Führungsqualitäten: So wecken Sie den Super-Chef in sich

Führungsqualitäten: So wecken Sie den Super-Chef in sich

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Wir alle haben persönlichen Stärken in uns - wir müssen sie nur finden und nutzen.

von Ilona Bürgel

Die Anforderungen in der Arbeitswelt steigen täglich. Das gilt auch und besonders für Führungskräfte. Die Gute Nachricht: Jeder Chef und jede Managerin hat das Zeug dazu, damit umzugehen. Wenn sie ihre Stärken wecken.

Leistung alleine scheint nicht mehr auszureichen: öffentlicher Bewertung, Digitalisierung und Zeitdruck - außerdem steigen die Erwartungen der Unternehmen, Partner, Kollegen, Mitarbeiter, Kunden und natürlich die Anforderungen an sich selbst. Dem kann eigentlich niemand gerecht werden, wenn er sich selbst treu und gesund bleiben möchte. Jedenfalls nicht, auf die altbewährte Art: Dann muss man sich eben mehr anstrengen. Gefragt ist ein anderes Denken, das auf die Stärken und mentalen Ressourcen von Menschen baut.

Der Ressourcenbegriff ist uns aus dem täglichen Umgang vertraut. Die Arbeitspsychologie befasst sich mit Ressourcen zur Erreichung von persönlichen und beruflichen Zielen, wozu neben Zeit, physische, psychische, emotionale und soziale Ressourcen gezählt werden. Im „Salutogenese-Ansatz“ werden die persönlichen Ressourcen als gesunde Potentiale des Menschen verstanden.

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"Positive Psychology Movement"

Aus Ansätzen der Positiven Psychologie hervorgegangen ist das Konzept des Psychologischen Kapitals, das der Organisationspsychologe Fred Luthans 2007 präsentiert hat. Man kann seinen Ansatz als Teil einer Richtung in der Psychologie sehen, der sich zu dieser Zeit unter dem Begriff „Positive Psychology Movement“ entwickelte und auf die Stärken und Fähigkeiten von Menschen konzentrierte. Luthans schlug erfolgreich die Brücke zwischen dieser Bewegung und der Wirtschaft. Das Wort Kapital wird zunächst verstanden als Mittelherkunft, und genau diese wollte Luthans im Sinne der Herkunft von Motivation, Engagement und Gesundheit als individuelle Leistungsvoraussetzungen erfassen und Möglichkeiten der Beeinflussung untersuchen.

Diese Ressourcen helfen, den Alltag als Führungskraft zu überstehen

  • Optimismus

    Optimismus ist die Überzeugung, in der Zukunft positive Dinge zu erleben und – dies ist der Knackpunkt – dies selbst beeinflussen zu können. Der optimistische Chef oder die optimistische Chefin denkt in Kategorien wie "Ich erwarte eine gute Zukunft". Der Optimist hat viel Gutes erlebt und glaubt, dass es auch in Zukunft so bleiben wird. Er oder sie geht offen auf andere zu. Die aktivere Lebenseinstellung macht Optimisten stressresistenter und es gelingt ihnen auch dadurch leichter, Krisen zu bewältigen. Im Job optimal ist ein realistischer Optimismus.

  • Fels in der Brandung

    Der Chef oder die Chefin vom Typ "Fels in der Brandung" übersteht auch widrige Situationen und ist sich dessen auch bewusst. Die positive Ressource dieser Führungskraft ist Resilienz, also Widerstandsfähig- und Anpassungsmöglichkeit. Resiliente Menschen sind meist auch optimistisch, gelassen, mit sich im Reinen, haben klare Ziele und verfolgen diese konsequent. Sie sind in der Lage, die Dinge, auch die negativen, so zu nehmen, wie sie sind.

    Für den Arbeitsplatz bedeutet dies die Fähigkeit, trotz Krisen, Veränderungen und Unsicherheit die eigenen Stärken für Fortschritt und positive Veränderungen aktiv zu nutzen. Gute Gefühle verstärken die Resilienz in negativen Situationen. Resilienz wird erhöht durch die Erinnerung an vergangene Krisenbewältigung, durch die Reflexion von Talenten, Fähigkeiten sowie durch Netzwerken..

  • Genussfähigkeit

    Die Krönung der Ressourcen ist die Genussfähigkeit, weil sie Voraussetzung und Bestandteil aller anderen ist. Die Kunst, sich an dem zu erfreuen, was ist, benötigen wir, um Ziele zu definieren und den Weg dahin zu genießen. Aus der Genussperspektive statt der Pflichtperspektive verändert sich die Kraft, die wir haben. Für Genussfähigkeit brauchen wir Zeit, Raum und Muße: Im Stehen schnell zu essen und zu trinken und Genuss schließen sich genauso aus, wie auf der Autobahn über den Sinn des Lebens nachzudenken.

  • Sinnhaftigkeit

    "Ich weiß, wofür ich meine Arbeit mache" - gerade der jungen Generation ist wenig wichtiger, als die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit. Eine Führungskraft sollte diese Frage entsprechend für sich und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beantworten können. Allerdings gehen Sinnfragen im Alltag häufig in Stress, Hektik und dem Gefühl von Zeitmangel unter. Ein Ausstieg aus den Routinen ist hilfreich, aber auch die einfache Frage „Was nützt es anderen Menschen, dass es mich/meine Arbeit gibt“, kann ein erster Schritt sein.

In der Psychotherapie wurde der Ressourcenbegriff aufgenommen als ein Potential aus Talenten, Fähigkeiten, Stärken und Erfahrungen. Sie werden als Kraftquellen für Veränderungsprozesse genutzt. Sowohl in der Psychotherapie als auch der Medizin wurde es durch diese Sichtweise möglich, den Schwerpunkt weg vom Problem oder Defizit hin zu den Möglichkeiten zu verschieben und statt Fremdheilung und Abhängigkeit von Arzt oder Therapeut auf Selbstheilung und eigene Aktivität zu setzen.

Das Netzwerk als soziale Ressource

Eileen Moritz hat einen weiteren Ressourcenaspekt beschrieben, der in einer Zeit der größeren Vernetzung der Menschheit mehr Bedeutung bekommt: Netzwerke. Soziale Beziehungen sind individuelle soziale Ressourcen. Wir erfahren Unterstützung und Bestätigung, haben Zugang zu mehr Informationen und mehr Reichweite für uns selbst. Gemäß der Analyse des entwicklungspsychologischen Ressourcenbegriffs von Franz Petermann werden Ressourcen als Schutz- und Kompensationsfaktoren verstanden. Defizite und Schwächen können ausgeglichen werden. Ihr Puffereffekt mildert oder verhindert Störungen und wirkt krankheitsvorbeugend. Wenn wir hier kurz die Brücke zu Stress und Burnout schlagen, wird deutlich, dass psychische Ressourcen sowohl präventiv als auch heilend wirken.

Meist haben wir von allen persönlichen Stärken etwas in uns. In der Regel gibt es jedoch einen Spitzenreiter, der uns besonders bewusst ist oder den wir besonders gern einsetzen. Jede Stärke hat besondere Vorteile. Diese sollten Führungskräfte in den Arbeitsalltag übertragen. Angenommen, Ihre beste Seite ist Optimismus. Im Sportverein fällt es Ihnen leicht, optimistisch zu sein? Fragen Sie sich, was es Ihnen dort leicht macht, an ein gutes Ergebnis zu glauben. Dann können Sie sich diese Bedingung öfter schaffen. Der Schlüssel könnte sein, dass Sie in dieser Umgebung Sie selbst sind.

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Dann sollten Sie auch im Job häufiger Sie selbst sein.

Und ganz wichtig: Nutzen Sie Ihre beste Seite bewusst öfter. Alles, worüber wir hier sprechen, ist in jedem von uns angelegt. Durch die Häufigkeit der Nutzung und die Bedeutung für uns werden Gehirnstrukturen geformt, die es später leichter oder schwerer machen, damit zu arbeiten oder auch ganz in Vergessenheit geraten. Wenn Sie nichts in Ihrem Leben genießen, weil Sie so erzogen wurden, heißt das nicht, dass Sie es nicht können. Sondern nur, dass Sie es verlernt haben. Und vielleicht haben Sie ja Kollegen, die zum Beispiel von Ihrem Optimismus lernen wollen oder Ihnen einmal von ihrem abgeben, wenn Sie es brauchen. Wir stecken uns mit positiven Gefühlen bei anderen an und lernen am Modell.

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