Dammanns Jobtalk: Heute noch Talent - und morgen?

ThemaManagement

kolumneDammanns Jobtalk: Heute noch Talent - und morgen?

Bild vergrößern

Mit einer Art Radikal-Outsourcing will IBM den Wettbewerb unter Nachwuchstalenten befeuern und Kosten einsparen. Zukünftig sollen Mitarbeiter lediglich für einzelne Projekte angestellt werden. Der Run auf die interessantesten Arbeiten ist eröffnet.

Kolumne von Angelika Dammann

Bei IBM soll eine kleine Kernmannschaft künftig Heerscharen von Freien Mitarbeitern rund um den Globus managen. Sieht so das Talentmanagement von morgen aus?

Die International Business Machine Corporation – besser bekannt unter der Marke IBM – formiert sich neu – und ihre rund 427.000 Angestellten gleich mit. Das Programm „Liquid“ soll den zweitgrößten Softwarehersteller der Welt schneller, effizienter und profitabler als die Konkurrenz machen. Die Idee: Der US-Riese will zukünftig nicht mehr weltweit kostspielige IT-Talente selbst vorhalten müssen. Umgekehrt soll es Bitteschön sein: Freischaffende Talente aus aller Welt sollen sich bei IBM von Projekt zu Projekt neu bewerben.

Heute hier, morgen dort

Anzeige

Geht IBM`s Liquid-Strategie auf, werden sich seiner neuen globalen Talent Cloud Zigtausende von selbstständigen, aber von IBM ausgebildeten und zertifizierten IT-Spezialisten aus Bangalore, Berlin, Buenos Aires, Brisbane oder Bangkok anschließen. Sie werden ihr persönliches Kompetenzprofil  in einer Art Ebay für Arbeitskräfte einstellen, um von den bei IBM festangestellten Managern ausgewählt und gesteuert in wechselnden Teams mal für ein paar Tage, Wochen, Monate oder auch ein paar Jahre bei IBM-Projekten zum Einsatz zu kommen. Zugang zu den Kompetenzprofilen und Bewertungen, bei denen die individuellen Leistungen für jedermann zu jeder Zeit  transparent sind, sollen auch die Firmenkunden von IBM über virtuelle Kioske erhalten.

8.000 von 21.000 seiner bislang festangestellten Mitarbeiter will IBM dadurch allein in Deutschland von der Gehaltsliste nehmen. Ein Horrorszenario für Gewerkschafter, Betriebsräte, aber auch für weniger leistungsstarke Mitarbeiter – angefangen bei dem großen Heer der guten aber nicht supertalentierten Mitarbeiter, die jedes Unternehmen braucht, bis hin zu den Beschäftigtengruppen der Älteren, Kranken oder auch Schwerbehinderten – denen eine besondere Fürsorgepflicht des Arbeitgebers zusteht. Wer heute noch Talent und leistungsfähig ist, kann morgen schon aufgrund einer Krankheit ausgemustert sein – was dann?

Ist das die Arbeitswelt von morgen?

Sieht so die Arbeitswelt von morgen aus? Die Antwort auf diese Frage lautet Ja und Nein. Vor allem die radikale Transparenz über die Leistungsfähigkeit der Freien Mitarbeiter dürfte – sollte sie Wirklichkeit werden – für viele untragbar sein und Krankheiten wie Depressionen und Burn-out weiter Vorschub leisten. In Europa – besonders aber in Frankreich und Deutschland – könnten auf IBM bei der Umsetzung des Programms große Reputationsprobleme zukommen, zumindest aber eine Mammut Aufgabe in Sachen Kommunikation und Veränderungsmanagement. Mitarbeiter werden solange nicht mitmachen,  wie sie nicht erkennen, dass der Vorteil auch auf ihrer Seite liegt oder der Druck mitzumachen für sie aus ökonomischen Gründen soweit steigt, dass sie daran nicht mehr vorbeikommen.  Gerade in Europa werden besonders hohe Anforderungen an die soziale Verantwortung der Unternehmen gestellt. Hier sind Konflikte programmiert. 

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%