Flexible Arbeitszeit: "Sie werden fürs Ergebnis bezahlt, nicht für Anwesenheit"

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Mancher würde gerne nachts arbeiten, darf es aber nicht.

von Kerstin Dämon

Im Wahlkampf spielen Arbeitszeit und -modelle keine große Rolle, auf der Messe Zukunft Personal in Köln schon. Wir haben eine Expertin gefragt, warum die Wirtschaft sich schon mit kleinen Veränderungen schwer tut.

WirtschaftsWoche: Die Flexibilisierung der Arbeitszeit ist ein heißes und für Unternehmen schwieriges Thema. Es ist einfacher und billiger, zu sagen: "Alle kommen von acht bis fünf", statt individuelle Lösungen zu entwickeln.
Jutta Rump: Mobiles Arbeiten, flexible Arbeitszeiten, Jobsharing – all das ist nicht kostenneutral. Unternehmen brauchen eine neue technische Ausstattung für die mobilen Arbeitnehmer, bei Jobsharing braucht man eher 1,2 Stellen als zwei halbe. Individualisierung kostet. Bei der Kosten-Nutzen-Kalkulation muss man aber auch die Nutzen-Seite betrachten. Der Mehrwert für das Unternehmen ist, dass die Produktivität steigt, die Krankenrate sinkt und dass die Mitarbeiter ganz andere Ideen entwickeln können, als in einem starren Regelkorsett. Sie werden also innovativer. Ein Unternehmer kann sich natürlich auch die Opportunitätskosten ansehen, also: Was passiert, wenn Sie Ihren Mitarbeitern keine flexiblen Modelle ermöglichen? Dann steigen Fluktuation und Krankenstand und die Produktivität sinkt.

Zur Person

  • Jutta Rump

    Jutta Rump ist Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Hochschule Ludwigshafen.
    Außerdem ist sie Direktorin des dort angesiedelten Instituts für Beschäftigung und Employability sowie Mitglied und Themenbotschafterin der Kommission INQA (Initiative Neue Qualität der Arbeit) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Wenn sich nun etwa ein Handelsunternehmer entschließt, seinen Mitarbeitern mehr Flexibilität anzubieten und die mitten im Weihnachtsgeschäft auf die Idee kommen, weniger arbeiten zu wollen - wäre das nicht geschäftsschädigend?
Das ist ein Aushandlungsprozess, den Sie mit Ihren Mitarbeitern führen müssen. Ich kenne das selber. Mitten im größten Ansturm kommt eine Mitarbeiterin zu mir und sagt, dass sie reiten lernen möchte. Oder eine Sprache. Und dass sie deshalb ihre Arbeitszeit reduzieren will. Und es steht ihr zu. Also müssen wir eine Lösung finden. Wenn es zu zweit nicht klappt, dann zur Not in einem Dreier-Team mit dem Betriebsrat. Das erfordert viel Transparenz und Kompromissbereitschaft, aber ich kenne niemanden, der in einem solchen Fall keine Lösung findet.

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Kein Büroalltag, kein Chef und kein Festgehalt – die Arbeitswelt im Digitalzeitalter verheißt Spontaneität, Spaß und Kreativität. Tatsächlich sind Unternehmen wie Arbeitnehmer von der großen Freiheit überfordert.

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Das gilt für alle, die am Computer arbeiten. Die Kassiererin und der Feuerwehrmann haben dann aber Pech beim flexiblen Arbeiten?
Beim mobilen Arbeiten gibt es natürlich Grenzen. Die Krankenschwester muss da arbeiten, wo der Patient ist. Aber die Dienstpläne und die Berichte muss sie nicht auf der Station ausfüllen und schreiben. Ich bin überzeugt, dass es in jedem Beruf Möglichkeiten gibt, den Wünschen seiner Mitarbeiter entgegenzukommen. Auch im Schichtdienst in der Produktion gibt es kreative Lösungen, die Mitarbeiterbedürfnisse bei der Schichtplanung zu berücksichtigen. Das funktioniert am besten über eine langfristige strategische Planung. Außerdem bieten sich Lebensarbeitszeitkonten an.

Lebensarbeitszeitkonten Wir brauchen die Work-Life-Integration

Die Debatte um unser Arbeitsleben hat viele Facetten: Sollen wir acht Stunden pro Tag, oder 40 Stunden pro Woche arbeiten? Büro, Home-Office, Coworking? Warum wir letzten Endes Lebensarbeitszeitkonten brauchen.

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Was passiert mit der angesparten Zeit, wenn jemand kündigt?
Wer kündigt, kann die angesparte Zeit mitnehmen, falls der neue Arbeitnehmer das auch anbietet. Oder er lässt sich den Gegenwert der angesammelten Stunden in Geld ausbezahlen. Das machen die meisten. Es ist aber nicht so, dass Lebensarbeitszeitkonten eine Methode sind, den Arbeitnehmer bis zur Rente an ein Unternehmen zu fesseln.

Studien zeigen, dass Menschen, die zu Hause oder zu flexiblen Zeiten arbeiten, vom Informationsfluss abgeschnitten sind und seltener befördert werden.
Es herrscht immer noch eine Präsenzkultur in vielen Unternehmen: wer vor Ort ist, wird auch wahrgenommen und befördert. Es denken allerdings immer mehr Führungskräfte um. Und zwar dann, wenn Mitarbeiter, die sie sehr schätzen und nach denen sie vielleicht auch lange gesucht haben, nach flexiblen Modellen fragen. Dann beginnen sie, sich Arbeitsergebnisse anzusehen. Es braucht ein Umdenken auf beiden Seiten. Auch Mitarbeiter müssen sich bewusst machen, dass sie und ihre Kollegen fürs Ergebnis bezahlt werden und nicht für Anwesenheit.

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