
Der Kalif von Bagdad wollte ungefiltert hören, was die Menschen in der Hauptstadt seines Reichs dachten – von ihm und ihrem Leben. Graf Potemkin geleitete seine Geliebte und Kaiserin Katharina die Große durch ein Russland prächtiger Dörfer und stolzer Städte – Kulissen, die den Blick auf das Elend der Bürger verbargen.
Auch im zerbröselnden Ostberlin strahlten manche Häuserfassaden weiß und verputzt – allerdings nur bis zum ersten Stock. Darüber zeugten Einschusslöcher der Maschinengewehrgarben noch von der Schlacht um Berlin. Doch so weit konnte Erich Honecker, wenn er mit Hütchen im weichen Citroën-Polster saß und auf der amtlich festgelegten Protokollstrecke chauffiert wurde, schon nicht mehr blicken – die Realität war außerhalb seines Blickfelds. Und das, was er sah, die Schminke auf dem Elend.
Ob im orientalischen Kalifat des 8., im russischen Zarenreich des 18. oder in der ostdeutschen Diktatur des 20. Jahrhunderts: Macht weitet den Blick nicht, sondern verengt ihn. Und gute Ratgeber mutieren zu falschen Ja-Sagern.
Quelle: dpaPlatz 12: Karl-Ludwig Kley (60)
Für Karl-Ludwig Kley hat der Pharma- und Chemieunternehmen Merck 7 Millionen Euro angespart. Kleys hat sein Mandat im Vorstand seit 4 Jahren, in jedem Jahr wird im Schnitt 1,8 Millionen Euro zurückgelegt. Kley ist aktuell als künftiger Präsident des Chemieverbandes VCI im Gespräch.
Quelle: dpaPlatz 11: Reto Francioni (56)
Der Chef der Deutschen Börse hat 8,2 Millionen Euro in seinen fünf Jahren als CEO angesammelt. Im Schnitt kamen jedes Jahr 1,6 Millionen Euro hinzu. Francioni hat im vergangenen Jahr mit dem Versuch, die Nyse Euronext zu übernehmen, für einen Coup gesorgt. Allerdings stehen die Zeichen schlecht.
Quelle: dapdPlatz 10: Michael Diekmann (57)
Deutschlands größter Versicherungskonzern sichert Michael Diekmann vorzüglich ab. Der Allianz-Chef ist seit zwölf Jahren im Vorstand, dafür wurden ihm 8,3 Millionen Euro angerechnet. Der Konzern blickt dagegen auf ein hartes Jahr zurück. Der Umsatz ist gesunken, das operative Ergebnis stagniert. Michael Diekmann sprach von einem „soliden Ergebnis“.
Quelle: ReutersPlatz 9: Johannes Teyssen (52)
Der Jüngste im Manager-Dutzend arbeitet seit 7 Jahren in der Chefetage von Eon. Dafür hat der Stromkonzern, der sich gerade mit einem brasilianischen Versorger verbündet, 8,6 Millionen Euro an Rückstellungen angehäuft. Trotz der jüngsten Sparmaßnahmen bei Eon waren das im Durchschnitt 1,2 Millionen Euro pro Jahr.
Quelle: dpaPlatz 8: Nikolaus von Bomhard (55)
Für den Vorstandsvorsitzenden des weltweit größten Rückversicherers flossen in einem Jahrzehnt 9 Millionen Euro in die Pensionskasse, macht 900.000 in jedem Jahr. Der Manager ist seit 26 Jahren bei der Münchener Rück. Der Konzern hat ein schweres Jahr hinter sich, ausgelöst durch die Erdbeben in Japan und Neuseeland oder die Skandale der Tochter Ergo.
Quelle: dpaPlatz 7: Wolfgang Reitzle (62)
Er gilt als Lenker mit Marktkenntnis und einem ausgezeichneten Gespür für Menschen. Darum setzt Linde schon seit 9 Jahren auf Wolfgang Reitzle im Vorstand. Der Konzern, Spezialist für Industriegase, stellte insgesamt 9,6 Millionen Euro für Reitzle zurück. Das jährliche Mittel liegt bei 1,1 Millionen Euro. Der Erfolg gibt ihm recht: Als Reitzle 2005 zu Linde kam, lag der Aktienkurs bei 30 Euro, heute beträgt er 119 Euro.
Quelle: dpaPlatz 6: Wolfgang Mayrhuber (64)
Bis Ende 2010 führte Wolfgang Mayrhuber die Lufthansa. Dabei kamen 11,3 Millionen an Altersvorsorge zusammen, durchschnittlich 1,3 Millionen jedes Jahr. Der 64-Jährige ist mittlerweile Aufsichtsratsvorsitzender bei Infineon, obwohl ihm Erfahrungen im internationalen Halbleitergeschäft fehlen.
Quelle: dpaPlatz 5: Peter Löscher (54)
Bei Siemens gibt Peter Löscher seit 2007 den Ton an, er kam als erster Vorstandschef nicht aus dem Konzern. Seitdem lenkt Löscher Siemens erfolgreich, die vorzeitige Verlängerung seines Vertrags bis 2017 war im Sommer nur eine Formsache. Bis dahin werden seine Pensionsansprüche weiter ansteigen, schon jetzt sind es 12,8 Millionen Euro, alle 12 Monate kommen 1,1 Millionen Euro hinzu.
Quelle: dapdPlatz 4: Josef Ackermann (63)
Der Dienstälteste unter den Top-Managern ist seit 14 Jahren im Vorstand. Seine Zukunft ist derweil ungewiss, gerade wurde er als möglicher Präsident der Schweizerischen Nationalbank ins Gespräch gebracht. Ackermann hat sich passenderweise in den vergangenen Wochen mehr als Staatsmann, denn als Unternehmenschef präsentiert. Seine Pensionsansprüche erlauben dem Schweizer auf jeden Fall ausreichend Bedenkzeit, sie summieren sich auf 13,2 Millionen Euro. Der Zuwachs von durchschnittlich 900.000 Euro war aber vergleichsweise niedrig.
Quelle: dpaPlatz 3: Jürgen Hambrecht (65)
Ein Küsschen zum Abschied: Im Mai 2011 beendete Jürgen Hambrecht seine lange Ära bei BASF. Beim Chemiekonzern hat er nach 13 Dienstjahren Anspruch auf 14,6 Millionen Euro Pension, jedes Jahr kamen 1,1 Millionen Euro zusammen. Dass er sie vollständig erhält ist jedoch nicht garantiert. Kürzungen der Bezüge sind laut Aktiengesetz möglich, sofern sich die Lage eines Unernehmens viel schlechter entwickelt als zur Amtszeit des jeweiligen Managers. Derzeit ist BASF aber erfolgreich, die ehrgeizigen Ziele für das Jahr 2011 hat der Chemieriese voraussichtlich erfüllt.
Platz 12: Karl-Ludwig Kley (60)
Für Karl-Ludwig Kley hat der Pharma- und Chemieunternehmen Merck 7 Millionen Euro angespart. Kleys hat sein Mandat im Vorstand seit 4 Jahren, in jedem Jahr wird im Schnitt 1,8 Millionen Euro zurückgelegt. Kley ist aktuell als künftiger Präsident des Chemieverbandes VCI im Gespräch.
Geschönte Wahrheit
Auch demokratisch gewählte Regierungschefs sind vor Erblindung im Amt nicht sicher: Helmut Schmidt ließ sich als Weltökonom feiern, bis er wegen wachsender Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung und Inflation aus dem Amt gejagt wurde. Nachfolger Helmut Kohl lehnte die Zusammenarbeit mit dem Apparat des Kanzleramts ab, um nicht in die Falle vorgefertigter Wahrheiten zu tappen.
Ohne Begleitschutz ging er zur nahen Wurstbude und kam mit fünf Rentnerinnen im Schlepptau ins Kanzleramt zurück. Das beunruhigte die Sicherheitsbeamten, die unter jedem Stützstrumpf ein Maschinengewehr der RAF fürchteten. Mehr noch musste die Rentenabteilung die Eindrücke aus dem wirklichen Leben fürchten, die den Kanzler so ungefiltert erreichten. Zum Ende seiner Kanzlerschaft aber, getäuscht vom übermächtigen Selbstbild eigener Wichtigkeit, nahm auch Kohl nicht mehr wahr, dass sich der Blick auf ihn gewandelt hatte.
Kein Platz mehr im Terminkalender
Dabei beginnen Regierungsperioden, egal, ob bei Ludwig Erhard oder Gerhard Schröder, meist damit, dass Gelehrte und Empfindsame zu langen Gesprächen eingeladen werden. Schon nach wenigen Monaten ist dafür kein Platz mehr im Terminkalender, weil Krisen zu bewältigen sind, die sich bald zu Krisen der Wahrnehmung auswachsen.
Der Blick auf die Lebenswirklichkeit verengt sich auf den Ausschnitt aus dem Bullauge des Hubschraubers. Oder auf die vermittelte Wahrheit der gefilterten Vorlagen aus den Amtsstuben. Manche ringen um einen Notausgang in die Wirklichkeit – wie etwa Wolfgang Schäuble als Chef des Bundeskanzleramts. Er hält gegen jeden Rat an seinem zeitraubenden Bundestagsmandat fest, um sich so Basiskontakt zu bewahren.













