Falsche Chefs zocken Firmen ab: Den Enkeltrick gibt's auch bei Unternehmen

Falsche Chefs zocken Firmen ab: Den Enkeltrick gibt's auch bei Unternehmen

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Nicht nur gutgläubige Senioren werden Opfer von Trickbetrügern.

Während sich manche Betrüger als vermisste Enkel ausgeben, um ans Ersparte von Senioren zu kommen, probieren es andere eine Nummer größer. Sie geben sich als Chef aus und erleichtern Unternehmen um Millionenbeträge.

"Hallo, ich bin's, der Chef. Bitte überweisen Sie folgenden Betrag auf folgendes Konto..." So oder so ähnlich funktioniert die Betrugsmasche "CEO Fraud", die derzeit nach Deutschland schwappt. Dabei kontaktieren die mutmaßlichen Betrüger per Telefon und E-Mail Mitarbeiter von Unternehmen und geben sich als Vertreter der Geschäftsführung aus. Dann fordern sie bestimmte Beträge auf bestimmte Konten zu überweisen. Dass das tatsächlich funktioniert, zeigt ein Bericht der Polizei in München, wonach es in und um München herum allein im Juli drei dieser Betrugsfälle gegeben hat.

Eine Million Euro erbeutet

So bekam ein ranghoher Mitarbeiter eines international tätigen Maschinenbauunternehmens eine E-Mail, die vermeintlich vom Geschäftsführer des Gesamtunternehmens stammen sollte. Der angebliche CEO berichtete darin von geheimen Übernahmeverhandlungen. Um die Übernahme voran zu treiben, solle zunächst eine Anzahlung in Höhe von einer Million Euro getätigt werden. Für die weitere Abwicklung meldete sich ein angeblicher Anwalt von einer weiteren E-Mailadresse. Dieser nannte schlussendlich die näheren Zahlungsdaten, an welche die Transaktion zu erfolgen habe, wie die Polizei München berichtet.

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Erfolge der Polizei gegen Enkeltrick-Betrüger

  • Sondereinheit:

    Die Sondereinheit Einheit Cash Down II aus Karlsruhe wurde 2014 eingestellt, da die Zuständigkeiten im Zuge einer Gebietsreform der Behörden neu verteilt wurden.

  • Regionale Zuständigkeit:

    Nun werkeln wieder alle Polizeipräsidien vor sich hin. Das könnte ein Problem sein: „Um organisierte Kriminalität richtig und wirkungsvoll bekämpfen zu können, sollte man zentral vorgehen – schon allein wegen der Personenkenntnis, die man im Umgang mit den Familienclans beim Enkeltrick braucht“, sagt Ermittler Andreas Gerdon.

  • Fälle:

    Zwischen 2010 und Mitte 2013 ermittelte die Sondereinheit in 348 Fällen, klärten 188 auf.

  • Erfolge:

    Sie erreichten 75 Haftbefehle und bilanzierten einen Schaden von 3,7 Millionen Euro und zusätzlich von 2,7 Millionen Zloty bei Betrugsfällen in Polen, was noch einmal knapp 650.000 Euro entspricht.

  • Unterfranken:

    Auch andere Polizeistellen bestätigten mit eigenen Aufstellungen über das Phänomen, das statistisch sonst unter Trickbetrug subsummiert wird, die zunehmende Relevanz. So verzeichnete das Polizeipräsidium Unterfranken etwa 2010 erst 59, im Jahr 2013 dagegen schon 234 Fälle des Enkeltricks in ihrer Zuständigkeit.

Der vermeintliche Geschäftsführer verlangte von dem Mitarbeiter, Stillschweigen zu bewahren, um die Übernahme nicht zu gefährden. Zuletzt forderte er die Überweisung von weiteren zehn Millionen Euro. Erst da wurde der Mitarbeiter misstrauisch. In München habe es noch zwei weitere Fälle gegeben, bei denen die Mitarbeiter jedoch kein Geld überwiesen haben, weil ihnen die Sache gleich komisch vorkam.

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Aus dem Ausland gibt es bereits umfangreiche Berichte über das Phänomen, in Frankreich trat dieses bereits im Jahr 2013 auf. Auch der amerikanische Netzwerkhersteller Ubiquiti Networks soll Opfer von CEO Fraud geworden sein. Der Schaden beläuft sich laut Medienberichten auf 46,7 Millionen Dollar.

Dank Organigrammen im Web, Unternehmensseiten bei Xing oder anderen Jobnetzwerken kommen die Täter an Informationen über die Unternehmen und die Mitarbeiter, die eine gewisse Handhabe über das Budget haben. "Zusammengefasst profitieren derartige Straftaten erheblich durch die Digitalisierung und Globalisierung der weltweiten Beziehungen" heißt es bei der Polizei München.

Um sich vor einem solchen Angriff zu schützen, empfiehlt die Polizei Unternehmen, Höchstgrenzen für Überweisungen festzulegen und klar zu kommunizieren, wie mit derartigen Anweisungen von oben umgegangen werden soll.

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