Innovationskraft: Deutschen Unternehmen gehen die Ideen aus

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InterviewInnovationskraft: Deutschen Unternehmen gehen die Ideen aus

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Den deutschen Unternehmen gehen die Ideen aus.

von Kerstin Dämon

Ob VW oder Deutsche Bank - die Skandale der letzten Zeit haben laut Thomas Sattelberger vor allem eines gezeigt: Konzerne klammern sich an alte Ideen und alte Seilschaften. Er beklagt: Warum kommen Änderungen immer erst, wenn es in die Hose gegangen ist?

WirtschaftsWoche Online: Herr Sattelberger, Sie sind überzeugt, dass Altherren-Netzwerke in deutschen Unternehmen nicht nur Skandale wie bei VW möglich machen, sondern auch Innovationen verhindern. Nun hat Herbert Diess angekündigt, VW neu aufzustellen und John Cryan stellt die Deutsche Bank auf den Kopf…
Thomas Sattelberger: Was die Deutsche Bank lange gemacht hat und VW jetzt macht, ist Windowdressing.

Also Kosmetik?
Es ist schön, dass Cryan die Deutsche Bank radikal umbaut und Volkswagen jetzt grün werden will, aber warum kommen Unternehmen immer erst auf so etwas, wenn es in die Hose gegangen ist?

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Aber immerhin bewegt sich jetzt etwas…
Zuallererst müssen die Beschäftigten das ausbaden, was jahrelanges Missmanagement angerichtet hat. Es wird auch nicht darüber gesprochen, dass die Folgen der miserablen Führung vergemeinschaftet und zahlreiche Mitarbeiter entlassen werden.

VW hat nach dem Abgas-Skandal eine neue Führungskultur ausgelobt und Innovationen im E-Auto-Bereich versprochen. Also wird es für die Mitarbeiter besser und es gibt neue Produkte.
Deutsche Unternehmen stoßen an ihre Grenzen, was Innovationskraft angeht. Von den Dax 30 steckt das Geschäftsmodell von mindestens 15 in einer großen Krise: Die Autobauer, die Lufthansa, K+S, die Unternehmen aus der Energie- und Finanzbranche…

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Thomas Sattelberger geht mit den deutschen Unternehmen hart ins Gericht.

Aber hierzulande arbeiten doch kluge Köpfe, jedes Jahr kommen Hunderttausende frisch von den Unis…
Wir haben derzeit zwei Bewegungen in Deutschland: Die Hochbegabten, die Nobelpreisverdächtigen wandern aus und gehen in die USA. Viele Mediziner gehen in die Schweiz oder nach Schweden, weil dort die Arbeitsbedingungen und das Gehalt besser sind. Viele Wissenschaftler gehen nach Skandinavien oder die USA, weil dort die Forschungsetats höher sind und sie mehr Freiheit haben. Auf der anderen Seite kommen derzeit sehr viele Menschen zu uns, die gering qualifiziert sind. Die Einwanderung hochqualifizierter Menschen aus Nicht-EU-Ländern findet kaum statt, weil Deutschland kein attraktives Land für diese Talente ist – wir sind kein Talent-Hotspot.

Sie tun ja gerade so, als stünde die deutsche Wirtschaft am Abgrund.
Deutschland ist wie die alte Sowjetunion mit ihren COMECON-Strukturen: Man verlässt sich auf die immer gleichen Zugpferde. Wir sind ein Land der Autos – die jetzt gefragten Bereiche Biotechnologie oder Informations- und Kommunikationstechnik haben wir überhaupt nicht aufgebaut, weil wir ja unsere Autos haben. Aber selbst da sind wir nicht mehr führend. Laut dem Innovationsranking des Center of Automotive Management, sind die drei größten Neuerungen des letzten Jahrzehnts das erste serienmäßige Brennstoffzellenauto von Toyota, das Elektroauto von Tesla und das Hybridauto von Toyota.

Zur Person

  • Thomas Sattelberger

    Sattelberger, 65, zählt zu den renommiertesten Personalexperten Deutschlands. Der Betriebswirt startete 1975 als Personaler bei Daimler-Benz, wechselte 1994 zur Lufthansa, wurde 1999 Vorstand des Passagiergeschäfts. 2003 ging er als Personalvorstand zu Conti, von 2007 bis 2012 in gleicher Funktion zur Deutschen Telekom, wo er mit Einführung der Frauenquote für Aufsehen sorgte. Über die Initiative Neue Qualität der Arbeit und als Vorsitzender der HR Alliance kämpft er für bessere Personalarbeit.

Sie loben Tesla als Innovationsbeispiel. Aber Tesla verdient kein Geld…
Zu sagen, wir setzen auf Wachstum, statt auf rasche Rendite, ist ja so dumm nicht. Man braucht allerdings Investoren, die an Ideen glauben. Wenn Sie sich Amazon anschauen, bekommen die Investoren seit über zehn Jahren keine Rendite und das Unternehmen war auch schon einmal beinahe bankrott. Trotzdem würde heute keiner sagen, dass das Geschäftsmodell eine Luftnummer ist.

In solche Geschäftsideen zu investieren erfordert einigen Mut – und es kann ein sehr teurer Fehler sein.
Mut erfordert Mut. Wer in Innovation investiert, muss wissen, dass das ein sehr unsicheres Geschäft sein kann und man sollte nicht hoffen, damit die schnelle Mark zu machen. Eben Unternehmertum.

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7 Kommentare zu Innovationskraft: Deutschen Unternehmen gehen die Ideen aus

  • Hauptproblem sind wie so oft die Menschen, die bequem sind, Angst vor Veränderung haben oder an Altem festhalten. Die Deutsche Bank wird grün, ach ja. Die GLS Bank gewinnt seit Jahren ca. 2.000 neue Kunden pro Monat! www.gls.de und jetzt erst wachen andere Banken auf. Guten Morgen! Nachhaltigkeit matters (siehe aktuelle Studie: http://www.scopar.de/news-termine/detail/2015-studie-nachhaltigkeit/) – aber dies ist nur ein Stichwort.

    Es gibt zu viele Menschen die wissen, wie etwas nicht geht und diejenigen stören, die es bereits tun. Innovation bedeutet neue Wege zu denken und zu gehen - und das bedarf der permanenten Reflektion. Innovation Hunting im Unternehmen zu etablieren ist ein möglicher Weg setzt genau hier an. Viele Ideen existieren doch bereits, diese gilt es neu zu entdecken und umzusetzen.
    http://www.scopar.de/fileadmin/media/download/Strategie-Beratung/S-IHM-Innovation-Hunting-Methode-Beratung.pdf

    Und VW und Co setzten jetzt aus Unternehmenskultur? Nochmal guten Morgen! Aktuell im Manager Magazin der Tipp des Japanischen Milliardärs Kazuo Inamori zu lesen: "Wenn Sie Eier wollen, kümmern Sie sich um die Henne … seine wichtigste Maxime in der Unternehmensführung: Entscheidend ist nicht das Wohl der Kunden oder der Investoren, sondern das Wohl der Mitarbeiter, so Inamoris Überzeugung.“ Zitatende.

    Hier mein Buchtipp: http://www.amazon.de/Kaleidoskop-Scherben-Ein-ungewöhnlicher-Wirtschaftsthriller/dp/3981656504

  • Wie wahr. Ich bin selbst jemand der innovativ sein wollte, ein Recyclingkonzept für einen Automobilzulieferer, als Recycling noch nicht wirklich „in Mode „ war, Beschäftigung mit Solarenergie, als damals alle darüber lächelten, da wir so günstige Energie aus fossilen Brennstoffen beziehen und letztlich ein Sicherheitssystem für Flugzeuge und Züge, die vor Unbefugten Eingriffen schützen kann und damit das Reisen deutlich sicherer machen würde. Auch ich verzweifle manchmal an diesem deutschen System der Undurchlässigkeit und alterhergebrachten Strukturen, an welchen teilweise krampfhaft festgehalten wird.

    Das vordergründigen Killerargumente sind stets die Kosten der Veränderungen und die momentane unzureichende Wirtschaftlichkeit bzw. die ungewissen Aussichten auf Erfolg. Hintergründig spielen oft persönliche Befindlichkeiten eine große Rolle „not invented by me“ und daher darf nicht sein was nicht sein kann.

    Als praktizierende Querdenkerin habe ich auch außerdem leider diese richtigerweise geforderten „Schutzräume“ nie gehabt und das System hat „zurückgeschlagen“.

    Seilschaften sind sehr robuste Verbindungen, die der unverbrüchliche Wille zu Geld und Macht zusammenhält. Wir sollten über ihren Ursprung nachdenken, der einerseits in einem Wirtschaftssystem des kontinuierlichen Mengenwachstums liegt und damit in einem ständigen Leistungs- und Kreativzwang und andererseits in der menschlichen Angst, die bekanntlich hinderlich hinsichtlich Innovationen ist. Daher glaube ich auch, dass Änderungen in diesem Unternehmenssystem zwar sehr wünschenswert und notwendig, aber schwer sein werden.

  • Ich sehe das ähnlich. Der gut gemeinte Versuch, der Politiker, die Industrie - und damit Beschäftigung - zu stützen geht manchmal in die falsche Richtung, etwas zu weit oder wird einfach zu lange verfolgt. Im Endeffekt ist das innovationshemmend und schadet unserer Wirtschaft und damit auch uns allen. Als Beispiel wäre da auch noch die Atom-Austiegs-Austiegskampagne "Energiezukunft Deutschland" zu nennen, die 2010 mit einem großen Medienrummel und dem "Energiepolitischer Appel" zunächst "erfolgreich" PR für fossile Energieträger betrieb und damit den nötigen Druck auf die Politiker ausübte, das Rad der Geschichte in der Energiepolitik wieder ein Stück zurückzudrehen. Als wolle die Natur uns den Kopf wieder zurechtrücken, flog ein Jahr später die Atomanlage von Fukushima in die Luft mit den bekannten Konsequenzen, die die Bundesregierung daraus zog. E.ON und RWE - Repräsentanten der konventionellen Energieerzeugung - haben seitdem mehr als die Hälfte ihres Börsenwertes verloren während der DAX im gleichen Zeitraum knapp 50% zulegte.

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