Coachings und Events: Manager-Optimierung fernab vom Schreibtisch

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Coachings und Events: Manager-Optimierung fernab vom Schreibtisch

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Fortbildungen für Manager sind nicht immer nur "Segeln"

von Kerstin Dämon

Als Musiker im klassischen Orchester, beim Schwitzen nach indianischer Tradition oder beim Coaching mit Pferden – Manager sollen ihre Führungsfähigkeiten kreativ verbessern. Was Event-Coachings bringen.

Klassik trifft Wirtschaft: Am 3. Mai wurde beim Studentenkonzert im Konzert- und Kongresszentrum Bamberg Gustav Mahlers Erste Symphonie zum Besten gegeben. Soweit, so gewöhnlich. Doch die Musiker, die dort vor zukünftigen Führungskräften spielten, arbeiten sonst als Manager, Geschäftsführer, Projektleiter, Anwälte, Ärzte, Klinikleiter, Hochschullehrer, Unternehmensberater oder Stadträte.

Ihre Arbeitgeber sind nicht die Bamberger Philharmonie, sondern das Helmholtz Zentrum München, die Generalstaatsanwaltschaft Dresden, die Technische Universität Berlin, der Pharmakonzern Novartis, das Verwaltungsgericht Leipzig, RWE, Bahlsen, Evonik, Boehringer Ingelheim, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, ElringKlinger, Commerzbank, Tchibo, ThyssenKrupp oder Siemens.

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Das Projekt nennt sich „The Management Symphony“ und ist eine gemeinnützige Initiative der Unternehmensberater Peter Gartiser und Nicolaus Steenken sowie des Gewandhausdirektors Andreas Schulz. „The Management Symphony ist das indirekte Ergebnis eines Beratungsprojektes im Bereich Vermarktung und  Sponsoring - Aufbau eines Netzwerks in die Wirtschaft“, sagt Gartiser.

Zahlreiche Ärzte-, Polizei-, oder Feuerwehrorchester haben als Vorbild gedient. Für das Wirtschaftsorchester werden Persönlichkeiten mit Führungsverantwortung aus allen Bereichen und Unternehmensgrößen angesprochen.  

Zusammenhänge zwischen Management und Kunst?

Warum vielbeschäftigte Führungskräfte monatelang zusammen mit Profimusikern üben, um ein oder zwei Konzerte zu spielen? Für Gartiser ist die Sache klar: „Lust am Musizieren mit Gleichgesinnten, professionelle Bedingungen, straffe Arbeitsphase, große Herausforderung in kurzer Zeit; eine große klassische Symphonie besonders gut kennenlernen; musizieren unter Pultstars wie Herbert Blomstedt, Riccardo Chailly, Sir Roger Norrington, Tomas Netopil, Andras Orozco-Estrada, Markus Stenz, Jonathan Nott.“

Die Konzertreihe, die es seit 1999 gibt, ist zum einen gemeinnützig: Der Erlös der Eintrittskarten kommt der Joseph-Keilberth-Orchesterakademie der Bamberger Symphoniker zugute. Und gemeinnützige Veranstaltungen, Spenden-Galas oder sonstige Charity-Events kommen in der Regel nicht ohne bekannte Gesichter und große Namen aus. Doch in diesem Fall sollen die Wirtschaftsmusiker nicht nur etwas Gutes tun und die Kunst fördern, sie sollen auch selbst davon profitieren.

„Persönlichkeiten mit Führungsverantwortung werden für die Besonderheiten des künstlerischen Betriebs eines Spitzenorchesters sensibilisiert und erkennen im Orchester die spannenden Zusammenhänge zwischen Management- und Kunst-Tätigkeit“, heißt es bei der Orchesterstiftung der deutschen Wirtschaft, die ebenfalls von Peter Gartiser, Andreas Schulz, Nicolaus Steenken sowie Lothar Jacobmeyer gegründet wurde. Während klassische Musik als Kreativitätsboost noch nachvollziehbar scheint, treibt die Manager-Optimierung aber auch deutlich kuriosere Blüten.

Schwitzen nach indianischer Tradition

So können Entscheider beispielsweise Anfang Juni für 990 Euro plus Mehrwertsteuer im Österreichischen St. Leonhard nach indianischer Tradition miteinander schwitzen. Quasi Sauna mit Friedenspfeife für Führungskräfte. Nachdem die teilnehmenden Manager zunächst über die Integration westlicher und indigener Weltbilder und über Managementtools auf der Basis zyklischen Denkens sprechen, bauen sie anschließend mit Lakota-Häuptling John Fire Lame Deer, einem Repräsentant der Vollversammlung der Häuptlinge der nordamerikanischen Indianerstämme, eine Inipi.

Diese aus Weiden- oder Haselnussruten gestaltete Hütte symbolisiert gemäß der Lakota das Zusammenwirken von Mutter Erde, Vater Sonne, Großmutter Mond und dem Lebensbaum, dem zentralen Motiv für den spirituellen Weg der Lakota. Jeden Abend geht es für die Teilnehmer am „indigenen Cross-Culture-Management Seminar“ dann zum Schwitzen in die selbstgebaute Hütte ans spirituelle Feuer. 

Wer teilnehmen möchte, muss „neben einer ausgewiesenen Führungsposition“ über „Offenheit für völlig neue Erfahrungen und Denkweisen sowie eine Herzensbildung, die über dem fachlichen Wissen steht“, verfügen.

Manager, die sich entsprechend öffnen, sollen „unschätzbar wertvolle Impulse für Ihr aktuelles Handeln und Ihre Entscheidungen von morgen“ erlangen. Außerdem sollen sie „wertvolle Hinweise für die Bewältigung der komplexen Herausforderungen ihres Berufsalltages und für Managementaufgaben der nahen Zukunft in einer sich ständig wandelnden Welt“ gewinnen. Wohlgemerkt: Beim Diskutieren der Naturlehre der Lakota und dem gemeinsamen Schwitzen – letzteres findet allerdings nach Geschlechtern getrennt statt.

Felicitas von Elverfeldt bereiten solche Seminare eher Bauchschmerzen. Die Diplom-Psychologin arbeitet seit 1995 als Coach für Führungskräfte im mittleren und oberen Management. „Ich denke, die Methode sollte zur Unternehmenskultur und Zielgruppe passen und zielführend sein. In Finnland ist es vielleicht üblich, gemeinsam mit Kollegen und Vorgesetzten in die Sauna zu gehen. Das ist nicht für alle Kulturen und Zielgruppen anschlussfähig.“

Dass sich deutsche Führungskräfte gemeinsam nackt um ein paar Kohlen scharren, um ihre Führungsqualitäten zu optimieren und die anstehende Sanierungsrunde besser zu managen – der Gedanke mutet doch recht befremdlich an.

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3 Kommentare zu Coachings und Events: Manager-Optimierung fernab vom Schreibtisch

  • Das Wort „Coach“ stammt aus dem 15. Jahrhundert. Im mittelalterlichen Ungarn, in der Gemeinde Kocs (sprich: kotsch) wurde ein innovativer, besonders gut lenkbarer, moderner Wagen, ein s.g. „kocsi“ entwickelt („kocsi“ bedeutet: “Wagen aus der Ortschaft Kocs”). Dieses, damals sehr innovative Modell wurde dann während seines Siegeszuges in ganz Europa nach dem Namen der Ortschaft – der Aussprache nach – „Coach“ (deutsch: „Kutsche“,französisch/spanisch:“coche“) genannt. (Im Oxford English Dictionary findet sich ein diesbezügliches Zitat schon aus dem Jahr 1556.)
    Anfang des 19.Jahrhunderts machten englische Studenten aus dem „Coach“ ein Slang-Wort und meinten damit ein „Fortbewegungsmittel“ das die Studenten bis zum erfolgreichen Examen voranbringt. Die Studenten nannten also die Tutoren „Coach“, deren Aufgabe es war, den Studenten zum Erfolg zu verhelfen. Vom Campus-Slang wurde der “Coach” in das Vokabular des Sports übernommen. Dort erscheint das Wort “Coach” seit etwa 1860.
    In der Managementliteratur wurde der Begriff „Coaching“ aus dem amerikanischen Sport adaptiert.
    In der Führungskräfte- und Persönlichkeitsentwicklung bedeutet Coaching die professionelle Unterstützung intra- und interpersoneller Veränderungen. Es ist eine sehr wirksame Methode, in einer sich ständig ändernden Welt neue Denkweisen und persönliche Ressourcen zu entwickeln.

  • Vielen Dank, Frau Kotai-Szarka, für diese etymologische Erklärung des Begriffes Coach!
    Die Herkunft zu kennen hilft häufig die wirkliche Bedeutung von Begriffen zu verstehen.

    Der Artikel ist ein interessantes Beispiel für Content-Marketing.
    Zunächst über zwei Beispiele herzuziehen, diese lächerlich zu machen, um dann die eigentliche Werbebotschaft rüberzubringen. In meinen Augen ist dies nicht nur schlechter Stil, sondern auch unangebracht.

    Ich kenne sowohl Führungskräfte-Coaching von beiden Seiten als auch verschiedene Schwitzhüttentraditionen sowohl als Teilnehmer wie auch als Leiter.
    Die Einordnung als auch die Bewertung durch die Autorin zeugt nicht von einem hohen Informationsgrad über "die" Schwitzhütte.
    Nach heutigem Forschungsstand ist es eine in Sibirien entstandene Tradition, die sowohl mit den Auswanderung der "Indianer" in das heutige Amerika dort hin gekommen ist als sich auch über ganz Asien und Europa ausgebreitet hat. Zu Australien und Afrika liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor.
    In Europa hat sie sich in Irland bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gehalten und als "Finnische Sauna" ist sie uns als Tradition nie verloren gegangen.
    John Fire Lame Deer bewahrt eine von drei sehr strengen "Lakota"-Traditionen; in wie weit diese nicht von den amerikanischen Besatzern beeinflusst sind, lasse ich einmal dahingestellt.
    Es gibt inzwischen zahlreiche andere, europäisierte, mit anderem Focus, mit anderen Zielen.

    In meinen beiden nebenberuflichen Zweigen als Führungs-Coach und als Schwitzhüttenleiter habe ich gelernt - wie es auch später i Artikel dargestellt wird, dass das Prinzip immer das gleiche ist und das jeder Klient über andere Türen zu erreichen und auf anderen Wegen zu begleiten ist.
    Die meisten Manager, die ich bisher in meiner Ingenieur- und Beratungstätigkeit kennengelernt habe, sind offiziell weder für Schwitzhütten noch für Coaching zu erreicheen. So hilft es wenig, dass Eine zu verlachen um das Andere zu fördern.

    Herzliche Grüße, W. Plum

  • Leider lässt der Artikel wenig journalistische Sorgfalt erkennen. Insofern danke ich Herrn Plum für seine diesbezügliche Kritik. Der wissenschaftliche Kern der Veranstaltung, die Verbindung zwischen indigenem Wissen und moderner Wissenschaft, ist nahezu revolutionär und wird von namhaften Wissenschaftlern unterstützt. Darauf geht die Autorin leider nur in einem Halbsatz ein. Die Einnahmen aus der Veranstaltung gehen im Übrigen nach Abzug aller Unkosten an die Lakota, in deren Reservat teils bittere Armut herrscht. Es sei an dieser Stelle auch erwähnt, dass beispielsweise Albert Einstein oder der Dalai Lama Gäste bei der Familie Lame Deer waren und dort den Austausch suchten. Letzterer sandte daraufhin seine Schüler zu Lame Deer mit den Worten: „Go and learn the indian way, it´s the only way to survive.“ Man muss in diesem Zusammenhang die Schwitzhütte als uraltes Ritual und spirituellen Weg nicht schätzen, sie aber mit einem Saunagang zu vergleichen zeugt lediglich von Unkenntnis. Nebenbei bemerkt wäre es journalistisch auch angebracht gewesen, wenigstens den Versuch zu machen, Kontakt zu den Seminarveranstaltern aufzunehmen, um das eigene Urteil zu prüfen oder Fragen zu klären. Das aber kann sehr gerne nachgeholt werden. Ich lade Frau Dämon wie auch die Expertin Felicitas von Elverfeldt herzlich ein, ihr Urteil an der Realität vor Ort zu überprüfen.
    Mit freundlichem Gruß
    Markus Saga

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