Innovationen bei Hansgrohe: Wir haben uns gefragt, was am iPhone so toll ist

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InterviewInnovationen bei Hansgrohe: "Wir haben uns gefragt, was am iPhone so toll ist"

von Kerstin Dämon

Innovationen sollen die Welt auf den Kopf stellen. So wie einst das iPhone. Beim Armaturenhersteller Hansgrohe sind Innovationen bodenständiger. Trotzdem ist Manches aus dem Silicon Valley im Schwarzwald ein alter Hut.

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90 mal 90 Zentimeter Nasszelle war einmal, moderne Duschen sind schon mal 1,20 Meter breit. Hersteller von Badezimmerarmaturen müssen darauf reagieren.

WirtschaftsWoche: Stimmt es, dass Sie und Ihr Team Ihre Produkte unter der Dusche entwickeln?
Jan Heisterhagen: Wir werden fürs Duschen bezahlt. Tatsächlich gehen wir mit dem Team, mit unseren Designpartnern, und sogar mit Kunden in unserem ShowerLab beziehungsweise in der ShowerWorld unter die Dusche. Dort findet ja die Interaktion mit unseren Produkten statt, also haben wir dort die innovationsfördernde Umgebung, die wir brauchen. Wenn wir neue Produkte entwickeln, müssen wir die auch am Körper erleben, um sie beurteilen zu können.

Was lernt man bei so einer Team-Dusche, was für die Produktentwicklung wichtig sein kann?
Männer und Frauen duschen ganz unterschiedlich: Männer duschen in der Regel schnell und gründlich. Sie stehen unter der Brause und waschen sich bei jedem Duschen die Haare.

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Jan Heisterhagen ist Leiter des Produktmanagements bei der Marke Hansgrohe Quelle: Presse

Jan Heisterhagen ist Leiter des Produktmanagements bei Hansgrohe, einem Hersteller sanitärtechnischer Produkte wie Badezimmerarmaturen oder Themostate. Das Unternehmen macht 30 Prozent des Jahresumsatzes mit Neuprodukten, die nicht älter als drei Jahre sind.

Bild: Presse

Frauen fragen sich: Wasche ich meine Haare heute oder morgen? Sie stehen also lieber nicht unter einer festinstallierten Brause, sondern nehmen eine Handbrause. Darauf reagieren wir, in dem wir eine Dusche entwickelt haben, bei der die Strahlen von der Seite kommen und auf Wunsch ein mittiger Strahl hinzugeschaltet werden kann.

Wenn sonst von Innovationen die Rede ist, geht es um disruptive Produkte und Dienstleistungen, die die Welt verändern. Wenn Sie von Innovationen sprechen, geht es um verbesserte Wasserhähne. Ist das noch Design- oder schon Produktinnovation?
Der Kunde denkt erst an Design, wenn es um ganz abstruse Formen geht. Bei uns heißt Design Material, Form und Funktion, die in einem Design-Prozess erdacht und entwickelt werden. Insofern funktioniert Produktinnovation bei uns nicht losgelöst von Designinnovation.

Design-Thinking made in Schwarzwald anstatt made in Silicon Valley?
Wir arbeiten mit interdisziplinären Teams und externen Designern zusammen. Es gibt regelmäßige Meetings, die einen Tag dauern, bei denen Ideen entwickelt werden. Von der Idee bis zum fertigen Prototypen dauert es dann ein paar Tage. Was man jetzt immer aus dem Silicon Valley hört, dass man schnell Prototypen entwickeln und die testen muss, das machen wir schon seit Jahrzehnten.

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Eine 400 Dollar-Saftpresse wird zum Negativ-Symbol des so innovativen Silicon Valley. Investoren hatten 120 Millionen Dollar gegeben - und dann gemerkt: Das Produkt braucht kein Mensch. Das kommt im Valley häufiger vor.

Juicero: Die moderne Saftpresse für fast 400€. Quelle: Presse

Wir müssen die Idee dreidimensional auf dem Tisch liegen haben, um zu sehen, ob die wirklich funktionieren kann. Wenn nicht, verwerfen wir sie wieder. Das ist eine Kultur und eine Stärke, die man lernen muss.

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