Digitalisierung: Gabriels Digitalisierungsbefehl ist realitätsfremd

Digitalisierung: Gabriels Digitalisierungsbefehl ist realitätsfremd

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Digitalisierung Retro: Wie weit sind wir wirklich?

von Kerstin Dämon

Nach der CeBIT scheint die Sache klar: Deutschland ist auf dem Weg in die digitale Zukunft, Sigmar Gabriel hat Digitalisierung befohlen. Doch für die Unternehmen sieht die Sache anders aus. Es braucht einen Kulturwandel.

Deutschland ist digital. So das Fazit nach der CeBIT in Hannover, die unter dem Motto "d!conomy: join - create - succeed" stand. Vergessen ist, dass es in manchen Regionen Deutschlands wahrscheinlicher ist, auf ein Einhorn zu treffen, als einen Breitbandanschluss nutzen zu können.

Vergessen sind auch die Studien, wie viele Jobs Computer schon jetzt restlos überflüssig machen könnten und die Horrorprognosen, wie viele Jobs in Zukunft noch dran glauben müssen. Bislang bilden deutsche und japanische Unternehmen zwar die Schlusslichter in punkto Zukunftsfähigkeit, wie die „Zukunftsstudie 2016“ von der TU Darmstadt zeigt. Aber das wird sich jetzt ändern, die Bundesrepublik samt allen Unternehmen und Einwohnern wird ab sofort zum digitalen Mekka. Mit einem milliardenschweren Zehn-Punkte-Plan will die Bundesregierung nämlich den Rückstand Deutschlands beim digitalen Wandel verhindern. "Unser Ziel ist es, Deutschland zum modernsten Industriestandort weltweit zu machen", sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auf der CeBIT.

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Digitalisierung: Gabriels Zehn-Punkte-Plan

  • Datensicherheit

    "Wir treiben die Entwicklung neuer Sicherheitssysteme für Hardware und Software voran und sorgen dafür, dass Bürger und Unternehmen datensouverän bleiben."

  • Digitalagentur

    "Wir bündeln die Zuständigkeiten und Initiativen in einem modernen Kompetenzzentrum des Bundes, das zugleich als neutraler Thinktank der Digitalpolitik dient."

  • Digitale Bildung

    "Wir setzen Digitalisierung auf den Stundenplan und fördern lebenslanges Lernen. Denn digitale Bildung wird immer mehr Voraussetzung für Erfolg im Beruf - und ein Leben als selbstbestimmter Bürger."

  • Effiziente Vernetzung

    "Wir nutzen die Potenziale der Digitalisierung in den Bereichen Energie, Verkehr, Gesundheit, Bildung und öffentliche Verwaltung."

  • Forschung und Entwicklung

    "Wir stärken die Förderung von Forschungsprojekten und beschleunigen die Einführung von digitalen Technologien. Damit Deutschland im Bereich der Data Economy auf Spitzenniveau kommt."

  • Gesetze

    "Wir setzen die rechtlichen Leitplanken für mehr Innovationen und Investitionen im digitalen Wachstumsmarkt. Und schaffen einen fairen Wettbewerb in der globalen Datenwirtschaft."

  • Gigabit-Glasfasernetz

    "Wir schaffen ein hochleistungsfähiges Breitbandnetz und bringen so schnelles Internet in jeden Winkel Deutschlands - jederzeit."

  • Industrie 4.0

    "Mit umfassenden Förderprogrammen helfen wir Unternehmen bei der Implementierung von Industrie 4.0. Das Ziel: Deutschland zum modernsten Industriestandort der Welt zu machen."

     

  • Mittelstand

    "Wir fördern und beraten KMU, das Handwerk und die Dienstleistungsbranche bei der digitalen Transformation. So zeigen wir: Die Digitalisierung ist eine Chance, keine Bedrohung."

  • Start-up-Förderung

    "Wir unterstützen Startups, vereinfachen ihre Finanzierung und fördern die Kooperation mit etablierten Unternehmen."

Da spielen aber leider nicht alle Unternehmen mit. Laut der Deutschland-Studie der Digitalberatung etventure mit Unterstützung der GfK Nürnberg ist Deutschland dabei, den großen Umbruch zu verpassen. Befragt wurden Vorstände und Führungskräfte aus 2.000 Großunternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 250 Millionen Euro.

Eines der Ergebnisse: In nahezu allen Branchen fehlt es den Unternehmen an den richtigen „Köpfen“. Jedoch bedrohe auch die mangelnde Entschlossenheit in den Chefetagen die digitale Transformation in Großunternehmen. Das mit Abstand größte Hemmnis bei der Umsetzung der digitalen Transformation sei die Verteidigung bestehender Strukturen im Unternehmen, vor allem große Unternehmen seien häufig zu festgefahren, um radikale Veränderungen, wie sie die Digitalisierung erfordert, anzustoßen. Zu diesem Schluss kommen und kamen bereits andere.

So beispielsweise auch die Unternehmensberatung Kienbaum, die das „Bewahrertum“ für die größte Gefahr für Digital-Projekte hält. „53 Prozent der Unternehmen sehen den Weg in Richtung eines digitalisierten Geschäftsmodelles aufgrund geringer Veränderungsbereitschaft ihrer Mitarbeiter gefährdet. Klassische Gründe, an denen Veränderungsprojekte scheitern, wie zum Beispiel die Kosten oder zu ungenaue Ziele, nennen nur etwa ein Drittel der Befragten als Grund für das Scheitern digitaler Transformationen“. Das ergab eine von Kienbaum erstellte Studie zur Digitalen Transformation.

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1 Kommentar zu Digitalisierung: Gabriels Digitalisierungsbefehl ist realitätsfremd

  • Herrn Gabriel's "Digitale Strategie 2025" hört sich für mich an wie
    "Spiel mir das Lied vom (digitalen) Tod".
    Der Begriff wurde wohl deshalb nach Eröffnung der CEBIT 2016 schnell wieder aus den Schlagzeilen genommen. Jetzt hat "Herr Gabriel die Digitalisierung befohlen"?
    Sind Herr Gabriel (SPD) und Herr Dobrindt (CSU) und Frau Merkel (CDU) etwa nach dem Wahl-Erlebnis (Klatsche durch die AfD) wach geworden?
    Man hat wohl auch übersehen, dass dieses Land schon seit 14 Jahren das flächendeckende schnelle Internet von Frau Merkel (CDU) versprochen bekommt. Jedes Jahr ein neuer Titel für den gleichen sauren Wein in alten Schläuchen? Reden seit 14 Jahren aber keine Taten! Die Ballungszentren werden bis zum Gehtnichtmehr subventioniert und die Fläche kann sehen, wie sie irgendwie klar kommt.

    Einzige Ausnahme: Die Datsche von Frau Bundeskanzlerin hat in einer ansonsten weissen Fläche bestes Internet, aber es können eben nicht alle Bundeskanzler sein.
    Wie innovativ ist dieses Land noch, wenn Politik offen mit einem Zeitraum von jetzt 23 Jahren rechnet, um endlich auf heutigen Stand (!) der Technik zu kommen? Wo ist denn hier ein "WIR SCHAFFEN DAS"?
    Der AfD-Schock sitzt noch gar nicht tief genug, um das Bewusstsein der Politiker zu wecken. Diese Politiker begreifen ihre eigenen Fehler einfach immer noch nicht.
    Sie kümmern sich um die Rettung von Griechenland, die Rettung der Syrienflüchtlinge, die Rettung der EU und des Euro und vergessen darüber das eigene Land und den geleisteten Amtseid "zum Wohle des deutschen Volkes".
    Für das eigene Volk fehlt wohl die Zeit und auch der Wille.

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