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Diversity: "Frauen wollen keine Macht"

von Kristin Schmidt und Manfred Engeser

Warum deutsche Frauen sich bei ihrer Karriere selbst im Weg stehen. Was Väter tun sollen, wenn ihre Kinder krank sind. Und wie lange es dauert, bis die Glasdecke durchbrochen ist: ein Gespräch unter europäischen Top-Managerinnen.

Top-Managerinnen Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Im Gespräch: Die deutschen Top-Managerinnen Evelyne Freitag, Angela Hornberg, Brigitte Kasztan, Joanne Harrison-Gross und Liselotte Hjorth Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Meine Damen, jede von Ihnen arbeitet seit Jahren im Management für Unternehmen in Deutschland. Bis auf Frau Kasztan sind Sie aber nicht in Deutschland, sondern in Italien und Brasilien, Frankreich, Schweden oder Großbritannien aufgewachsen. Sind deutsche Frauen selbst schuld, wenn sie es nicht in die Führungsetagen schaffen?

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Angela Hornberg: Mir erscheinen deutsche Frauen weniger selbstbewusst als ihre männlichen Kollegen, aber auch als ausländische Frauen. Sie setzen ihre Netzwerke nicht ein und formulieren ihre Ziele nicht laut genug. Fragt man einen Jura-Absolventen, was er werden will, sagt er: „Partner.“ Fragt man seine Kommilitonin, sagt sie: „Ich will einen Beruf, der mir Spaß macht.“

Frau Kasztan, als einzige Deutsche in dieser Runde: Sehen Sie das auch so?

Brigitte Kasztan: Auch ich erlebe das täglich. Viele Frauen sitzen an ihrem Schreibtisch und warten auf Entdeckung. Sie formulieren nicht, wo sie hinwollen, wollen sich nicht verkaufen, wollen keine Macht. Auch ich habe immer geguckt, was mir Spaß macht.

Angela Hornberg Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Angela Hornberg, 53, ist selbstständige Personalberaterin in Frankfurt. Sie vermittelt vor allem in der Finanzbranche. Sie war selbst neun Jahre im Investmentbanking tätig, unter anderem für die Deutsche Bank und Lehmann Brothers. Sie ist in Italien und Brasilien aufgewachsen. Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Ist der Spaß am Job nicht die wichtigste Basis für beruflichen Erfolg?

Hornberg: Aber das genügt nicht. Wären die Suffragetten vor 100 Jahren nicht auf die Barrikaden gegangen, hätten wir Frauen bis heute kein Wahlrecht. Manchmal muss man eben zu radikalen Mitteln greifen, um etwas zu erreichen. Solange ich brav anklopfe, passiert nichts.

Also ist die Glasdecke, die viele Frauen angeblich unverschuldet am Aufstieg hindert, nichts anderes als eine bequeme Ausrede?

Evelyne Freitag: Die gläserne Decke existiert in vielen Unternehmen. Aber teilweise sind es auch die Frauen, die Barrieren aufbauen und in Karrierefallen tappen. Junge Mütter verzichten oft freiwillig auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben, streben eine Halbtagstätigkeit an oder lassen sich zu dieser überreden. Da fehlt der Wille zur Übernahme von Führungsverantwortung.

Brigitte Kasztan Quelle: Pressebild
Brigitte Kasztan, 52, ist Diversitybeauftragte bei Ford Deutschland. Zusammen mit zwei Mitarbeiterinnen kümmert sie sich seit November 2010 unter anderem um die Förderung von Frauen und die Einführung alternativer Arbeitsmodelle. Kasztan ist verheiratet. Quelle: Pressebild

Joanne Harrison-Gross: Außerdem organisieren viele deutsche Frauen den Haushalt oft allein. In England ist es üblicher, dass berufstätige Frauen Unterstützung im Haushalt bekommen. Deutsche Familien tun sich oft schwer damit, jemanden ins Haus zu lassen. Sie wollen auch im Haushalt alles perfekt machen. Das sind alte Strukturen.

Kasztan: Auch jetzt wieder diese Diskussion um die Herdprämie. Das klingt nach: Frauen zurück an den Kochtopf! Die meisten Frauen gehen nach der Geburt eines Kindes in Teilzeit, weil es immer noch an der Mutter hängen bleibt, wenn etwas mit den Kindern nicht läuft. Es ist nicht der Mann, der sagt, ich passe auf das kranke Kind auf, wenn die Betreuung ausfällt.

Ist das außerhalb Deutschlands anders?

Freitag: Mein Vater hat mir stets zur finanziellen Unabhängigkeit geraten. Es ist in Frankreich völlig normal, als Mutter mit kleinen Kindern voll berufstätig zu sein und Karriere und Familie zu verbinden.

Liselotte Hjorth: Auch in Schweden ist es nicht üblich, nur Hausfrau zu sein. Frauen kehren in der Regel bald nach der Geburt ihrer Kinder wieder zurück ins Arbeitsleben. In Deutschland haben viele Frauen immer noch Sorge, als Rabenmutter zu gelten, wenn sie Kinder großziehen und gleichzeitig arbeiten.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.07.2012, 00:30 UhrHansP.

    "Da fehlt einfach der Wille zur Übernahme von Führungsverantwortung."
    Ja. Prima. Das heißt doch nicht, dass man (oder Frau) keine Führungsverantwortung übernehmen würde - WENN es sinnvoll ist bzw. der Sache oder dem Team dient. Anstatt "Aufstieg um des Aufstiegs wllen".

    Ich finde seltsam, dass Führung so oft in einen Gegensatz zu "Spaß an der Sache" gestellt wird, wobei die Sache m. E. nicht das "Chef sein" sein sollte, sondern die gemeinsame Aufgabe. Primus inter pares.
    Dass Frauen in Führungsverantwortung heute in diesen Klischees denken, ist dabei fast zwangsläufig - nur so sind sie Frauen in Führungsverantwortung geworden. Wo sind die Unternehmen, die sich trauen, Führungsrollen projektbezogen zu vergeben? Mal ist einer im Team besser der Lenker, mal eher zuarbeitender Spezialist. Wobei im Idealfall ja auch der Chef nur (seinem Team) zuarbeitender Spezialist sein sollte... wenn man's so sieht, würde schnell offenbar, dass die Sozialkompetenzen von Frauen als "Teamorganisatorinnen" öfter mal eine Rolle bei der Frage "wer wird Chef" spielen, als der "Aufstiegs/Macht/Verantwortungswille" von Karrieristen (m/w). (Dass mit der "Verantwortung ist ja weithin auch nur ein Klischees - ein "guter" Chef kann auch diese im Zweifel prima delegieren ...)
    Natürlich kämen die Leute mit "Willen zur Führungsverantwortung" dabei kaum noch auf ihre Kosten ... es sei denn, ihr Können, ihr Beitrag für den gemeinsamen Nutzen, ist größer als Aufstiegswille.
    Sicher für manchen eine erschreckende Idee: Chefs, die sich in erster Linie der gemeinsamen Sache, dem Nutzen für ihre Mitarbeiter und ihre Mitmenschen verantwortlich fühlen; und nicht dem nächsten Karrieresymbol ...

  • 12.07.2012, 15:22 UhrMerdouce

    Ich (48 Jhr., Akademikerin, alleinstehend, ohne Kinder, aufsteige- und karrierewillig) bin in einem Alter, in dem ich keine Zeit mehr hatte darauf zu warten, bis mir in Deutschland gnädigerweise mal die Karriere erlaubt worden wäre. In Deutschland wurde ich von männlichen Chefs gerne festgehalten, damit ich bloß nicht durchstarte. Für mich gab es nur einen Weg: auswandern und im Ausland Karriere machen. Seit einem Jahr bin ich im Ausland auf einer Führungsposition und mein Motto lautet "The sky's the limit". Deutschland: nie wieder!

  • 17.06.2012, 09:59 UhrFrauennichtversteher

    Viel Gejammere aber keine Aktionen, noch nicht mal bei den ganz brennendsten Themen die Frauen wirklich betreffen!

    Beispiel: Eine von Frauen konzipierte KITA (am besten eine Franchise-Kette KITA24) die alle Wünsche der berufstätigen Mütter erfüllt: Durchgehend geöffnet von 7 – 19 Uhr, gesundes warmes Essen, pädagogisch wertvoll, Parkplatz für den SUV direkt vor der Tür etc. pp.

    Wer kennt die Bedürfnisse besser als die Frauen selbst?

    Und bei der Umsetzung wären sie auch garantiert unter sich. Denn welcher Mann möchte Karriere in einer KITA machen.

    Aber da tut sich nichts. Warum????

    Also Frauen: Macht endlich mal. Schaffe net schwätze!

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