Halbherzige Prävention: Manager dürfen keinen Burnout bekommen

Halbherzige Prävention: Manager dürfen keinen Burnout bekommen

Das Thema Burnout ist in aller Munde: Manager coachen ihre Mitarbeiter, Promis reden über ihre eigene Betroffenheit und Wege aus dem Burnout, in Betriebskantinen werden Flyer verteilt. Dabei wird eine Gruppe vergessen. Ein Gastbeitrag.

Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück. Oder als Pessimist: Ein Schritt vor und zwei Schritte zurück. So oder ähnlich konnte man aktuell die gefühlte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit trotz des weiter sich verdichtenden Arbeitspensums sehen. Hinsichtlich der Thematisierung von Burnout ist mediale Normalität eingekehrt, während in Unternehmen Betriebsamkeit festzustellen ist. Führungskräfte werden mit Handlungsleitfaden ausgestattet und besuchen Schulungen, wie sie psychische Überbeanspruchung ihrer Mitarbeiter erkennen und sich adäquat verhalten können. Regelmäßige Testfragen im Intranet unterstutzen die gewünschte Nachhaltigkeit.

Der Diplom-Betriebswirt Thomas Kleina ist selbstständiger Berater, Trainer und Coach und war unter anderem bei Alcatel und Siemens tätig. Quelle: Presse

Der Diplom-Betriebswirt Thomas Kleina ist selbstständiger Berater, Trainer und Coach und war unter anderem bei Alcatel und Siemens tätig.

Bild: Presse

Mit ersten positiven Erfolgen, beispielsweise bei der Bearbeitung berufsbedingter Mails oder Anrufe von Vorgesetzten nach Feierabend. Allerdings wird hier der eigentlichen Problematik der Mailflut nicht wirklich etwas entgegengesetzt. Es werden schon andere Ansätze diskutiert, wie zum Beispiel dass Führungskräfte nur noch direkt anzusprechen sind und nicht mehr über cc. Die direkte Ansprache soll die Hemmschwelle für den gedankenlos gewordenen Automatismus des cc-Setzens heben. Andere ermuntern ihre Mitarbeiter, sich projektspezifisch nicht mehr über E-Mails auszutauschen, sondern in Netzwerken, einer Art Facebook speziell fürs Unternehmen. Dann wird nicht mehr gemailt sondern gepostet. So hängt alles themenbezogene, für alle ersichtlich, an einem Strang. Es geht hier nicht darum die E-Mail abzuschaffen, sondern sie für bestimmte Aufgaben durch bessere Werkzeuge zu ersetzen.

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Studie Die Gefahr ständiger Erreichbarkeit

Lesen Sie auch abends noch berufliche E-Mails? Das sollten Sie sein lassen. Laut einer neuen Studie gilt: Wer sein Smartphone am Feierabend beruflich nutzt, schläft schlechter – und ist am nächsten Tag lustloser.

Ein Mann bedient ein Smartphone Quelle: dpa

Manche unterstützen die gewünschte Aufmerksamkeit in Bezug auf Burnout indem sie mögliche Vorstufen beziehungsweise erste Anzeichen in Flyern erklärend darlegen und an Mitarbeitertreffpunkten wie Kantine und Eingangsbereich auslegen. Die Dokumentation vielfaltiger Stresssymptome und die allerdings sehr allgemein gehaltenen (Druck-) Auslöser und präventiven Maßnahmen, gehören mittlerweile zum Alltag.

Weniger anzutreffen sind offene Diskussionen, wie dediziert mit dem im eigenen Unternehmen vorherrschenden Erfolgs- und Leistungsdruck umzugehen ist, wie er sich über die Jahre aufbauen und sich wie Mehltau über ganze Abteilungen legen konnte. Diesem heißen Eisen widmet man sich ungern und sucht sich lieber Unterstützung von außen, delegiert das heikle Thema. Prominente mit öffentlichkeitswirksam erlebten Drucksituationen oder Grenzerfahrungen referieren im Frontalvortrag, wie sie selbst damit umgegangen sind bzw. sich davon frei machen konnten. Es besteht die irrige Annahme, dass Mitarbeiter auch deren Erfolgsrezepte übernehmen können.

In Burnout-Präventionsprogrammen der Unternehmen ist interessanterweise festzustellen, dass das mittlere Management von der Geschäftsführung als potenziell ebenfalls Betroffene ausgeschlossen zu sein scheint. Wenn es um psychische Überbelastung geht, stehen normale Mitarbeiter im Mittelpunkt der Betrachtung. In Strategiepapieren ist von einem sensiblen Vorgehen gegenüber Mitarbeitern die Rede. So auch bei der Schulung von Betriebsräten, die in einer Seminarbeschreibung als Betroffene ausgeschlossen sind. Als Arbeitnehmervertretung haben Sie die Aufgabe, den Kolleginnen und Kollegen, die unter psychischen Belastungen leiden, zu helfen.

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