass sich Andrea Lottmann, 38, und Anja Lottmann, 43 (rechts), an einem ihrer drei Agenturstandorte treffen. "Doch wenn wir über Projekte reden, oder die Hütte brennt, dann zieht’s uns in die Hansestadt", sagt Anja Lottmann, die ältere Schwester, lehnt sich an den Türpfosten und blättert in einem Werbeprospekt. Sie hat das Unternehmen Lottmann PR im Mai 2002 gegründet – in Düsseldorf. Schon drei Jahre später eröffneten die beiden Geschwister ein Büro in Berlin, im August 2011 folgte Hamburg. In ihrem Metier zählen sie mittlerweile zur Oberliga. Sie beraten Unternehmen wie den dänischen Bierbrauer Carlsberg, die Schweizer Restaurantkette Mövenpick Marché und kommunizieren den Auftritt der weltgrößten Windenergie-Messe Husum Wind Energy. Für die Müller-Milch-Tochter Loose kreierten sie zusammen mit dem französischen Schauspieler Gérard Dépardieu die Kampagne „Harzer Roller – oh la la!“ und erhielten dafür den international renommierten PR Report Award. "Ohne Emotionen geht gar nichts mehr", sagt Andrea Lottmann, die im Hamburger Büro das Hausrecht hat, wie sie betont.
Die Arbeitsräume liegen im Szene-Stadtteil Altona in einem Altbau, der noch den Charme der Gründerzeit ausstrahlt. Die Stuckatur in den weiß getünchten Räumen wurde ausgebessert und farblich abgesetzt. Alles wirkt frisch renoviert, selbst das Schiffsparkett riecht noch nach Holz. Hinter dem Chefsessel zeigt eine gerahmte Fotografie den Hamburger Hafen bei Sonnenuntergang. "Das Bild strahlt für mich so etwas wie Ruhe nach dem Sturm aus", vergleicht Andrea Lottmann das hektische Hafentreiben mit dem eigenen Job. Direkt gegenüber, im Besprechungszimmer, hängt das Bild einer norddeutschen Dünenlandschaft. "Arrangiert hab ich hier nichts", präsentiert die PR-Managerin ihren aufgeräumten Schreibtisch. Neben einem Monitor stehen der PR-Award und ein Buddha. "Wenn ich hier bin, dann streichle ich ihm einmal am Tag über den Bauch", sagt Andrea Lottmann, "das soll ja angeblich Glück bringen."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche
Olivier Harnisch, Hilton-Geschäftsführer für Nord- und Zentraleuropa
Das Ambiente ruft nicht unbedingt Assoziationen zum Produkt hervor: Im Gegenteil, das kleine, eher spartanisch eingerichtete Kontor im Frankfurter Bürostadtteil Niederrad ist das möblierte Kontrastprogramm zum Luxus der Hotelkette Hilton, für die Olivier Harnisch seit 1999 arbeitet und für die er seit Anfang 2011 das Nord- und Zentraleuropageschäft verantwortet. Weiße Wände, deckenhohe Fenster zum Flur und nach draußen, blauer Teppich, zwei Sideboards und ein Schreibtisch aus hellem Holz, zwei schwarze Bürostühle und ein silberner Deckenfluter – das war’s. Persönliche Dinge sind erst auf den zweiten Blick zu entdecken: ein Familienfoto mit Ehefrau Anna und den Kindern Caroline und Frederic, ein Mousepad mit dem Bild der zwölf und acht Jahre alten Sprösslinge, Kinderzeichnungen und Fotos von früheren Meetings. "Ich lege nur geringen Wert auf Statussymbole und habe mich darum ganz bewusst für das kleinste Büro entschieden", sagt der 45 Jahre alte Hotelmanager. Die Bescheidenheit hat auch praktische Gründe: "Ich verbringe ohnehin nur drei bis vier Tage im Monat in meinem Büro, die übrige Zeit bin ich unterwegs", sagt Harnisch. Seine Karriere verlief so wie die vieler Hotelmanager: Nach einer Kellnerausbildung in der Hotelfachschule folgte 1986 die erste Anstellung im berühmten Negresco in Nizza. Seitdem hat der in Marokko geborene Deutsch-Franzose – sein Vater war französischer Entwicklungshelfer, seine Mutter Deutsche – in Hotels auf vier Kontinenten gearbeitet. In Edinburgh, New York und an der Cornell University hat er studiert. Und inzwischen ist der sechssprachige Kosmopolit – er spricht neben Deutsch und Französisch auch Englisch, Italienisch, Spanisch und Indonesisch – mit 60 Mitarbeitern für 27 Hotels der Marken Hilton, Hilton Garden Inn, Hampton by Hilton und Doubletree in acht europäischen Ländern zuständig.
(Text: Hans-Jürgen Klesse)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Eckart Langen von der Goltz, Geschäftsführer der PSM Vermögensverwaltung
Als passionierter Schachspieler vergleicht Eckart Langen von der Goltz das königliche Spiel gern mit seiner eigenen Börsenstrategie. Der 70-jährige Freiherr ist Gründer und Geschäftsführer der Münchner PSM Vermögensverwaltung GmbH Langen v. d. Goltz, Dr. Prinz & Partner. Sie ist nach eigenen Angaben eine der ältesten unabhängigen Vermögensverwaltungen in Deutschland. "Wer mit Aktien auf die Dauer Geld verdienen will, muss auf dem Parkett so lange warten, bis er einen Euro für 50 Cent bekommen kann", sagt von der Goltz, "bloß kein Roulette." Konservativ nennen sie das in seinem Metier, "Werterhalt vor Wachstum" nennt es der gebürtige Berliner, der 1965 noch während seines Volkswirtschaftsstudiums an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität das Unternehmen gegründet hatte. Heute betreuen seine 30 Mitarbeiter rund 500 gut betuchte Kunden. Diskretion gehört zum Geschäft, über Kunden und Geschäftszahlen spricht man nicht – "noblesse oblige", Adel verpflichtet! Sein Büro in Grünwald bei München ist eine Mischung aus Klassik und Moderne. In seiner "kreativen Rückzugsecke" steht ein Biedermeier-Salontisch samt Schachbrett und der obligatorischen Wasserflasche. Auch der Schreibtisch stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und ist bestückt mit zwei modernen Monitoren über die ununterbrochen die neuesten Kurse defilieren. Ergänzt wird dieses Duo von einem riesigen Flachbildschirm, auf den ein goldgerahmtes Porträt des deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe herunterblickt. Zwei Werke unbekannter Künstler hängen neben deckenhohen Regalwänden, in denen chronologisch geordnet Artikel und Prognosen aus Politik und Wirtschaft der vergangenen 50 Jahre stehen. Seine Leitz-Ordner tragen nicht die klassischen Behördenfarben grün-grau, sondern sind gelb-rot. Die Weisheiten aus dem Schach hat von der Goltz dagegen im Kopf: "Eine falsche Eröffnung, und schon ist das Spiel verloren", sagt er und fügt noch ein Buddenbrooks-Motto hinzu: "Mache mit Lust Geschäfte bei Tage, aber nur solche, bei denen du nachts ruhig schlafen kannst."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Dieter Mayr für WirtschaftsWoche
Andreas Jungblut und Andreas Greulich, Kapitäne auf dem Kreuzfahrtschiff MS Deutschland
"Ich bin nicht so, wie mein Name klingt", scherzt Andreas Greulich, 52, und schaut zu, wie sein Kollege Andreas Jungblut, 59, mit dem Fernglas den Horizont absucht. "Ich pass auf, dass unserer Lady niemand in die Quere kommt", sagt Jungblut. Die Lady ist TV-Star in der ZDF-Serie "Das Traumschiff" und schippert seit 14 Jahre regelmäßig mit rund 500 Gästen und 280 Mann Besatzung über die Meere. Ihr offizieller Taufname: "MS Deutschland". Zurzeit liegt das Flaggschiff der norddeutschen Traditionsreederei Peter Deilmann als maritimer Botschafter für die Bundesrepublik bei den Olympischen Sommerspielen in London vor Anker. Dort dient sie bis zum 12. August den deutschen Teilnehmern als Tagungsstätte und Hotelschiff. Danach geht die Reise zurück nach Hamburg – noch als deutsches Schiff, denn die "Deutschland" wird demnächst aus Kostengründen nach Malta ausgeflaggt. Seit 14 Jahren ist Jungblut Kapitän des schwimmenden Grand Hotels. Wie Greulich, der seit 2002 als Traumschiff-Kapitän dabei ist, kennt er "jede Schweißnaht auf dem Schiff". Früher fuhren sie zusammen, heute treffen sie sich nur noch alle zwei Monate zum Wachwechsel in ihrer Kommandozentrale. Mit alter Seefahrer-Romantik hat ihr Arbeitsplatz nichts zu tun: Zwischen satellitengesteuerten Navigationssystemen, Sextanten und Monitoren mit elektronischen Seekarten recken sich Mikrofone wie Schwanenhälse über das meterlange Steuerpult. "Was für den Pastor die Kanzel, ist für den Kapitän die Brücke", vergleicht Greulich. Von hier oben navigieren sie, geben Kommandos zum An- und Ablegen, steuern die knapp 17.000 PS starken Dieselmotoren. Alle Systeme sind wie bei einem Jet doppelt gesichert. Jungblut, ein waschechter Hamburger, segelte schon als Junge in einem Dingi auf der Elbe. Nach der Seefahrtsschule heuerte er auf Stück- und Massengutfrachtern an. Greulich, gebürtiger Gothaer aus Thüringen, fing nach der Wende bei der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd an, fuhr früher auf Tankern und Hochseeschiffen. Die "Deutschland" hat sie zusammengeführt. "Sie ist und bleibt mein schönstes Schiff", schwärmt Jungblut. "Es ist ein warmes Schiff mit viel Holz", ergänzt Greulich, "es hat eine Seele."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche
Karl Michael Mohnsen, Vorstandsvorsitzender des Güterbahnbetreibers TX Logistik
"Alles klar, pünktlich wie die Eisenbahn", sagt Karl Michael Mohnsen, 55, ins Telefon und freut sich, dass er „mal wieder alles aufs Gleis gebracht“ hat. Der Betriebswirt redet gerne in der Sprache der Eisenbahner, ist er doch Vorstandsvorsitzender von TX Logistik, einer 100-prozentigen Tochter des staatlichen italienischen Bahnkonzerns Trenitalia und einem der wichtigsten Konkurrenten der Deutschen Bahn im Schienengüterverkehr. Im nordrhein-westfälischen Bad Honnef im fünften Stock der TX-Logistik-Zentrale hat Mohnsen seinen Leitstand eingerichtet, von hier aus koordiniert er den Gütertransport per Bahn von Europas großen Nordseehäfen Hamburg, Bremerhaven, Rotterdam und Antwerpen auf der Nord-Süd-Achse von Schweden bis hinunter nach Italien. Seit 2005 leitet er das Unternehmen, zuvor saß er im Vorstand der Deutsche-Bahn-Tochter DB Cargo und war Generalbevollmächtigter der Osnabrücker Transport- und Logistikgesellschaft Hellmann Worldwide Logistics. Rund 400 Mitarbeiter beschäftigt TX Logistik, 200 Millionen Euro setzte das Unternehmen im vergangenen Jahr um, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 25 Prozent. Sein Büro sei so durchorganisiert wie "ein Containerterminal", vergleicht Mohnsen die fast geometrische Ausrichtung des Mobiliars. Kunst gibt es nicht im Chefzimmer, dafür mit Stecknadeln gepiercte Europakarten, auf denen Standorte des Unternehmens markiert sind. Ein schlichtes Sideboard hat er für Familienfotos reserviert. Zwischen den Schnappschüssen mit Ehefrau Sue und den Kindern Marilyn, Katja und Marc lugt ein Bild hervor, das den gebürtigen Hamburger als 1. Offizier auf dem deutschen Schnellboot "Tiger" zeigt. „Das war von 1975 bis 1980“, erklärt Mohnsen. Abergläubisch ist er nicht. Dennoch haben Talismane, eine russische, ineinander verschachtelte Matroschka-Puppe sowie Glückssteine aus Israel, ihren Stammplatz auf seinem Schreibtisch. "Mit Schotter habe ich jeden Tag zu tun", sagt TX-Logistik-Chef Mohnsen zweideutig und lacht, "das hier ist mal was anderes."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Hans-Gerd Jauch, Insolvenzverwalter und Partner der Wirtschaftskanzlei Görg
Hans-Gerd Jauch, 59, schätzt klare Verhältnisse. Egal, ob er als Insolvenzverwalter des Arcandor-Konzerns für eine geordnete Abwicklung des gestrauchelten Handelshauses sorgt oder vor Fototerminen das eigene Arbeitszimmer noch schnell von Aktenbergen und Büchern befreien lässt. Entsprechend aufgeräumt wirkt sein Büro bei der Kölner Wirtschaftskanzlei Görg Rechtsanwälte. Zieren sonst eher harmlose Abstraktionen die Büros deutscher Starjuristen, setzt Jauch entschiedene Kontrapunkte. An der Wand hinter dem ovalen Besprechungstisch hängen zwei Bilder des Kölner Malers Gerd Mosbach. "Der Inquisitor" auf der rechten Seite soll bleiben, wo er ist. Das Werk "Paradiesische Zustände" mit spielenden Kindern dient Jauch dagegen als Platzhalter. Demnächst will er hier ein Mosbach-Gemälde anbringen, das den Tod des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi zeigt. Auch hinter dem alten englischen Schreibtisch prangt ein Mosbach-Werk. Jauch schätzt die religiösen Sujets des Künstlers – und dessen klare Bildsprache. Nur der alte Schlachten-Stich über dem Sekretär ist nicht von Mosbach, sondern nach einer Vorlage des amerikanischen Künstlers Benjamin West entstanden. Auf dem Sekretär reihen sich Fotos seiner Hunde, die ihn gelegentlich auch auf die Jagd begleiten. Trophäen wie die Stoßzähne eines selbst erlegten Warzenschweins finden sich in seinem Büro ebenso wie das Modell eines James-Bond-Bentleys. Nebenher sammelt Jauch Uhren, raucht Pfeife und vergnügt sich mit der Lektüre von Akten, Büchern oder Wikipedia-Einträgen. Auf dem Besprechungstisch thront indes das Wappentier seiner Zunft: ein steinerner Pleitegeier. Neben den Arcandor-Verfahren, die er vom Namensgeber der Kanzlei Klaus Hubert Görg 2011 übernommen hat, war Jauch bei den Insolvenzen des Anlagenbauers Babcock Borsig und des Fotokonzerns Agfaphoto engagiert. Zurzeit wickelt er zudem zahlreiche notleidende Immobilienfonds ab. Ende des Jahres muss Jauch sein Büro allerdings räumen. Die Sozietät mit ihren insgesamt rund 170 Wirtschaftsrechtlern zieht vom Sachsenring in das Büroensemble maxCologne am Deutzer Rheinufer.
(Text: Henryk Hielscher)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Thorsten Klapproth, Vorstandsvorsitzender des Haushaltswarenherstellers WMF
"Sachlich, klar, schnörkellos" – mit wenigen Worten skizziert Thorsten Klapproth, 50, sein weitläufiges Arbeitszimmer, während er am Monitor die E-Mails scrollt. "Puristisch kann man es auch nennen", ergänzt er dann, immer noch damit beschäftigt, den Berg der Nachrichten auf ein "Hügelchen zu dezimieren". Seit Juni 2003 leitet Klapproth als Vorstandsvorsitzender den börsennotierten WMF-Konzern, der Besteck, Töpfe und ähnliche Waren für Haushalt, Gastronomie und Hotellerie herstellt. Hinter den markanten drei Buchstaben verbirgt sich die Württembergische Metallwarenfabrik in Geislingen an der Steige, einem 27 000 Einwohner zählenden Städtchen bei Stuttgart. Die 1853 gegründete ehemalige Metallfabrik Straub und Schweizer, in der schon Gottlieb Daimler als Konstrukteur arbeitete, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer Weltmarke mit 6000 Mitarbeitern und einem Umsatz von zuletzt 980 Millionen Euro. "2012 wollen wir die Milliarden-Hürde nehmen", schaut Klapproth optimistisch in die Zukunft. Es wäre für den Diplom-Kaufmann, der zuvor bei Siemens und beim Hausgerätehersteller Gaggenau als Marketingmanager gearbeitet hat, das siebte Umsatzrekordjahr in Folge. "Less is more", weniger ist mehr – diese Designmaxime der Bauhaus-Avantgarde wurde auch für WMF zum Gestaltungsprinzip. Zu den vielen Preisträgern zählt unter anderem die WMF 1. Das Konterfei der kleinsten Pad-Kaffeemaschine der Welt hängt als Plakat über einem Sideboard. "Ich versuche mit PC, Blackberry und iPad zu überleben", beschreibt der Manager die Utensilien auf seinem Schreibtisch, über den sich eine Tizio-Leuchte beugt. Das grazile Stück aus der italienischen Manufaktur Artemide wirkt wie ein Gegenlicht zur mächtigen Industrielampe in der Besprechungsecke. Die Sitzgarnitur trägt das Label der schweizerischen Designerwerkstatt Vitra und stammt aus Klapproths Privatbesitz. "Ansonsten gibt es beim Inventar keine gravierenden Unterschiede zwischen Chefetage und Mitarbeiterbüros", sagt der Vorstandsvorsitzende, "vielleicht", schränkt er ein, "gehen meine Farben ein wenig mehr ins Hellgraue."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Deniz Saylan für WirtschaftsWoche
Gabriel Bernardino, Vorsitzender der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa
Die meisten Top-Entscheider in Frankfurt dürften ein größeres Büro haben, aber nur wenigen bietet sich solch ein Panorama wie Gabriel Bernardino, 47, dem Vorsitzenden der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa (European Insurance and Occupational Pensions Authority): links der Hauptbahnhof mit seinem Gleisgewirr, rechts der träge Main, und in der Mitte ranken die Türme der Frankfurter Finanzwelt in den Himmel, der nach dem Geschmack des Portugiesen leider zu oft verhangen ist. An wenigen Stellen wirkt die Skyline der Bankenmetropole so dramatisch wie im 25. Stock des Westhafentowers. Bernardino vermisst in Hessen das Meer. "Aber Wasser ist Wasser", tröstet sich der Lissabonner beim Blick auf den Main. Seit Januar 2011 ist er im Amt, sein Arbeitsumfeld mag der Mathematiker gerne nüchtern. "Mir gefällt es nicht, wenn viel im Büro herumsteht", sagt er. Sein aufgeräumter, eher klein gehaltener Schreibtisch deutet auf einen systematischen Arbeitsstil hin. Persönliches findet sich nicht in Bernardinos Büro. Das einzig ausgefallene Möbelstück, eine weiße Stehlampe, gehört zum Mobiliar, das er vorgefunden hat. Die beiden Wände, die Bernardino schmücken könnte, hat er mit Präsenten einer japanischen Delegation bestückt. Hinter seinem Schreibtisch hängt ein Kalender mit Blumenmotiven, rechts von der Tür ein Druck, beides hatte ihm der japanische Staatsminister für Finanzdienstleistungen, Shozaburo Jimi, vor Monaten überreicht. An grauen Tagen bildet der intensiv-blaue Teppichboden einen starken Kontrast zum farbarmen Himmel. Die Außenhaut des 109 Meter hohen Gebäudes besteht aus 3556 dreieckigen Glasscheiben. Von innen wirken die Streben wie Bilderrahmen, die der Aussicht noch mehr Dramatik verleihen. Bernardinos Deutschlehrer ist zu Beginn jeder Sprachstunde erneut von dem Ausblick fasziniert. Und nicht nur er.
(Text: Silke Wettach)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Egon Behle, Vorstandschef des Triebwerkherstellers MTU Aero Engines
Mit seinem Büro hält es Egon Behle, 56, wie mit den Flugzeugmotoren: Alles dreht sich um Effizienz. Klare rechte Winkel von den Wänden über die Wandschränke bis hin zu den Papierstapeln auf dem Schreibtisch, die Wände und Möbel in klarem Chrom, Grau und Schwarz. "Ich bin eben ein Ingenieur und bevorzuge klare Linien, also ein Büro, in dem mich nichts ablenkt", sagt der Vorstandsvorsitzende des Triebwerkbauers MTU Aero Engines. Wohl auch darum sitzt er mit dem Rücken zum Fenster und schaut auf eine Bürowand, an der nur ein Wandgemälde hängt, weitgehend in Grautönen gehalten. Riskierte er einen Blick aus dem Fenster, sähe er den ausrangierten Tornado-Kampfjet der Bundeswehr, der vor der Firmenzentrale im Münchner Nordwesten parkt. Der Erfolg seiner Arbeit gibt dem Diplom-Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik recht. Nachdem er eine Tochter des Automobilzulieferers von ZF Friedrichshafen saniert hatte, wechselte er im Januar 2008 an die Spitze des börsennotierten Triebwerkherstellers und startete dort sofort ein Effizienzprogramm. Dabei trimmte Behle nicht nur das Unternehmen auf Sparsamkeit, sondern auch die Flugmotoren und führte es von Rekord zu Rekord. Und den Kurs will er weiter fahren: Bis zum Jahr 2020 will er den Umsatz von aktuell knapp drei Milliarden Euro Umsatz verdoppeln und den Gewinn fast verdreifachen. Große Hoffnungen setzt Behle vor allem auf das von MTU mit entwickelte Pure-Power-Triebwerk. Es soll unter anderem den neuen Airbus-Mittelstreckenjet A320neo antreiben – und steht natürlich wie andere Flugmotoren als Modell auf Behles flachem Aktenschrank vor der Fensterbank. Wer genau hinsieht, entdeckt dort immerhin drei persönliche Fotos: von seiner Familie und seinem wichtigsten Hobby, einer kleinen Sportmaschine, mit der Behle in seinen wenigen freien Tagen durch das bayrische Voralpenland fliegt.
(Text: Rüdiger Kiani-Kreß)
Bild: Bernd Auers für WirtschaftsWoche
Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender des Flughafenbetreibers Fraport
Wenn Stefan Schulte, 52, wissen will, wie die Geschäfte laufen, reicht ein Blick aus der Fensterfront seines Büros. Sieht er viele Flugzeuge, kann er mit hohen Einnahmen rechnen. Seit September 2009 leitet der gelernte Bankkaufmann und promovierte Betriebswirt den börsennotierten Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport, der von den Fluggesellschaften Landegebühren kassiert und von den Duty-free-Shops einen Teil der Umsätze erhält, die sie erwirtschaften. Auch wenn Schulte sein Büro im neunten Stock der Hauptverwaltung am Frankfurter Flughafen für "sachlich funktional" hält, birgt doch jedes Stück Dekoration eine Erinnerung an einen Abschnitt seiner Karriere. Da ist der Stein des Vulkans Eyjafjallajökull, dessen Asche im Frühjahr 2010 in ganz Europa tagelang den Flugverkehr lähmte und den Konzernumsatz drückte. Im Geschäftsjahr 2011 stieg er wieder – um acht Prozent auf knapp 2,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig erhöhte sich das Passagieraufkommen in Frankfurt um 6,5 Prozent auf 56,4 Millionen. Das Maschinenmodell auf dem Sideboard erinnert an Schultes Zeit beim Kölner Unternehmen Deutz, wo er von 2001 bis 2003 im Vorstand saß. Neben dem Modell sitzt ein Teddybär im Trikot des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, den Fraport sponsert. Und das kleine Holzmodell daneben weist auf das wichtigste Neubauprojekt hin: das neue Terminal 3 am Frankfurter Flughafen, das 2016 eröffnet werden soll. Auf den Fensterbänken stehen neben Flugzeugmodellen mehrere Auszeichnungen für Unternehmensanleihen, die Schulte zwischen 2003 und 2009 als Finanzchef von Fraport platzierte. Dass sein Büro nicht zu "sachlich funktional" wirkt, verhindern Zeichnungen, die ihm seine Kinder zum 50. Geburtstag geschenkt haben, und zwei abstrakte Gemälde in kräftigem Rot, die Schulte in Hamburg gekauft hat – als ihn ein Regenguss in eine Galerie trieb.
(Text: Rüdiger Kiani-Kreß)
Bild: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Andreas König, Deutschland- und Europa-Chef des amerikanischen Datenspeicherspezialisten NetApp
Kein Türenschlagen, keine Einzelzellen. "Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei", behauptet Andreas König, 47, seit 2007 Deutschland- und Europa-Chef des amerikanischen Datenspeicherspezialisten NetApp. Der studierte Maschinenbauer mag das Flair des Großraumbüros. "Open office" nennen die Mitarbeiter ihre Denkparzellen, die nur durch farbige Trennwände voneinander abgeschottet sind. Stammplätze gibt es nicht. "Mal hier, mal dort", beschreibt König den täglichen Stellungswechsel in der Deutschland-Zentrale in Kirchheim bei München. "Noch immer herrscht Aufbruchstimmung wie bei einem Startup", kommentiert der Manager den "Vorwärtsdrang" des Unternehmens, einer der weltweit führenden Anbieter von Cloud-Computing-Systemen und Softwarelösungen. Im Geschäftsjahr 2011/12, das am 27. April endete, erzielte der kalifornische Mutterkonzern einen Umsatz von 6,23 Milliarden Dollar (umgerechnet 4,97 Milliarden Euro). Rund 11 000 Mitarbeiter beschäftigt das 1992 gegründete Unternehmen weltweit. Allein in den acht deutschen Standorten arbeiten 620 Mitarbeiter, davon 400 im Kirchheimer Hauptquartier. "Ich bin in diesem Büro meist nur Gast", sagt der gebürtige Innsbrucker, greift zum Handy und blickt suchend auf seinen Terminkalender – Kopenhagen, Amsterdam, Mailand. Irgendwo findet er dann noch Platz für Paris. Seine Karriere startete König 1988 beim amerikanischen Softwareentwickler MacNeal-Schwendler in München. Zwei Jahre später wechselte er zum US-Computerbauer Silicon Graphics, bevor er 1996 bei NetApp – damals noch Network Appliance – antrat. Als "frech und zeitlos" bezeichnet er die kubisch geformten Büromöbel aus der amerikanischen Designerwerkstatt Steel Case. Die Farbe Blau überwiegt, sie ist auch der Grundton des Firmenlogos. Da es keine persönlichen Schreibtische gibt, fehlen auch die Meine-Frau-meine-Kinder-mein-Haus-und-mein-Auto-Fotos. Bilder gibt es dennoch. Als Sponsor des deutschen Radteams NetApp "dürfen Bilder unseres Rennstalls natürlich nicht fehlen", sagt König und zeigt auf eine Galerie von Hochglanzfotos in den Fluren.
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Falk Heller für WirtschaftsWoche
Klaus Engel, Vorstandsvorsitzender des Chemiekonzerns Evonik
Das schwere Ledersofa seines Vorgängers, des früheren Bundeswirtschaftsministers Werner Müller, ist aus dem Büro verschwunden. "Besucher versanken darin, und ich bekam’s mit der Bandscheibe", erklärt Klaus Engel, 55, die "kleine Flurbereinigung", als er 2009 den Vorstandsvorsitz des Essener Chemiekonzerns Evonik übernommen hat. Die Atmosphäre "Chefetage" ist geblieben, dafür sorgen auch die deckenhohe Birkenfeige und das Orchideen-Bouquet auf dem Fensterbrett. Essen liegt Engel zu Füßen. Aus der 21. Etage des Evonik-Towers blickt er auf eine der industriellen Herzkammern des Ruhrpotts. Engel ist ein Kind von ihm, geboren in Duisburg-Hamborn. Büdchen, Bratwurst, Fußballclub Hamborn 07 – der promovierte Chemiker und frisch gekürte Honorarprofessor der Universität Duisburg-Essen kennt den Geschmack der Bodenständigkeit. Das hat ihn geprägt. Geradeheraus, kräftiger Händedruck, Statur XXXL – auch äußerlich erscheint Engel als Führungskraft. Evonik zählt mit rund 33.500 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 14,5 Milliarden Euro weltweit zu den größten Unternehmen der Spezialchemie. Sobald der Mehrheitseigner, die RAG-Stiftung, endgültig grünes Licht gibt, soll Evonik an die Börse gehen. Auf seinem Konferenztisch hat der Chef schon die Symbole der Börse positioniert: Bulle und Bär. Die abstrakten Bilder an den Wänden kommen aus dem Atelier des Hagener Malers Horst Becking und gehören Engel. In einem Wandschrank türmen sich Erinnerungsstücke. "Gras ist auch dabei", sagt Engel und zeigt lächelnd auf ein handtellergroßes, in Kunststoff eingeschlossenes Stück Rasen aus dem Dortmunder Signal-Iduna-Stadion. Der Chemieriese ist Hauptsponsor des Deutschen Meisters Borussia Dortmund. Das Rasenstück nimmt einen Ehrenplatz ein, liegt neben einem Foto, das Engel zusammen mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Hu Jintao zeigt. "China ist ein Zukunftsmarkt", sagt der Evonik-Manager. Japan scheint ihm dennoch näher zu liegen. "Sportlich gesehen" offenbart er sein Faible für Gelb-Schwarz: Das Trikot des aus Japan stammenden Dortmunder Stürmers Shinji Kagawa hängt eingerahmt wie eine Ikone im Flur neben Engels Bürotüre.
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Johannes Mock-O’Hara, Deutschland-Chef des Musicalproduzenten Stage Entertainment
Die Zukunft des Unternehmens tanzt Johannes Mock-O’Hara, 47, auf dem Kopf herum: angehende Musicaldarsteller, die in dem umgebauten Speicher in der Hamburger Speicherstadt üben. "Diese Geräusche höre ich gerne", sagt Mock-O’Hara, Deutschland-Chef des niederländischen Musicalproduzenten Stage Entertainment. 1800 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen deutschlandweit in elf Theatern, allein in Hamburg stehen vier Häuser, sind 1000 Mitarbeiter tätig. Auf sechs Etagen verteilt sich die Deutschland-Zentrale inklusive der Joop van den Ende-Academy, einer staatlich anerkannten Berufsfachschule, benannt nach dem Unternehmensgründer und -eigner. Deutschland-Chef Mock-O’Hara ist Betriebswirt und kam über Stationen bei einer Naturschutzorganisation zur Rettung von Fischottern, bei einem Hersteller von Windenergieanlagen und später bei der Sealife-Gruppe zum Musical. "Ich habe den Sprung gewagt", sagt Mock-O’Hara. Sein Büro ist mehr Konferenzraum als alles andere. Den runden Tisch nutzt er für die Gespräche mit den Kollegen, den großen Monitor hinter seinem Stuhl für die Bewertung von Musicals. Mock-O’Hara bezeichnet sich als großen Fan des subventionierten Theaters. "Das soll es weiter geben. Aber unsere Stärke ist, dass wir spielen, was wir wollen." Zu spüren, erforschen und belegen, was Zuschauer über viele Jahre in die aufwendigen Musicaltheater locken könnte, das ist die große Herausforderung. Die Nonne an der Glastür erinnert an "Sister Act". Eigene Produktionen, die als Lizenzen weiterverkauft werden können, sind die wichtigsten Projekte. Und während das Udo-Lindenberg-Musical "Hinterm Horizont" eher ein deutsches Publikum anspricht, dürfte "Rocky", das im November Premiere feiert, auch ein Exporterfolg für Mock-O’Haras Team werden. Dafür darf es dann über dem Chefbüro wieder lauter werden.
(Text: Thorsten Firlus)
Bild: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche
Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts
Er legt sich gerne mit den ganz Großen an. Das ist sein Job, und dafür hat ihn der Bundeswirtschaftsminister 2009 ins Amt berufen: Andreas Mundt, 51, Präsident des Bundeskartellamts, ausgerüstet mit einem Stab von 330 Mitarbeitern, einem Jahresbudget von 25 Millionen Euro und vielen Bänden mit Bestimmungen und Rechtsvorschriften. So soll er Kartelle knacken, sie möglichst im Keim ersticken. Ein Auftrag, der seiner Institution den Titel "Kraftwerk der Marktwirtschaft" und "Stimme des Wettbewerbs" eingebracht hat. Rund 170 Millionen Euro an Bußgeldern kassierten die Marktordnungshüter im vergangenen Jahr aufgrund von Wettbewerbsverstößen. "Mein Arbeitsplatz atmet Bonner Gründerzeit", sagt der gebürtige Bonner. Sein Büro liegt im ehemaligen Bundespräsidialamt, in seinem Arbeitszimmer baten seinerzeit die Bundespräsidenten Theodor Heuss, Heinrich Lübke und Gustav Heinemann zum Diktat. Nur einen Steinwurf weit entfernt steht die Villa Hammerschmidt, der zweite Amtssitz des amtierenden Bundespräsidenten, und das Palais Schaumburg, bis 1976 Amtssitz des Bundeskanzlers. Mundt kam 2000 zum Bundeskartellamt, zuvor hatte der Jurist für die FDP-Bundestagsfraktion gearbeitet, als Experte für Arbeits- und Sozialrecht. 2005 übernahm er die Grundsatzabteilung der Wettbewerbsbehörde. Davon zeugt noch sein Pelikan-Füller mit der fein ziselierten Gravur "G-Force", der auf dem Schreibtisch liegt neben einem Tischbrunnen und einer hölzernen Eieruhr. Die Bilder der in Mainz geborenen Künstlerin Maiken Bardeschi haben in Mundts Büro fast eine Monopolstellung erobert. Deutschlands oberster Wettbewerbshüter duldet diese Entwicklung augenzwinkernd, ist Maiken Bardeschi doch die Tochter seines Amtsvorvorgängers Ulf Böge. Nur einige Malereien von Mundts Kindern haben zwischen den großflächigen Werken noch Platz gefunden. "Die Kopie eines Baselitz", erklärt er, zeigt lächelnd auf eines dieser Bilder und gesteht: "Wenn ich mit meinen Kindern Aktivity spiele, dann kann man bei meinen Zeichnungen nicht mal ein Pferd von einem Esel unterscheiden."
(Text: Ulrich Groothuis für WirtschaftsWoche)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Martin Sonnenschein, Zentraleuropa-Chef der Unternehmensberatung A. T. Kearney
Die Adresse gehört zu den besten, die in Berlin-Mitte zu vergeben sind: TheQ., Charlottenstraße 57, zwischen Friedrichstraße und Gendarmenmarkt. Der Mitte der Neunzigerjahre im modernen Jugendstil gebaute Block beherbergt im Erdgeschoss und im Basement feine Geschäfte und Edelimbisse, in den Etagen darüber sind Büros und Wohnungen. Im fünften Stock hat die Unternehmensberatung A. T. Kearney ihre Hauptstadt-Dependance, in einem der Büros sitzt Martin Sonnenschein, 45, seit 2010 Leiter des Zentraleuropa-Geschäfts der mit gut 220 Millionen Euro Umsatz siebtgrößten Managementberatung in Deutschland. Das Spektakulärste an dem nüchtern weiß gestrichenen Raum mit schwarzem Teppichboden und braun-schwarzen Büromöbeln ist der grandiose Ausblick: links der Französische, rechts der Deutsche Dom, dazwischen die Rückfront des Konzerthauses. Ansonsten gibt es nichts, was darauf schließen ließe, dass hier jemand arbeitet, der für eine Region zuständig ist, die vom Ärmelkanal bis zum Ural und vom Nordkap bis Sizilien reicht. Keine Sitzecke mit Designersofa, keine Wandregale mit Fachliteratur, keine Bilder an den Wänden, nicht mal das obligate Familienfoto auf dem Schreibtisch, absolut nichts Persönliches ist hier zu finden. Kein Wunder, Sonnenschein ist ein Prototyp des Globalisierungsnomaden: „Ich bin ständig unterwegs, da brauche ich kein eigenes Büro, mein Büro ist mein Laptop.“ Den stellt der promovierte Wirtschaftsingenieur genau wie seine Kollegen mal in Düsseldorf, mal in München, mal in Frankfurt auf – oder eben in Berlin. Je nachdem, wo die Kunden sitzen, die er gerade besucht. Zu Berlin hat Sonnenschein allerdings eine besondere Affinität: Hier, im Stadtteil Zehlendorf, lebt seine Familie, darum ist das Hauptstadtbüro sein liebstes. Und nur, wenn er hier ist, leistet er sich einen kleinen Luxus: Dann schiebt er den Schreibtisch ganz nah an die Fensterfront – wegen der tollen Aussicht.
(Text: Hans-Jürgen Klesse)
Bild: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche
Marijn Dekkers, Vorstandsvorsitzender des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer
Im Vorzimmer bangt seine Sekretärin um den Klassenerhalt des 1. FC Köln in der Fußballbundesliga, nebenan im Chefbüro hofft Marijn Dekkers, 54, auf den Einzug seiner Werksmannschaft Bayer Leverkusen in die Europa-League. Zwei Kicker-Herzen, eine Bayer-Seele. Seit Oktober 2010 leitet der gebürtige Niederländer mit amerikanischem Pass den Vorstand des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer und blickt schon nach einem Jahr Amtszeit auf einen historischen Rekordumsatz von 36,5 Milliarden Euro. Knapp 112.000 Mitarbeiter beschäftigt der Global Player, rund ein Drittel davon werkelt und forscht in Deutschland. Dekkers startete seine Karriere vor 25 Jahren als Chemiker beim amerikanischen Mischunternehmen General Electric. Heute residiert er in der Leverkusener Bayer-Zentrale im Chempark – standesgemäß, aber nicht anmaßend. Das schwere Mobiliar und die ausgewählten Kunstwerke aus der exklusiven Bayer-Sammlung von rund 5500 Gemälden, Grafiken und Skulpturen wurden sorgfältig arrangiert. Hinter dem Schreibtisch hängt ein Bild des amerikanischen Künstlers David Shapiro. Die strenge Geometrie des Acrylgemäldes wirkt wie ein Gegenpol zum abstrakten Werk des in Istanbul geborenen Malers Albert Bitran und zur Bronzestatue des deutschen Bildhauers Gerhard Marcks. Neben der Bürotür zeigen drei historische Werbeplakate, was Bayer groß gemacht hat – Aspirin, die Allround-Pille gegen Schmerzen. Auf einem Sideboard liegt eine der letzten von 1000 Glühbirnen, die einst das Bayer-Wahrzeichen, das Werkskreuz, am Stammsitz erleuchteten, bevor sie durch eine LED-Lichterkette ersetzt wurden. „Und hier das mobile Holland“, scherzt Dekkers und zeigt auf das Modell eines Wohnwagengespanns. Es parkt neben einem Foto, das ihn, den ehemaligen niederländischen Ranglisten-Tennisspieler, nach einem Freundschaftsspiel mit der Spielerlegende John McEnroe zeigt. Besonders stolz ist Dekkers auf einen hohlen glasklaren Staffelstab aus Makrolon-Kunststoff. Er birgt Zettel früherer Bayer-Chefs mit persönlichen Widmungen an ihren jeweiligen Nachfolger. Auch der Sinnspruch für Dekkers ist dabei : „Um wirklich glücklich zu sein, braucht man drei Dinge: einen Menschen, den man liebt, eine anspruchsvolle Aufgabe und eine große Hoffnung. Ich denke, Sie haben alles – Ihr Vorläufer Werner Wenning.“
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Jan Broer, Geschäftsführer des Eishockey-Clubs Kölner Haie
Von seinem Bürofenster aus sieht Jan Broer, 42, direkt auf die Eisfläche. Dort legen sich die Spieler der Kölner Haie mächtig ins Zeug. Gummersbacher Straße 4, Köln-Deutz, lautet die Adresse des Eishockeyzentrums, eines der modernsten Europas. Es liegt nur einen Schlagschuss weit von der Lanxess Arena entfernt, in der die Kölner seit dem Jahr 2000 zu ihren Heimspielen antreten. Broer, einer von insgesamt sechs Gesellschaftern der Haie, kümmert sich um das Marketing und die kaufmännische Organisation des achtmaligen Deutschen Meisters. Das operative Geschäft liegt in den Händen seines Partners Thomas Eichin, 45, einem ehemaligen Profi-Kicker, der einst für den Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach gespielt hat. Eingerahmt an der Wand hängt das Originaltrikot des Verteidigers und Rekordspielers Mirko Lüdemann. "1000 Mal, stand er für uns schon auf dem Eis", schwärmt Broer und schaut auf seine Sporttasche und den Eishockeyschläger. "Ein Mal pro Woche geht’s mit Mitarbeitern der Geschäftsstelle aufs glatte Parkett", sagt er. "Klein, aber fein", nennt er sein Arbeitszimmer in der ersten Etage der Eissporthalle. Über seinem Schreibtisch formieren sich Haie-Logos zu einem Gesamtkunstwerk im Stil des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Andy Warhol. Der Bilderreigen gehört zu einer Sammlung von Geschenken, die er bei seinem Abschied als Vorstandsmitglied der Koblenzer CompuGroup Medical (CGM) bekam. Auch der leuchtende Äskulapstab in der Fensterecke und die CGM-Aktie auf dem Sideboard erinnern an seine Arbeit bei dem international führenden Anbieter von Softwarelösungen für das Gesundheitswesen, für den der studierte Wirtschaftswissenschaftler seit 1998 gearbeitet hat. 2003 rückte er dort in den Vorstand auf, bevor er 2011 zu den Haien wechselte. Dass die auch in Zukunft Zähne zeigen, davon ist der Rheinland-Pfälzer aus Boppard überzeugt. "Nach dem Viertelfinale in diesem Jahr", macht Broer den Fans Hoffnung, "wollen wir künftig noch weiter vorne mitmischen."
(Text: Ulrich Groothuis für WirtschaftsWoche)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Mario Caroli, Persönlich haftender Gesellschafter der Privatbank Ellwanger & Geiger
Statussymbole wie Clubsessel, goldgerahmte Gemälde oder einen repräsentativen Schreibtisch hat Mario Caroli, 54, aus seinem Büro verbannt. Bescheiden, fast spartanisch wirkt das Arbeitszimmer des Bankiers und persönlich haftenden Gesellschafters der Stuttgarter Privatbank Ellwanger &Geiger. "Ich mag das so", erklärt der gelernte Bankkaufmann und studierte Betriebswirt, "vielleicht hat das aber auch mit der sprichwörtlichen schwäbischen Sparsamkeit zu tun." Vor 100 Jahren wurde der Finanzdienstleister von den Notariatspraktikanten Wilhelm Ellwanger und Eugen Geiger als "Hypothekengeschäft" gegründet. Heute zählt die Bank mit ihren Niederlassungen in Frankfurt, Dortmund, München und Berlin zu den Top-Playern unter den deutschen Privatbanken. Über Bilanzsummen sprechen die Stuttgarter nicht, aber "am Verdeana isch no koiner z’Grondganga" ("am Verdienen ist noch keiner zugrunde gegangen") bemüht Caroli ein schwäbisches Sprichwort."Recht wenig Geld" habe sein Büro gekostet, betont er und schaut auf seinen selbstgebastelten Schreibtisch. Passabel sieht die Marke Eigenbau aus, denn Caroli versteht auch etwas vom Handwerk. "Bei der Bundeswehr habe ich den Gesellenbrief als Flugzeugmechaniker gemacht", sagt der gebürtige Baden-Württemberger aus Blaubeuren. Eigentlich wollte er Pilot werden. Doch als berufliche Startbahn wählte der Schwabe mit dem italienisch klingenden Namen die Sparkasse Ulm. Später wechselte er zur Landesbank Baden-Württemberg, ging danach zur Westdeutschen Immobilienbank und landete schließlich bei Ellwanger& Geiger. An seine verhinderte Fliegerkarriere erinnert das Modell des legendären Wasserflugzeugs Do X auf dem Schreibtisch. Die rote Trennwand mit dem abstrakten Bild des polnischen Künstlers Joachim Czichon schottet die "Denkstube" des Privatbankiers von dem Besprechungszimmer ab. Hier hängt auch eingroßformatiges Werk des Stuttgarter Malers Volker Blumkowski. Das Bild zeigt eine Arbeitsszene "und passt wohl zur schwäbischen Weltanschauung", sagt Caroli, "setz’ dich auf den Hosenboden und schaffe, schaffe, Häusle baue."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Martin Wagenhahn für WirtschaftsWoche
Stefan Gabriel, Präsident von 3M New Ventures, der Technologie-Vorhut des US-Mischkonzerns 3M
Der Terminkalender auf seinem Schreibtisch liest sich wie der Etappenplan für eine Weltreise: New York, Los Angeles, Miami, London, Dubai, Shanghai, Tokio. Heute hin, morgen wieder zurück. Stefan Gabriel, 50, geht für die Zukunft in die Luft."München ist da nur eine Zwischenstation", sagt der Präsident von 3M New Ventures, einer Spezialeinheit des US-Konzerns 3M, die weltweit nach innovativen Startups mit bahnbrechenden Technologien sucht und sie mit Kapital unterstützt. "Kooperation durch Minderheitsbeteiligung", nennt Gabriel diese Schützenhilfe. In seinem Headquarter am Lenbachplatz in der Münchner Innenstadt ist von Hektik wenig zu spüren. Fast geometrisch ist das USM-Haller-Mobiliar angeordnet. Nur der Chefsessel und die beiden Stühle vor seinem Schreibtisch sind Entwürfe der beiden amerikanischen Stardesigner Charles Eames und Warren Platner. Auf einem Sideboard leuchtet das flammrote 3M- Logo des Mutterkonzerns, der in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota sitzt. Direkt neben dem Logo steht der "Best Innovator Award 2011", eine Auszeichnung, die die WirtschaftsWoche zusammen mit der Unternehmensberatung AT Kearney alljährlich auslobt. "Leidenschaft und Begeisterung" sind Gabriels Schlüsselworte. Sie prägen sein Berufsethos und treiben ihn. Spontan steht er auf, wenn er über "den Job" spricht, als wolle er die Dynamik in dem hart umkämpften Metier demonstrieren. Der Sohn einer Berliner Unternehmerfamilie studiert ein Berlin Maschinenbau und nebenher Betriebswirtschaft und Marketing. Danach ging er zum Automobilbauer BMW nach München, wo er unter anderem mitverantwortlich war für den Bereich Innovationsmanagement. Vor knapp vier Jahren übernahm Gabriel die weltweiten Aktivitäten von 3M New Ventures. Auf einer schmalen Wandleiste stehen Fotos von 3M-Boss George Buckley, dem japanischen Stararchitekten Hitashi Abe und dem Kinostar Steve McQueen zusammen mit Werken des Ex-Graffiti-Sprayers Christian Awe und des österreichischen Malers Karl Görlich. Außer seinen Job pflegt Gabriel noch eine Leidenschaft. Der Zukunftsscout kramt gern in der Vergangenheit und sucht auf Flohmärkten nach alten Schallplatten mit klassischer Musik.
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Armin Brosch für WirtschaftsWoche
Stephan Rahmede, Chef der Handelsgruppe PV Automotive und der Werkstattkette Pit-Stop
In seinem Arbeitszimmer sieht es fast so ordentlich aus wie in seinen Werkstätten und Ersatzteillagern. "Aber nur fast", sagt Stephan Rahmede, 41, Geschäftsführer von PV Automotive, einem führenden Handels- und Dienstleistungsunternehmen für Fahrzeugteile und Werkstattsysteme. "Ein wenig aufgeräumt habe ich schon", sagt Rahmede und verfolgt die Zahlenreihen auf seinem iBook. Er mag die Dinge mit dem "i" vorweg. Die Apple-Accessoires iBook, iPhone und iMac gehören ebenso zu seiner Bürowelt wie die vielen Buntstiftzeichnungen seiner beiden Kinder. Die Bilder sind der Hingucker – neben den Model-Aufnahmen des Düsseldorfer Fotografen Frank Schemmann und den Schnappschüssen von Mitarbeitertreffen. Dass Rahmede Fan des Fußballbundesligisten Schalke 04 ist, lässt sich nicht übersehen. An der Wand hinter dem Schreibtisch hängen zwei Fotos, die in der Schalke-Arena geschossen wurden und die PV-Automotive-Familie zeigen: links ein Treffen auf der Hausmesse 2006, rechts die Vertriebsmannschaft. "Mein Team ist kontinuierlich gewachsen", sagt Rahmede. Im Sommer 2010 hat das Essener Familienunternehmen PV Automotive von der Luxemburger Fondsgesellschaft BluO die Werkstattkette Pit-Stop übernommen samt 375 Filialen und 1200 Mitarbeitern. Heute zählt die PV-Automotive-Gruppe 2800 Beschäftigte und setzte im vergangenen Jahr rund 470 Millionen Euro um. Wie ein überdimensionierter Zeigefinger wirkt die Lampe neben dem Stehpult. Sie lässt sich per Fernbedienung farblich der Gemütslage anpassen. "Rot kommt selten vor", versichert Rahmede. Auch "Onkel Willi" darf nicht fehlen – zumindest im Kleinformat. Das Original stammt vom deutschen Bildhauer Waldemar Wien und steht in dessen Heimatstadt Lüdenscheid auf dem Rathausplatz. Die kleine Kopie wacht auf Rahmedes Schreibtisch über Spielcasino-Chips. Sogar ein Jeton aus dem legendären Sands Casino in Las Vegas ist darunter. „Aber ich bin Sammler, kein Spieler“, betont Rahmede. "Chips eignen sich ohnehin besser als Souvenir", sinniert er, "ich kauf nur einen und geh wieder raus – das ist viel billiger."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche
Martin Wittig, Chef der Unternehmensberatung Roland Berger
Das Hauptquartier liegt zwar immer noch in München, wo Roland Berger 1967 seine gleichnamige Beratungsgesellschaft gegründet hat. Aber Martin Wittig, 48, seit 2010 Chef des Unternehmens, hat sein Büro in Zürich und lebt auch dort. Seit 2001 hat er das Geschäft in der Schweiz aufgebaut. Insgesamt beschäftigt Roland Berger heute mehr als 2500 Mitarbeiter in 35 Ländern und erzielt einen Jahresumsatz von geschätzt rund 700 Millionen Euro. Wittig arbeitet im Durchschnitt nur einen Tag pro Woche in seinem Stammbüro im zentrumsnahen Züricher Quartier Seefeld: „Die meiste Zeit bin ich in einem unserer weltweit 47 Büros oder bei Kunden.“ Inder Beraterbranche sind geteilte Schreibtische üblich. "Auch mein Büro wird genutzt, wenn ich unterwegs bin, zum Beispiel von auswärtigen Partnern oder für Besprechungen", sagt Wittig. Die Clean-Desk-Policy, nach der jeder seine Arbeitsunterlagen bei Abwesenheit in verschließbaren Schränken verstaut, macht’s möglich. Folglich gibt es nur wenige persönliche Gegenstände in dem Büro, das mit Möbeln des deutschen Herstellers Walter Knoll eingerichtet ist. Das leuchtend gelbe Bild des Briten Jason Martin gehört dem Unternehmen. "Ich mag es, weil es einen schönen Farbkontrast bildet zum Mobiliar", sagt Wittig, der auch privat mehrere Werke des Künstlers besitzt und zeitgenössische Kunst sammelt. Im Bücherregal findet sich daher nicht nur Wirtschaftsliteratur, sondern auch Ausstellungskataloge und Kunstbände. Die Flugzeugmodelle auf dem Sideboarderinnern Wittig an viele Projekte bei Airlines und Logistikern, mit denen der promovierte Bergbauingenieur beschäftigt war, bevor ihn die Roland-Berger-Partner zum Chef gewählt haben. Und den weichen Lederball auf dem Schreibtisch haben ihm seine beiden Söhne geschenkt: "Die spielen gerne Fußball und haben gesagt, den kannst du gegen die Wand werfen, wenn du dich aufregst."
(Text: Stephanie Heise)
Bild: Dan Cermak für WirtschaftsWoche
Sven Elverfeld, Chefkoch des Restaurants Aqua im Hotel The Ritz-Carlton Wolfsburg
Logistikzentrum, Einkaufsabteilung, Konferenzzimmer und Kommunikationszentrale – sie alle sind untergebracht auf rund zwei mal zwei Meter. So viel Raum hat sich Sven Elverfeld, 43, gegönnt, als er 2008 im Hotel The Ritz-Carlton in der Autostadt in Wolfsburg die Küche neu planen durfte. "Ich bin mit einem Sprung in der Küche – das ist das Wichtigste." Ordnung und Disziplin, das sind zwei wesentliche Eigenschaften auf dem Weg nach oben, der bei Elverfeld wie am Reißbrett geplant aussieht. Den ersten Michelin-Stern erhielt der Chefkoch 2001, den zweiten 2005, der dritte folgte 2008 für den Guide 2009. 2012 gehört Aqua laut einer Auswertung führender Restaurantguides zu den drei besten Restaurants Deutschlands. Abends um halb sechs ähnelt die Schaltzentrale am Rand der Küche eher einem Operationssaal. Waschlotion, Desinfektionsmittel und Creme für die Hände sind aufgefüllt, die Arbeitsflächen "picobello sauber". Die Mannschaft isst vor dem Sturm. Ein Schamottgrill, Dehydrator, Thermomixe, Vakuumierer und ein Gerät aus der Labortechnik zum Herstellen von Emulsionen warten gewienert auf den Einsatz. In Elverfelds Bürochen laufen die Nervenstränge seiner aufwendigen Küche zusammen: Bestellungen, Warenproben, Rezeptregister, Veranstaltungskalender. Vieles bespricht er per Telefon, durch den schwarzen Hörer, den er an sein iPhone anschließt, um bequemer telefonieren zu können. Private Dinge finden kaum Platz: ein Foto seines Teams aus Dubai, wo er bis 2000 gearbeitet hat, und ein Foto seiner Lebensgefährtin. Konzentration auf den Job, das ist wichtig. Am Abend steht er in der Küche am Pass, gibt bei der Bestellung den Ton an, richtet mit dem Sous-Chef die Gerichte an und kontrolliert am Schluss jeden Teller, der die Küche verlässt. Wenn alles schiefgeht, trennt ein Notschalter alle Geräte vom Strom. "Benutzen musste ich den zum Glück noch nie."
(Text: Thorsten Firlus)
Bild: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche
Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken
Die Frage nach Orientierung hängt Uwe Fröhlich, 51, ständig im Nacken. "Quo vadis Germania" heißt das Werk hinter seinem Schreibtisch, das der Dresdner Künstler A.R. Penck 1984 gemalt hat, als Deutschland noch geteilt war. Zumindest die deutsche Frage wurde mit der Wiedervereinigung 1990 vorerst geklärt. Wohin die Banken gehen, ist angesichts der Finanzkrise noch offen. Seine 1121 Genossenschaftsbanken dirigiert Fröhlich vom Potsdamer Platz im Herzen Berlins aus. Sein Büro misst 35 Quadratmeter – nicht gerade üppig in der Geldbranche. Die Einrichtung ist klar, modern, aufgeräumt. Dominiert wird der Raum vom Nomos-Schreibtisch, den der britische Architekt und Designer Norman Foster entworfen hat. Der kleine Bär darauf ist ein Geschenk der Berliner Volksbank, deren Vorstand Fröhlich angehörte, bevor er 2008 zum Bundesverband wechselte. Übrigens ist das Penck-Bild nur eine kleine Kopie, das Original misst drei mal zehn Meter. Auffälliger kann der Gegensatz zu den Ölbild-opulenten Chefbüros anderer Finanzinstitute kaum sein. Dabei brauchen sich die Volks- und Raiffeisenbanken nicht zu verstecken. Mit drei Milliarden Euro Gewinn nach Steuern spielen sie in der ersten Liga. Für Fröhlich ist eine andere Zahl noch wichtiger: Die Kreditvergabe summierte sich per Ende 2011 auf 425 Milliarden Euro und erhöhte sich um 4,5 Prozent bei einem insgesamt stagnierenden Markt. Allein bei den gewerblichen Mittelstandskunden erreichten die Genossenschaftsbanken einen Marktanteil von 29 Prozent. Mit einer kleinen Pyramide aus Pappe visualisiert der Banker Besuchern die Ziele des Finanzverbundes. Unten stehen Eigenverantwortung, Selbstständigkeit, Subsidiarität und Solidarität als Fundament. "Gut geht es uns damit“, freut sich Fröhlich, "Standard & Poor’s hat uns gerade auf AA- heraufgestuft – die beste Bewertung für Banken, die nicht in Staatsbesitz sind."
(Text: Christian Ramthun)
Bild: Werner Schüring für WirtschaftsWoche
Stefan Kolle, Geschäftsführer der Hamburger Werbeagentur Kolle Rebbe
Kurze Pausen nutzt Stefan Kolle, 49, für einen Bummel durch die weitläufige Büroetage. "Das ist mehr als Atemholen", schwärmt der Kreativchef der Werbeagentur Kolle Rebbe über sein ungewöhnliches Domizil in der Hamburger Speicherstadt. In dem traditionsreichen Viertel, wo heute noch wie vor 150 Jahren Kaffee, Tee und Teppiche gelagert werden, haben Kolle und sein Geschäftspartner Stephan Rebbe, 50, in einem denkmalgeschützten Kontor genügend Freiraum für ihre kreativen Ausflüge gefunden. Gläserne Wände mit dunklen Stahlstreben trennen die einzelnen Büros voneinander. "Die kleinste Keimzelle ist meine", betont Kolle, während er zum Handy greift und fast andächtig über das 100 Jahre alte Schiffsparkett geht, das an einigen Stellen mit Planken aus einer Lübecker Kirche ausgebessert wurde. Seit seiner Gründung 1994 hat sich das Unternehmen vom No Name in die Top Ten der deutschen Werbeagenturen hochgearbeitet. Mehr als 22 Millionen Euro setzte Kolle Rebbe im vergangenen Jahr um, 286 Mitarbeiter beschäftigt die Agentur. Zu den Kunden zählen Markenunternehmen wie Otto, Google, Nike, TUI, Deka Investmentfonds, Ritter Sport und Base und seit Neuestem auch die Deutsche Lufthansa. Rund 1000 Auszeichnungen hat das Duo schon erhalten, darunter Löwen aus Cannes, die Oscars der Werbewelt, und red dot awards des Design Zentrums Nordrhein Westfalens. An Kolles schlichtem Schreibtisch stehen zwei Bauernschemel und der Chefsessel. Für atmosphärisches Licht sorgen Deckenlampen aus baufälligen belgischen und französischen Fabrikanlagen. Kolle mag diese bodenständige Mischung. Der gebürtige Wuppertaler hat an der Berliner Hochschule der Künste Wirtschafts- und Gesellschaftskommunikation studiert und danach in Wien Sprüche bei der Agentur GGK getextet. "Werbung ist eine vergängliche Ware", sinniert er, "deshalb freue ich mich, auch etwas Anfassbares herzustellen." Bei diesen Worten zeigt er auf Proben seiner eigenen Naturkosmetikmarke "Stop the Water while using me!". Seit zwei Jahren forciert er dieses Projekt und ist überzeugt: "Kreativität fängt am besten beim Produkt an."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche
Christian Gisy, Vorstandsvorsitzender der Kinokette Cinemaxx
Wer sein Büro betritt und großes Kino erwartet, wird enttäuscht. Christian Gisy, 45, arbeitet in einem spärlich eingerichteten Raum. Von Glamour keine Spur, nicht einmal ein Schreibtisch steht dort. "Ich mag es minimalistisch", sagt der Vorstandsvorsitzende der börsennotierten Kinokette Cinemaxx. In der ersten Etage eines alten Backsteinhauses am Valentinskamp in Hamburg führt er seit 2008 Regie über 34 Kinocenter in Deutschland und Dänemark. Knapp 18 Millionen Besucher zog Cinemaxx 2010 an, mehr als 204 Millionen Euro nahm das Unternehmen ein; die Zahlen für 2011 liegen noch nicht vor. Cinemaxx-Großaktionär Herbert Kloiber hat den Diplomatensohn aus der schwäbischen Kleinstadt Tailfingen 2006 entdeckt und zunächst als Finanzvorstand angeheuert. Begonnen hatte Diplom-Volkswirt Gisy seine Karriere bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein in Düsseldorf, danach wechselte er zur Westdeutschen Landesbank und im Jahr 2000 zum Fernsehsender Viva Media. Als der Musikkanal vom US-Medienkonzern Viacom gekauft wurde, ging Gisy für ein kurzes Gastspiel zum Erlanger Medizintechnikspezialisten Wave-Light. Eine "turbulente" Zeit, erinnert sich Gisy. Ruhiger geht es in seinem Büro zu. Den schmalen Beistelltisch haben Telefon, Bildschirm, Tastatur und iPad beschlagnahmt. Auf dem Sideboard stehen Bilder seiner Ehefrau Corry und von den beiden Söhnen Moritz und Vincent sowie ein Schnappschuss, der den Cinemaxx-Chef zusammen mit US-Schauspieler Tom Cruise zeigt. Den Originalhelm des Wickie-Filmdarstellers Jonas Hämmerle hat Gisy wie ein Beutestück vor der Fotogalerie aufgebaut. An der Wand hängt sein Konterfei im Manga-Stil. "Neben einem Filmplakat von 'Ice Age 4' bleiben die wohl die einzigen Farbkleckse im Raum", sagt Gisy. "Was fehlt, wäre vielleicht noch ein Poster meines Lieblingswesterns 'Spiel mir das Lied vom Tod'."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Stefan Kröger für WirtschaftsWoche