Bild: dpaIn medias res
Statt sein Publikum damit zu langweilen, alle anwesenden B- und C-Promis ausführlich zu begrüßen, beschränkt Clinton das Protokoll auf einen 2-Wort-Hinweis an den Bürgermeister der Gastgeberstadt Charlotte („Mr. Mayor“), und legt dann direkt mit dem Anliegen seines Auftritts los.
Bild: dpaInhalt und Form stimmen überein
Clinton hebt beide Hände, wenn er sagt: „I want to nominate a man who's cool on the outside — (Applaus) — but who burns for America on the inside.“ (Applaus). Das zeigt: Inhalt, Gestik und Körperausdruck sind stimmig. Die Gesten sind ausladend, deutlich und geplant - aber man sieht ihnen das nicht an. Das Zusammenspiel der drei Ebenen wirkt authentisch, das kommt beim Publikum an. Und er hält das 50 Minuten lang durch.
Bild: dpaInhalt und Form in einem guten Verhältnis
Clinton startet mit einem fast inhaltsleeren Anfang in großer Höhe („We ´re here to nominate a president“ – And I've got one in mind”) - und kombiniert das später geschickt mit einem Griff nach unten in die Ebene der Fakten: Republikaner schafften in 28 Jahren 24 Millionen private Jobs - Demokraten in 24 Jahren 42 Millionen.
Bild: dpaMit Augenzwinkern
Leichtigkeit begleitet Clintons gesamte Rede – nicht nur in seinen Witzen: Etwa, als er sich über die „selfmade man“-Ideologie der Republikaner mokiert: „… wants every voter to believe he was born in a log cabin he built himself.“
Bild: dpaKlare Gegensätze aufbauen
Clinton verbindet etwas, was nicht auf den ersten Blick passt – im Affront gegen die Republikaner (Erfolg des Einzelnen): Er verknüpft Wachstum und Kooperation aller: „… poverty, discrimination and ignorance restrict growth. (Applaus.) When you stifle human potential, when you don't invest in new ideas, it doesn't just cut off the people who are affected; it hurts us all. (Cheers, Applaus.) We know that investments in education and infrastructure and scientific and technological research increase growth.”
Und er schafft zum Schluss dieser eher abstrakten, intellektuell anspruchsvollen Sequenz wieder die Kurve zur persönlichen Betroffenheit des Publikums:
„They increase good jobs, and they create new wealth for all the rest of us.” (Applaus)
Bild: dpaÜben, üben, üben
Gelungene Auftritte sind in der Regel Ergebnis intensiver Vorarbeit – auch Clinton hat seinen Auftritt ausführlich geprobt: In dieser Qualität kann niemand einen Text schreiben lassen und diesen dann irgendwie ablesen. Stand, Bewegung und Tempo, Pausen, das alles passt. Weil er Talent als Redner hat – und seit Jahrzehnten mit einem Coach arbeitet.
Bild: dpaIm richtigen Film
Clinton erfasst die Situation, wartet ab, wenn Reaktionen sich ankündigen. Er nimmt das Publikum mit auf seine Reise, er spürt die Stimmung der Zuhörer, er variiert das Tempo, setzt Pausen zur rechten Zeit. Und wartet, wenn das Publikum applaudiert.
Bild: dpaPerformance statt bloßer Text
Clinton liest den Text zwar weitgehend vom Teleprompter ab. Aber man bekommt nicht den Eindruck, dass er stur auf den Bildschirm starrt. Clinton ist, auch dank technischer Unterstützung, einerseits textsicher, hält aber andererseits dennoch den Kontakt zum Publikum – und darauf kommt es an.
Bild: dpaPublikum ins Boot holen
Clinton beschränkt sich nicht darauf, zentrale Aussagen seiner Rede einfach nur zu behaupten, sie seinem Publikum gewissermaßen ohne Möglichkeit zum Widerspruch vor die Füße zu schleudern. Wenn ihm eine Aussage wichtig ist, schließt er das Publikum ein in seine Gedanken – das sichert Zustimmung, weil es Komplizenschaft suggeriert.
„I want to nominate a man who's cool on the outside — (Cheers, Applaus) — but who burns for America on the inside.” Oder: “So — now, we all know that Governor Romney opposed the plan to save GM and Chrysler ...”
Bild: dpaWenige Thesen
Clinton überfrachtet seine Rede nicht mit komplizierten Zusammenhängen, er beschränkt sich auf wenige Thesen. Er spricht vor allem über die Notwendigkeit von Kooperation: („One of the main reasons we ought to re-elect President Obama is that he is still committed to constructive cooperation.”). Und weiß genau, an wen er sich mit seinen Appellen richtet: an die „Middle class“, die er allein neun Mal anspricht.
In medias res
Statt sein Publikum damit zu langweilen, alle anwesenden B- und C-Promis ausführlich zu begrüßen, beschränkt Clinton das Protokoll auf einen 2-Wort-Hinweis an den Bürgermeister der Gastgeberstadt Charlotte („Mr. Mayor“), und legt dann direkt mit dem Anliegen seines Auftritts los.
WirtschaftsWoche: Herr Wachtel, alle Welt schwärmt von der Rede, mit der Ex-US-Präsident Bill Clinton auf dem Parteitag die Demokraten auf Barack Obama eingeschworen hat. War die Rede wirklich so toll?
Wachtel: Immer wenn es heißt: ‚Super Rede!’ denke ich: Da stimmt etwas nicht – einen Makel findet man immer. Hier nicht. Auch mit seinen 70 Jahren gehört Clinton immer noch zu den besten Rednern der Welt. Mit diesem Vortrag hat er es wieder einmal bewiesen – seine Hymne auf Obama gehört definitiv in die Oberklasse.
Warum?
Auftritt und Inhalt passten zusammen wie aus einem Guss. Clinton und seine Redenschreiber mischen Kategorisches und Faktisches im richtigen Verhältnis. Und sie schaffen den Zugang zum Publikum, indem sie die Gefühle der Zuhörer, ja des gesamten Volkes ansprechen. Clinton spricht kaum von sich selbst – tut er es doch, dann nur im Modus des Understatements. Er konzentriert sich darauf, was seine Zuhörer bewegt.
Man könnte auch sagen: Er redet dem Zuhörer mit einfachen Appellen nach dem Mund …
Das ist wieder dieses typisch deutsche Klischee: Wer gut redet, ist unredlich, kann inhaltlich nicht tiefgründig, nicht glaubwürdig sein. Das ist Quatsch! Von einem richtigen Quantum an Allgemeinplätzen lebt ein Vortrag. Damit kann sich jeder Zuhörer identifizieren, sie sind der nötige Schmierstoff jeder Rede, erlauben dem Publikum, zwischen harten Fakten durchzuatmen und sich mit dem Redner zu solidarisieren. Damit signalisiert er ihnen: Dieser Mann versteht uns, er redet für uns, er will etwas für uns erreichen. Das gibt seinem Publikum ein gutes Gefühl. Da hört man einfach lieber zu, und das hat wiederum positiven Einfluss auf die Glaubwürdigkeit eines Redners.
Bild: REUTERSNach den dümmsten denglischen Bürosprüchen - hier nun eine Aufstellung der schönsten Floskeln, mit denen sich klare Aussagen so wunderbar verschleiern lassen:
Nice-to have
Der Betrieb muss sparen und der Chef streicht deshalb unnötige Kosten zusammen. Dazu gehören beispielsweise der luxuriöse Dienstwagen, das Reisebudget oder das Zeitungsabonnement. Statt "Wir müssen sparen", heißt es auf Denglisch: "Wir gehen nochmal an die Nice-to-have-Kosten ran."
Bild: gmsCache
Zugegeben, ein adäquates deutsches Wort für Cache fällt uns auch nicht ein. Puffer-Speicher? Kurzfristspeicher? Egal. Der gut gemeinte Rat eines jeden mit Halbwissen gesegneten PC-Nutzers an seine Kollegen lautet: "Wenn's nicht mehr geht, dann musst Du halt mal den Cache leeren." Alles klar?
Bild: FotoliaVerdealt
Für den folgenden Satz gibt es gleich zwei Lesarten: "hinter verschlossenen Türen verdealt" könnte einen heimlich vollzogenen Tausch meinen, beispielsweise beim Telekommunikationsgesetz, bei dem die Koalition den Datenschutz gegen das Recht auf Breitband verdealt hat.
Alternativ beschreibt es, dass sich die Führungsriege wochen- und monatelang jedes Wochenende irgendwo einquartiert und wichtige Gespräche mit Kunden, Zulieferern und Partnern geführt hat - mit dem Resultat, dass sich das Unternehmen verzockt - also verdealt - hat.
Dafür, dass es keine eindeutige Definition des Begriffes zu geben scheint, taucht er jedenfalls ganz schön oft auf.
Bild: APWork in progress
"Na, wie weit seid ihr mit dem Projekt?", fragt der Chef. Früher wäre die Antwort vielleicht gewesen: "Wir sind noch nicht fertig, aber schaffen es bis Freitag" oder auch "so gut wie durch, den Abgabetermin können wir halten - oder auch nicht". Heute heißt es vielerorts: "Es ist noch work in progress".
Bild: dapdSave the date
Bei der Besprechung verkündet der Teamleiter, wann der Kunde vorbei kommt, um erste Entwürfe zu sehen? Der Chef schickt eine Rundmail, wann die Betriebsfeier stattfindet oder die Sekretärin erinnert an die Abgabefrist der Spesenabrechnungen? Man könnte schreiben: "Denk dran, am Montag, den 16. Juli ist Abgabe, schreib's dir besser auf." Doch die englische Variante klingt deutlich hipper und wichtiger - also "Save the date".
Bild: REUTERSHot fix
Das Programm macht Zicken und bei der IT-Abteilung häufen sich die Beschwerden, weil nichts richtig geht. Statt dem erlösenden Anruf: "Alles klar, Problem behoben, ihr könnt weiter arbeiten", heißt es jetzt: "Ich habe das mal schnell gefixt" – oder eben: "Wir haben einen Hot Fix gemacht."
Bild: dpaCoffee to..
Den Coffee to go kennt man ja mittlerweile. Neu ist der Coffee to talk. Der wird bei halboffiziellen Veranstaltungen im Unternehmen gereicht und hieß früher einmal Kaffeerunde oder auch "Der Chef lädt zum Kaffee ein und gibt dabei einen kleinen Jahresrückblick". Jetzt eben: "Das Management bittet zum Coffee to talk."
Bild: dpaSabbatical
Der Kollege nimmt sich eine sechsmonatige Auszeit? Der Chef pilgert künftig über den Jakobsweg und auch Sie sind reif für extralange Ferien? Vielleicht nehmen Sie sich dann ein Sabbatical und machen in der Zeit einen Tauchschein, sammeln Strandgut oder wonach Ihnen sonst so der Sinn steht.
Bild: picture-alliance / Denkou ImagesPitchen
Sie wollen jemandem etwas verkaufen: Eine Idee, eine Dienstleistung oder ein Produkt? Dann steht wohl ein Verkaufsgespräch an - neudeutsch: Pitch. Die "Speed-Version" davon wäre der Elevator-Pitch, bei dem Sie Ihren Kunden während einer kurzen Fahrstuhlfahrt - sagen wir mal 30 Sekunden lang - Ihre Idee schmackhaft machen müssen. Mit diesem Wissen ausgestattet, können Sie ja jetzt ihre Kunden oder Geldgeber pitchen gehen.
Bild: FotoliaDowntime der Preview
Über den folgenden Satz musste auch die Redaktion erst einmal gründlich nachdenken: "Aufgrund von Optimierungen im Backend ist keine Downtime der Preview mehr nötig!" Wir wagen eine vorsichtige Annäherung, was das wohl heißen könnte: Weil das Programm verbessert wurde (das auf dem Server, das auf dem Client wäre ja das Front-End), muss die Vorschaufunktion nicht mehr zwischendurch abgeschaltet werden. Oder so ähnlich.
Nach den dümmsten denglischen Bürosprüchen - hier nun eine Aufstellung der schönsten Floskeln, mit denen sich klare Aussagen so wunderbar verschleiern lassen:
Nice-to have
Der Betrieb muss sparen und der Chef streicht deshalb unnötige Kosten zusammen. Dazu gehören beispielsweise der luxuriöse Dienstwagen, das Reisebudget oder das Zeitungsabonnement. Statt "Wir müssen sparen", heißt es auf Denglisch: "Wir gehen nochmal an die Nice-to-have-Kosten ran."
Um Clintons Glaubwürdigkeit stand es während seiner Amtszeit aber bekanntlich nicht immer zum besten.
Clinton hat sich während seiner Amtszeit in der Tat mehrfach Fauxpas geleistet, für die jeder Filialleiter rausgeflogen wäre. Genau das zeigt doch, dass Glaubwürdigkeit im engeren Sinn kein Selbstzweck ist. Es kommt darauf an, wie gut man eine Sache – und damit sich selbst – verkauft.
Heiße Luft statt harter Fakten – ist es das, was eine gute Rede ausmacht?
Was heißt heiße Luft? Natürlich darf ein guter Redner nicht Tatsachen verdrehen. Aber Fakt ist: In den USA und auch in Großbritannien hat sich einfach eine andere Rednerkultur entwickelt. Dort werden von Rednern professionelle Auftritte erwartet – und dazu zählt eben auch: Du sollst unterhaltsam sein. Da können sich viele Deutsche noch etwas abschauen ohne gleich Gefahr zu laufen, zum Kasper zu mutieren.
Worin unterscheiden sich die Reden amerikanischer von den Reden deutscher Politiker oder Manager?
„Schreiben fürs Hören“ ist für Angelsachsen ein Muss: Die Clinton-Rede etwa ist kein reiner Schrifttext, sondern ein guter Wechsel aus kurzen und langen Sätzen. Und selbst wenn die Sätze grammatikalisch etwas komplexer werden, spricht Clinton in kurzen Sinn-Schritten. Das schafft kaum ein deutscher Redenschreiber.
Woher kommt diese Blockade?
Das fängt schon in der Schule an, die den Zwang zur Korrektheit und Vollständigkeit vermittelt. Da wird eher darauf geachtet, ob die Kinder in ganzen Sätzen antworten und nicht, ob sie mit der Art, wie sie etwas sagen, Wirkung erzielen. An der Universität setzt sich das fort. Korrekte, vollständige Informationen, aufbereitet auf selbsterklärenden Charts – schön und gut. Aber ohne die richtige Performance bleibt beim Zuhörer davon nichts hängen.




















