Gesetz gegen Manager-Boni: Alles nur Wahlkampf, oder was?

Gesetz gegen Manager-Boni: Alles nur Wahlkampf, oder was?

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Die SPD will per Gesetz eine feste Obergrenze für Managerboni einführen.

von Kerstin Dämon

Die SPD will Manager-Boni wie bei VW und der Deutschen Bank verhindern. Noch in dieser Legislaturperiode soll aus dem ewigen Neid- und Aufregerthema ein Gesetz werden.

Die SPD haut kräftig auf die Wahlkampf-Pauke: Erst kündigt Arbeitsministerin Andrea Nahles an, noch in dieser Legislaturperiode einen Anspruch auf befristete Teilzeit für alle zu schaffen. Jetzt wärmt Vizekanzler Sigmar Gabriel das Neidthema Manager-Gehälter wieder auf.
Schon im Dezember sagte Gabriel, dass die SPD der Gier mancher Manager per Gesetz Grenzen setzen wolle. Es sei „unfassbar, wenn Spitzenmanager ein Unternehmen in die Krise fahren und sich unter Berufung auf ihre Verträge Boni auszahlen lassen“, sagte er damals.

3000 Euro pro Tag für Winterkorn - das macht wütend

Jetzt, im Wahlkampfjahr, bringt er das Thema wieder auf den Tisch. Und es zieht. „Bei 3000 Euro pro Tag, da sind natürlich viele irritiert“, sagt Hans Hermann Aldenhoff, Vergütungsexperte und Leiter der deutschen Büros der international tätigen Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons. 3000 Euro pro Tag, so viel soll Ex-VW-Chef Martin Winterkorn an Ruhebezügen bekommen. Gegen solche Auswüchse will die SPD – am liebsten noch in dieser Legislaturperiode – vorgehen. Ein Schelm, wer da „Populismus“ denkt.

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In welchen Ländern und Branchen Manager die höchsten Boni erhalten

  • Deutschland

    Die Personal- und Organisationsberatungsgesellschaft Korn Ferry Hay Group analysiert jährlich die Vergütung von Vorständen in Europa. Für die aktuelle Untersuchung wurden die Daten von mehr als 1.813 Vorständen und Top-Führungskräften aus 22 Ländern und 365 Unternehmen verwendet. Die Daten stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen wie zum Beispiel Geschäftsberichten.

    Beim Vergleich von Vorständen in Europa belegt Deutschland hinter Österreich Platz sechs, was das Festgehalt und kurzfristige Boni betrifft. Diese Zahlungen machen 35 beziehungsweise 33 Prozent der Gesamtvergütung aus. Damit ist Deutschland etwa 15 Prozent über dem europäischen Durchschnitt platziert.

  • Österreich

    Festgehalt und kurzfristige Boni von Managern sind in Österreich noch etwas höher als in Deutschland. Sie liegen 17 Prozent über dem Durschnitt in Europa. Damit belegen die Vorstände in Österreich Platz fünf im Ranking.

  • Spanien

    In Spanien leben die Manager, die am viertbesten bezahlt werden. Das Gehalt liegt satte 29 Prozent über dem durchschnittlichen Gehalt europäischer Vorstandsmitglieder.

  • Russland

    „Boni spielen traditionell eine große Rolle bei der Vergütung von Top-Managern. Die Ergebnisse unserer Studie zeigen jedoch, dass ihr Einfluss im vergangenen Jahr besonders hoch war“, sagt William Eggers, Vergütungsexperte von Korn Ferry Hay Group. Dank dieser leistungsabhängigen Sonderzahlungen schafften es die russischen Manager in die Top 3 der bestbezahlten Manager. Ihre Vergütung liegt 35 Prozent über dem europäischen Durchschnitt.

  • Großbritannien

    Auch die Briten verdienten 2015 prächtig: Die Vergütung der Spitzenmanager überstieg den Durchschnitt um 38 Prozent. Langfristige Bonuszahlungen machen einen Anteil von 39 Prozent der Bezüge aus.

  • Schweiz

    Noch besser hatten es nur die Schweizer: Unternehmen in der Schweiz zahlen ihren Top-Managern nach wie vor am meisten. Die Bezüge der Top-Manager lagen hier 42 Prozent über dem Durchschnitt. Langfristige Boni machen 36 Prozent der Vergütung der Schweizer Manager aus.

  • Medien

    Am besten verdienten Top-Manager im Jahr 2015 in der Medienbranche. Das Grundgehalt fiel 2015 satte 32 Prozent höher aus als in anderen Branchen.

    Quelle: Vergleich der Vorstandsgehälter in Europa durch die Personal- und Organisationsberatungsgesellschaft Korn Ferry

  • Pharma

    Ähnlich gut verdienten Spitzenmanager im vergangenen Jahr in der Pharmaindustrie. Sie bekamen acht Prozent mehr Gehalt als der Branchendurchschnitt.

  • Automobilindustrie

    Auch in der Automobilindustrie lagen die Durchschnittsgehälter bei 108 Prozent.

  • Banken und Finanzunternehmen

    Die Boni-Deckelungen bei Banken und Finanzunternehmen führten dazu, dass Top-Manager dieser Branche nun beim Gehalt unter dem europäischen Durchschnitt aller Branchen liegen.

  • Transport & Energie

    Auf den letzten Plätzen bei der Gesamtvergütung liegen die Transportunternehmen und Energieversorger.

Zwar hält es auch Aldenhoff für „grundfalsch“, dass Manager, die ihrem Unternehmen einen großen wirtschaftlichen Schaden zugefügt haben, ihren Abgang auch noch vergoldet bekommen. Daraus ein für alle gültiges Gesetz zu konstruieren, sei aber schwierig.

Das liege unter anderem daran, dass viele Straftaten, die sich letztlich auf den Unternehmenserfolg auswirken, nicht vom CEO, sondern auf der zweiten und dritten Managerebene begangen werden. Hinzu komme, dass sich Manager wie Winterkorn ihre Bezüge über Tochter- oder Schwesterfirmen auszahlen könnten. „Ich sehe da ein erhebliches Umgehungsrisiko“, so Aldenhoff. Außerdem sei der Nachweis extrem schwierig, welches exakte Verhalten nun welchen monetären Schaden verursacht habe.

Er plädiert für die Kopplung der Pensionsansprüche an den Unternehmenserfolg: Je besser das Unternehmen langfristig da steht, desto höher dürfen auch die Bezüge des CEO sein. Eine absolute Obergrenze der Manager einzurichten, wie die SPD dies plant – maximal 500.000 Euro – halte er jedoch für schwierig.
Für Gabriel ist diese vom Gesetzgeber verordnete Obergrenze offenbar logische Konsequenz aus den Eskapaden einiger Unternehmen. Schon im Dezember sagte er: „Natürlich wäre es mir lieber, die Unternehmen selbst würden das einsehen. Aber wenn der Anstand nicht von alleine kommt, kommt er vom Gesetzgeber.“
Wenn die Deutsche Bank und Volkswagen nicht hören wollen, müssen eben alle fühlen. Denn besonders oft kommt es nicht vor, dass ein Manager sein Unternehmen in eine Krise stürzt und dafür säckeweise Geld nach Hause trägt. „Die statistische Häufigkeit dieser Fälle rechtfertigt den Gesetzesvorschlag nicht. Für mich steckt da ein Wahlkampfaspekt dahinter“, sagt Aldenhoff.

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