Führungskräfte sollen Perspektive wechseln: Firmenchefs, auf geht's ins Sozialpraktikum!

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Führungskräfte sollen Perspektive wechseln: Firmenchefs, auf geht's ins Sozialpraktikum!

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Dietmar Bärtele, 61.

Arbeitgeber: Kreissparkasse Waiblingen;

Soziale Einrichtung: Behindertenwohnheim der Diakonie; "Die Zeit in der Wohngemeinschaft hat den Blick fürs Wichtige im Leben geschärft"

von Judith-Maria Gillies

Zum Praktikum in die Drogenberatung, ins Behindertenwohnheim oder ins Hospiz: Unternehmen ermutigen ihre Führungskräfte zum Sozialdienst auf Zeit - ein Seitenwechsel, von dem beide Seiten profitieren.

Bei der Frage nach dem passenden Outfit musste Sparkassenmanager Dietmar Bärtele erst mal schlucken. "Etwas, das vollgesabbert werden kann", sollte er mitbringen. Kein Wunder, dass der 61-Jährige anfangs "einen Mordsbammel" vor seiner neuen Aufgabe hatte.

Statt als Abteilungsdirektor des Kompetenzcenters Kredit Kunden der Kreissparkasse Waiblingen mit seinen 100 Mitarbeitern in Finanzfragen zu beraten, versorgte er als Praktikant der Diakonie in einem Dorf für Behinderte zusammen mit einer Heilerziehungspflegerin eine Woche lang vier schwerst körperlich und geistig behinderte Kinder und Jugendliche - vom Wecken übers Waschen und Füttern bis hin zum Windelnwechseln. Keiner der Jungs konnte selbstständig laufen, essen oder sich verständlich machen. "Um halb zehn Uhr morgens war ich schon so fertig wie nach einem Zwölf-Stunden-Arbeitstag mit Marathonmeetings", erzählt er. "Aber was mir diese Woche gebracht hat, kann man auf keinem Führungsseminar lernen."

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Mit anderen Augen auf die Welt schauen: Genau auf diesen Effekt zielen Arbeitgeber ab, wenn sie Manager wie Bärtele dabei unterstützen, sich für einige Zeit sozial zu engagieren statt über Gewinnmaximierung nachzudenken. Zahlreiche Unternehmen aller Branchen verschreiben ihren Führungsriegen einen Seitenwechsel der besonderen Art: Eine Woche lang tauschen sie die Teppichetagen ihres Unternehmens gegen Hospiz, Bahnhofsmission oder Justizvollzugsanstalt.

Mit Gutmenschentum hat das nichts zu tun. "Die Unternehmen haben damit schlicht die Karriereplanung ihrer Leistungsträger im Blick", sagt Theo Wehner, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der ETH Zürich. Das Ziel der Arbeitgeber: die Stärkung der Sozialkompetenz ihrer Führungsriege - "eine Fähigkeit, die nicht wenigen Managern noch immer fehlt."

Warum sich Unternehmen mit sozialem Engagement ihrer Mitarbeiter schmücken. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Warum sich Unternehmen mit sozialem Engagement ihrer Mitarbeiter schmücken.

(zum Vergrößern bitte anklicken)

Kein Wunder, dass Sozialpraktika häufig verordnet werden. Allein über die Patriotische Gesellschaft von 1.765 in Hamburg absolvierten bundesweit mehr als 1.500 Manager einen Seitenwechsel - von BMW bis Telekom, von Airbus bis Shell, von Beiersdorf bis Vattenfall. Andere organisieren soziale Trainingslager in Eigenregie. Bei Lufthansa etwa zimmerten Führungskräfte einen Spielplatz für Aussiedler, bei RWE entwickelten Nachwuchsmanager ein Marketingkonzept für eine Kinderschutzorganisation, und bei Siemens halfen leitende Angestellte beim Bau eines Hauses für missbrauchte Kinder.

Von solchen Einsätzen profitieren alle Seiten. Die sozialen Einrichtungen erhalten tatkräftige Hilfe und manchmal auch etwas Management-Know-how, die Führungskräfte selbst kurbeln ihre Sozialkompetenz und damit – nicht zuletzt - ihre Karriere an.

Aber auch ihre Arbeitgeber profitieren von der Freistellung. Das geht aus dem Engagementbericht 2012 der Bundesregierung hervor, für den das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) mehr als 2300 Unternehmen befragte, die ihre Mitarbeiter immer wieder zu Sozialeinsätzen schicken (siehe Grafik).

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