Kampf dem Fachkräftemangel: Mittelstand setzt auf Weiterbildung

Kampf dem Fachkräftemangel: Mittelstand setzt auf Weiterbildung

Bild vergrößern

Mittelständler wollen mit Weiterbildung dem Fachkräftemangel Herr werden.

Dass der Fachkräftemangel nicht nur eine Phrase ist, zeigt der Blick in die Arbeitsmarktstatistik: Der Mittelstand hat heute schon Probleme - und entsprechend Angst vor Morgen. Die Lösung? Aus- und Weiterbildung.

Mittelständischen Unternehmen bereitet das böse F-Wort Sorgen: Der Fachkräftemangel ist bis 2020 die größte Baustelle für Betriebe. Das zeigt eine Befragung von 300 Unternehmen von Hoyck Management Consultants, dem Softwarenanbieter CornerstoneOnDemand und dem Fachverlag Frankfurt Business Media. Dass der Fachkräftemangel kein reines Modewort oder ein Zeichen schlechter Personalarbeit der befragten Betriebe ist, verrät ein Blick in die Arbeitsmarktstatistik:

325.700 offene Stellen im Juni - in den Top 8 Handwerksberufen

Gesucht werden Leute aus Verkehrs- und Logistikberufen – allein im Juni 2016 gab es in dieser Branche 44.800 offene Stellen. Und das sind nur die, die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wurden.
Außerdem suchen die deutschen Logistik- und Speditionsunternehmen mehr als 37.000 Kraftfahrer, die ihre Güter zum Kunden bringen. Es fehlten 44.100 Metallbauer, mehr als 43.000 Experten aus dem Bereich Mechatronik-, Energie- und Elektrotechnik und mehr als 42.000 Maschinen- und Fahrzeugtechniker. Wer Einzelhandelskaufmann oder –frau ist, hatte allein im Juni 43.000 offene Stellen zur Auswahl, in der Altenpflege, dem Friseurhandwerk waren 38.600 Stellen unbesetzt, außerdem hätten die deutschen Unternehmen in Juni gerne noch 33.200 Medizintechniker angestellt. Wenn sich denn welche beworben hätten.

Anzeige

Konkret haben die Unternehmen zwei Probleme:

  1. Sie können offene Stellen nicht besetzen.
  2. Die Mitarbeiter, die sie haben, gehen zu großen Teilen demnächst in Rente – und nehmen ihr Know-how mit in den heimischen Kräutergarten.

Schon jetzt versuchen die Befragten, dem Mangel Herr zu werden, indem sie mit Unis und Fachhochschulen kooperieren und so Absolventen für sich begeistern. Außerdem konzentrieren sie sich auf individuelle Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen und besetzen vakante Stellen vermehrt mit Leuten aus den eigenen Reihen. Dafür hat mehr als ein Drittel der Betriebe das hauseigene Talentmanagement, also das Identifizieren und Entwickeln geeigneter Mitarbeiter, zur Chefsache erklärt. Trotzdem reicht es nicht.


Laut der besagten Umfrage wollen die Mittelständler dem Problem mittelfristig auf drei Arten begegnen:

• 19,7 Prozent der Befragten wollen sich – zumindest im Bezug auf den Führungskräftemangel – auf internationales Recruiting verlegen,
• 16,3 Prozent wollen ihren Fachkräftemangel decken, indem sie geringqualifizierte Arbeitskräften weiterbilden,
• 14,3 Prozent wollen Headhunter ins Boot holen, die nach geeigneten Leuten Ausschau halten,
• etwa jedes 20. Unternehmen will gezielt Flüchtlinge ausbilden.


Wie wichtig die Betriebe die Themen Aus- und Weiterbildung sowie Recruiting nehmen, zeigt der Investitionsplan der Befragten: 43,7 Prozent der Unternehmen wollen einen Großteil ihres Budgets in die Aus- und Weiterbildung investieren. Insbesondere kleinere und mittlere Betriebe mit 400 bis unter 5000 Mitarbeitern geben an, dass sie gerade dort investieren wollen.

So bilden Unternehmen Mitarbeiter weiter

  • Externe Seminare

    Zur Fortbildung von Beschäftigten nutzen die meisten Unternehmen laut Umfrage externe Seminare – und zwar 43 Prozent.

    Der Branchenverband Bitkom hat mehr als 500 Unternehmen ab zehn Mitarbeitern befragt, wie sie ihre Beschäftigten schulen.

  • In-House-Seminare mit externen Referenten

    Vier von zehn befragten Unternehmen laden regelmäßig externe Referenten in den Betrieb ein, damit sie die Mitarbeiter schulen.

  • Webbasierte Lernprogramme

    Unter den digitalen Weiterbildungsmöglichkeiten werden webbasierte Lernprogramme laut Erhebung am häufigsten eingesetzt: 36 Prozent der Unternehmen gaben an, diese zu nutzen.

  • PC-Lernprogramme

    Fast jedes vierte Unternehmen (24 Prozent) schult laut Umfrage mit Hilfe von Lernprogrammen, die auf dem Computer installiert werden.

  • In-House-Seminare mit eigenen Mitarbeitern

    Jedes fünfte Unternehmen gab an, Angestellten Seminare im eigenen Haus anzubieten, bei denen sie von anderen Mitarbeitern geschult werden.

  • Interaktive Videos

    Um ihre Mitarbeiter zu schulen, zeigen zwölf Prozent der befragten Unternehmen regelmäßig interaktive Videos.

Jeweils 23,3 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, besonders stark in die Gewinnung neuer Mitarbeiter beziehungsweise in den Ausbau der IT investieren zu wollen.

Dass das der richtige Weg ist, bestätigen zahlreiche Experten. So heißt es in Bezug auf Weiterbildung beispielsweise beim Institut der Deutschen Wirtschaft: „Künftig muss die Wirtschaft mit zunehmenden Fachkräfteengpässen rechnen – und das erfordert noch mehr Engagement.“

Und Sanjay Dholakia, Marketingchef bei dem US-Softwareanbieter Marketo, sagt: "Anstatt Ressourcen mit der Suche nach externen Genies zu verschwenden, von denen es gar nicht genug für alle geben kann, sollte man lieber seine eigenen Leute weiterentwickeln und fördern."

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%