Compliance: Regeln existieren häufig nur auf dem Papier

Compliance im Ausland: Jeder dritte Manager hat schon Schmiergeld gezahlt

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Compliance-Hürde Auslandsgeschäft: Deutsche Unternehmen stellen wirtschaftlichen Erfolg vor Regeln und Gesetze.

Teure Geschenke für den Geschäftspartner, den Kunden ins schickste Hotel der Stadt einladen: Die meisten verzichten auf diese Gesten. Aus Compliancegründen. Nur im Ausland sind die den Deutschen offenbar egal.

Schmiergelder, Bestechung, Vorteilnahme: Bei diesen Begriffen stehen Managern im Normalfall die Nackenhaare hoch. Wer sich nämlich erwischen lässt, muss nicht nur mit Strafen rechnen. Auch der Ruf ist ruiniert. Trotzdem hat rund jedes vierte Unternehmen mit Schmiergeldfällen zu tun, wie eine Studie der Unternehmensberatung EY aus dem vergangenen September zeigt.

Damit niemand unwissentlich in die Falle tappt, haben sich viele deutsche Unternehmen Richtlinien auferlegt:

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  • Wie viel darf ein Geschenk an den Kunden kosten?
  • Wie teuer ein Abendessen, zu dem eingeladen wird?
  • Lässt man sich von Geschäftspartnern den Flug zum Treffen bezahlen? Das Hotel?
  • Und was passiert, wenn jemand aus dem eigenen Haus gegen die aufgestellten Regeln verstößt?

Außerdem haben gemäß der besagten EY-Studie fast alle deutschen Unternehmen (98 Prozent) interne Antibestechungs- oder Antikorruptionsrichtlinien. International haben das 84 Prozent der Betriebe. Den deutschen Unternehmern ist es also vergleichsweise wichtig, nicht wegen Bestechlichkeit vor den Kadi gezerrt zu werden - und im schlimmsten Fall wie Thyssenkrupp nach dem Auffliegen des Schienenkartells jahrelang um die Schuldfrage zu streiten.

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Zumindest in Deutschland ist das so. Geht es um Geschäfte im Ausland, ist es vielen Managern offenbar nicht mehr so wichtig, wie viel die Flasche Wein kostet, zu der der Geschäftspartner lädt und welche Regeln vor Ort überhaupt gelten. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Umfrage von KrolLDiscovery, einem Unternehmen, das Firmen, Anwaltskanzleien und Behörden bei der Sammlung, Analyse und Aufbereitung digitaler Daten für interne Untersuchungen oder Gerichtsverfahren unterstützt.

Demnach wollen zwar 71 Prozent der deutschen Unternehmen ins Ausland gehen beziehungsweise ihre dortige Marktposition ausbauen. Sorgen bereiten ihnen jedoch die Vielzahl an Gesetzen und Vorschriften im grenzübergreifenden Geschäftsverkehr, die für viele kaum zu überblicken sind. 47 Prozent der befragten Manager sagten, dass sie keinen Überblick über die verschiedenen Gesetzte und Richtlinien im Ausland haben.

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Immerhin: Die Angestellten der Ahnungslosen wissen mehrheitlich, was sie tun, beziehungsweise tun sollten. So sind sich 76 Prozent der Mitarbeiter von international tätigen Unternehmen der Regeln und Gesetze bewusst, die im Umgang mit ausländischen Partnern gelten. Ob sie sich daran halten, kontrolliert allerdings nur die Hälfte der Betriebe.

Schmiergeld? Na klar!

Zusammengefasst kann man sagen: Die Mitarbeiter kennen die Regeln, der Chef nicht, ihm ist es aber auch egal. Außerdem sagen 55 Prozent der befragten Manager, dass man sich zugunsten des Unternehmenserfolgs an lokale Gegebenheiten anpassen müsse, auch wenn diese mit dem deutschen Recht in Konflikt stünden. Heißt: Wenn es vor Ort üblich ist, Behörden zu schmieren, dann macht man es eben auch. Zumindest haben das 37 Prozent schon getan. Besonders häufig ist das der Befragung nach im Einkauf der Fall: 67 Prozent der Einkaufsmanager entscheiden sich gelegentlich bewusst gegen das günstigste oder transparenteste Angebot, um gute Beziehungen zu ausländischen Lieferanten aufrecht zu erhalten.

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„Zwischen der Selbstwahrnehmung deutscher Unternehmen und ihrem Handeln besteht ein Widerspruch. Zwar behauptet die überwiegende Mehrheit der Befragten in unserer Umfrage, im Alltag auf alle geltenden Regeln und Gesetze zu achten. Zugleich geben aber sehr viele zu, im Sinne der Beziehungspflege manchmal gegen Ausschreibungsregeln zu verstoßen oder gar Schmiergelder zu zahlen“, sagt Helmut Sauro, Senior Business Development Manager bei KrolLDiscovery.

„Das kann unterschiedliche Gründe haben. Manche Mitarbeiter erkennen gesetzeswidriges Verhalten nicht als solches. Teilweise fehlt aber auch das Risikobewusstsein und man verlässt sich darauf, dass schon nichts passieren wird“, sagt er.

Wenn doch, kann das ein teurer Spaß werden. Wer zum Beispiel in Fernost zur Anbahnung eines lukrativen Geschäfts gegen Antikorruptionsrichtlinien verstößt, kann trotzdem in Deutschland belangt werden - auch wenn die Entdeckungsgefahr zugegebenermaßen gering ist. Falls es aber ans Licht kommt, kostet es - und im schlimmsten Fall sind Asiengeschäft und Ruf ramponiert.

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