Karriere durch Seitwärtsschritt
Bild: dapdAdidas
Spätestens 2020, so die Zielsetzung der Unternehmen, sollen bis zu 35 Prozent der Führungskräfte weiblich sein. 25 der 30 Dax-Konzerne konnten ihren Frauenanteil im Management seit der Selbstverpflichtung steigern, allerdings nur minimal. Bei manchen Konzernen sank die Quote sogar, wie zum Beispiel beim Sportartikelhersteller Adidas. Der Anteil sank im vergangenen Jahr von 26 auf 25 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Und das, obwohl mehr als die Hälfte der Gesamtbelegschaft weiblich ist. Ziel von Vorstands-Chef Herbert Hainer ist es, den Anteil bis Ende 2015 auf 32 bis 35 Prozent zu erhöhen.
Bild: PressebildPlatz 7: Allianz
Die Allianz SE kann sich im FKI-Ranking 17 Punkte sichern. Die höchsten Werte wurden im Bereich Leistung verbucht, der sich aus den Positionen "Verhältnis der Frauen in Führungspositionen zum Anteil der weiblichen Beschäftigten insgesamt" und "Frauen in Aufsichtsräten" zusammensetzt. Beim Versicherungskonzern stieg der Anteil der Frauen in Führungspositionen von 24,7 auf 25,6 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat, Stand Juni 2012) – wirklich ernst scheint man das Thema aber auch hier bisher nicht zu nehmen. Spezielle Management-Seminare für Frauen lehnt Personalvorstand Werner Zedelius ab. Stattdessen will die Allianz Frauen durch ein Sponsoring-Programm fördern. Rund 100 talentierte Mitarbeiterinnen treffen sich zwei Jahre lang regelmäßig mit Kollegen aus der Unternehmensspitze, um über ihre Karriere zu sprechen.
Aushängeschild der Allianz ist Elisabeth Corley (im Bild). Die gebürtige Engländerin ist seit Beginn Jahres Chefin von Allianz Global Investors. Nebenher schreibt sie Psychothriller.
Bild: PressebildBayer
Beim anderen großen deutschen Chemiekonzern, Bayer, ist der Anteil der Frauen in Führungspositionen im letzten Jahr um zwei Prozent gestiegen – auf 19 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Bis Ende 2015 hat sich Bayer auf eine Quote von 30 Prozent verpflichtet. Wichtigste Frau im Konzern ist die Amerikanerin Sandra Peterson, die seit 2010 das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln (Crop Science) leitet. Bayer-Chef Marijn Dekkers will sich als großen Frauenförderer verstanden wissen. Sein Unternehmen hat eine spezielle Internetseite, um hochqualifizierte Frauen anzusprechen.
Bild: dpaBASF
Beim Chemieriesen BASF stieg die Frauenquote im vergangenen Jahr ebenfalls nur um rund ein Prozent auf 10,9 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Hier sind auch Ziele in Sachen Frauenförderung wenig ambitioniert. Lediglich 15 Prozent sollen bis Ende 2020 in den Chefetagen des Konzerns sitzen. Auch insgesamt gibt es wenige Frauen im Konzern. Ihr Anteil an der Gesamtbelegschaft liegt bei 23 Prozent. Allerdings sitzt hier eine Frau im Vorstand. Margret Suckale ist Personalchefin des Ludwigshafener Chemieunternehmens. Bekannt wurde sie während des Lokführer-Streiks 2008 als Personalchefin bei der Deutschen Bahn. Ein weiteres bekanntes weibliches Gesicht ist RTL-Chefin Anke Schäferkordt, die im Aufsichtsrat von BASF sitzt.
Bild: dpaBeiersdorf
Obwohl Kosmetikprodukte überwiegend von Frauen verwendet werden, geht es in Sachen Frauenförderung beim Kosmetikkonzern Beiersdorf langsam voran. Lediglich einen halben Prozentpunkt konnte der Konzern seine Quote im letzten Jahr steigern auf 20,5 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Bis Ende 2020 sollen 25 bis 30 Prozent der leitenden Angestellten weiblich sein. Das wollen die Konzernlenker durch Coaching- und Mentoring-Programme für hochqualifizierte Frauen ändern.
Bild: PressebildBMW
Beim bayerischen Autobauer BMW sieht die Quote verheerend aus. Lediglich 9,1 Prozent der Führungskräfte (ohne Vorstand und Aufsichtsrat) sind weiblich. 0,3 Prozent mehr als im letzten Jahr. Bis Ende 2020 soll der Anteil der außertariflichen Führungskräfte auf 15 und 17 Prozent steigen. Das versuchen die Bayern durch spezielle Veranstaltungen für Frauen und einen speziellen Internetauftritt zu schaffen. Aushängeschild in Sachen Frauen in Führungspositionen ist Hildegard Wortmann, die das Produktmanagement des Unternehmens leitet. Wie viele andere erfolgreiche Managerinnen spricht sie sich gegen eine starre Frauenquote aus.
Bild: dapdCommerzbank
Bei der Commerzbank geht man das Thema Frauen und Karriere mit einem neuen Modell an. Job-Sharing heißt das Leuchtturmprojekt, bei dem sich zwei Mitarbeiter den gleichen Arbeitsplatz teilen. Ein Kunde, der am Montag und am Freitag einen Termin beim Direktor seiner Filiale hat, sitzt also verschiedenen Personen gegenüber. Mit dem Teilzeitmodell will die Commerzbank Familie und Karriere für ihre Mitarbeiter gleichzeitig möglich machen und so auch einen höheren Frauenanteil in der Führungsebene erreichen. Die ist bisher von Männern domminiert. Nur 23,1 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat) der Führungskräfte sind Frauen – ein Anstieg um 0,1 Prozent im letzten Jahr. Im Jahr 2015 sollen es weltweit 30 Prozent sein.
Bild: REUTERSPlatz 8 (7): Daimler
Noch einmal 17 Punkte gibt es auch für den Daimler-Konzern. Vor allem im Beurteilungsaspekt Ambition (bildet den prozentualen Anstieg des Frauenanteils im Konzern ab, der zwischen dem durchschnittlichen Frauenanteil in Führungspositionen 2010 und dem selbstgesetzten Unternehmensziel liegt; sowie in welchem Verhältnis das gesetzte Ziel zum Frauenanteil an der Gesamtbelegschaft in Deutschland 2010 liegt) kann das Unternehmen überzeugen: satte neun Punkte wurden hier verteilt.
Chef Dieter Zetsche nimmt kein Blatt vor den Mund – so auch beim Thema Frauenquote. Der Chef des Stuttgarter Autokonzerns Daimler sagte vergangenen September in einem Interview mit der FAZ: „Wenn ich höre, dass in drei, vier Jahren 40 Prozent auf den Führungsposten Frauen sein sollen, dann verraten Sie mir bitte: Wohin soll ich all die Männer aussortieren? Alle zwangsweise in Rente schicken, damit überhaupt so viele Stellen frei sind?“ Dementsprechend fallen die Quotenziele des Konzerns aus: 20 Prozent der Führungskräfte in Deutschland und weltweit sollen bis 2020 weiblich sein. 2011 liegt die Quote bei 12,8 Prozent – 0,8 Prozent höher als ein Jahr vorher.
Bild: REUTERSPlatz 4: Deutsche Bank
Die Deutsche Bank landet mit 18 Punkten auf Rang gemeinsam mit Merck und der Telekom auf Rang vier; gegenüber den Mitstreitern hat die Bank beim Aspekt Leistung die Nase vorn und kommt auf acht Punkte (die anderen beiden erreichen sechs Punkte).
Der Umbau des Top-Managements bei der Deutschen Bank hat in den vergangenen Monaten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt und die Gemüter erhitzt. Denn unter all den Namen, die im März für das oberste Führungsgremium des Geldhauses und das direkt unterhalb angesiedelte Group Executive Committee gehandelt wurden war keine einzige Frau. Dass da noch Luft nach oben ist, räumte auch ein Sprecher der Bank ein. Es sei sicher „keine Frage von Jahrzehnten mehr“, bis die erste Frau im Vorstand sitze. Aktuell liegt die Quote bei 15 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat, Stand Juni 2012) im oberen und mittleren Management – ein Prozent mehr als 2010. Im unteren Management sind es 28 Prozent.
Bild: REUTERSDeutsche Börse
Bei der Deutschen Börse sieht es ähnlich männlich aus. Nur 13 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat) der Führungskräfte sind weiblich – der Anteil ist derselbe wie vor einem Jahr. Der Anteil der Frauen an der Gesamtbelegschaft liegt bei 37 Prozent. Ziel ist es, dass bis 2015 im mittleren und oberen Management knapp ein Drittel der Führungskräfte weiblich sind. Im unteren Management sollen es 30 Prozent sein.
Adidas
Spätestens 2020, so die Zielsetzung der Unternehmen, sollen bis zu 35 Prozent der Führungskräfte weiblich sein. 25 der 30 Dax-Konzerne konnten ihren Frauenanteil im Management seit der Selbstverpflichtung steigern, allerdings nur minimal. Bei manchen Konzernen sank die Quote sogar, wie zum Beispiel beim Sportartikelhersteller Adidas. Der Anteil sank im vergangenen Jahr von 26 auf 25 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Und das, obwohl mehr als die Hälfte der Gesamtbelegschaft weiblich ist. Ziel von Vorstands-Chef Herbert Hainer ist es, den Anteil bis Ende 2015 auf 32 bis 35 Prozent zu erhöhen.
Und in den Unternehmen sind Männer langsam angesäuert. Was raten Sie denen? In mittelständischen Unternehmen anzuheuern, die unter keine Frauenquote fallen?
Ja, warum nicht. Gerade junge Leute kommen dort schneller in Entscheiderpositionen als in Konzernen. Es gibt hochinteressante Hidden Champions, Weltmarktführer, die auch global unterwegs sind. Und schlechter bezahlt werden Kandidaten dort auch nicht mehr.
...müssen sie sich also nur die Dax-Konzerne, die AGs und die Großunternehmen abschminken?
Karrierehungrige Männer, die zur Zeit auf der Stelle treten, weil die Frauen an ihnen vorbei befördert werden, können auch erst mal eine Seitwärtsbewegung machen oder sich für besondere Aufgaben rund um den Vorstand empfehlen. So hat bereits mancher CFO einer Geschäftseinheit oder eines Landes nach der Rückkehr in die Zentrale erst einmal ein größeres Transformationsprojekt gemanagt oder an einem Strategieprojekt mitgewirkt und sich dadurch wieder für die nächste Position empfohlen. Oder sie können ein, zwei Jahre ins Ausland gehen, zum Beispiel in die BRIC-Länder.
Man hat den Eindruck, dass in den USA plötzlich massenhaft Top-Frauen ganz selbstverständlich die Spitzenjobs von Männern einnehmen.
Frauen bekommen eher dann eine Chance, an die Top-Spitze zu kommen, wo es schwer kriselt und Männer den Job auch nicht haben wollen. Rank Xerox etwa zog - als es fast bankrott war - eine Frau, Anne M. Malcahy, aus dem Ärmel und die hat die Firma gerettet. Oder: Erst, nachdem HP durch Leo Apothekers abrupten Strategieschwenk bis zu 50 Prozent des Börsenwerts verloren hatte, ließ man sich auf Meg Whitman ein. Manchmal wollen Top-Manager, die weibliche Führungskräfte installieren, damit auch von einem anderen Thema ablenken, wo die nackte Not herrscht. Oder wo sie eine schlechte Presse haben, wie zum Beispiel als die Deutsche Telekom - nach dem Abhörskandalen - 2010 als erstes DAX-Unternehmen mit der Einführung einer verbindlichen Frauenquote für den Konzern deutschlandweit Furore machte.
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Alle Kommentare lesen21.08.2012, 12:43 UhrAnonymer Benutzer:georgcharlson
Eigentlich sagt Frau Hansen vieles was "trivial" ist - aber trotzdem heute häufig NICHT so recht "wahrgenommen" wird:
1.) Ausweichen auf den quotenfreien Mittelstand - hier gelten weniger die Gesetze der "Soziologie" & des Herdentriebes als eben die nüchternen Regeln der "Zahlen-Bilanz". Ein marktnaher Mittelstand kann sich gar nicht so "sachfremde Entscheidungen" leisten - da schlägt doch sofort der Markt und ggf. die Insolvenz zu....
2.) Sicherlich sind "feminine Eigenschaften" eher im Personalbereich, Social Responsibility ("soft Skills") und Compliance ("Folgsamkeit") angesiedelt - dies ist i.d.R. weniger eine "Männerdomäne".
3.) Auch ihre Analyse zu den aktuellen Ereignissen und den hier erfolgten "Frauenpositionierungen" ist weitgehend zutreffend: Aktuell erscheinen Frauen Männerpositionen im Top-Management zu erobern, wenn zuvor die "männliche Führungskunst" versagte oder Männer entsprechende Positionen nicht haben wollen (Rank Xerox; HP & Apotheker). Ebenso der "Ablenkungsaspekt" beim Einsatz von weiblichen Führungskräften (als Mittel zum Zweck!) - schlechte Presse der Telekom wegen Datenskandalen und Performance - erstmalige Bekanntgabe einer verbindlichen Frauenquote (im Führungsbereich) bei einem DAX-Konzern in der Größenordnung von 30% - obwohl ja schon der ex-Staatsbetrieb eine (historisch gewachsene & verordnete) Frauenquote um die 20% bereits hatte(!!!). Also eigentlich nur die Fort/Überführung der üblichen täglich eingeübten Kosmetikregeln in die (männliche) Berufswelt.....(Tarnen und Täuschen)......hier läßt sich als Schlußfolgerung ziehen - vielleicht sollte man mal als Nachfolger von Obermann auf der Telekom-Dauerbaustelle mal einer Frau eine Chance geben und damit Sattelberger's Frauenquote "toppen".....
15.08.2012, 14:09 UhrRegistrierter Benutzer:Omarius
anstatt die diskriminierung anzuprangern die im kommen ist...
sollen kerle lieber dem konflikt ausweichen....? anscheind steht schon fst das unrrcht zu recht wird
merken die damen überhaupt dem dumpfen beigeschmack ?
verhaltensmuster bei jungs die eigntlich normal sind werdn heute als "auffälligkeit" behandelt weil die nicht so folgsam sind wie mädchen... das usus an den schulen das alles auf die "mädels" eingeht. und die jungs neberherlaufen... mein eindruck