Frauen im Management : Rücktrittswelle von Top-Managerinnen

Frauen im Management : Rücktrittswelle von Top-Managerinnen

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Frauen in Chefpositionen sind nach wie vor in der Minderheit.

Die Rücktritte mehrerer prominenter Managerinnen in Deutschland haben die Diskussion um Frauen in der Chefetage wieder entfacht. Bei einer Konferenz in München geben Erfolgsfrauen Tipps fürs Durchhalten.

Für Karrierefrauen hat sich jahrelang nur eine Frage gestellt: Wie schaffe ich es in die Chefetage? Nach einer Reihe von Rücktritten prominenter Managerinnen in Deutschland ist die Fragestellung anders: Wie schaffe ich es, dort auch zu bleiben? Bei der Frauenkonferenz DLD Women in München sorgte der Frauenschwund in den Führungsposten für Diskussionen.

Mehrere Spitzenmanagerinnen gaben am Montag auf dem Podium ihre Erfolgsrezepte preis - und die Zutaten klangen simpel: Durchhalten, auch mal einstecken können, die Dinge nicht persönlich nehmen. Telekom-Vorstandsfrau Claudia Nemat erinnerte sich an den besten Rat ihres Vaters: „Wenn du eine Million mal gegen die Mauer rennst, kommst du vielleicht am Ende durch.“

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In der deutschen Wirtschaft hatten nicht alle Frauen dieses Durchhaltevermögen: Erst vor kurzem warf Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt das Handtuch geworfen und reihte sich damit in eine lange Liste ein. Auch die Chefin der verstaatlichten Bank Hypo Real Estate, Manuela Better, hielt es nach einem Streit mit dem Bund nicht mehr aus und warf die Brocken von heute auf morgen hin. Der Rücktritt der Arbeitsdirektorin der Deutschen Post DHL, Angela Titzrath, kam für viele ebenfalls völlig überraschend.

Frauen im Management Weibliche Aufsichtsräte sind selten

Frauen haben selten den Vorsitz in deutschen Aufsichtsräten inne. Entsprechend schlechter ist ihre Vergütung im Durchschnitt. Am höchsten ist der Frauenanteil in den nordischen Ländern.

huGO-BildID: 16106790 ARCHIV - Die Henkel-Erbin Simone Bagel-Trah, aufgenommen am 10.04.2008 neben einer Büste des Firmengründers Fritz Henkel (Handout). Mit elf Jahren betrat sie zum ersten Mal das Unternehmen, mit gerade einmal 40 zieht sie jetzt in die Chefetage ein: Simone Bagel hat künftig beim Waschmittelhersteller Henkel das Sagen. Die Ururenkelin des Firmengründers Fritz Henkel übernimmt in den kommenden Wochen den Vorsitz in den beiden wichtigsten Gremien der Firma. Foto: Andreas Fechner dpa/lnw (zu dpa-Paket "Jahreswechsel" vom 01.12.2009) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Für die Firmen machen die Rücktritte der Vorzeigefrauen die Suche nach geeigneten Kandidatinnen noch schwieriger. Schließlich sollten die Top-Managerinnen jungen Frauen zeigen, dass sie es auch schaffen könnten. „Wir brauchen mehr Vorbilder“, brachte Google-Manager John Gerosa das Problem auf den Punkt. Auch Google räumte auf der Konferenz Nachholbedarf bei der Frauenförderung ein. Nur jede fünfte Führungskraft bei Google sei weiblich, sagte John Gerosa am Montag. „Das ist nicht akzeptabel.“ Facebook hatte vor wenigen Wochen ähnliche Zahlen bekanntgegeben. Während dort im gesamten Unternehmen knapp ein Drittel Prozent Frauen beschäftigt sind, sind es im Management 23 Prozent.

Für den Erfolg eines Unternehmens ist die Vielfalt nach Überzeugung des Google-Managers aber entscheidend. „Gemischte Teams bringen bessere Ergebnisse.“ Google bemühe sich deshalb aktiv darum, mehr weibliche Führungskräfte zu gewinnen. Vor allem die deutsche Wirtschaft hinkt seiner Ansicht nach bei dem Thema immer noch hinterher. „Hier gibt es noch eine Menge zu tun.“

Nach Ansicht der EU-Politikerin Viviane Reding fängt die Förderung von Frauen schon in den Familien an. Sie ermunterte Männer, sich für den Erfolg ihrer Töchter einzusetzen. „Es ist nicht nur wichtig, eine starke Mutter zu haben - sondern vor allem einen starken Vater.“ Von der Politik wünscht sich die langjährige EU-Kommissarin, die zu den prominentesten Befürworterinnen einer Frauenquote gehört, manchmal mehr Tempo bei Entscheidungen. „Und weniger bla bla.“

Erfolgsgeschichten gibt es: Ana-Cristina Grohnert aus der Geschäftsführung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat einen Aufstieg bereits hinter sich - und ist auch mit drei Kindern ganz oben geblieben. Den Ausdruck „Work-Life-Balance“ mag sie aber nicht mehr hören, wie sie auf dem Podium sagt. Ihr gehe es vielmehr darum, beide Lebensbereiche zusammenzuführen: Sie bindet die Kinder ein, sagt ihnen, warum sie verreisen muss. „Meine Kinder wissen, dass ich heute hier bin.“

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Für Headhunter auf der Suche nach den dringend gesuchten weiblichen Führungskräften wäre die zweitägige Tagung in München eine Fundgrube: Hunderte Managerinnen, Firmengründerinnen und Unternehmensberaterinnen tummeln sich dort jedes Jahr auf engstem Raum. Männer fallen zwischen den zumeist bunt gekleideten Frauen allerdings auf - und müssen sich von diesen auch mal Kommentare über ihr Aussehen gefallen lassen: Als der Google-Manager auf die Bühne trat, wurde er mit den Worten begrüßt, er sehe ja aus wie ein Rockstar.

Bei der DLD Women diskutieren mehrere hundert Frauen über die Veränderung der Arbeitswelt durch die Digitalisierung. Die DLD Women ist ein Ableger der Innovationskonferenz DLD (Digital Life Design) von Verleger Hubert Burda. Sie findet jedes Jahr in München statt und gilt als eine der wichtigsten Veranstaltungen dieser Art.

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