Führungsstil: Was Führungskräfte aus dem Fall Piëch lernen können

GastbeitragFührungsstil: Was Führungskräfte aus dem Fall Piëch lernen können

"An die Spitze kommen ist leichter als dort oben zu bleiben", hat Ferdinand Piëch einmal gesagt. Das hat er nun am eigenen Leib erfahren. Der Selbstenthronung können Manager vorbeugen: durch einen anderen Führungsstil.

Ferdinand Piëch hat den Posten des Aufsichtsratschefs bei Volkswagen abgegeben. Er stolperte über seine Versuche, VW-Chef Martin Winterkorn zu unterwandern. Auf der heutigen VW-Hauptversammlung müssen sich nun der VW-Vorstand und -Aufsichtsrat den Aktionären stellen. Schuld an seinem Abgang war auch sein Führungsstil. So war es ihm nach eigenen Aussagen nicht wichtig, ein gutes Verhältnis zu seinem beruflichen Umfeld zu haben, Geschweige denn gemocht zu werden. Machthungrige Menschen nehmen sich oft nicht die Zeit, oder sehen keine Notwendigkeit darin, in den Beziehungsaufbau mit ihrem Umfeld zu investieren. Sie vergessen, dass genau diese Menschen ihnen in bestimmten Situationen wichtige Verbündete sein können. Sie setzten sich etwas in den Kopf und versuchen, es mit allen Mitteln durchzusetzen.

Zur Autorin

  • Marina Frieß

    Marina Frieß ist Unternehmerin, Firmengründerin von Feminess - Female & Business, ein Weiterbildungsinstitut für Geschäftsfrauen und Eigenmarktingexpertin. Diesen Expertenstatus hat sie sich in ihrer langjährigen Erfahrung als Vertriebsleiterin erarbeitet. Das Ziel ist es, die eigene Person als Markenpersönlichkeit zu etablieren.
    www.marinafriess.com

Doch ist das wirklich das Verhalten eines wahren Alphatiers? Ist das der Weg, um sich langfristig seine Stellung im Unternehmen oder als Unternehmer zu sichern? Menschen, die mit aller Macht versuchen, andere zu beeinflussen, und die sich über die Bedürfnisse ihres Umfeldes stellen, haben keine Macht. Ihnen wird sie nur fälschlicherweise zugesprochen. Dieses Verhalten verbreitet keinen Respekt, sondern Missmut und Angst.Wahre Profis gehen viel gezielter und strategischer vor. Sie wissen ganz genau, was sie wollen und wo sie hin möchten. Sie wissen allerdings auch, dass sie ohne starke Verbündete an ihrer Seite schwer bis gar nicht an ihr Ziel kommen. Daher sind sie wertschätzend und respektvoll im Umgang mit ihren Mitmenschen.

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Die Hitliste der Chef-Lügen

  • „Bei mir steigen Teamarbeiter auf“

    Die Absicht: Sie sollen selbstlos schuften und Erfolge teilen, Konflikte schlichten und andere motivieren, kurz: einen Teil der Chefarbeit unentgeltlich übernehmen.

    Die Wahrheit: Befördert wird immer der Einzelne, der aus der Masse herausragt und kein ganzes Team. Wer Ellenbogen zeigt und Erfolge für sich verbucht, hat beste Chancen auf den Aufstieg.

    Gegenstrategie: Zwingen Sie den Chef, konkret zu werden. Was müssen Sie für den nächsten Karriereschritt erreichen? Schnell wird er dann wieder bei Einzelleistungen landen.

  • „Ich würde Ihr Gehalt ja erhöhen - aber das Geld fehlt...“

    Die Absicht: Sie sollen den Chef als Ihren Förderer ansehen, dem leider die Hände gebunden sind. So legen Sie sich doppelt für ihn ins Zeug. Nach dem Wirtschaftsaufschwung bekommen sie jedoch eine neue Phrase zu hören.

    Die Wahrheit: Die Firma hat Geld, mit dem sie wirtschaften kann - sonst wäre sie pleite. Sie will diese Mittel vielleicht nur nicht in Gehalt investieren.

    Gegenstrategie: Machen Sie deutlich, dass die Firma unterm Strich ein Geschäft macht: Sie haben Ihre Leistung ausgebaut und bringen der Firma mehr Geld. Davon wollen Sie lediglich einen fairen Anteil.

  • „Es fehlt die Stelle, um Sie zu befördern“

    Die Absicht: Der Chef signalisiert seine Bereitschaft, Sie auf der Karriereleiter voranzubringen. Leider fehlt die dafür nötige Sprosse. Er ermutigt Sie, unter Volldampf weiterzuarbeiten.

    Die Wahrheit: In der modernen Personalpolitik werden nicht Menschen für Stellen gesucht, sondern Stellen für Menschen geschaffen. Deshalb hat der Chef womöglich kein Interesse an einer Beförderung. Vielleicht will er seinen besten Spieler nicht an eine höhere Liga verlieren?

    Gegenstrategie: Machen Sie deutlich, dass Sie unbedingt aufsteigen wollen. Signalisieren Sie, dass sie dafür auch zu einer anderen Firma wechseln würden. Die Aussicht, Sie komplett zu verlieren, könnte seine Meinung ändern.

  • „Überstunden sind die Ausnahme...“

    Die Absicht: Im Vorstellungsgespräch sollen Bedenken zerstreut werden. Die Formulierung ist mit Absicht schwammig: Auch wenn Sie an zwei von fünf Wochentagen Überstunden leisten müssen, liegt eine „Ausnahme“ vor.

    Die Wahrheit: Im Einstellungsgespräch kommt alles an die große Glocke, was für die Firma spricht. Nachteile werden verschwiegen. Sobald die Probezeit begonnen hat, schnappt die Falle zu - eine Kündigung wäre ein Schandfleck im Lebenslauf.

    Gegenstrategie: Zeigen Sie sich als Wortspalter - freundlich im Ton und bestimmt in der Sache: „Was meinen Sie damit? Einmal im Monat? Einmal in der Woche? Wie viele im ungünstigen Fall?“

  • „Wenn Sie gehen, ist die Tür für immer zu!“

    Die Absicht: Sie sollen das Gefühl bekommen, bei einem Wechsel verbrannte Erde zu hinterlassen. Gerade in engen Märkten ist diese Behauptung vorzüglich geeignet, um Sie zu halten.

    Die Wahrheit: Exzellente Mitarbeiter sind Mangelware - Ihnen wird sich die Tür auch ein zweites Mal öffnen. Wichtig sind die Umstände: Geben Sie so früh wie möglich Bescheid oder erst in letzter Sekunde? Erledigen Sie Ihre Aufgaben nach der Kündigung mit alter Zuverlässigkeit oder sind Sie in Gedanken schon bei Ihrem neuen Arbeitgeber.

    Gegenstrategie: Lassen Sie sich nicht einschüchtern, falls Sie einen Wechsel planen. Sollte Ihr Herz noch an der alten Firma hängen, warum geben Sie ihr nicht noch eine Chance? „Ich habe ein Angebot, das sehr interessant ist. Allerdings fühle ich mich ziemlich wohl hier - und würde am liebsten weiter zum Erfolg unserer Firma beitragen...“

  • „Sprechen Sie offen - ich behalt's für mich“

    Die Absicht: Ihr Chef will alles von Ihnen erfahren. Über ein gescheitertes Projekt oder über einen unfähigen Mitarbeiter. Sie wollen weder Schaden anrichten, noch der Aufforderung des Chefs nicht Folge leisten. Seine Schweigeversprechen scheint daher ideal.

    Die Wahrheit: Der Chef wird dafür bezahlt, Schaden von der Firma abzuwenden. Erzählen Sie ihm pikante Details, wird er sicher nicht schweigen.

    Gegenstrategie: Als Antwort ist „Ich kann Ihnen da nicht helfen“ genau richtig - sofern Sie Schaden von sich und anderen abhalten wollen.

  • „Mal privat telefonieren oder früher gehen - das stört mich nicht“

    Die Absicht: Ihr Chef will nicht nur als Aufpasser gelten. Schließlich sollen Sie für ihn durchs Feuer gehen, wenn es mal eng wird. Oft senkt ein solches Angebot auch die Quote der Privatgespräche und Frühabgänge.

    Die Wahrheit: Kein Chef hat es gern, wenn seine Mitarbeiter private Schwätzchen am Telefon halten oder vor Feierabend aus der Firma spazieren. Er fürchtet Kettenreaktionen.

    Gegenstrategie: Verlegen Sie private Gespräche auf Zeitpunkte, zu denen Ihr Chef nichts mitbekommt. Müssen Sie einmal früher gehen, nennen Sie ihm den (wichtigen) Grund und fragen noch einmal nach, ob es ok ist.

  • „Ich kann Sie rauswerfen, wenn's Ihnen hier nicht passt!“

    Die Absicht: Sie sollen das Gefühl bekommen, dass Ihr Chef Sie in der Hand hat. Wenn Sie nicht klein beigeben, können Sie jederzeit auf der Straße landen.

    Die Wahrheit: Kündigungen sind leicht anzudrohen und schwer durchzusetzen. Ein Mitarbeiter kann sowohl gegen Abmahnungen als auch gegen Kündigungen juristisch vorgehen. Sollte die Firma aufgrund der Wirtschaftslage gezwungen sein, Personal abzubauen, wackeln vor allem die Stühle der Frischlinge.

    Gegenstrategie: Wenn dieser Satz fällt, ist Feuer unterm Dach. Sagen Sie, dass sie für sachliche und konstruktive Kritik an Ihrer Arbeit offen sind, sich Drohungen aber verbitten.

  • „Tut mir leid, dafür sind Sie zu alt/jung!“

    Die Absicht: Offensichtlich will sich Ihr Chef nicht auf sachliche Argumente einlassen. Vielleicht hofft er auch, Sie mit Ihrem Alter an einem wunden Punkt zu erwischen.

    Die Wahrheit: Nirgendwo steht geschrieben, wie jung oder alt man für eine bestimmte Aufgabe sein muss. Alter sagt nichts über Qualifikation oder Qualität aus.

    Gegenstrategie: Lenken Sie das Gespräch zurück auf eine sachliche Ebene. Fragen Sie beispielsweise: „Welche Qualitäten hätte ich Ihrer Meinung nach, wenn ich fünf Jahre älter (oder jünger) wäre?“ Nun wird der Chef mit Stichworten reagieren - und Sie können aufzählen, was Sie auf diesem Gebiet bereits geleistet haben.

Und sie müssen keine diktatorische Anweisungen geben und sich über alle in ihrem Umfeld hinwegsetzen, sondern sie überzeugen Mitarbeiter so von ihrem Ziel, dass sie ihnen freiwillig folgen. Das passiert auf körpersprachlicher und auf kommunikativer Ebene.

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Zuerst werden alle verfügbaren – auch unterschwelligen – Informationen gesammelt. Diese müssen richtig eingeordnet werden, denn es geht darum, einzuschätzen, wie sich der Gesprächspartner fühlt, welche Einstellung er hat und was er denkt. Mit diesen Informationen hat der Charismatiker einen großen Vorsprung im Kontakt – er kann perfekt auf die Bedürfnisse des Gegenübers reagieren. Das erfordert viel Einfühlungsvermögen und Flexibilität – und vor allem eine gestandene Persönlichkeit. Durch genau diese Eigenschaften schaffen es charismatische Persönlichkeiten Anhänger für ihre Vorhaben zu finden. Doch eines ist dabei sehr wichtig. Wenn es bei den Zielen immer nur um den eigenen Nutzen geht, werden die vermeintlichen Unterstützer sehr schnell müde sein.

Denn die meisten Menschen möchten einen Sinn hinter dem finden, was sie tun. Besteht der einzige Sinn darin, die eigennützigen Ziele anderer zu verfolgen, werden sie sich schnell abwenden. Wichtig ist also, dass man Ziele so setzt oder formuliert, dass sie gemeinnützig sind. Was haben andere von Ihrem Ziel, dass ist die Frage. Danach erst kommt die dritte Frage: „Wer kann mir dabei helfen, das Ziel zu verwirklichen?“ Und spätestens hier zeigt sich, dass es sich lohnt, in allen Hierarchiebenen Verbündete zu haben.

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