Fred Kiel: Chefs brauchen Moral und Anstand

ThemaManagement

Fred Kiel: Chefs brauchen Moral und Anstand

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Kiel ist überzeugt: Ohne charakterstarke Führungskräfte geht es nicht.

von Kerstin Dämon

Der US-Forscher und Unternehmensberater Fred Kiel ist überzeugt: Wer ein Unternehmen nachhaltig führen will, braucht einen guten Charakter. Das wirkt sich nicht nur auf die Mitarbeiter, sondern auch auf die Umsätze aus.

Der Amerikaner Fred Kiel machte 1971 seinen Doktor in Psychologie und baute sich eine eigene Praxis auf. Binnen 15 Jahren wollte er es zu finanziellem Wohlstand und Ansehen bringen, was ihm auch gelang: Er baute zwei große klinische Zentren auf und war eine Zeit lang CEO einer Publikumsgesellschaft. Er sei zu der Zeit zwar kein schlechter CEO gewesen, aber einer dieser selbstfokussierten Chefs, die ihre Angestellten vor der Bus gestoßen hätten, wenn es der Firma oder dem eigenen Bankkonto genutzt hätte. So beschreibt er es jedenfalls in seinem Buch "Return on Character - The real reason leaders and their companies win", das im Frühjahr bei Harvard Business Review Press erschienen ist.

Mittlerweile ist Kiel 75 Jahre alt und davon überzeugt, dass man es mit der Einstellung seines früheren Ichs nicht allzu weit bringt. Er glaubt, dass erfolgreiche Führung vor allem Manager mit einem entsprechenden Charakter braucht und hat nachweisen können, dass der Charakter der Führungskräfte sich auch auf die Unternehmensergebnisse auswirkt. Dafür hat er im Jahr 2006 zusammen mit den Mitarbeitern des KRW-Research Institutes ein Forschungsprojekt gestartet und die Daten von 121 Managern der 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt sowie 100 privater Unternehmensgruppen und Non-Profit-Organisationen erhoben. Sein Ergebnis: Wer die vier Charaktereigenschaften Integrität, Verantwortungsbewusstsein, Empathie und Versöhnlichkeit in sich vereint, der hat auf lange Sicht deutlich mehr Erfolg. Allerdings, so Kiel, sei der Charakter des CEOs für viele Unternehmen lediglich die Glasur auf dem Kuchen.

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Mit Charakter war es bei VW nicht weit her

Dass das kein rein amerikanisches Phänomen ist, zeigt nicht zuletzt auch der VW-Skandal. "Das Geschäftsmodell von Volkswagen ist sehr gut und dort arbeiten sicher viele Menschen mit einem starken Charakter, aber trotzdem herrschte dort eine Kultur der Angst, in der solche Skandale gedeihen konnten", sagt Kiel gegenüber WirtschaftsWoche Online. Diese Einschätzung bestätigt unter anderem Christoph Lütge, Professor für Wirtschaftsethik an der TU München. "Es wird immer noch nach dem Motto gehandelt: Setzt das um! Wie, will ich gar nicht wissen."

Die Chef-Checkliste zur sozialen Kompetenz

  • Präsenz

    Können Sie sich im "Hier und Jetzt" spürbar auf Ihre Führungsaufgabe einlassen? Sind Sie offen und ansprechbar? Hören Sie aktiv dazu?

  • Offenheit

    Hören Sie sich alle Meinungen an und würdigen Sie die verschiedenen Sichtweisen, bevor Sie sich (vorschnell) ein Urteil bilden?

  • Integrität

    Stehen Sie hinter dem, was Sie sagen? Können Sie diese Haltung gegenüber dem Team ebenso wie nach außen vertreten?

  • Konfliktbereitschaft

    Bleiben Sie auch in schwierigen Situationen standfest, um Ihr Gegenüber von Ihrem Standpunkt zu überzeugen?

  • Konfliktfähigkeit

    Unterschiedliche Ziel- und Wertvorstellungen führen zwangsläufig zu Konflikten. Erkennen und bewältigen Sie diese Konflikte? Erreichen Sie in Mitarbeitergesprächen konstruktive Lösungen?

  • Menschenkenntnis

    Sind Sie in der Lage, Mitarbeiter und Kollegen schnell einzuschätzen und ihre jeweiligen Stärken und Schwächen zu erkennen?

  • Einfühlungsvermögen

    Besitzen Sie das notwendige Einfühlungsvermögen, um Ihre Mitarbeiter zu verstehen und in der Folge leichter von einer Sache zu überzeugen?

  • Fehlertoleranz

    Wenn es nicht "rund" läuft: Sprechen Sie das Problem offen an? Stehen Sie hinter ihren Leuten, auch wenn sie Fehler machen?

  • Loyalität

    Verhalten Sie sich integer und folgen Sie im Umgang mit Mitarbeitern und Kollegen den Regeln des Fair Play?

  • Teamkompetenz

    Sind Sie in der Lage, Interaktionen und gruppendynamische Prozesse in Teams aktiv zu gestalten und effizient in und mit Teams zu kooperieren?

  • Quelle

Die Muster, die Unternehmen wie ThyssenKrupp, Siemens, die Deutsche Bank oder VW in die Krisen führen, ähneln sich: Das Top-Management setzt abstrakte Ziele und Budgets, abgerechnet wird in Prozent und in Euro. Darunter steht das mittlere Management vor dem Problem, die nicht selten unrealistischen Vorgaben im Tagesgeschäft zu erfüllen. Oft hängen Beförderungen oder Gehaltsbestandteile an den Zielen. "Jeder hatte Angst vor Winterkorn", sagt ein hochrangiger Manager eines Zulieferers hinter vorgehaltener Hand. "Überall wo er hinging hatte er seinen kleinen Schraubenzieher und seine Taschenlampe dabei. Wenn er sie zog, begannen die Ingenieure zu schlottern."

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3 Kommentare zu Fred Kiel: Chefs brauchen Moral und Anstand

  • Moral und Anstand? Aha, ja klar, aber wie? Der "Ehrbare Kaufmann" ist wieder gefragt, der Leader, der in den Menschen und dem Miteinander den Wettbewerbsvorteil sieht. Der Manager, der sich nicht von kurzfristigen Zielvorgaben leiten lässt, sondern eine nachhaltige Vision (People, Planet, Profit) und langfristige Strategie hat.

    Meine Wahrnehmung zeigt, dass die Macht-, Ellenbogen- und Angstmanager erst einmal an die Wand fahren müssen. Es muss erstmal richtig wehtun, dann fängt man an sich zu hinterfragen. Erst wenn einem der Arzt sagt, dass man mit dem Rauchen aufhören soll oder auf sein Gewicht / seinen Körper achten soll, weil sonst bald Feierabend ist oder wenn es schon gerumpelt hat, fängt man an zu reflektieren. Wenn man im Krankenhaus liegt oder wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis ist oder die Ehe zerbrochen ist, weil der Job wichtiger als die Familie war, ja dann fängt man an NACHzudenken – anstatt VORzudenken.

    Ich erlaube mir einen Hinweis auf einen Roman der zeigt, WIE man das Unternehmen in Richtung Moral und Anstand, in Richtung Nachhaltigkeit und Menschlichkeit führen kann – und dabei seine Wettbewerbsfähigkeit überproportional steigern kann:

    http://www.amazon.de/Kaleidoskop-Scherben-Ein-ungewöhnlicher-Wirtschaftsthriller/dp/3981656504

  • Ich bin der Überzeugung, dass wir mehr ehrenhafte Unternehmer und Unternehmungen haben als unehrenhafte.
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    Nicht nur Chefs brauchen Moral und Anstand. Auch Eigentümer/Gesellschafter und alle Mitarbeiter brauchen Moral und Anstand.
    .
    Jeder Mensch hat Moral und Anstand und sucht es auch bei seinem Gegenüber. Der eine vielleicht weniger als der andere. Und der Andere vielleicht dafür etwas mehr.
    .

    Warum gibt es erfolgreiche und weniger erfolgreiche Unternehmen? Warum gibt es ehrbare und weniger ehrbare Kaufleute? Warum orientiert sich der eine Mensch eher nach den sieben Tugenden und der andere eher nach den sieben Todsünden?
    .
    Der Mensch ist einzigartig und in seiner Ausprägung vielfältig. Der eine ist geprägt von einer nachhaltigen Unternehmensführung und der andere vom kurzfristigen Gier-Effekt. Schon Franz von Sales (1567 - 1622), französischer Theologe, brachte es auf den Punkt: „Es gibt drei Arten von Gütern für den Menschen auf dieser Welt: das Nützliche, das Angenehme und das Ehrenhafte, und wir werden zu allem Unterfangen und zu allem Tun durch eines dieser drei Mittel angeregt:
    Ø entweder durch den Nutzen
    Ø oder durch das Vergnügen
    Ø oder durch die Ehrbarkeit.“

    Ich bin der Überzeugung, dass wir mehr ehrenhafte Unternehmer und Unternehmungen haben als unehrenhafte.




    Anbei mein aktueller Hinweis

    Ende Oktober 2015 erscheint mein neues Buch "Tugenden eines ehrbaren Aufsichtsrats".

    Tugenden eines ehrbaren Aufsichtsrats
    Leitlinien für nachhaltiges Erfolgsmanagement
    Von Rudolf X. Ruter
    2015, ca. 160 Seiten, fester Einband,
    € (D) 29,95, ISBN 978-3-503-16562-9
    Erich Schmidt Verlag - Edition Governance


    Das Buch eignet sich hervorragend als Weihnachtsgeschenk für alle Entscheidungsträger in der Wirtschaft und wird von mir im Oktober 2015 der Öffentlichkeit vorgestellt.
    Erste Informationen können Sie dem Flyer des Verlags entnehmen ( )
    bzw.
    das Vorwort zu diesem Buch finden Sie bereits auf meiner Homepage www.ruter.de.

  • When we talk about leadership, what exactly do we mean?
    Leadership are behaviors, and capabilities that a person needs in order to be successful at motivating and directing others. Yet true empathical leadership involve something more; the ability for life long learning in social and empathical competence and to help people grow in their own abilities. It can be said that the most successful leaders are those that support others to achieve their own success and the goals of their Job and Life. My ebook to this issue is to be uploaded in english under: Supportive Leadership - The New Role of Executives in the 21st Century: http://bookboon.com/en/business/management/supportive-leadership. This eBook is recommended of the University of St. Gallen / Suisse as the best Leadership Book which was published over the last years. Please give reference of this eBook.


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