Führungskräfte: Wie die neuen Chefs wirklich ticken

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Führungskräfte: Wie die neuen Chefs wirklich ticken

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Wie Deutschlands junge Chefs ticken.

von Claudia Tödtmann und Manfred Engeser

Lange zuhören, zügig entscheiden, Zeit für die Familie: Junge Vorstände unterscheiden sich deutlich von den alten Alphatieren der Deutschland AG. Ein Psychogramm deutscher Chefetagen.

Ob er sie mal etwas fragen dürfe, will der junge Berater wissen. Ana-Cristina Grohnert sitzt da gerade in der Cafeteria ihres Arbeitgebers am Standort Eschborn vor den Toren Frankfurts und unterhält sich mit Kollegen bei einem Cappuccino. Klar, sagt Grohnert, 46, Bankenexpertin, und als Personalchefin bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young verantwortlich für rund 8.000 Mitarbeiter. Und nimmt sich Zeit für ein spontanes Gespräch mit dem Endzwanziger aus dem Kreditbereich.

Wie es denn im Unternehmen um die Familienförderung bestellt sei, will der junge Kollege wissen. Und beklagt, dass man im Kollegenkreis viel zu oft maile, statt kurz ins Nachbarbüro rüberzugehen und direkt miteinander zu sprechen.

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Flexibel im Geist

Grohnert stimmt zu, bedauert, dass auch ihr das nicht immer möglich sei. Ob sie denn keinen Blog zu Personalthemen habe oder twittere, will der junge Mann von der gestandenen Managerin wissen. „Dann kann jeder nachlesen, was Sie beschäftigt.“

Den Namen des jungen Kollegen hat Grohnert nicht behalten, aber seine Empfehlung blieb hängen. „Ich denke nicht in Hierarchien, man muss flexibel im Geist sein, um Innovationen aufnehmen zu können, neue Produkte und neue Lösungen zu finden“, sagt die Top-Managerin. „Wer nicht zuhört, kann nicht mehr bestehen als Führungskraft.“

Grohnerts Konsequenz aus dem Gespräch mit dem Kollegen: „My first time on twitter“, ist ein paar Wochen später auf dem sozialen Netzwerk zu lesen. Grohnerts Post vom 6. März, ein „erster leiser Anfang“.

Seitdem twittert die Top-Managerin mit Klarnamen, Position und Foto.

Wichtige Themen

„Ich twittere aber nicht frei von der Leber weg“, sagt Grohnert. Statt Bilder von sich oder ihrer Familie postet sie lieber ein Foto ihres Gepäcks am Ende einer langen Dienstreise („Goodbye NYC. Ich freue mich jetzt wieder auf Frankfurt.“). Vor allem aber Links zu Themen, die ihr wichtig sind: über Work-Life-Balance („Bringt die Kinder mit ins Büro“), über die Motivation von Mitarbeitern, die Vorstellungen der Generation Y („will viele Freiheiten und fordert damit Unternehmen heraus“). Oder die Frage, ob und wie man das Smartphone am Wochenende nutzen solle.

„Und über einen Blog“, sagt die Mutter dreier schulpflichtiger Kinder, die etwa die Hälfte der Woche auf Dienstreisen unterwegs ist, aber auch mal ein Meeting verlässt, um mit ihren Kindern zu telefonieren, „denke ich jetzt auch noch nach.“

Unzufriedene Partner: Wie Top-Manager und ihre Lebensgefährten ihre Work-Life-Balance beurteilen. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Unzufriedene Partner: Wie Top-Manager und ihre Lebensgefährten ihre Work-Life-Balance beurteilen. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Aufgeschlossen für die neuesten Möglichkeiten digitaler Kommunikation, stets ein offenes Ohr für Sorgen und Anregungen von Mitarbeitern und Familie, 80-Stunden-Wochen, die Hälfte der Woche auf Dienstreise: Für Grohnert ist das Alltag. Die 46-Jährige ist seit zweieinhalb Jahren Mitglied der Geschäftsführung der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, verantwortet dort Organisationsentwicklung und Personalmanagement, betreut außerdem Mandanten aus der Finanzbranche.

Frei von alten Rollenbildern

„Meine Familie und mein Beruf sind mir wichtig. Beide verlangen Zeit und Energie, aber ich nehme sie nicht als Belastung oder Arbeit wahr“, sagt Grohnert. „Ein schlechtes Gewissen gegenüber der Familie habe ich nicht. Ich habe über die Jahre gelernt, mich frei von diesem Rollenbild zu machen.“

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