Finanzexperte Gerrit Brösel: "Eine Vision ist gefragt"

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InterviewFinanzexperte Gerrit Brösel: "Eine Vision ist gefragt"

von Christof Schürmann

Für Gerrit Brösel, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fernuni Hagen und Experte für Wirtschaftsprüfung, sind Finanzvorstände als Vorstandschefs ideal. Im Interview nennt er die Gründe.

WirtschaftsWoche: Herr Brösel, warum werden immer mehr Finanzvorstände später auch zu CEOs berufen, wie zum Beispiel Joe Kaeser bei Siemens?

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Gerrit Brösel: Der CFO ist regelmäßig der Einzige im Vorstand, der sich mit allen Bereichen des Unternehmens auseinandersetzen muss. Im Rahmen des Controllings muss er verstehen, warum Unternehmensbereiche, Produkte, Länder sich so entwickeln, wie sie sich entwickeln. Im Rahmen der Planung muss er verstehen, welche Auswirkungen die strategischen Entscheidungen auf die finanzielle, wirtschaftliche Situation haben. Mit anderen Worten: Er kennt sehr genau die DNA des Unternehmens, dessen Strategie, die Gründe, warum etwas klappt und warum nicht.

Zur Person

  • Gerrit Brösel

    Prof. Dr. Gerrit Brösel (Jahrgang 1972) leitet den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftsprüfung, an der Fernuniversität Hagen.

Was muss er aus Ihrer Sicht noch zu seinen Basiskenntnissen wie Controlling oder Rechnungswesen mitbringen?

Wenn sie auf dieser Basis auch selbst eine „Vision“ haben, wo das Unternehmen in den nächsten Jahren stehen soll, welche Trends etc. zu berücksichtigen sind, sind die CFOs die geborenen CEOs. Der CEO ist Generalist und das sollte auch jeder CFO sein.

Welche Rolle spielt die immer stärkere Kapitalmarktorientierung der Unternehmen?

Finanzvorstand Vom Chef-Controller zum Konzernlenker

Wenn Allianz-Chef Oliver Bäte sein Amt antritt, trifft er in den Dax-Chefbüros auf lauter Gleichgesinnte. 10 der 30 Vorstandsvorsitzenden waren zuvor für die Finanzen verantwortlich. Doch sind Controller auch kreativ?

Wie man DAX-Chef wird Quelle: dpa (2), AP, Reuters

Ein CEO sollte zwingend Jahresabschlüsse interpretieren können, weil diese die Visitenkarten der Unternehmen bei den Kapitalgebern darstellen – eine solche Eigenschaft sollte einen jeden CFO auszeichnen. Zudem spielt die fortschreitende Diversifizierung der Konzerne durch Übernahme spartenfremder Gesellschaften für den Aufstieg der CFOs eine Rolle. Deshalb ist zum Beispiel eine rein technische Orientierung zwar auf Einzelgesellschaftsebene oftmals weiter gewollt, im Hinblick auf die Konzernsicht jedoch weniger relevant. Die stetige Zunahme mehr oder weniger sinnvoller finanzieller Kennzahlen in der Wirtschaft spielt hier aber eine eher bedenkliche Rolle.

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