Führung in schlechten Zeiten: Wie Unternehmer Krisen meistern

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Führung in schlechten Zeiten: Wie Unternehmer Krisen meistern

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In Krisenzeiten zeigt sich, ob ein Chef sein Unternehmen retten kann.

Ein Unternehmen zu führen, wenn Mitarbeiter und Kunden zufrieden sind, es dem Markt gut geht und die Kasse klingelt, ist keine Kunst. Doch was, wenn eine Umstrukturierung ins Haus steht oder das Budget halbiert wird?

Strategische Weiterentwicklung, Budgetierung, Kostenmanagement, Niedrigzinsniveau, demografischer Wandel: Alles keine schönen Begriffe für Unternehmer. Wenn sie auf der Agenda stehen, wird es ernst. Und damit sind viele Führungskräfte überfordert, wie diverse Studien belegen.

So zeigt beispielsweise die Global CEO Study von IBM, dass die Hälfte der befragten Human Ressource Führungskräfte von der vorherrschenden Komplexität überwältigt ist. Das Problem: Das Leben wird nun mal nicht leichter und die Anforderungen an Führungskräfte nehmen ständig zu.

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Jörg Krauter von der SYNK Business School hat deshalb in Zusammenarbeit mit der University of Gloucestershire Führungskräfte befragt, wie sie mit Krisen umgehen und was sie aus gemeisterten Krisen gelernt haben. Außerdem hat er mehr als 4000 wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Führung in Krisenzeiten ausgewertet und seine Ergebnisse hat er in der Arbeit "A framework of responses for leaders in adversity" zusammengetragen. Als 2008 die Finanzkrise ausbrach, sei er im engen Kontakt mit mehreren CEOs aus unterschiedlichen Branchen gewesen.

"Was die Mehrheit dieser Klienten gemeinsam hatte, war ihre Reaktion auf die Krise", heißt es in seiner Arbeit. Und weiter: "Wahrnehmbar war ein Gefühl der Hilflosigkeit, der Panik, des Schocks, der Angst, des Ärgers und des Zweifels. Die Komplexität der Situation überforderte sie in diesem Moment." Doch genau in solchen Situationen zeigt sich, ob ein Unternehmer nur ein Schönwetterchef ist, oder tatsächlich etwas taugt.

Das Fazit in Kürze: Anpassungsfähigkeit ist gefragt.

Sieben Schritte zur Bewältigung von Krisen

  • Emotionale Balance finden

    Häufig besteht bei Führungskräften die Gefahr, dass sie sich Krisensituationen gar nicht zugestehen möchten oder an nichts Anderes mehr als an die Krise denken. Es gilt die emotionale Balance wiederherzustellen: positive Gefühle bewusst aktivieren, negative Gefühle nicht verdrängen.

     

    Quelle: Jörg Krauter, "A framework of responses for leaders in adversity"

  • Reflektieren

    Welche Haltungen und Glaubenssätze haben in die Krise geführt? Führungskräfte müssen sich die Frage nach dem Warum stellen und sowohl mit sich als auch mit Anderen reflektieren. Den Tunnel-Blick verlassen und bewusst blinde Flecken aufdecken.

  • Hierarchieübergreifend kommunizieren

    Mit offener Kommunikation auf Augenhöhe (keine „Schein“-Kommunikation, keine Machtspiele) umfassendes Vertrauen, gegenseitigen Respekt und eine gemeinsam getragene Vereinbarung schaffen. Hierarchie darf kein Hinderungsgrund sein. Die Kommunikation gestaltet sich durch strukturierten Dialog, aktives Zuhören und Reflektion mit dem Ziel, ein gemeinsames Verständnis von der Situation zu erhalten.

  • Vertrauen wiederherstellen

    Jetzt gilt es die Handlungsstrategien am Wertegerüst auszurichten und darüber dialogisch zu kommunizieren: “was bedeuten Grundüberzeugung und Leitbild des Unternehmens für das Handeln in dieser extremen Situation?”

  • Neue Ziele aufbauen

    Jetzt gilt es, neue Handlungsstrategien strukturiert und zielorientiert zu planen. Zielvision und Teilziele neu ausrichten - weg von blockierenden Zielen hin zu anspruchsvollen motivierenden Zielen kommen. Danach klare Entscheidungen treffen.

  • Auf die Stärken konzentrieren

    Auf die Stärken aller Beteiligter setzen. Talente und Stärken fördern und somit über positive Erlebnisse auch positive Gefühle etablieren.

  • Neues wagen

    Lernen findet nur im „space between“ statt, d.h. zwischen Bekanntem und Neuen. Innovation und Lernen nutzen. Also raus aus der Komfortzone und auch einmal ungewohnte Wege gehen.

Wie so oft ist einer der Schlüssel die Kommunikation. Entsprechend sagte ein Großteil der Befragten, dass sie die Kommunikation mit Mitarbeitern und Externen in der Krise als hilfreich empfanden. "Auf die Frage nach dem eigenen Verhalten in der adversen Situation konnte Kommunikation als Bewältigungsstrategie identifiziert werden. Darunter fallen Nennungen wie „intensive, gute Kommunikation, offener Umgang“, „Teamkommunikation“, „Mitarbeiterkommunikation“, „Einbinden der Kollegen“, „Bedenken und Anregungen kommunizieren“, „direkte Ansprache“, „nicht direkte Ansprache“ sowie „eigene Vorleistung thematisieren“", heißt es in der Studie. Kurz gesagt: Reden hilft, gerade in Krisenzeiten.

Doch auch Chefs sind nur Menschen und so wundert es nicht, dass die Führungskräfte über sich selber sagten, sie seien aufgebracht, fahrig und unkontrolliert gewesen - sowohl verbal als auch in ihren Handlungen. Sie verhielten sich ihren Angaben nach ausweichend, zurückhaltend und wenig offensiv. Sie trafen kurzfristige Entscheidungen und hielten Routinen nicht ein.

Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier und so steckten auch die Umfrageteilnehmer in ihrem Verhaltensmuster fest, als die Krise über sie und ihr Unternehmen hereinbrach. "Viel Energie verwenden Menschen darauf, Strategien für das Bewahren des Status Quo zu entwickeln. Diese können sein: Verantwortung auf andere abwälzen, alleinige Kontrolle über die Situation zu haben (Informations- und Machtmonopol), gezielte Täuschung und Verbergen der Absichten oder Entscheidungen unnötig zu verzögern (Vorteilsnahme)", heißt es in Krauters Arbeit.

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Entsprechend sagte auch die Mehrheit der Befragten, dass ihr eigenes Verhalten die Lösung des Problems noch verschärft habe. Außerdem habe vielen eine Strategie im Umgang mit komplexen Problemen gefehlt. Einen unfähigen Mitarbeiter zu kündigen, fällt schon schwer. Aber 300 fähige Köpfe entlassen, um das Unternehmen zu retten? Das ist keine leichte Aufgabe - und viele sind darauf auch schlicht nicht vorbereitet.

Eine richtige Vorbereitung gibt es für ein Ereignis wie die Finanzkrise auch sicher nicht. Die Frage ist nur, wie man mit Unerwartetem umgeht. Klar ist: Wer neuen Situationen mit den althergebrachten Lösungswegen beikommen will, scheitert genauso wie derjenige, der den Kopf in den Sand steckt und vorgeht, als sei nichts geschehen.

Wer mutig ist, neue Wege ausprobiert und vor allem offen und ehrlich mit allen Beteiligten kommuniziert, hat eine Chance. Und wie so oft kann eine überstandene Krise auch von einem gewissen Nutzen sein. So sagen die befragten Führungskräfte von sich selbst, dass sie heute souveräner, ruhiger und entspannter mit schwierigen Ereignissen umgehen.

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