Dammanns Jobtalk: Wenn der Job krank macht

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Symbolfoto: Burnout wird zur Volkskrankheit

Kolumne von Angelika Dammann

Die deutsche Wirtschaft trotzt tapfer der Eurokrise. Doch wie lange noch? Forscher warnen bereits, dass ein großer Teil der Unternehmen wie Menschen permanent an ihrer Leistungsgrenze wirtschafte. Es drohe der kollektive Burn-out. Was Unternehmen tun können, damit es nicht soweit kommt.

Erst bekannten sich Sportler, TV-Größen und Künstler zu ihrer Erschöpfung: Skispringer Sven Hannawald, Fernsehkoch Tim Mälzer, die Bestseller-Autoren Miriam Meckel und Frank Schätzing sowie Fußball-Trainer Ralf Rangnick. Dann wagten selbst Spitzenmanager namhafter Unternehmen wie Antonio Horta Osorio, Chef der Privatkundenbank Lloyds, den öffentlichen Tabubruch. Er und andere  sprachen offen darüber, dass sie ausgebrannt sind und eine Auszeit benötigen.

Forscher warnen vor der kollektiven Erschöpfung in der Arbeitswelt

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Im Dezember 2011 kündigte Ursula von der Leyen der Volkskrankheit Burn-out den Kampf an. Bis 2013 will die Bundesministerin für Arbeit und Soziales gemeinsam mit Sozialversicherungsträgern, Gewerkschaften und Arbeitgebern Konzepte entwickeln,  die gegen die kollektive Erschöpfung in der Arbeitswelt helfen sollen. Immerhin: Rund neun Millionen Menschen in Deutschland sollen mittlerweile unter dem Burn-out-Syndrom leiden. Jeder dritte Arbeitnehmer geht in Frührente, weil er sich den Anforderungen seines Jobs nicht mehr gewachsen fühlt.

Die Bundesarbeitsministerin sieht die Arbeitgeber in der Pflicht: „Meist aus Unwissenheit oder Hilflosigkeit“ hätten sieben von zehn Unternehmen bisher fast gar nichts gegen das Problem unternommen. Von der Leyen will deshalb einen Bewusstseinswandel anstoßen und Lösungen aufzeigen.

Statt zu begeistern, wird immer mehr, immer schneller gefordert

Tatsächlich liegt einiges im Argen. Wachsende Jobunsicherheit, Arbeitsverdichtung, ständige Veränderungen im Betrieb, fehlende Wertschätzung, Hetze und Termindruck sowie das Gefühl von der ständigen Erreichbarkeit aufgefressen zu werden, haben das ihrige dazu beigetragen, dass die Zahl der Krankheitstage, die auf Stress und psychische Belastung zurückzuführen sind, in den vergangenen Jahren um knapp das Zwölffache gestiegen ist, wie eine Studie des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen (BKK) ergeben hat.

Holger Pfaff, Direktor des Instituts für Mediensoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft an der Universität zu Köln, warnte Anfang diesen Jahres vor dem kollektiven Burn-out. Alle Welt singe im Moment Lobeshymnen auf die deutsche Wirtschaft, wie erstaunlich robust sie sei, wettbewerbsfähig und wie tapfer sie der Euro-Krise trotze. Dabei werde aber vergessen, so mahnte der Forscher, dass ein großer Teil der Unternehmen wie der Menschen permanent an ihrer Leistungsgrenze wirtschafte.

„Anstatt zu begeistern, wird immer mehr, immer schneller gefordert. Hat man im vitalen Zustand noch überzeugt, wird im Erschöpfungszustand zum Befehlston gewechselt. Das führt schnell zu Frustration, Misstrauen und Zynismus. Langfristig droht der Absturz“. Pfaffs Empfehlung an die Unternehmen lautet: Nach unvermeidlichen Phasen hoher Arbeitsbelastung kollektive Pausen einzulegen.

Um der sog. „Beschleunigungsfalle“ zu entrinnen, die nicht nur einzelne Mitarbeiter sondern immer stärker auch ganze Unternehmen betrifft, empfehlen Prof. Heike Bruch und Jochen Menges auch neue oder weniger wichtige Initiativen kollektiv zu stoppen, die strategischen Ziele klar zu begrenzen und den Mitarbeitern definierte Phasen der Normalität zu verordnen, um so das Gefühl ständiger Neuausrichtung oder Krisenbekämpfung zu vermeiden.

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