Geschlechterkampf: Die Frauenquote bremst Männer aus

Geschlechterkampf: Die Frauenquote bremst Männer aus

von Cornelia Schmergal, Claudia Tödtmann und Andreas Wildhagen

Die Gleichstellungspolitik in Brüssel und Berlin hat viele Unternehmen in Panik versetzt. In den kommenden Jahren werden sie Chefposten bevorzugt mit Frauen besetzen. Das Problem ist nur: Wohin mit den aufstiegswilligen Männern?

Kein Zweifel, der Mann war aufgewühlt. Am Telefon suchte er Trost, schon wegen der eigenen Zukunft. Vermutlich war es für ihn eine neue Erfahrung, dass ausgerechnet eine Frau ihn in diese vertrackte Lage gebracht hatte. Genauer gesagt: die Bundesfamilienministerin. "Ich muss 500 Frauen in Führungspositionen bringen", seufzte der Manager. "Wenn ich das nicht schaffe, bin ich weg vom Fenster."

Der Mann am Telefon war der Personalvorstand eines Dax-Konzerns. Von seiner Gesprächspartnerin konnte er allerdings wenig Mitgefühl erwarten. Vertraulichkeit übrigens auch nicht. Die Geschichte dieses Anrufs hat Kristina Schröder neulich selbst erzählt. Dabei kann der Kreis der Anwesenden unmöglich intim genannt werden: Vor der Politikerin reckten sich vier Mikrofone und drei Fernsehkameras in die Höhe. Es war der Tag, an dem die Ministerin sich mit den Managern der Dax-Konzerne getroffen hatte, um den Druck in Sachen Quote zu erhöhen. Wieder mal.

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In Berlin und Brüssel gehört ein wenig Zwang derzeit zum guten Ton: Die Unternehmen sollen mehr Frauen in die Chefetagen hieven, dabei ist die Bundesfamilienministerin noch beinahe bescheiden. Ginge es nach ihr, sollen sich die Konzerne selbst Ziele für einen angemessenen Frauenanteil stecken. Ursula von der Leyen, ihre Kollegin aus dem Arbeitsressort, fordert "eine glasklare Vorgabe von 30 Prozent für die Aufsichtsräte", EU-Kommissarin Viviane Reding will gar eine 40-Prozent-Quote durchsetzen. Kaum vorstellbar, dass jemand sie noch davon abbringen könnte. Im Herbst will sie ein Gesetz vorlegen.

Eine Ära der Männer-Diskriminierung

Große Unterschiede: Der Frauenanteil bei  Dax-30-Unternehmen

Große Unterschiede: Der Frauenanteil bei Dax-30-Unternehmen

Längst reagieren die Unternehmen auf die Welle von politischen Forderungen. Die Quote ist noch nicht Gesetz, aber sie verändert die Realität bereits. Noch immer sind die Frauen nicht ganz oben angekommen. Doch schon jetzt sorgen sich die Männer, dass sie selbst dort nie wieder sein könnten. Dafür genügt schon ein Blick in die Personalabteilungen, die ein Frauenförderprogramm nach dem anderen auflegen. Selbst die Boni von Dax-Managern bemessen sich neuerdings danach, ob sie genügend Frauen auf die Chefsessel holen. Und Headhunter berichten, dass sie für Führungspositionen seit Monaten Kandidatinnen präsentieren sollen – und bloß keinen Kerl. "Männer", spottete neulich der Managementberater Reinhard Sprenger, "sind schon heute bei vielen Bewerberrunden nur noch Sättigungsbeilage."

Tiemo Kracht ist ein Mann, der schwer aus der Fassung zu bringen ist. Dafür hat er zu viel Erfahrung. In den vergangenen 17 Jahren hat er über 1500 Manager in Spitzen- und Führungspositionen gebracht, heute ist er Geschäftsführer bei Kienbaum Executive Consultants. Was er jetzt entdeckt, ist selbst für ihn neu: eine stetig wachsende Gruppe nachhaltig enttäuschter Manager. "Wir treten in eine Ära der Diskriminierung von Männern ein", fürchtet Kracht. "Die Unternehmen müssen darauf achten, dass sie männliche Führungskräfte und High Potentials jetzt nicht verprellen. Damit würden sie sich selbst schaden."

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20 Kommentare zu Geschlechterkampf: Die Frauenquote bremst Männer aus

  • Es ist ekelerregend, in welche Dinge sich der Staat bei uns überall reinhängt. Was damit über Frauen implizit ausgesagt wird, ist im Übrigen an Frauenverachtung nicht mehr zu überbieten und auch hier zeigt sich in Bezug auf die bisher erfolgreichen Frauen, dass Friedrich Nietzsche völlig Recht hatte: "Der Feminismus ist nicht der Kampf des Weibes gegen den Mann, sondern der Kampf des missratenen Weibes gegen das wohlgeratene."

  • Beim Lesen dieses Artikels fällt es schwer nicht zynisch zu werden. Wenn Männer sich durch eine Steigerung der Anzahl der weiblichen Dax-Vorstände von 3% auf 6% schon bedroht fühlen, können sie einem schon leid tun.

    Sind denn alle diese Männer in Vorstände und Management-Positionen gekommen weil sie so überragend qualifiziert und geeignet sind? Nein - sehr viele sind nur wegen ihres Geschlechts soweit gekommen.

    Wer sich jetzt in acht nehmen muss, sind die vielen mittelmäßigen, sich selbst überschätzenden männlichen sog. Führungskräfte. Echte fachliche und persönliche Qualität wird sich nach wie vor durchsetzen.

    "Gleichberechtigung" hat bislang oft bedeutet, dass nur eine fantastische Überfliegerin die Chancen erhielt, mit Mr. Mediocrity zu konkurrieren. Es ist nicht schade darum, wenn diese Zeiten bald vorbei wären. Wer wirklich ein männlicher 'high potential' ist, den stört diese Entwicklung auch nicht.

  • @eleftheria

    Wissen Sie, wenn es jene angeblich so leistungsfähigen Damen nicht ohne die Staatsgewalt schaffen, in entsprechende Positionen zu gelangen, dann sind es nicht die Männer, die einem leidtun müssen. Und JA, diese Männer sind im Gegensatz zu der holden Weiblichkeit DESSHALB so "überragend qualifiziert und geeignet", weil diese schon lange vorher dazu bereit waren, ihrer Aufgabe alles andere unterzuordnen und das trifft für die allermeisten Frauen eben nicht zu. Es sind jene Männer, denen meist jahrelang vorher vorgeworfen wurde, kein richtiges Leben mehr zu haben. Jene Männer sind es im Übrigen auch, welche sich selbstständig machen und eine eigene Firma aus dem Boden stampfen, mit 70-80 Stunden Wochenarbeitszeit und hohen Schulden in der Waagschale. Warum sind DORT denn bitte so wenig Frauen, die armen, kleinen Diskriminierungsopfer müssten aufgrund ihrer überragenden Fähigkeiten sich doch scharenweise selbstständig machen, oder? Dort scheint es jedoch ebenfalls eine „gläserne Decke“ zu geben – ebenso wie bei den Erfindern. Wir brauchen noch dringend eine Patentquote, oder?

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