Endlich Chef!: So klappt es mit dem Traum vom eigenen Start-up

InterviewEndlich Chef!: So klappt es mit dem Traum vom eigenen Start-up

Wer junge Firmen nicht nur in der Höhle der Löwen ansehen, sondern seine eigene Unternehmensvision umsetzen möchte, braucht umfangreiches Know-how. Doch wie tief muss das Fachwissen reichen? Basis-Handbuch oder solides Entrepreneurship-Studium? Daniel Markgraf erklärt, welche Expertise Gründer mitbringen sollten, damit das Projekt Start-up 2017 Erfolg hat.

Immer wieder bescheinigen uns Studien und Politiker die mangelnde Gründungsbereitschaft in Deutschland. Und diese kommt nicht von ungefähr: Wie eine Studie der Universität Hohenheim herausfand, sind die Deutschen schulischen oder beruflichen Misserfolgen gegenüber zwar generell tolerant. Aber ein Gründer, der mit seinem Startup einmal scheiterte, verliert ihr Vertrauen.
Der Druck auf deutsche Entrepreneure ist also groß, nicht erst aus ihren Fehlern zu lernen, sondern möglichst viel Expertise schon vorab in ihr Projekt Firmengründung einzubringen.

WirtschtschaftsWoche: Was muss ein Gründer an Wissen mitbringen, um sein Unternehmen zum Erfolg zu führen?
Daniel Markgraf: Ein Gründer muss zunächst einmal für sein Produkt oder seine Dienstleistung brennen. Niemand sollte ein Unternehmen gründen in der Illusion, so schnell reich und der nächste Mark Zuckerberg zu werden. Wichtig ist eine tiefe Leidenschaft für die eigene Idee – aber auch der Realitätssinn, dass man sich auf ein sehr kräftezehrendes Projekt einlässt.

Anzeige

Zur Person

  • Daniel Markgraf

    Prof. Dr. Daniel Markgraf ist Entrepreneurship- und Marketing-Professor an der Stuttgarter Fernhochschule AKAD University sowie Mitgründer des Online-Portals Unternehmenswelt.de und Aufsichtsratsmitglied der Gründerberatung Foundervision.

Gibt es geborene Gründertypen?
Vor einigen Jahren habe ich eine Studie über den „Einfluss von Persönlichkeit und Wissen auf den Unternehmenserfolg“ durchgeführt und gelernt: Der Gründer selbst ist tatsächlich der wichtigste Faktor für den Erfolg eines Startups. Das betriebswirtschaftliche Know-how bildet den Werkzeugkoffer für die Gründung – umsetzen, mit Leben füllen und weiterentwickeln muss sie der Gründer selbst.

So denkt die Welt über Selbstständigkeit

  • Weltweit

    Für den Amway Entrepreneurial Spirit Index (AESI) 2016 haben das Konsumgüterunternehmen Amway, die Technische Universität München und die GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) 50.861 Männer und Frauen aus 44 Ländern dazu befragt, wie erwünscht es in ihrem Heimatland ist, Unternehmen zu gründen, wie leicht es ist, sich selbstständig zu machen und wie es um die Stabilität gegen sozialen Druck bestellt ist. 100 Punkte sind zu erreichen.

    Das Resultat: 56 Prozent aller Befragten weltweit erachten die Gründung eines Unternehmens als erstrebenswert. 46 Prozent sind der Meinung, sie besäßen die notwendigen Voraussetzungen dafür. 49 Prozent würden sich nicht davon abhalten lassen, wenn ihnen ihre Familie oder Freunde davon abraten.

    Quelle: Amway Global Entrepreneurship Report 2016

  • EU

    47 Prozent der Befragten in der EU erachten eine Unternehmensgründung als erstrebenswert. 40 Prozent sehen sich dazu in der Lage und 48 Prozent würden sich nicht davon abbringen lassen.

  • Männer und Frauen

    35 Prozent der befragten Männer halten eine Selbständigkeit für wünschenswert und 38 Prozent glauben auch, aus der Idee ein erfolgreiches Unternehmen machen zu können. 43 Prozent sind außerdem überzeugt, sich auch gegen Widerspruch aus dem sozialen Umfeld durchsetzen zu können. Bei den Frauen halten 27 Prozent die Selbständigkeit für erstrebenswert. Dass es mit dem eigenen Unternehmen klappen kann, glauben 26 Prozent. 37 Prozent sagen, dass sie im Zweifelsfall auf die Meinung von Freunden und Familie pfeifen und trotzdem gründen würden.

  • Altersunterschiede

    Junge Menschen wollen gründen, ältere wünschen sich einen sicheren Job: Jedenfalls nimmt die Zahl derer, die eine Selbständigkeit als wünschenswert betrachten, mit zunehmendem Alter deutlich ab. In der Altersgruppe jenseits der 50 halten nur noch 21 Prozent eine Unternehmensgründung für eine gute Idee. Bei den Befragten unter 35 Jahren waren es 43 Prozent, in der Altersgruppe der 35- bis 49-Jährigen 37 Prozent. Dafür ist das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten in der Gruppe der 35 bis 49-Jährigen am stärksten und sie scheinen am stabilsten gegen sozialen Druck zu sein.

  • Bildungsabschlüsse

    Akademiker interessieren sich eher für eine Selbstständigkeit als Menschen ohne Uniabschluss. So halten 34 Prozent der Uniabsolventen die Gründung eines Unternehmens für erstrebenswert, in der Vergleichsgruppe sind es 31 Prozent.
    Befragte mit Abschluss verfügen außerdem über ein sehr viel höheres Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten als Befragte ohne Abschluss. Hinsichtlich der Stabilität gegenüber sozialem Druck sind Absolventen ebenfalls deutlich positiver als Nicht-Absolventen.

  • Deutschland

    31 Prozent der Befragten halten die Gründung eines Unternehmens für erstrebenswert (2015: 26 Prozent). 32 Prozent der deutschen Befragten glauben, dass sie auf eine Gründung gut vorbereitet wären (2015: 29 Prozent). 40 Prozent sind der Meinung, dass sie sich von einer Unternehmensgründung nicht abhalten ließen, wenn ihre Familie oder Freunde sie davon abbringen wollten (2015: 38 Prozent).

    Insgesamt sind 63 Prozent aller befragten Deutschen Unternehmensgründungen gegenüber positiv eingestellt. Im internationalen Vergleich landen die Deutschen damit auf Platz 40 - von 44.

  • Taiwan

    Mehr als jeder zweite befragte Taiwanese (52 Prozent), hält es für erstrebenswert, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Noch deutlich mehr, nämlich 88 Prozent, finden es gut, wenn andere den Mut haben, sich selbstständig zu machen. Was die Offenheit gegenüber Gründern und start-ups angeht, landet Taiwan damit auf Platz zehn im internationalen Vergleich.

  • Schweiz

    88 Prozent der befragten Schweizer finden es gut, wenn sich andere selbstständig machen. 45 Prozent halten es für wünschenswert, sich selbst einmal aufs unternehmerische Parkett zu wagen.

  • Kanada

    43 Prozent der befragten Kanadier können sich vorstellen, sich selbstständig zu machen. 88 Proozent der Befragten sind Unternehmensgründungen gegenüber positiv eingestellt.

  • Kolumbien

    In Kolumbien ist der Gründergeist weltweit am höchsten: 80 Prozent der Befragten können sich gut vorstellen, sich selbstständig zu machen. 89 Prozent sind Unternehmensgründungen gegenüber positiv eingestellt. Im internationalen Vergleich macht das Platz sieben.

  • Estland

    Selbst die Esten sind gründerfreundlicher als die Deutschen: 91 Prozent der befragten Einwohner Estlands sind Start-ups gegenüber aufgeschlossen, 48 Prozent können sich vorstellen, selbst zu gründen.

  • Mexiko

    In Mexiko ist die Bereitschaft, sich selbstständig zu machen, weltweit am zweithöchsten: 73 Prozent der befragten Mexikaner können sich vorstellen, zu gründen. 92 Prozent sind Unternehmensgründungen gegenüber positiv eingestellt. Das beschert Mexiko Platz fünf bei der Gründerfreundlichkeit.

  • Schweden

    Schweden belegt in punkto Aufgeschlossenheit gegenüber Gründern Platz vier im internationalen Vergleich: 93 Prozent der Schweden sind jungen Unternehmen gegenüber positiv eingestellt. 51 Prozent denken darüber nach, sich selbst als Unternehmer zu versuchen.

  • Dänemark

    Auf Platz drei der gründerfreundlichsten Nationen liegt Dänemark: 94 Prozent der Befragten finden es gut, wenn sich andere selbstständig machen. 40 Prozent können sich vorstellen, selbst einmal ein Unternehmen zu gründen.






  • Vietnam

    Auch in Vietnam sind die Menschen Gründern gegenüber aufgeschlossen: 95 Prozent stehen Start-ups positiv gegenüber, 58 Prozent könnten sihc eine Selbstständigkeit vorstellen.

  • Norwegen

    Das gründerfreundlichste Völkchen sind die Norweger. Hier können sich zwar nur 36 Prozent vorstellen, einmal ein eigenes Unternehmen ins Leben zu rufen. Dass sich andere selbstständig machen, finden dafür 99 Prozent der Befragten gut.

Ohne BWL-Studium geht es also nicht?
Ohne betriebswirtschaftliche Basics kommen Sie nicht weit. Das kann ich im Hinblick auf meine Erfahrung bei der Betreuung junger Gründer definitiv bestätigen. Obwohl man die „BWL-Spießer“ an der Uni früher vielleicht milde belächelt hat, brauchen Gründer nicht zuletzt eine große Bereitschaft zu lernen, sich weiterzubilden und sich auch betriebswirtschaftliches Know-how anzueignen.

Was muss ein angehender Gründer auch ohne BWL-Studium auf jeden Fall können?
Was man auf jeden Fall mitbringen sollte, ist solides Basiswissen in Projektmanagement, Marketing, Personalwesen, Qualitätsmanagement sowie Investitionen und Steuern. Das klingt anspruchsvoll, und das ist es auch: Im Idealfall ist ein Gründer ein BWL-Allrounder. Denn gerade in der Anfangszeit seiner Selbständigkeit sollte und muss er er – mangels Mitarbeiter – einen Großteil der Aufgaben selbst übernehmen können. Später muss er zumindest die Aufgaben, Ziele und Maßnahmen vorgeben, übergeben und die Umsetzung in den Fachabteilungen beurteilen können. Nicht zuletzt sollte er auch einem Gründungsberater oder Investor gegenüber darstellen und gut argumentieren können, weshalb diese Ausgabe ein sinnvolles Investment ist und jene nicht.

Genügen ein solides BWL-Wissen und die richtige Persönlichkeit für den Erfolg eines Start-ups?
Die Liste geht leider noch weiter: Sie müssen sich ein breites Netzwerk aus anderen Gründern, aber auch Investoren und Banken aufbauen. Mit diesen Parteien sollten Sie regelmäßig an einen Tisch kommen – nicht erst dann, wenn es um die nächste Investitionsrunde geht. Es ist ganz essenziell, dass man ein gemeinsames Verständnis schafft, eine Basis, auf der man gut zusammenarbeiten und voneinander lernen kann. Für den Gründer sind diese Personen außerdem wichtige Multiplikatoren.

Wo trifft man solche Multiplikatoren?
Businessplan-Wettbewerbe oder Startup-Weekends sind dafür bewährte Plattformen. Der Austausch muss nicht immer vor Ort stattfinden, wo man heute per Video-Chat sogar gemeinsam an einem Businessplan feilen oder ein Online-Seminar besuchen kann, ohne extra von Hamburg nach München zu fliegen. Wichtig ist, dass Sie überhaupt in Dialog treten. Am besten bei einem bunten Blumenstrauß aus Wettbewerben, Netzwerkveranstaltungen und zielorientierten Weiterbildungen. Je mehr, desto besser!

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%