Führungskräfte: Das Geschäftsleben ist kein Krieg

GastbeitragFührungskräfte: Das Geschäftsleben ist kein Krieg

Bild vergrößern

Allianz-Chef Oliver Bäte

Nach Angaben des „Spiegel“ verschreckte Allianz-Chef Oliver Bäte die Führungskräfte mit einer Militärübung – in jeder Hinsicht ein fragwürdiges Vorgehen.

Dem Artikel zufolge ließ die Allianz auf einer Führungskräftetagung ehemalige US-Militärs aufmarschieren. Diese sollten den Managern schnelle und transparente Entscheidungen beibringen. Dahinter steckt das Managerbild des harten Hundes, der sich in einer feindlichen Umwelt für das Gute einsetzen muss. Es herrscht ein Kampf alle gegen alle, Mitbewerber sind explizit als Feinde anzusehen, die Krieg gegen die Guten führen. Wer da zögert oder Bedenken hat, wird untergehen. Markt ist also Krieg.

Das ist aus mehreren Gründen fragwürdig. Zum einen, weil zuerst Aggressoren aufgebaut werden müssen, um das eigene aggressive Verhalten zu legitimieren. Das sind wahrlich schlechte Zeiten für verantwortungsbewusste Unternehmensführung und Kooperation als urmenschliches Handlungsprinzip.

Anzeige

Fronten aufzuzeigen und das „Wir“ zulasten des Anderen zu stärken, ist ja momentan nicht nur in Europa politisch en vogue. Auch der US-Präsident Donald Trump sieht die USA ungerechtfertigt im Hintertreffen und möchte die empfundene Ungerechtigkeit in bilateralen Vereinbarungen wieder durch Kampfesbereitschaft ausmerzen, bis hin zum Handelskrieg.

Zur Person

  • Jürgen Weibler

    Jürgen Weibler ist ordentlicher Professor für Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen. Außerdem betreibt er das Portal Leadership Insiders.

     

Zum anderen sind solche Kriegsspiele zynisch, angesichts der tatsächlichen Kriegsleiden gegenwärtig. Muss ein Weltkonzern das noch normalisieren?
Außerdem stellt sich die Frage: Bringt so ein Seminar etwas? Wohl kaum. Das Szenario ist viel zu weit weg vom Entscheidungsalltag. Aufrütteln kann man auch anders, beispielsweise durch Teilnahme an Programmen wie einem Seitenwechsel.

Wer Entscheidungen unter Stress simulieren will, sollte besser realistische Szenarien aus dem Alltag der Polizei oder der Feuerwehr durchspielen. Dort lassen sich Handlungsfolgen nach unvorbereiteten Ereignissen viel besser kennenlernen – solange es einen Alltagsbezug gibt.

Vielleicht war bei der Allianz aber auch alles ganz anders. Womöglich sollte eine in den Augen des Chefs zu gesättigte Truppe lernen, dass sich künftig alle schneller bewegen müssen, um an den Rettungsaktionen überhaupt noch teilnehmen zu können.

In diesem Sinne ist die nächste Botschaft vielleicht, nicht mehr auf Hilfe hoffen zu dürfen, wenn die Zahlen schlechter sind als die der Konkurrenz. Lassen Sie sich also etwas einfallen, könnte man weiterformulieren. Aber für diese Lektion müssen Erwachsene keinen Krieg spielen.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%