Ein Jahr Frauenquote : Die Bilanz fällt bescheiden aus

Ein Jahr Frauenquote : Die Bilanz fällt bescheiden aus

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Kulturwandel braucht Zeit: Frauenquote kommt nur langsam voran.

365 Tage Frauenquote, doch die Bilanz ist eher mau. Mit der Gleichberechtigung für Frauen in Aufsichtsräten und Vorstandsetagen geht es nur langsam voran. Kulturwandel braucht eben seine Zeit.

Für Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) war es der bisher wichtigste Erfolg im Gerangel mit dem Koalitionspartner. Am 1. Mai 2015 trat das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“ in Kraft. Ein Jahr später, Ministerin Schwesig kehrt genau an diesem Sonntag nach ihrer Babypause zur Arbeit zurück, kann sie bestenfalls eine gemischte Bilanz zum Thema Frauenquote ziehen. 30 Prozent war das eher bescheidene Ziel, und nicht einmal das ist erreicht.

Das Gesetz, so das Schwesig-Ministerium, soll dazu beitragen, „den Anteil von Frauen an Führungspositionen signifikant zu erhöhen und einen Kulturwandel in den Unternehmen anzustoßen.“ Aber von Anfang an war klar: „Eine neue Arbeits- und Unternehmenskultur entsteht nicht von heute auf morgen.“ Nach einem Jahr muss sogar konstatiert werden: Es dauert wohl noch länger als erwartet.

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Frauenquote Dax-Konzerne haben keine Lust auf Quote

Große Unternehmen müssen ihren Frauenanteil in Toppositionen seit Neuem offenlegen. Ein Gesetz von Schwarz-Rot verlangt auch Ziele zur Erhöhung der Quote. Doch viele Dax-Konzerne unterlaufen die Vorgaben.

Quelle: Fotolia

Die Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ (FidAR) stellte im Januar 2016 fest: Von damals 103 börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen haben nur 60 ein Planziel für die Führungsetage festgelegt. Die vorgeschriebene Quote von 30 Prozent im Aufsichtsrat ist längst nicht von allen Unternehmen erreicht. Zum Jahresbeginn lag der Durchschnitt bei 23,7 Prozent.

So hoch ist der Frauenanteil in den Dax-Konzernen

  • Adidas

    Bei Adidas liegt der Frauenanteil in Deutschland bei exakt 50 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind es ebenfalls 50 Prozent. Die Führungskräfte des Konzerns sind jedoch nur zu 28 Prozent weiblich.  

  • Allianz

    Bei der Allianz liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 47,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 52,9 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 31,5 Prozent weiblich.  

  • BASF

    Bei der BASF liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 23,7 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 24,4 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 19,1 Prozent weiblich.  

  • Bayer

    Bei Bayer liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 31 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 37 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 26 Prozent weiblich.  

  • Beiersdorf

    Bei Beiersdorf liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 50,8 Prozent (Stand: 2014). Die Führungskräfte des Konzerns sind in Deutschland zu 27,5 Prozent und weltweit zu 26 Prozent weiblich.  

  • BMW

    Bei BMW liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 14,8 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 17,8 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind zu 14,2 Prozent weiblich.  

  • Commerzbank

    Bei der Commerzbank liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 51,2 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 52 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 28,2 Prozent weiblich.  

  • Continental

    Bei Continental liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 21 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 27,3* Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 10* Prozent weiblich.  

    *Ergänzung der systematischen Belegschaftsdaten um 6 weitere Länder in 2014 mit unterdurchschnittlichem Frauenanteil

  • Daimler

    Bei Daimler liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 15,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 16,8 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind ebenfalls zu 15,5 Prozent weiblich.  

  • Deutsche Bank

    Bei der Deutschen Bank liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 47,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 41,7 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 19,4 Prozent weiblich.  

  • Deutsche Börse Group

    Bei der Deutsche Börsen Group liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 37 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 40 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 15 Prozent (oberes und mittleres Management) und 24 Prozent (Unteres Management) weiblich.  

  • Deutsche Post DHL Group

    Bei der Deutschen Post liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 45,2 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 36 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 19,3 Prozent weiblich.  

  • Eon

    Bei Eon liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 27 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 29 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 15,8 Prozent weiblich.  

  • Fresenius

    Bei Fresenius liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 71,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind es nur 68,4 Prozent. Die Führungskräfte des Konzerns weltweit sind sogar nur zu 29,9 Prozent weiblich.  

  • Fresenius Medical Care

    Bei Fresenius Medical Care liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 46,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 68,7 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu einem Drittel (32,4 Prozent) weiblich.  

  • Heidelberg Cement

    Bei Heidelberg Cement liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 14 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 13 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 9 Prozent weiblich.  

  • Henkel

    Bei Henkel liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 36 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 33,2 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu einem Drittel (32,5 Prozent) weiblich.  

  • Infineon

    Bei Infineon liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 25,5 Prozent (Stand: 30.09.2014). Weltweit sind 37,1 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 12,5 Prozent weiblich.  

  • K+S

    Bei K+S liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 9,2 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 12,1 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind weltweit aber nur zu 14 Prozent weiblich.  

  • Lanxess

    Bei Lanxess liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 17,1 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 18 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind weltweit aber nur zu 15,4 Prozent weiblich.  

  • Lufthansa

    Bei der Lufthansa liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 45,8 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 44,7 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind weltweit jedoch nur zu 14,2 Prozent weiblich. Bezieht man Frauen mit Personalverantwortung (inkl. Leitungsebenen und Vorstand) mit ein, liegt der Wert bei 33,7 Prozent.

  • Merck

    Bei Merck liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 38 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind sogar 41 Prozent der Mitarbeiter Frauen. In den Führungskräften des Konzerns sind weltweit jedoch nur 26 Prozent weiblich.  

  • Munich RE

    Bei Munich RE liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 52 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind sogar 54 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die weiblichen Führungskräfte des Konzerns liegen jedoch nur bei 31 Prozent weltweit.

  • RWE

    Bei der RWE liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 21,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 26,6 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 14,3 Prozent weiblich.  

  • SAP

    Bei SAP liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 28,7 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 31* Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind weltweit zu 21,3* Prozent weiblich.

    *Aktuelle Akquisitionen einbezogen und historische Daten entsprechend angepasst 

  • Siemens

    Bei Siemens liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 22* Prozent. Weltweit sind 24* Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 16* Prozent weiblich.  

    *Stand jeweils 30.09.2013: Siemens ohne Osram

  • Telekom

    Bei der Telekom liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 31,4 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 35,5 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 25,6 Prozent weiblich.  

  • The Linde Group

    Bei The Linde Group liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 25,4 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 28,7* Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind weltweit aber nur zu 13,9* Prozent weiblich.  

    *inklusive Akquisition von Lincare in den USA

  • Thyssen Krupp

    Bei Thyssen Krupp liegt der Frauenanteil sowohl in Deutschland, als auch weltweit bei 14,5 Prozent (Stand: 2014). Die Führungskräfte des Konzerns sind jedoch nur zu 8,6 Prozent weltweit weiblich.  

  • VW

    Bei Volkswagen liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 17,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 15,7 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 12,1 Prozent weiblich.  

FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow ist trotzdem einigermaßen zufrieden mit der Entwicklung - in den Aufsichtsräten. Anders sieht es mit Teil zwei des Gesetzes aus: Denn mindestens so wichtig wie die 30-Prozent-Quote in den größten Konzernen sind die Vorgaben für mehr als 3500 Unternehmen, die sich selbst Zielgrößen für den Frauenanteil in Vorstand, Aufsichtsrat und weiteren Führungsetagen geben müssen. Hier geht wenig voran.

"Die Zielvorgabe funktioniert nicht"

Auch für die gut 100 Großen gilt diese Vorschrift, sie müssen sich über die Aufsichtsräte hinaus für Vorstände und die beiden oberen Führungsebenen Zielvorgaben zur Frauenquote setzen. Nur die Hälfte hat dies bisher für die Vorstände getan, und nicht selten heißt die Vorgabe: Null. Diese Unternehmen haben keine Frauen im Vorstand und werden so bald auch keine haben. Schulz-Strelow räumt ein: „Da ist sehr wenig Bewegung drin. Die Zielvorgabe funktioniert noch nicht.“ Ob man wirklich schon von einem Kulturwandel sprechen kann, sieht sie jetzt skeptischer als noch vor einem halben Jahr. Auch in der ersten und zweiten Führungsebene sieht sie teils nur marginale Verbesserungen. Daraus leitet sie die Forderung ab: „Der Gesetzgeber muss da gegebenenfalls noch mal ran.“

Positiver sieht erwartungsgemäß der Bundesverband der Deutschen Industrie die Entwicklung. Holger Lösch, Mitglied der BDI- Hauptgeschäftsführung, sagt: „Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren kontinuierliche und deutlich spürbare Fortschritte gemacht.“ Anfang 2016 habe der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 30 Dax-Unternehmen im Schnitt bei rund 27 Prozent gelegen, Anfang 2011 waren es nur 13 Prozent. Es werde aber noch mehrere Jahre dauern, bis die Quote in jedem einzelnen Unternehmen erreicht sei. Und eine „Zielgröße Null“ für Vorstand, Geschäftsführung oder Aufsichtsrat sei im Gesetz ausdrücklich vorgesehen.

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