Frauenquote: „Nach Amerikanerinnen, Asiatinnen und Europäerinnen fahnden“

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Frauenquote: „Nach Amerikanerinnen, Asiatinnen und Europäerinnen fahnden“

von Kristin Schmidt

Warum Männer nicht mehr Personalvorstand werden können und wieso die deutsche Industrie sich mit der Frauenquote schwer tut, erklärt Martin Semmler, Senior Partner von der Personalberatung Korn Ferry.

Herr Stemmler, Sie arbeiten seit fünf Jahren bei der Personalberatung Korn Ferry und sind für die Automobilindustrie in Europa zuständig. Wie viele Frauen haben Sie in dieser Zeit vermittelt?

Ganz genau kann ich das nicht sagen. Aber die Zahl ist sehr übersichtlich und deutlich geringer als bei den Männern. Außerdem habe ich die Frauen überwiegend in die kaufmännischen Bereiche vermittelt: Personal, Einkauf, Marketing. In technischen Positionen kommen nur sehr selten Frauen zum Einsatz – gerne würde ich mehr Frauen in Führungspositionen vermitteln.

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Woher kommt diese geringe Zahl?

Nur 15 Prozent der angehenden Ingenieure sind Frauen. Bis Mitte 30 dürften sich noch mal etwa die Hälfte von ihrer Karriere verabschiedet haben. Die Babypausen legen ja meist immer noch die Frauen ein. Und das ist ein Problem.

Mit Blick auf die Frauenquote, die CDU und SPD in den Koalitionsverhandlungen vereinbart haben?

Exakt. Die klassischen Säulen der deutschen Wirtschaft, die Automobil- und Chemieindustrie, der Anlagen- und Maschinenbau werden es schwer haben diese Quoten zu erfüllen.

Aber die 30 Prozent-Quote für Aufsichtsräte soll doch erst ab 2016 gelten. Reicht das nicht, um sich darauf einzustellen?

Ja, in den Aufsichtsräten ist das möglich. Da müssen die Konzerne lernen, über die Landesgrenzen hinweg zu gucken und auch nach Amerikanerinnen, Asiatinnen und Europäerinnen fahnden.

So wie Daimler jüngst die Kanadierin Andrea Jung, die Chefin des Kosmetikkonzerns Avon, in seinen Aufsichtsrat berufen hat?

Genau. Sie ist zwar nicht vom Fach, aber kann einen Automobilkonzern Dank ihrer wirtschaftlichen Expertise genauso gut kontrollieren, wie jemand aus der Branche. Außerdem kann der Blick von außen sehr hilfreich sein. Da müssen deutsche Konzerne  offener werden.

Wo liegt dann das Problem?

In den Vorständen. Dort braucht es für viele Posten Fachkompetenz, die in den eben genannten Branchen vor allem Ingenieure mitbringen. Frauen werden dort deshalb nur in den seltensten Fällen CEO oder Technikvorstand.

Es gibt ja noch genügend andere Posten.

Ja, aber es darf natürlich nicht so weit gehen, dass die Unternehmen im Finanz- oder Personalbereich nur noch Frauen einsetzen. Im Extremfall hätten dann nämlich die Männer mit einem kaufmännischen Studium ein echtes Problem. Personalvorstand zu werden, ist schon heute für Männer schwierig.  

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Für Vorstände soll es zunächst ja gar keine festen Frauenquoten geben.

Und das ist auch richtig so. Die flexiblen, selbstgesetzten Quoten machen Sinn. Denn Autokonzerne zum Beispiel können nicht die gleiche Quote erfüllen wie ein Konsumgüterkonzern. Sie werden deutlich länger brauchen.

Wie lange etwa?

Das kann ich nicht sagen. Das kann sehr unterschiedlich sein. Wenn Unternehmen versuchen Abiturientinnen für technische Berufe zu begeistern, so mehr Ingenieurinnen die Uni verlassen und diese dann in den Konzernen weiter gefördert werden, dann dauert es sehr lange bis wir eine Quote von 30 Prozent in den Vorständen haben.

Die Alternative? 

Einige Konzerne suchen jetzt schon weltweit. Wir sind gerade mit einem internationalen Team dabei, für einen Dax-Konzern einen weiblichen Vorstand zu finden. Kurzfristig ist die internationale Suche die einzige Lösung.

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