Göttinger Studie: Was den deutschen Unternehmer ausmacht

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Göttinger Studie: Was den deutschen Unternehmer ausmacht

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Deutsche Unternehmenslenker sind schweigsam, was Visionen für die Zukunft angeht (Symbolbild).

von Christopher Schwarz und Dieter Schnaas

Der deutsche Unternehmer möchte sozial erscheinen und von allen gemocht werden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung.

Wie sehen sich deutsche Unternehmer und wie wollen sie gesehen werden? Was sind ihre biographischen Prägungen und Wertvorstellungen? Wie beurteilen sie die politischen Parteien und das politische System der Bundesrepublik? Das waren die wichtigsten Leitfragen für die Mitarbeiter des Göttinger Instituts für Demokratieforschung, als sie in den Jahren 2013/2014 insgesamt 160 Manager, Vorstandsvorsitzende, Betriebsdirektoren, Geschäftsführer und Unternehmer in sechzig- bis neunzigminütigen Interviews befragten. Jetzt liegt das Resultat, eine zehn Kapitel umfassende Studie, unter dem Titel „Sprachlose Elite?“ als Buch vor.

Die Studie zeigt, dass es bei allen Unterschieden eine Art Quintessenz, einen kleinsten gemeinsamer Nenner gibt: Die deutsche Wirtschaftselite, so Stine Marg, die geschäftsführende Leiterin des Instituts und Mitherausgeberin der Studie, im Interview mit der WirtschaftsWoche, definiere sich „vor allem durch ihre soziale Kompetenzen“.

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Selbst Innovationslust und Risikobereitschaft verstehen die Unternehmer als „Dienst an der Gesellschaft“. Indem sie investieren, schaffen sie Arbeits- und Ausbildungsplätze, mehren sie den Wohlstand. Anders gesagt: Unternehmer setzen voraus, dass das Interesse, das sie mit ihrem Unternehmen verfolgen, Gewinnmaximierung, zugleich im Interesse aller ist.

Die Studie

  • Sprachlose Elite

    Franz Walter, Stine Marg (Hg.): Sprachlose Elite. Wie Unternehmer Politik und Gesellschaft sehen, Rowohlt Verlag, 16,95 Euro.

Ansehensverlust des Unternehmers

Die Betonung der sozialen Dimension unternehmerischen Handelns ist nicht zuletzt ein Reflex auf den Ansehensverlust des Unternehmers: Sieben Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise rangiert er auf den hinteren Plätzen der Berufsprestigeskala.  Auch deshalb gibt man sich in den deutschen Chefetagen gern demonstrativ zurückhaltend, sieht den unternehmerischen Erfolg vor allem als Teamleistung, spricht vom „guten Betriebsklima“  und verweist auf die glücklichen Umstände, die für den eigenen beruflichen Aufstieg mindestens so wichtig gewesen seien wie die persönliche Leistung. 

Die Bedeutung der sozialen Herkunft wird dabei regelmäßig bagatellisiert: Selbst Familienunternehmer, die die Firma in der dritten oder vierten Generation leiten, betonen, dass sie das Unternehmen den Geschwistern abgekauft haben oder sich haben bewähren müssen. Dazu gehört gerade bei Familienunternehmern, dass man sich nicht nur den Kunden und Lieferanten, sondern auch der Belegschaft („in der Firma zählt der Mensch“) und Region verpflichtet weiß, aus der man stammt, kurz: dass man langfristig, im Idealfall über Generationen, „Verantwortung für ein Gemeinwesen“ übernimmt.

Kein "Turbokapitalismus" angelsächsischer Spielart

Schon deshalb kann die Wirtschaft mit dem „Turbokapitalismus“ angelsächsischer Spielart nicht viel anfangen: Besonders die mittelständischen Unternehmer, die traditionell eine Aversion gegenüber den Banken pflegen, kultivieren das  Bild des „bösen, gierigen Finanzmanagers“ - und haben es als Bestätigung ihrer Bodenständigkeit empfunden, dass sie aus der Finanzkrise als Gewinner hervorgegangen sind: Zwischen 2006 und 2012 hat sich die Inlandsbeschäftigung der 500 größten Familienunternehmen um 11 Prozent erhöht.

Die Soziale Marktwirtschaft, das institutionalisierten Arrangement von Kapital, Arbeit und Staat in Deutschland wird als vorbildlich angesehen, gerade gegenüber Ländern wie Großbritannien, Frankreich und den USA.

Dazu passt, dass der Wert von Auslandserfahrungen eher niedrig angesetzt wird. Rund zwei Drittel der Topmanager haben nicht viel Auslandserfahrungen. Vor allem in mittelständischen Familienunternehmen gilt der mit Auslandsaufenthalten verbundene Aufwand als „zu hoch“. „Heimkarrieren“ werden bevorzugt: Sie sorgen für „Bodenhaftung“, garantieren, dass man das lokale Umfeld des Unternehmens nicht aus dem Blick verliert.

Entsprechend hat man auch mit der Mitbestimmung längst seinen Frieden gemacht: Gewerkschafter gelten bei Unternehmern mittlerweile als "vernünftige Leute", denen man "nicht erklären muss", wie wichtig eine funktionierende Industrieproduktion für den Wohlstand des Landes ist.

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