Einfälle: Warum kluge Menschen dumme Ideen verteidigen

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Einfälle: Warum kluge Menschen dumme Ideen verteidigen

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Manche Ideen sind nicht wirklich erhellende Geistesblitze - warum kluge Menschen sie dennoch verteidigen - vorausgesetzt, es sind ihre eigenen.

von Daniel Rettig

Die meisten Menschen finden ihre eigenen Ideen besonders originell – und reagieren selbst bei begründeter Kritik trotzig. Wie lässt sich dieses Dilemma lösen? Eine neue Studie hat es herausgefunden.

Eigentlich ist alles ganz einfach: Unternehmen sind auf neue Ideen der Mitarbeiter angewiesen. Und so ist es kein Wunder, dass die Angestellten in Besprechungen und Konferenzen mit Einfällen glänzen wollen. Einerseits.

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Andererseits suchen sie nicht gemeinsam nach der besten Lösung, sondern bevorzugen vor allem eigene Geistesblitze (und machen die anderen entsprechend schlecht). „Not-invented-here-Syndrom“ heißt das im Fachjargon. Flapsig ausgedrückt: Die eigenen Einfälle finden wir dufte, die der anderen dämlich. Und wenn jemand etwas an unseren Ideen auszusetzen hat, reagieren wir ablehnend und trotzig.

Dahinter steckt das Prinzip des psychologischen Eigentums. Wenn wir Urheber einer Idee sind – egal ob materieller oder ideeller Natur –, bilden wir zu ihr eine besondere Beziehung. Denn wer sich körperlich oder geistig angestrengt hat, fühlt sich dem Produkt stärker verbunden. Es wird, übertrieben formuliert, zu einem Teil unserer Identität.

Bei persönlichem Bezug verärgert

Das kann einerseits positive Folgen haben. Wir engagieren uns stärker, weil uns die Idee am Herzen liegt – und sind offener für Kritik. Andererseits mündet hohe Identifikation nicht selten in Kritikresistenz. Selbst gut begründeten Widerspruch empfinden wir dann nicht nur als Angriff auf die Idee, sondern auch auf uns selbst.

Aber wann bleiben wir offen, wann reagieren wir widerborstig? Dieser Frage ist jetzt der deutschstämmige Forscher Markus Baer (Washington Universität, St. Louis) in einer neuen Studie nachgegangen.

Im ersten Versuch sollten 102 Studenten an einer Werbekampagne für ein neues Restaurant basteln. Doch Baer teilte die Probanden in zwei Gruppen. Die einen erhielten einen Entwurf, der schon so gut wie fertig war. Sie konnten dort also keine eigenen geistigen Spuren mehr hinterlassen. Die anderen hingegen mussten noch einige fehlende Angaben machen – beispielsweise einen Namen für das Restaurant und dessen Vorzüge, außerdem sollten sie ihren Namen auf dem Entwurf hinterlassen. Sie bauten zu ihm also eine gewisse Beziehung auf.

Nun sammelte Baer alle Arbeiten ein und gab den Probanden Feedback. Die einen sollten nun zwei Elemente des Entwurfs entfernen, die anderen sollten zwei hinzufügen. Damit wollte der Wissenschaftler herausfinden, ob die Probanden Veränderungen gegenüber aufgeschlossen waren.

Und siehe da: Jene Teilnehmer, die zu der Arbeit eine größere Beziehung aufgebaut hatten, waren durchaus dazu bereit, noch etwas hinzuzufügen. Aber sie nahmen ungern etwas davon weg.

Im zweiten Experiment mit einer neuen Gruppe fand der Wissenschaftler den Grund für die Trotzreaktion. Die Probanden mit persönlichem Bezug empfanden es als persönlichen Verlust, wenn sie etwas von ihrer Ausarbeitung streichen sollten. Außerdem reagierten sie wesentlich verärgerter und waren frustrierter.

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„Wer sich einer Sache verbunden fühlt, ist zwar offen für Ergänzungen“, resümiert Baer, „aber er neigt zu Ignoranz, wenn er das Gefühl hat, dass man ihm etwas wegnimmt.“

Diese Lektion sei vor allem für kreative Berufe wichtig, meint Baer. Dort hängt die Qualität von Ideen auch davon ab, ob die Beteiligten sich reinreden lassen und andere Meinungen akzeptieren. Die Studie zeigt jedoch: Besonders engagierte Mitarbeiter reagieren dabei tendenziell reserviert - vor allem dann, wenn sie ihre Einfällt bedroht sehen.

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