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Diversity Management: Frauen können es auch nicht besser als Männer

von Ferdinand Knauß

Je bunter das Management, desto besser das Ergebnis, lautet das aktuelle Dogma des Personalmanagements. Belegbar ist das nicht.

Adidas

Spätestens 2020, so die Zielsetzung der Unternehmen, sollen bis zu 35 Prozent der Führungskräfte weiblich sein. 25 der 30 Dax-Konzerne konnten ihren Frauenanteil im Management seit der Selbstverpflichtung steigern, allerdings nur minimal. Bei manchen Konzernen sank die Quote sogar, wie zum Beispiel beim Sportartikelhersteller Adidas. Der Anteil sank im vergangenen Jahr von 26 auf 25 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Und das, obwohl mehr als die Hälfte der Gesamtbelegschaft weiblich ist. Ziel von Vorstands-Chef Herbert Hainer ist es, den Anteil bis Ende 2015 auf 32 bis 35 Prozent zu erhöhen.

Bild: dapd

Der Widerstand gegen Frauenquoten in den Führungsetagen wird immer leiser. Dem grundsätzlichen Verlangen nach einer Erhöhung des Frauenanteils widerspricht kaum noch ein Spitzenmanager. Kein Wunder. Schließlich sind weiblichere und „buntere“ Teams in Unternehmen nicht nur ein Gebot der Gleichstellungspolitik, sondern auch kommerziell erfolgreicher als grauhaarige Männerriegen in dunklen Anzügen. Das steht zumindest in so vielen Veröffentlichungen, dass es einfach stimmen muss. Und McKinsey und Co raten schließlich auch zur konsequenten Erhöhung des Frauenanteils in der Führungsebene.

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Wenn sich Moral und Kommerz zusammentun, sind sie gemeinsam unschlagbar. Die Aussicht, Geld zu verdienen, indem man gute Werke tut, treibt selbst die abgebrühtesten Konzern-Manager zum Schulterschluss mit eifrigen Gleichstellungsaktivistinnen in der Politik. Da braucht es keine Gesetze. Und so ist Gender Diversity in kürzester Zeit zum Allgemeingut der Personalpolitik von Unternehmen geworden. "Für uns zählt ein effektives Diversity-Management zu den wichtigsten Aufgaben - und zwar nicht, weil es politisch korrekt wäre, sondern, weil es sozial und geschäftlich sinnvoll, ja notwendig ist", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche als er 2006 das Amt der Diversity-Beauftragten einführte. Wer da noch Einwände hat, erscheint nichtunbelehrbar.

Viele Studien, magere Ergebnisse

Die Geschäftsgrundlage dieses Bündnisses von Kommerz und Gender-Idealismus steht allerdings auf wackeligen Füssen. Sabine Boerner, eine Professorin für Management an der Universität Konstanz, hat die zahlreichen Studien über den Zusammenhang zwischen Gender Diversity und Organisationserfolg selbst zum Gegenstand einer Studie gemacht. Dabei stellt sie fest: Die Forschung lässt "derzeit keine Schlüsse auf eine generelle ökonomische Vorteilhaftigkeit von Gender Diversity zu".

Nur drei von 18 Studien, die Boerner untersucht hat, wollen eindeutige positive Effekte von Gender Diversity auf den Organsiationserfolg festgestellt haben. Auch bei einer Meta-Studie von 2009, die 39 empirische Studien zusammenfasste, zeigte sich kein erkennbarer Effekt auf die Leistung. Die Ergebnisse der zahlreichen Studien seien insgesamt "inkonsistent", schreiben Boerner und Kollegen. Das liege unter anderem, dass die Forschung auf diesem Gebiet "in methodischer Hinsicht sehr heterogen" sei. Im Klartext: Die Wissenschaftler sind sich nicht einmal einig, was überhaupt unter Gender Diversity zu verstehen sei und wie man die Auswirkungen auf Organisationen messen kann.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.09.2012, 10:45 UhrMV_

    @Realist2

    Nein, die Politik ist um Gottes Willen bitte NICHT gefordert! Sie soll den ganzen staatsbetrieblichen Unsinn gefälligst sein lassen. Wenn dann private Kindergärten entstehen und es sich rechnet, dafür zu bezahlen wenn Mama arbeiten geht, dann ist das eine Option, wenn es sich hingegen NICHT rechnet, dann sollte man es auch sein lassen! Marktpreise sind dafür da, zu zeigen, was sich lohnt und was eben nicht. Es ist doch Quatsch, staatliche quersubventionierte Kindergärten zu betreiben, damit Mamas täglich weniger Zeit mit ihren Kleinkindern verbringen, wenn es unterm Strich auch noch volkswirtschaftlich ein Verlustgeschäft darstellt.

  • 02.09.2012, 16:43 Uhraletheia53

    Der zentrale Satz in diesem Beitrag: "Jeder PR-Profi weiß allerdings, dass dieser entscheidende Unterschied zwischen Korrelation zweier Größen und Kausalität, wenn er geschickt verpackt wird, weder den meisten Journalisten, noch Managern auffällt." Daraus ist abzuleiten, dass es auch schon genügt, wenn in das Management eines Unternehmens nicht immer die gleichen Klone (vom Persönlichkeitsprofil her) kommen, sondern wenn man die "richtigen" (hier im Sinne einer heterogenen Zusammenstellung) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammenspannt – also diversifiziert hinsichtlich der relevanten Persönlichkeitsmerkmale.
    Es ist natürlich schon fraglich, wie es mit der fachlichen Qualifikation aussieht, wenn der Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität nicht bekannt und auf der Bewusstseinsoberfläche ist. Dass die Berater gerne Konzepte verkaufen bzw. Studien durchführen, manchmal auch welche kaufen, heißt ja nur, dass sie das als ein Thema erkannt haben, aber noch lange nicht, dass die Ergebnisse dieser Studien valide, geschweige denn repräsentativ sind. Das sollte den Managern bekannt sein. Es beschleicht mich manchmal der Verdacht, dass bestimmten Beraterfirmen einfach geglaubt wird, weil sie teuer sind und man sich auf sie herausreden kann, wenn es schief läuft (man hatte ja die „Besten“ beauftragt, da muss man selbst nicht mehr denken).
    Wenn ich richtig informiert bin, sind gerade die eifrigsten Verfechter aus der Berater-Branche intern selbst noch nicht so weit in diesem Thema

  • 01.09.2012, 12:51 UhrRealist2

    Diese ganze Gender-Diskussion ist mir seit Langem suspekt. Wenn z.B. laut IG Metall in die Baden-Württembergischen Metallbearbeitungsbetriebe nur einen Frauenanteil von etwa 10% beschäftigen, warum und wie könnten dort 50% Frauen in den Führungspositionen beschäftigt werden? Das selbe gilt auch für die Politik, der Frauenanteil in den Parteien liegt deutlich unter 50%. Die angebliche Benachteiligung bei der Bezahlung kommt überwiegend durch unterschiedliche Berufswahl zustande. Wo es wirklich Benachteiligungen gibt, entsteht sie häufug durch Ausfalljahre wegen Kindereziehung. Hier ist die Politik gefordert, endlich genügend Krippenplätze zur Verfügung zu stellen und zwar auch für Kinder deren Eltern abends noch arbeiten oder früh zur Arbeit gehen müssen.

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