Interview: "Clinton gehört zu den besten Rednern der Welt"

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Interview: "Clinton gehört zu den besten Rednern der Welt"

von Manfred Engeser

Der Coach Stefan Wachtel erklärt, warum Bill Clintons Lobeshymne auf Barack Obama auf dem Parteitag der Demokraten seine Zuhörer so begeistert hat.

WirtschaftsWoche: Herr Wachtel, alle Welt schwärmt von der Rede, mit der Ex-US-Präsident Bill Clinton auf dem Parteitag die Demokraten auf Barack Obama eingeschworen hat. War die Rede wirklich so toll?

Wachtel: Immer wenn es heißt: ‚Super Rede!’ denke ich: Da stimmt etwas nicht – einen Makel findet man immer. Hier nicht. Auch mit seinen 70 Jahren gehört Clinton immer noch zu den besten Rednern der Welt. Mit diesem Vortrag hat er es wieder einmal bewiesen – seine Hymne auf Obama gehört definitiv in die Oberklasse.

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Warum?

Auftritt und Inhalt passten zusammen wie aus einem Guss. Clinton und seine Redenschreiber mischen Kategorisches und Faktisches im richtigen Verhältnis. Und sie schaffen den Zugang zum Publikum, indem sie die Gefühle der Zuhörer, ja des gesamten Volkes ansprechen. Clinton spricht kaum von sich selbst – tut er es doch, dann nur im Modus des Understatements. Er konzentriert sich darauf, was seine Zuhörer bewegt.

Man könnte auch sagen: Er redet dem Zuhörer mit einfachen Appellen nach dem Mund …

Das ist wieder dieses typisch deutsche Klischee: Wer gut redet, ist unredlich, kann inhaltlich nicht tiefgründig, nicht glaubwürdig sein. Das ist Quatsch! Von einem richtigen Quantum an Allgemeinplätzen lebt ein Vortrag. Damit kann sich jeder Zuhörer identifizieren, sie sind der nötige Schmierstoff jeder Rede, erlauben dem Publikum, zwischen harten Fakten durchzuatmen und sich mit dem Redner zu solidarisieren. Damit signalisiert er ihnen: Dieser Mann versteht uns, er redet für uns, er will etwas für uns erreichen. Das gibt seinem Publikum ein gutes Gefühl. Da hört man einfach lieber zu, und das hat wiederum positiven Einfluss auf die Glaubwürdigkeit eines Redners.

Um Clintons Glaubwürdigkeit stand es während seiner Amtszeit aber bekanntlich nicht immer zum besten.

Clinton hat sich während seiner Amtszeit in der Tat mehrfach Fauxpas geleistet, für die jeder Filialleiter rausgeflogen wäre. Genau das zeigt doch, dass Glaubwürdigkeit im engeren Sinn kein Selbstzweck ist. Es kommt darauf an, wie gut man eine Sache – und damit sich selbst – verkauft.

Heiße Luft statt harter Fakten – ist es das, was eine gute Rede ausmacht?

Was heißt heiße Luft? Natürlich darf ein guter Redner nicht Tatsachen verdrehen. Aber Fakt ist: In den USA und auch in Großbritannien hat sich einfach eine andere Rednerkultur entwickelt. Dort werden von Rednern professionelle Auftritte erwartet – und dazu zählt eben auch: Du sollst unterhaltsam sein. Da können sich viele Deutsche noch etwas abschauen ohne gleich Gefahr zu laufen, zum Kasper zu mutieren.

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Worin unterscheiden sich die Reden amerikanischer von den Reden deutscher Politiker oder Manager?

„Schreiben fürs Hören“ ist für Angelsachsen ein Muss: Die Clinton-Rede etwa ist kein reiner Schrifttext, sondern ein guter Wechsel aus kurzen und langen Sätzen. Und selbst wenn die Sätze grammatikalisch etwas komplexer werden, spricht Clinton in kurzen Sinn-Schritten. Das schafft kaum ein deutscher Redenschreiber.

Woher kommt diese Blockade?

Das fängt schon in der Schule an, die den Zwang zur Korrektheit und Vollständigkeit vermittelt. Da wird eher darauf geachtet, ob die Kinder in ganzen Sätzen antworten und nicht, ob sie mit der Art, wie sie etwas sagen, Wirkung erzielen. An der Universität setzt sich das fort. Korrekte, vollständige Informationen, aufbereitet auf selbsterklärenden Charts – schön und gut. Aber ohne die richtige Performance bleibt beim Zuhörer davon nichts hängen.

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