
Wir haben Deutschlands Vorstandschefs gefragt, was sie im neuen Jahr erwarten und selbst vorhaben. Und die meisten haben geantwortet. Zumindest auf eine der Fragen fanden fast alle mehr oder weniger dieselbe Antwort.
Die erste von vier Fragen lautete nämlich: "Was halten Sie für die wichtigste ökonomische Herausforderung 2013 jenseits Ihres Unternehmens?"
Die meisten beantworteten Sie so, wie es nicht anders zu erwarten war. Die "Euro-Krise" oder noch allgemeiner die Schuldenprobleme der öffentlichen Haushalte und Banken tauchten in fast allen Antworten auf. Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer nennt das schlicht: "Die Lösung der Probleme in der Eurozone". Gerold Linzbach, Vorstandschef von Heidelberger Druckmaschinen sieht dabei explizit auch die Wirtschaft und private Haushalte in der Pflicht. Außer ihm nahm nur noch Dietmar Bichler von Bertrandt eine über die Wirtschaft hinausreichende Perspektive ein: Die Finanzsysteme müssten stabil bleiben, "um das Risiko sozialer Verwerfungen zu minimieren." Dezidiert politische Forderungen stellte sonst niemand.

Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender von Allianz Deutschland
Fast geräuschlos öffnen sich die Fahrstuhltüren in der fünften Etage. Markus Rieß, 47, Vorstandsvorsitzender von Allianz Deutschland, nimmt diesen Weg fast täglich. Nur ein paar Schritte trennen ihn dann noch von seinem Büro. Hier oben in einem hochmodernen Glastempel im Münchner Vorort Unterföhring hat sich der gesamte Vorstand einquartiert. Die Büros sind alle gleich groß, messen exakt 39 Quadratmeter. "Ich mag es nicht, wenn Büros extra für den Vorstand dekoriert werden", sagt Rieß, während er am Konferenztisch auf sein elektronisches Notizbuch schaut. "Ich nutze die digitale Welt", beschreibt Rieß sein fast papierloses Büro, in dem sich neben den Apple-Ikonen iPad, MacBook und iPhone nur noch ein Blackberry behaupten kann. Seit Juli 2010 leitet der promovierte Volkswirt die Deutschland-Dependance der Allianz Gruppe, eines der weltweit größten Versicherungsunternehmen. Mit mehr als 28 Milliarden Euro steuerte der Deutschland-Ableger rund ein Viertel zum Gesamtumsatz der Allianz Gruppe bei, der im vergangenen Jahr 106 Milliarden Euro betrug. 20 Millionen Kunden und mehr als 30.000 Mitarbeiter, davon 7000 in der Münchner Zentrale – so lauten die weiteren Kennzahlen aus Rieß’ Reich. Wesentlich unspektakulärer präsentiert sich sein Arbeitszimmer, das von einer gerahmten Collage aus 25 Kinderzeichnungen dominiert wird. Sie entstanden im Malwettbewerb "Was mir das Liebste in meinem Leben ist", zu dem der Konzern 2011 Münchner Grundschüler aufgerufen hatte. Wie ein Kontrapunkt wirkt das Werk des US-Expressionisten Zy Twombly, das hinter dem Schreibtisch hängt. Aus Rieß’ Privatbesitz stammen zwei Lithografien des Künstlers Georg Baselitz. "Man sollte die Dinge stets auch aus einer anderen Perspektive betrachten", interpretiert Rieß die auf dem Kopf stehenden Porträts. Kopf steht auch die digitale Welt: Zu Rieß’ Schreibutensilien zählen Tintenfass und Füller.
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Andreas Chudowski für WirtschaftsWocheOliver Eller, Geschäftsführender Direktor des Hotels Adlon
Schlichte Fassade, exquisites Interieur – das Adlon gehört zu Berlin wie das Brandenburger Tor und der Reichstag. "Unser Haus ist eine lebende Legende", betont Oliver Eller, 46, Geschäftsführender Direktor des Fünf-Sterne-Hotels, das 1997 eröffnet wurde. Es steht in der Tradition des gleichnamigen Hotels, das 1907 erbaut wurde, aber 1945 gegen Kriegsende ausbrannte und abgerissen wurde. 382 Zimmer stehen heute zur Verfügung, eines davon ist allerdings das ganze Jahr über reserviert: In der ersten Etage hat der Hausherr sein Büro. "Von der Essenz des puren Luxus", wie es die Adlon-Werbung verheißt, ist dort nichts zu spüren. Es wirkt wie ein Zimmer der Drei-Sterne-Kategorie – bescheiden, aber funktionell. "Ich muss mich nicht über Luxus definieren", sagt Eller. Seit August 2010 leitet der gebürtige Bielefelder das Adlon, gleichzeitig ist er Deutschland-Direktor der Hotelgruppe Kempinski und damit für insgesamt zehn Edelherbergen zuständig. Vor seinem Umzug ins Adlon arbeitete er elf Jahre lang für die Hotelgruppe Ritz-Carlton, zuletzt im "Ritz" in Moskau. Seine Ausbildung zum Hotelkaufmann absolvierte er im Maritim-Hotel in Bad Salzuflen. Mit "all inclusive" beschreibt der Hoteldirektor sein Refugium aus dunklen Schrankwänden mit integrierter Minibar, Bad und Toilette. "Nur das Bett habe ich entfernt", verrät Eller. In den Regalen stehen neben Fachbüchern eine Kaffeemaschine samt weißem Geschirr, Souvenirs und Gastgeschenke. An der Wand hinter dem Schreibtisch hängt ein Werk des in Saint-Tropez lebenden Künstlers Stefan Szczesny. Eine goldgerahmte Auszeichnung adelt Eller zum "Hotelmanager des Jahres 2013". Gleich daneben hat sich seine Tochter Lisa Marleen künstlerisch verewigt. "Landschaft mit Papa im Auto" nennt sie ihre Buntstiftzeichnung. "Kein Wunder", sagt Eller, "sie hat mich auf meinen Reisen ja oft genug begleitet."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWocheLaurent Berger, Chef der französischen Gewerkschaft CFDT
Wenn es mal wieder knüppeldick kommt, vertieft sich Laurent Berger, 48, für ein paar Minuten in die gerahmten Fotos an seiner Bürowand. Es sind Bilder vom Sandstrand in Saint-Nazaire an der französischen Atlantikküste, wo er aufgewachsen ist und wohin er sich besonders in solchen Momenten zurücksehnt. Oder er freut sich über den frischen Blumenstrauß, den ein Florist jede Woche auf die Anrichte aus Akazienholz stellt. Am liebsten sind Berger exotische Blumen. Seit vergangenem November leitet er als Generalsekretär Frankreichs zweitgrößte Gewerkschaft, die Confédération française démocratique du traivail (CFDT), der rund 700.000 Mitglieder angehören. Sein Büro wirkt, als hätte er es in einer Ecke seines Wohnzimmers aufgebaut und nicht in der Zentrale einer Großgewerkschaft in Paris. "Ich brauche Wärme und ein paar persönliche Gegenstände um mich herum", sagt Berger, "und auch die Leute, die hier hereinkommen, sollen sich gleich wohlfühlen." An Anfeindungen mangelt es nicht, seit der Reformer im Januar mit den Arbeitgebern die Arbeitsmarktreform unterzeichnete, die zwei äußerst linke Gewerkschaftsverbänden ablehnten und die das Parlament in diesem Monat verabschiedete. In Frankreich seien die Gewerkschaften nicht in der Lage, zum Wohl der Arbeitnehmer an einem Strang zu ziehen, klagt Berger und attestiert den Reformgegnern Dogmatismus. "Das ist kein Vorwurf, sondern die Realität." Sein Vorgänger hat ihm neben den Büromöbeln hölzerne Masken aus Neukaledonien und Afrika hinterlassen. Als könnten sie helfen, böse Geister zu vertreiben.
(Text: Karin Finkenzeller)
Bild: Andreas Chudowski für WirtschaftsWocheHarald Glööckler, Modedesigner und Unternehmer
Spiegel, Spiegel, Spiegel – Harald Glööckler, 47, liebt die Konfrontation mit seinem Konterfei. Durchgestylt von Kopf bis zu den Zehen – "alles muss 100-prozentig stimmen", lautet das Credo des Modemachers, Eigners und Geschäftsführers des Unternehmens Harald Glööckler International. Über 1200 Quadratmeter erstreckt sich sein Reich auf zwei oberen Etagen eines modernen, aber unscheinbaren Geschäftshauses in Berlins Prachtstraße Unter den Linden. Knapp 30 Quadratmeter sind für das Chefbüro reserviert. Begonnen hat Glööcklers Karriere in Stuttgart. Dort eröffnete das Enfant terrible der Modebranche 1987 zusammen mit seinem Lebensgefährten, dem Herrenschneider und Manager Dieter Schroth, 64, seine erste Boutique, einen Jeansladen. Damals schrieb Glööckler sich noch mit einem ö, so lautet sein Geburtsname. Heute verkauft er die Kleider seines Modelabels „Pompöös“ im Shoppingsender QVC, aber auch der Discounter Lidl, die Baumarktkette Bauhaus oder der Modefilialist Bonprix schmücken sich mit Glööckler-Kreationen, zu denen mittlerweile auch Schmuck, Pralinen, Tapeten und Fliesen zählen – und neuerdings sogar Entwürfe für Villen. Im Glööckler-Stil präsentiert sich auch sein silberbeschlagener Schreibtisch. Rund 400 selbstgemalte Bilder hängen in den angrenzenden Gemächern und Fluren des Modedesigners. Zusammen mit Kristalllüstern, schneeweißen Ledergarnituren und goldgeflügelten Sesseln dokumentieren sie Glööcklers Welt. Zu ihr gehört auch ein blütenweißes Klavier an dessen Seite sich ein meterlanger, mit Porzellan bestückter Esstisch ausdehnt. Jedes Wohnaccessoire, sogar der Porzellan-Gepard, ist punktgenau ausgerichtet. Nur einer hat an Glööcklers Hof Narrenfreiheit – Billy King, sein Hund. Der Papillon scheint sich seiner Abstammung bewusst zu sein, waren seine Vorfahren doch einst die Lieblingstiere am französischen und spanischen Königshaus.
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Joska-Andre B. Möller für WirtschaftsWocheAndreas Wellbrock, Geschäftsführer von BLG WindEnergy Logistics
Der Chefsessel im Büro fehlt. Andreas Wellbrock, 49, sitzt lieber auf einem blauen Gymnastikball. "Ich trainiere so meinen Rücken", sagt der Geschäftsführer des Bremer Logistikdienstleisters BLG WindEnergy Logistics, als er am Stehpult in den neuen Auftragseingängen blättert. "Spottbillig" war die Kugel auch. Nur 9,90 Euro hat er für den Ball in einem Supermarkt bezahlt. Eine zweite, rote Kugel ist für Gäste reserviert. "Doch nur wenige wählen diese instabile Sitzgelegenheit", gesteht Wellbrock, "man muss ja stets im Gleichgewicht bleiben." Geschäftlich ist ihm das gelungen. Die Tochter der BLG Logistik Group "ist im Lot", wie er sagt, sie setzte im vergangenen Jahr mit 70 Mitarbeitern rund 30 Millionen Euro um. Organisiert wird alles, was zum Transport und Aufbau von Offshore-Windparks benötigt wird: vom Landtransport der 65 Meter hohen Tripoden bis hin zur Verschiffung der dreibeinigen, 900 Tonnen schweren Stahlfundamente. Der Speditionskaufmann kennt sich aus mit Wind und Wellen, kletterte bei einem Turn mit der "Alexander von Humboldt" bis in die Mastspitzen des Großseglers. Sein Büro sei aber "typisch Landratte", betont Wellbrock. Das stimmt. Maritimes ist nicht zu entdecken, dafür hängen Bilder des Fußballbundesligisten Werder Bremen an den Bürowänden. "Seit 30 Jahren bin ich Fan, seit 10 Jahren Mitglied", begründet Wellbrock seinen Werder-Fimmel. Für seinen Verein läuft er auch. Beim Marathon wurde der Logistikmanager dreimaliger norddeutscher Mannschaftsmeister. Neben einer Europakarte, auf der die Hauptstandorte der Windkraftanlagen markiert sind, zeigt eine Pinnwand Fotos, auf denen seine Frau Britta zusammen mit ihren Kindern Michel und Lena zu sehen ist. "Sie kennen mein Büro und lieben es", sagt Wellbrock, "besonders den Chefsessel."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Arne Weychardt für WirtschaftsWocheBjörn Dahler, Geschäftsführer des Maklers Dahler & Company
"Ich mag’s auch im Büro ein wenig wohnlich", begründet Björn Dahler, 54, den Stil seines Arbeitszimmers: eine braune Grastapete an der Wand hinter dem Schreibtisch, eine schwarze Schrankwand samt Fernsehschirm gegenüber und Gardinen an den Fenstern. Ein bisschen Geschäftssinn steckt auch hinter der Einrichtung. "Wir wollen unseren Kunden auch zeigen, wofür wir stehen", sagt Dahler. Gemeinsam mit seiner Frau Kirsten hat er das Immobilienunternehmen Dahler & Company vor 20 Jahren aufgebaut, heute unterhält es 39 Büros in Deutschland, Österreich und Spanien, entwickelt Immobilienprojekte, investiert in Häuser und vermittelt Luxusobjekte. Die Zentrale steht in der Hamburger Hafencity, ein Geschäfts- und Bürohaus, das Dahler selbst konzipiert hat. Seit zwei Jahren residiert er hier im zweiten Stock, im Büro nebenan arbeitet seine Frau als Co-Geschäftsführerin, eine Glastüre verbindet die beiden Räume – oder trennt sie, je nach Laune. Das Bild an der Grastapete zeigt New York. "Das Musterbeispiel einer pulsierenden Stadt", sagt Dahler. Er selbst ist Norddeutschland treu geblieben, in Bremen geboren, in der Region aufgewachsen, in Hamburg Jura studiert und heute in der Nordheide vor den Toren Hamburgs daheim. "Auch wegen der Pferde", erklärt Dahler. Drei hält er sich noch. Als Jugendlicher war er Europameister im Dressurreiten, aber heute reiten meist seine Kinder. Dahler spielt ein wenig Golf. Fit hält er sich mit "Kraftübungen, Laufband und Fahrrad". Das sei "Disziplin, aber kein Spaß". Der Schreibtisch ist papierfrei. "Ich mag es gerne aufgeräumt", sagt Dahler, "dann kann ich klarer denken."
(Text: Hermann Olbermann)
Jérôme Philipon, Direktor des Champagnerhauses Bollinger
Der Schatz liegt in fünf Kilometer langen Kellergewölben. Dort vergären die Weine bis zu acht Jahre lang. Im Büro darüber wacht Jérôme Philipon, 50, seit 2007 Direktor des Champagnerhauses Bollinger und der erste Chef, der nicht aus der Familie kommt. Vier gerahmte Fotos an der Wand zeigen Kate Middleton, wie sie im Februar 2011 mit einer Flasche Bollinger ein Rettungsboot der englischen Küstenwache tauft. „Das war ihr erster offizieller Auftritt, noch vor der Hochzeit mit Prinz William“, sagt Philipon.
Seit 1843 ist Bollinger Hoflieferant des englischen Königshauses. Auch ein Hinweis auf den bekanntestes Geheimagenten ihrer Majestät, auf James Bond, darf im Traditionshaus im französischen Ay, rund 150 Kilometer östlich von Paris, nicht fehlen. Die Geschenkbox auf der Anrichte öffnet sich erst, wenn der Zahlencode 007 eingegeben wird. Die Box wurde zum Kinostart des Bondfilms „Skyfall“ auf den Markt gebracht und enthält eine Flasche Bollinger La Grande Année 2002. 2002 war der beste Jahrgang der vergangenen Dekade. England ist bis heute der wichtigste Markt für Bollinger, noch vor den USA, Frankreich, Japan, Australien und Italien. China sei stark im Kommen, sagt Philipon. „Luxus verkauft sich gut, selbst in Frankreich, wo die wirtschaftliche Lage derzeit nicht zum Feiern ist“, sagt der Champagnerdirektor. Trotz Krise verzeichnete Bollinger 2011 und 2012 Rekorde sowohl beim Produktionsvolumen als auch bei den Umsätzen. „2013 hat sehr gut begonnen. Der große Vorteil von Champagner ist, dass man ihn nicht über Jahre liegen lässt. Das“, so Philipon, „garantiert steten Absatz.“
Bild: Ben Baker/LaifCarlos Slim Helú, Mexikanischer Unternehmer und reichster Mensch
Hinter seinem voluminösen Schreibtisch wirkt Carlos Slim Helú, 73, fast verloren. Er mag "keine großen Auftritte", sagt er, "und schon gar nicht das Gerede über das große Geld". Er muss damit nicht prahlen, er hat es. Slim, Sohn libanesischer Einwanderer und Vater dreier Töchter und dreier Söhne, hat ein Vermögen von rund 73 Milliarden Dollar, schätzt das amerikanische Magazin "Forbes". Damit ist er der reichste Mensch der Welt. Zu seinem Imperium von mehr als 200 Unternehmen zählen neben dem mexikanischen Telefonkonzern América Movil, Banken, Versicherungen, Kupferminen, Baufirmen, Fluggesellschaften, Supermärkte, Krankenhäuser, Hotels sowie Restaurants. In der Unternehmenszentrale der Grupo Financiero Inbursa in Mexico City laufen die Fäden des mächtigen Industriemagnaten zusammen. Schlicht, nicht luxuriös ist dort sein 80 Quadratmeter großes Büro eingerichtet: grüne Ledersofas, schwarze, genoppte Sessel, ein ovaler Konferenztisch, auf dem verstreut Notizzettel liegen, und einige Grünpflanzen vor der Fensterfront – das ist alles. Luxuriös ist allerdings seine Kunstsammlung. Das Ölgemälde "Valle de México" des amerikanischen Landschaftsmalers Conrad Wise Chapman beansprucht fast die gesamte Wand hinter dem Schreibtisch. Erst dann fallen auch die anderen Werke auf - Bilder von Vincent van Gogh, Pierre-Auguste Renoir und Diego Rivera sowie Plastiken des französischen Bildhauers August Rodin. "Rodin ist einer der Größten", schwärmt der Multimilliardär mit Blick auf die Bronzestatue "Der ewige Frühling". Carlos Slim besitzt nach dem Rodin-Museum in Paris die zweitgrößte Rodin-Sammlung weltweit. Eine andere Vorliebe Helús neben der Kunst verrät der Kristallaschenbecher auf dem Schreibtisch – kubanische Cohiba-Zigarren. Sie dienen ihm zur Entspannung. "Reichtum", verrät der Unternehmer, "muss mit Effizienz, aber auch mit Ehrlichkeit verwaltet werden."
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Dominik Pietsch für WirtschaftsWocheChristian Brühe, Geschäftsführer der Eventagentur Uniplan
"Purismus pur." So beschreibt Christian Brühe, 51, sein Büro in Köln. Nur ein Schreibtisch Marke "Eigenbau", eine Lampe der italienischen Leuchtenmanufaktur Artemide und ein Stuhl. Nackte, weiß getünchte Wände, keine Farbtupfer, weder Kunst noch Kitsch, weder Fotos noch Kalender. "Ich wollte auf diese Dramaturgie verzichten", sagt der Geschäftsführer und Gesellschafter der Eventagentur Uniplan, die ihr Domizil in einer ehemaligen Lagerhalle des Kabelherstellers Felten & Guilleaume aufgeschlagen hat. Als Brühe im Jahr 2000 von seinem Vater Hans die Geschäftsführung übernahm, formte er aus dem reinen Messebauunternehmen eine weltweit agierende Eventagentur, die neben dem traditionellen Standbau auch Events und Roadshows organisiert. "Live Communication", sagen Experten dazu. Das Geschäft floriert. 650 Mitarbeiter beschäftigt Uniplan weltweit, rund 108 Millionen Euro betrug der Gruppenumsatz im vergangenen Jahr. Damit gehört das Unternehmen zu den weltweit zehn größten in seiner Branche. Brühe mag seine "karge Zelle". "Das Auge wird nicht abgelenkt, der Kopf bleibt frei", sagt er. Oft greift er sich ein Bündel Unterlagen und geht in den angrenzenden Innenhof. Bei gutem Wetter konferiert er hier. "Offene Kommunikation", nennt Brühe den freien Zugang von dort zu den Büros der Mitarbeiter. So minimalistisch wie sein Arbeitszimmer präsentiert sich auch sein Schreibtisch: Laptop, Monitor, Tastatur und ab und zu eine Flasche Wasser – das reicht. Selbst für seine Leidenschaft, den Reitsport, findet sich kein Indiz. Dennoch hat er auch hier sein Ziel im Auge. "In Rio, bei den Olympischen Spielen 2016, will ich dabei sein", sagt der Dressurreiter. Derzeit steht er auf Platz 174 der Weltrangliste.
(Text: Ulrich Groothuis)
Bild: Dieter Mayr für WirtschaftsWocheBruno Sälzer, Chef des Modeunternehmens Escada
"Sorry, aber mein Büro habe ich gleich mitgebracht", sagt Bruno Sälzer, 55, zupft ein wenig am Revers seines Maßanzugs und schaut mit einem verschmitzten Lächeln auf sein iPad. Das Apple-Tablet ist sein ständiger Begleiter und dient als mobiler Schreibtisch, wenn er durch sein Revier streift. 1200 Quadratmeter Showroom, ausstaffiert mit schwarzen ledernen Sitzgruppen, mit Glasvitrinen und Kleiderständern sind für Sälzer Büro und Bühne zugleich. In Aschheim vor den Toren Münchens lässt der Vorsitzende Geschäftsführende Direktor des Modeunternehmens Escada die neuesten Kollektionen präsentieren. Im dezenten Neonlicht führen Models die Modelle vor. Als Sälzer im Juni 2008 den Chefposten bei Escada übernahm, schrieb das Unternehmen Verluste und schlitterte in die Pleite. Doch dem promovierten Betriebswirt gelang das Comeback der Luxusmarke.Mit Marken kennt er sich aus. Vor seinem Engagement bei Escada arbeitete er beim Nivea-Hersteller Beiersdorf, später leitete er das Modelabel Hugo Boss. Unterstützt wurde der Modemanager bei Escada von einer starken Frau: Megha Mittal. Die Schwiegertochter des indischen Stahlmagnaten Lakshmi Mittal kaufte das Münchner Traditionsunternehmen Ende 2009 für geschätzte 70 Millionen Euro aus dem Insolvenzverfahren heraus. Stahl und Stoff – eine ungleiche Mischung, aber sie stimmte. "Unser Umsatz liegt heute bei rund 300 Millionen Euro", sagt Sälzer, der weltweit rund 2000 Mitarbeiter beschäftigt. Wie zur Bestätigung schaut er auf die Herbst/Winter-Kollektion, die wie eine Uraufführung im Theater inszeniert wurde. "Wir dramatisieren das Produkt", sagt der Escada-Chef . Und was ist mit einer Herren-Kollektion? Sälzer lacht. "Wir denken darüber nach", orakelt er, öffnet sein Jackett und zeigt auf ein eingenähtes Etikett mit dem goldenen Escada-Schriftzug. Auch das ist der Mann, der hinter der Marke steht – Model in eigener Sache.
(Text: Ulrich Groothuis)
Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender von Allianz Deutschland
Fast geräuschlos öffnen sich die Fahrstuhltüren in der fünften Etage. Markus Rieß, 47, Vorstandsvorsitzender von Allianz Deutschland, nimmt diesen Weg fast täglich. Nur ein paar Schritte trennen ihn dann noch von seinem Büro. Hier oben in einem hochmodernen Glastempel im Münchner Vorort Unterföhring hat sich der gesamte Vorstand einquartiert. Die Büros sind alle gleich groß, messen exakt 39 Quadratmeter. "Ich mag es nicht, wenn Büros extra für den Vorstand dekoriert werden", sagt Rieß, während er am Konferenztisch auf sein elektronisches Notizbuch schaut. "Ich nutze die digitale Welt", beschreibt Rieß sein fast papierloses Büro, in dem sich neben den Apple-Ikonen iPad, MacBook und iPhone nur noch ein Blackberry behaupten kann. Seit Juli 2010 leitet der promovierte Volkswirt die Deutschland-Dependance der Allianz Gruppe, eines der weltweit größten Versicherungsunternehmen. Mit mehr als 28 Milliarden Euro steuerte der Deutschland-Ableger rund ein Viertel zum Gesamtumsatz der Allianz Gruppe bei, der im vergangenen Jahr 106 Milliarden Euro betrug. 20 Millionen Kunden und mehr als 30.000 Mitarbeiter, davon 7000 in der Münchner Zentrale – so lauten die weiteren Kennzahlen aus Rieß’ Reich. Wesentlich unspektakulärer präsentiert sich sein Arbeitszimmer, das von einer gerahmten Collage aus 25 Kinderzeichnungen dominiert wird. Sie entstanden im Malwettbewerb "Was mir das Liebste in meinem Leben ist", zu dem der Konzern 2011 Münchner Grundschüler aufgerufen hatte. Wie ein Kontrapunkt wirkt das Werk des US-Expressionisten Zy Twombly, das hinter dem Schreibtisch hängt. Aus Rieß’ Privatbesitz stammen zwei Lithografien des Künstlers Georg Baselitz. "Man sollte die Dinge stets auch aus einer anderen Perspektive betrachten", interpretiert Rieß die auf dem Kopf stehenden Porträts. Kopf steht auch die digitale Welt: Zu Rieß’ Schreibutensilien zählen Tintenfass und Füller.
(Text: Ulrich Groothuis)
Bei der zweiten Frage nach den zentralen Herausforderungen für ihr eigenes Unternehmen lassen sich einige Vorstandschefs nicht besonders tief in die Karten sehen. Während Herbert Hainer "erneut Rekordergebnisse" erzielen will, klingt bei Post-Chef Frank Appel und Lanxess-Chef Axel Heitmann ein gewisser Pessimismus durch. Sein Unternehmen "müsse "für konjunkturelle Rückschläge gewappnet sein", meint Appel. Heitmann sorgt sich um die Rohstoff- und Energiepreise.
Dass es selbst für einen Vorstandsvorsitzenden auch ein Leben jenseits des Berufs gibt, belegen die Antworten auf die Frage nach dem persönlichen Ziel für 2013. Die Work-Life-Balance ist ganz offensichtlich auch für die, die ganz oben auf der Karriereleiter stehen, eine ungelöste Aufgabe.
- Seite 1: Was sich deutsche Top-Manager für 2013 wünschen
- Seite 2: Thomas Zinnöcker, Heinz-Jürgen Bertram
- Seite 3: Norbert Reithofer, Peter Willbrandt, Thomas Olemotz
- Seite 4: Gerold Linzbach, Klaus Weinmann, Klaus Probst
- Seite 5: Gert-Jan Huisman, Hans-Richard Schmitz
- Seite 6: Heiko Fischer, Dieter Holzer, Ulrich Höller
- Seite 7: Marijn Dekkers, Elmar Degenhart, Christoph Vilanek
- Seite 8: Ines Kolmsee, Daniel Koller
- Seite 9: Axel Heitmann, Matthias Hartmann, Herbert Hainer
- Seite 10: Frank Göring, Tom Enders, Dietmar Bichler
- Seite 11: Frank Appel, Adrian von Hammerstein



























